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BEETHOVEN: Klaviersonate Nr. 29 B-Dur "Hammerklavier"

Ludwig van Beethoven
Lebensdaten: 16. Dezember 1770 Bonn - 26. März 1827 Wien
Werk: Klaviersonate Nr. 29 B-Dur, op. 106 "Hammerklavier"
Epoche: Klassik/Romantik
Entstehungszeit: 1817-18
Besetzung: Klavier
Aufführungsdauer: ca. 38 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Scherzo. Assai vivace - Presto
  3. Adagio sostenuto. Appassionato e con molto sentimento
  4. Largo - Allegro risoluto
Der Begriff "Hammerklavier" legt ein Schlagen auf die Tastatur nahe. Beethovens "Hammerklavier-Sonate" mag zwar ihre perkussiven Momente haben, der Titel bezieht sich allerdings lediglich auf eine alte Bezeichnung für das Instrument. In anderen Worten präzisierte der Komponist lediglich, dass dieses Werk unter allen Umständen auf einem modernen Klavier mit gehämmerten Saiten zu spielen und das alte Cembalo mit gezupften Saiten keine Option sei. Tatsächlich trugen alle von Beethovens letzten fünf Klaviersonaten diese Angabe, sie wurde allerdings nur zum Beinamen des gewaltigen Opus 106. Der erste Satz, Allegro, bricht mit einem heroischen Ausruf herein, einer Reihe aus großen, staccato zu spielenden Akkorden im Stile einer Barock-Ouvertüre. Schon bald unternehmen leichte Kaskaden an Tönen den Versuch einer Auflösung zu einer schönen Spieluhr-artigen Phrase, bevor erneut die Anfangsakkorde heraufbeschwört werden. Beethoven legt sein Grundmaterial für diesen großen Satz in grade einmal den ersten, wenigen Minuten offen. Fast unmittelbar durchläuft er alles erneut mit größerer harmonischer Verschiebung. Was folgt ist eine kontrapunktische Behandlung der Anfangsthemas, die kolossale Fuge prophezeiend, die die Sonate beenden wird. Beethovens weitere Entwicklung seiner Motive durchläuft Episoden, die abwechselnd sprudelnd und pochend sind, punktiert von einem zunehmend furchteinflößenden Auftreten jener Anfangsakkorde. Zur Hälfte der Reprise löst sich dieser harmonische Rahmen auf und die Musik landet in der entfernten Tonart h-Moll. Die Sonate benötigt eine weitere halbe Stunde, um sich von diesem Schock zu erholen. Das folgende Scherzo ist eine Miniatur: mit einer Jagdrufphrase beginnend fällt es in ein Trio in der Art eines Whirlpools in Moll, dessen Effekt der A-Teil bei seiner Rückkehr nicht ganz abschütteln kann. Der gewaltige langsame Satz, Adagio sostenuto, treibt durch einen Dunst aus harmonischer Instabilität. Beethoven nennt ihn Appassionato e con molto sentimento und verlangt eine intensive emotionale Verbindung zwischen dem Pianisten und der Partitur. Die Themen, wie so oft der Fall in Beethovens späten langsamen Sätzen, leiden unter verschwommenen Umrissen; anstatt einer Melodie zu folgen, erhält man den Eindruck tiefen Stillstands, wenigen Momenten von fließender, aber zielloser Bewegung und erneutem Stillstand und so weiter. Beethoven wechselt behutsam zwischen voller klingenden Teilen und Passagen, die mit una corda bezeichnet wurden, was die Nutzung des Dämpferpedals anzeigt, um schemenhafte, entfernte musikalische Szenen zu erzeugen. Obwohl der Satz offiziell in fis-Moll steht wandert die Musik durch die Tonarten und bringt auch die sekundäre Idee D-Dur unter. Dies ist die Tonart, die Beethoven üblicherweise für religiöse Gefühle reservierte und hier deutet sie die Möglichkeit spiritueller Erleuchtung selbst unter kompliziertester Umstände an. Der letzte Satz erwächst aus einem Largo, einer allmählichen Rückkehr zum Leben, das langsam fragmentarische Phrasen zusammenfügt, bevor er in eine dramatische, dreistimmige Fuge ausbricht. Frühere Generationen von Pianisten lehnten die Fuge als unspielbar ab (nicht nur aufgrund des Tempos), das ist aber eindeutig eine unfaire Beurteilung. Der Kontrapunkt mag zwar außerordentlich komplex sein, aber Beethovens Meisterung der Struktur ist vorzüglich. Bisweilen ist die Musik dicht und wütend und droht (zwei Mal) sogar an sich in zornige Triller aufzulösen. Ungleichmäßig dünnt sich die Vorwärtsbewegung aus und entspannt sich leicht, ohne jedoch wirklich zu erschlaffen. Als die Fuge plötzlich zu einem ruhigen, meditativen Kanon wird, ist der Kontrast beeindruckend. Nichtsdestoweniger gewinnt sie den ursprünglichen Impuls zurück und der Satz endet mit einer imposanten Reihe an großen, nachhallenden Akkorden.

(c) James Reel

Kaufempfehlung:
Wladimir Aschkenasi (Klavier)
Label: Decca, ADD, 1973-81
YouTube:
Alfred Brendel (Klavier)

HAYDN: Trompetenkonzert Es-Dur

Joseph Haydn
Lebensdaten: 31. März 1732 Rohrau (Österreich) - 31. Mai 1809 Wien
Werk: Trompetenkonzert Es-Dur, Hob.VIIe:1
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1796
Besetzung: Trompete und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 15 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Andante
  3. Finale. Allegro

Dieses Werk ist ein Favorit des Trompetenrepertoires und vielleicht Haydns bekanntestes Konzert. Es wurde 1796 komponiert, während der Komponist gerade noch an der Schöpfung arbeitete. In den finalen Jahren seiner Laufbahn schien Haydn große Chorwerke gegenüber Instrumentalstücken zu präferieren, aber eine Anfrage für ein Konzert durch Anton Weidinger, dem Trompeter im Wiener Hoforchester, reizte ihn. Die klappenlosen Trompeten seiner Zeit konnten nur Töne spielen, die von einer Grundtonart und deren verwandten Harmoniereihen ausgingen und so neigte die Trompetenmusik dazu melodisch limitiert zu sein. Weidinger erfand eine Klappentrompete nach dem Vorbild eines Holzblasinstruments; mit in den Klangkörper gebohrten Löchern konnte der Musiker die Töne mühelos in Halbtonschritten erhöhen, was sie dazu befähigte chromatische Skalen zu spielen. Die moderne Trompete wurde seit Weidingers Zeit noch einmal stark verfeinert, aber das Prinzip blieb das Gleiche. Weidinger spielte das Konzert öffentlich nicht vor dem Jahr 1800. In nur einer einzigen Kopie des Manuskrips erhalten wurde dieses außergewöhnliche Werk erst 1929 erneut gespielt.

Vorzüglich orchestriert ergründet Haydns Konzert vollstänig die neuen technischen Fähigkeiten der Trompete. Das beginnende Allegro ist festlich und glänzend, dabei führt das Orchester in die Hauptthemen ein, bevor sie vom Solisten übernommen werden. Es gibt ein Motiv, das zunächst ansteigt und im Anschluss dem Trompeter erlaubt seinen neuen Tonvorrat in den tiefen Stimmlagen darzustellen. Dieses Motiv entwickelt sich zu einem fanfarenartigen Thema, das der Solist mit effektiven Trillern und anderen Verzierungen bereichert. Die Durchführung verlangt vom Trompeter in verschiedenen Tonarten zu spielen, was auf einer klappenlosen Trompete unmöglich gewesen wäre. Mit einer lieblichen, umfangreichen Melodie im Siciliano-Stil beginnend, entühllt der zweite Satz das gesamte lyrische und expressive Potenzial der neuen Trompete. Zusätzlich zeigt dieser Satz, der die vollendete melodische Kunstfertigkeit von Haydns Spätwerken veranschaulicht, die Möglichkeiten des Instruments auf mühelos von Tonart zu Tonart zu modulieren. In einer Rondoform geschrieben, beginnt das abschließende Allegro mit einem kantigen, fanfarenartigen Thema und fährt mit Material fort, das die Geschicklichkeit des Solisten im Spielen von Trillern und anderen technischen Effekten verlangt. Nach einer präzisen, knappen Durchführung, die hauptsächlich das wichtigste thematische Material umkehrt, führt eine Reprise den Trompeter in eine höhere, hellere Tessitur. Als geistreiche Kombination aus technischer Brillanz und musikalischem Elan endet der dritte Satz mit einer gleißenden, feierlichen Coda.

(c) James Reel

Kaufempfehlung:
Mark Bennett (Trompete), The English Concert, dir. Trevor Pinnock
Label: DGG, DDD, 1991/1985
YouTube:
Wynton Marsalis (Trompete), Boston Pops Orchestra, dir. John Williams

HAYDN: Sinfonie Nr. 104 D-Dur

Joseph Haydn
Lebensdaten: 31. März 1732 Rohrau (Österreich) - 31. Mai 1809 Wien
Werk: Sinfonie Nr. 104 D-Dur, Hob. I:104
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1795
Uraufführung: 4. Mai 1795 im King's Theatre von London
Besetzung: Orchester
Aufführungsdauer: ca. 29 Minuten
Sätze:

  1. Adagio - Allegro
  2. Andante
  3. Menuetto. Allegro & Trio
  4. Finale. Spiritoso

Die Sinfonie Nr. 104 wurde am 4. Mai 1795 in Londoner King's Theatre uraufgeführt. Dieses Konzert mit ausschließlich Haydn-Werken, dirigert vom Komponisten, beinhaltete auch eine Wiederaufführung seiner "Militärsinfonie (Nr. 100) und war einer der größten seiner vielen Triumphe in London während der 1790er. Zu dieser Zeit war er nicht nur unglaublich beliebt, sondern auch finanziell ziemlich gut ausgestattet: ein zu seinen Gunsten kurz vor seiner Rückkehr nach Österreich ausgerichtetes Abschiedskonzert brachte ihm 4.000 Gulden ein. Wie Haydn in seinem Tagebuch schrieb: "So viel kann man nur in England verdienen." Im August 1795 war Haydn seinen Pflichten bei Fürst Nikolaus II. Esterházy gemäß auf das europäische Festland zurückgekehrt. Sein überwältigender Ruhm in England hatte sich herumgesprochen und obwohl er keine weitere Sinfonie mehr schreiben sollte, sollten die 12 für London komponierten schon bald in Österreich und ganz Europa gespielt werden.

Der dramatische, gebieterische Beginn des ersten Satzes der Sinfonie Nr. 104 macht einem ausgelassenen Allegro Platz; sein einziges Hauptthema wird umfangreich entwickelt. Der zweite Satz Andante enthält ein relativ einfaches, vornehmes Thema, das im Verlauf seiner melodischen und harmonischen Reisen ziemlich berührend, sogar tiefgründig wird. Das große Menuett des dritten Satzes wird im zentralen Trio ruhig und enthält mehrere filigrane Stellen für die Holzbläser.

Wie das in vielen seiner 104 Sinfonien (und in ein paar der 12 "Londoner" Sinfonien) der Fall ist, wendet sich Haydn im Finale, Spiritoso genannt, der volkstümlichen Musik zu. Das Hauptthema des Satzes ist ein kroatisches Volkslied (als "Oj Jelena" identifiziert), das Haydn vermutlich in seiner alten Heimat Eisenstadt kennenlernte, wo die Winterresidenz der Esterházys lag. Zufällig ruft die Melodie, gemäß einigen Berichten, auch die Straßenrufe in Erinnerung, die üblicherweise von Verkäufern und Händlern im England des 18. Jahrhunderts genutzt wurden. Es kann sein, dass Haydn jene Straßenklänge in seinen Jahren in London hörte und durch das alte Volkslied daran erinnert wurde. Auf jeden Fall wird die Melodie einer aufregenden und komplexen Durchführung unterzogen und die Sinfonie endet mit einem imposanten und erhebenden Schlusswort.

(c) Chris Morrison

Kaufempfehlung:
Royal Concertgebouworkest, Dir. Colin Davis
Label: Philips, ADD, 1976-81
YouTube:
Wiener Philharmoniker, Dir. Bernard Haitink
in der Royal Albert Hall (London)

BEETHOVEN: Klaviersonate Nr. 21 C-Dur "Waldstein"

Ludwig van Beethoven
Lebensdaten: 16. Dezember 1770 Bonn - 26. März 1827 Wien
Werk: Klaviersonate Nr. 21 C-Dur, op. 53 "Waldstein"
Epoche: Klassik/Romantik
Entstehungszeit: 1803-04
Besetzung: Klavier
Aufführungsdauer: ca. 20 Minuten
Sätze:

  1. Allegro con brio
  2. Introduzione. Adagio molto
  3. Rondo. Allegretto moderato - Prestissimo
Nach dem Kauf eines Érard-Flügels im Jahre 1803 wurde Beethoven inspiriert diese Sonate zu schreiben, eine der Besten seiner insgesamt 32. Der Komponist hatte seit ungefähr zwei Jahren gewusst, dass er sein Gehör verlieren würde, aber er war noch weit von kompletter Taubheit entfernt. Die klareren Töne des neuen Instruments waren für ihn viel reizvoller als die seines alten Walter-Klaviers. Diese Sonate, dem Gönner und Freund des Komponisten Graf Ferdinand von Waldstein gewidmet, trat als große Herausforderung für Pianisten in Erscheinung. Der erste Satz, Allegro con brio genannt, beginnt mit einem rhythmischen, treibenden, besessenen Thema, das einen enormen Klangraum und ein beträchtliches Energiefeld zwischen den hämmernden Akkorden in der linken Hand und der Ergänzung der Phrase, einige Oktaven höher, in der rechten Hand, erschafft. In etwas tieferer Lage beginnend wiederholt, erscheint das Thema weniger energetisch, der Effekt ist aber trügerisch. Während das Energieniveau hoch bleibt, werden zusätzliche Ideen entwickelt und das zweite Thema wird eingeführt, während jede dieser Ideen danach strebt den Diskurs der Komposition zu dominieren. Das zweite Thema in E-Dur führt einen Moment der Ruhe ein, aber diese löst sich schon bald auf und bewegt sich zu einem brillanten, triumphalen Ende mit der zugrunde liegenden rhythmischen Intensität des Hauptthemas. Die Durchführung beginnt dem Hauptthema in dunklerer Gestalt, das dann in eine neue Richtung geht. Das vorherige Material wird verwoben und entwickelt und dieser Prozess kreiert beträchtliche Spannung. In der folgenden Reprise vermeidet Beethoven auf geniale Weise eine bloße Wiedereinführung, indem er die Phrase zum Ende des ersten Auftretens des Hauptthemas erweitert. Es gibt viele weitere geschickte Kniffe hier, darunter die brillante Coda, basierend auf dem Hauptthema. Der zweite Satz, der als Introduzione (Adagio molto) bezeichnet wurde, ist kurz, ernst und introvertiert, er zieht seine immense dramatische Kraft aus vielen figurativen Umwandlungen der ursprünglichen Phrase aus drei Tönen, die das Intervall einer Sexte umfasst. Bezeichnenderweise wird der mysteriöse und nachdenkliche Ton des Anfangs durch die ausdrucksstarke Lyrik der im Mittelteil auftretenden Melodie bereichert. Dieser Kontrapunkt an reiner Lyrik und Nachdenklichkeit stellt den Kern des Satzes dar. Ursprünglich schrieb Beethoven das als Andante favori bekannte als den zweiten Satz, entschied dann aber keinen Satz einzubinden, den er als zu lang empfand. Ohne Pause entsteht aus der philosophischen Atmosphäre des Adagio die Musik und blüht in einem brillanten Hauptthema des Finales, bezeichnet als Rondo (Allegretto moderato), auf. Diese Melodie, als siebentönig auftretend und dann alle außer dem letzten Ton wiederholend, hat in ihren ruhigeren Momenten zu Beginn pastorale Eigenschaften. Beethoven verwandelt diese friedfertige Stimmung jedoch in die einer ekstatischen Feier, versprüht durch farbenfrohe Sprühnebel, die eine harmonische Basis bilden. Während sich das Thema entwickelt und neue Ideen eingeführt werden, weicht die dramatische Intensität des Satzes, bestärkt von einer repetitiven Oktavenphrase in der linken Hand, Momenten der Müdigkeit. Das Hauptthema kehrt jedoch zurück und verhängt einen triumphalen und frohen Sinn der Ordnung und eine funkelnde Coda beendet die Komposition. Mit ihrem mächtigen rhythmischen Antrieb, dem harmonischen Erfindungsreichtum, dem thematischen Strahlen und dem Reichtum an Ideen ist diese Sonate eines der größten Werke des Klavierrepertoires.

(c) Rovi Staff

Kaufempfehlung:
András Schiff
Label: ECM, DDD, 2006
YouTube:
Claudio Arrau

HAYDN: Sinfonie Nr. 101 D-Dur "Die Uhr"

Joseph Haydn
Lebensdaten: 31. März 1732 Rohrau (Österreich) - 31. Mai 1809 Wien
Werk: Sinfonie Nr. 101 D-Dur, Hob. I:101 "Die Uhr"
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1794
Besetzung: Orchester
Uraufführung: 3. März 1794 in London
Aufführungsdauer: ca. 29 Minuten
Sätze:

  1. Adagio - Presto
  2. Andante
  3. Menuett. Allegretto & Trio
  4. Finale. Vivace

Nach dem überwältigenden Erfolg der ersten London-Reise von 1791-92 kehrte Haydn nach Wien zurück, wo er ein neues Haus für seine Familie kaufte und sich in einem bequemen, häuslichen Leben niederließ, während er weiterhin komponierte und manche Unterrichtsstunde gab (darunter ein paar für den jungen Beethoven). Aber die Verlockung, der in England erlebten Aufregung war stark und als Johann Peter Salomon ihn einlud nach London für einige weitere Konzerte zurückzukehren, zögerte Haydn nicht. Er traf im Februar 1794 in England ein und stellte im Laufe der nächsten paar Monate eine weitere Reihe an Konzerten mit Salomon vor, darunter die Uraufführungen seiner Sinfonien Nrs. 99-101. Die Nummer 101 wurde unter Haydns Leitung in den Konzertsälen am Hanover Square am 3. März 1794 uraufgeführt.

Der Beginn des ersten Satzes ist dramatisch und gedämpt. Wenn sich das Tempo auf Presto steigert, steht er in einem lebhaften, ausgelassenen 6/8-Takt (sehr unüblich für den ersten Satz einer Sinfonie).

Der Beiname der Sinfonie stammt von der "Ticktack-Begleitung", die einen Großteil des zweiten Satzes (Andante) durchdringt. Fagotte und Pizzicato-Streicher liefern das Ticktack als Erste und begleiten eine zierliche, etwas schüchterne Melodie. Im Zentrum des Satzes gibt es ein stürmisches Zwischenspiel; danach kehrt das Ticktack zurück, dieses Mal von der Flöte und Fagott zwei Oktaven auseinander gespielt.

Mit dem dritten Satz, vermutlich der längste und komplexeste aller Menuettsätze Haydns, wird der Beiname der Sinfonie doppelt passend. 1793, noch in Wien, hatte Haydn seinem Mäzen Fürst Esterházy das Geschenk einer ausgeklügelten Spieluhr überreicht, für die er auch eine Sammlung aus 12 kurzen Stücken geschrieben hatte; eines jener 12 Stücke wurde zum Fundament dieses großen, feierlichen Satzes. Das leicht komödiantische Trio scheint eine eher überschaubar talentierte Dorfkapelle heraufzubeschwören, deren "falsche" Noten und andere Schrullenoft von den späteren Dirigenten und Herausgebern der Sinfonie "korrigiert" wurden. Dieses Trio könnte auch eine Inspirationsquelle für Beethoven in einer ähnlichen Passage des dritten Satzes seiner "Pastorale"-Sinfonie fast 15 Jahre später gewesen sein.

Das Finale basiert auf einer lebhaften Melodie, die einer sehr komplexen Durchführung ausgesetzt wird und sogar an einer Stelle eine kraftstrotzende Fuge enthält. Wie es für die Londoner Sinfonien charakteristisch ist, werden der Streicherabteilung einige außerordentlich schwierige Passagen abverlangt.

(c) Chris Morrison

Kaufempfehlung:
Concertgebouw Orkest, Dir. Sir Colin Davis
Label: Philips, ADD, 1975-81
YouTube:
The New Dutch Academy, Dir. Simon Murphy

HAYDN: Sinfonie Nr. 94 G-Dur "Mit dem Paukenschlag"

Joseph Haydn
Lebensdaten: 31. März 1732 Rohrau (Österreich) - 31. Mai 1809 Wien
Werk: Sinfonie Nr. 94 G-Dur, Hob. I:94 "Mit dem Paukenschlag"
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1791
Uraufführung: 23. März 1792 in London
Aufführungsdauer: ca. 23 Minuten
Teile:

  1. Adagio cantabile - Vivace assai
  2. Andante
  3. Menuett - Trio
  4. Finale

Franz Joseph Haydn diente dem Fürsten Nikolaus I. Esterházy 28 Jahre lang seines Lebens als Kapellmeister oder Hofkomponist zu dem Zeitpunkt als der Fürst 1790 verstarb. Nikolaus' Nachfolger, sein Sohn Anton, war kein großer Musikanhänger und löste den musikalischen Betrieb seiner Familie größtenteils auf. Haydn zog nach Wien und erhielt schnell viele Arbeitsangebote, das attraktivste davon stammte vom Geigenimpresario Johann Peter Salomon, der Haydn eine beträchtliche Summe Geld bot, um nach England zu kommen und dort verschiedene neue Kompositionen in einer Reihe von Konzerten zu präsentieren. Haydn traf am 1. Januar 1791 in England ein (seine erste Reise überhaupt außerhalb Österreichs) und die erste von Salomons drei umwerfend erfolgreichen Konzertsaisons begann im März. Die Sinfonie Nr. 94 erhielt unter Haydns Leitung am 23. März 1792 in der Mitte der zweiten Saison ihre Uraufführung.

Die Sinfonie beginnt zärtlich mit einem freundlichen, sanft schaukelnden Hauptthema, das ziemlich zwingenden Druck aufbaut, während es sich entwickelt. Wie das so bei Haydn der Fall ist, ist die Reprise der Anfangsthemen eigentlich mehr eine Erweiterung ihrer Durchführung. Es gibt eine schöne Passage für die Holzbläser kurz vor dem Ende des Satzes.

Der Beiname der Sinfonie leitet sich vom zurecht berühmten zweiten Satz ab, der eine Reihe an Variationen über eine niedliche, naive, kleine Melodie ist. Während sich die Melodie ausspinnt wird sie immer ruhiger und klingt fast bis in Stille hinein ab - und dann gibt es einen plötzlichen, lauten Akkord vom gesamten Orchester. Es gibt verschiedene Theorien darüber, weshalb Haydn diesen "Paukenschlag" (was eigentlich ein Nachgedanke war und in seiner ursprünglichen Handschrift nicht erscheint) einfügte. Ein Bericht erzählt uns, dass Haydn gesagt haben könnte: "Das wird die Damen aufspringen lassen!". Er könnte auch an die älteren Herren gedacht haben, die er in seinem Publikum sah und die von ihren schweren Abendmahlen und ein wenig zu vielen Getränken schläfrig gemacht, routiniert zum Beginn der Musik wegdösten. Auch hatte mit dem überwältigenden Erfolg der Salomon/Haydn-Konzerte eine rivalisierende Konzertreihe unter der Leitung des Komponisten Ignaz Pleyel (einer von Haydns ehemaligen Schülern) begonnen. Bei einer Gelegenheit gab Haydn zu, dass er den "Paukenschlag" nicht einfügte, um das Publikum aufzurütteln, sondern einfach, um das Werk einprägsam im Zuge seines Wettbewerbs zu gestalten. Was immer der Grund war, ist der "Paukenschlag" nur einer der Vorzüge dieses Satzes, der eine Reihe an Variationen über das Hauptthema enthält - eine stürmische und dramatische, eine andere wird von Holzbläsern lieblich verziert und eine weitere wird von Trompeten und Pauken vorwärts gepeitscht. Der ruhige, ergreifende Schluss des Satzes ist für sich auch eine Art Überraschung.

Es folgt ein aggressives, kleines Menuett mit einem anmutigen Mittelteil für Streicher, denen ein Solofagott Gesellschaft leistet. Die Sinfonie schließt mit einem prickelnden Allegro di molto-Finale; dieses und andere Finales der 12 "Londoner" Sinfonien erfordert wahrhaft virtuose Fähigkeiten von den Streichern - Salomons Musiker in London müssen eine wirklich beeindruckende Gruppe gewesen sein.

(c) Chris Morrison

Kaufempfehlung:
The Academy of Ancient Music, Dir. Christopher Hogwood
Label: Decca, DDD, 1984
YouTube:
Wiener Philharmoniker, Dir. Leonard Bernstein

HAYDN: Streichquartett Nr. 77 C-Dur "Kaiserquartett"

Joseph Haydn
Lebensdaten: 31. März 1732 Rohrau (Österreich) - 31. Mai 1809 Wien
Werk: Streichquartett Nr. 77 C-Dur, Hob. III:77 "Kaiserquartett"
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1797
Besetzung: Streichquartett
Aufführungsdauer: ca. 26 Minuten
Teile:

  1. Allegro
  2. Poco Adagio. Cantabile
  3. Menuetto - Trio
  4. Finale. Presto

Dies ist sowohl das bekannteste, als auch berüchtigste der Streichquartette Haydns, alles nur, weil der zweite Satz, eine wunderschöne Hymne, später vom bösesten Regime des 20. Jahrhunderts misshandelt wurde. Damals im späten 18. Jahrhundert stellte Napoleon eine ernste Bedrohung für das Habsburger Kaiserreich dar; nachdem seine Armeen 1796 die Steiermark angegriffen hatten, trieb dies Haydn zu einem Ausbruch an Nationalismus. Als sogenanntes Kaiserlied vertonte er patriotische Worte von L.L. Haschka und hatte damit einen unmittelbaren Erfolg in seiner Hand. Er war entschlossen alle "popularisierten" Arrangements selbst zu schreiben, darunter eines für Streichquartett. Dieses wurde zum langsamen Satz des dritten Quartetts seiner Sammlung opus 76. Die bewegte, ehrwürdige Melodie war zu gut um sie beiseite zu legen. Spätere Komponisten wie Czerny und Smetana gliederten sie in eigene Werk ein. Und ein paar Jahrzehnte nach dem endgültigen Zusammenbruch des österreichischen Kaiserreichs beschlagnahmten die Nazis die Melodie für das Lied "Deutschland über alles". Dies schränkte die Beliebtheit des Quartetts unter den Alliierten während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ein, dieser Fleck wurde aber schon bald abgeschwemmt.

Das ganze Quartett scheint eine patriotische Angelegenheit zu sein, sobald man erkennt, dass der erste Takt des beginnenden Allegros ein musikalisches Anagramm ist. Seine Noten korrespondieren mit den ersten Buchstaben der Worte "Gott erhalte Franz den Kaiser" (für "Kaiser" wurde ein C verwendet); dies wiederum ist die Anfangszeile des Kaiserlieds, auf dem der zweite Satz beruht. Das ist kaum auffällig, wenn man nicht gerade die Partitur studiert, denn man hört nur eine helle, vergnügte C-Dur-Melodie, der die erste Violine schon bald einen obsessiv punktierten Rhythmus zuordnet. Im späten 18. Jahrhundert wurde dieser Rhythmus übrigens symbolisch mit königlichen Anlässen assoziiert. Das gesamte thematische Hauptmaterial des Satzes leitet sich aus diesem kurzen Stück Musik ab. Die Durchführung enthält eine für Haydn charakteristische Überraschung: eine ungarische Szene in E-Dur mit einer zigeunerhaften Begleitung aus starken Akzenten auf unbetonten Schlägen. Dies war Haydns Tribut an die ungarischen Aristokraten, die Haydn anstellten und diese Quartette in Auftrag gegeben hatten; sie übernahmen einen Großteil der Rechnung für den Krieg des Kaisers gegen Napoleon.

Der zweite Satz, Poco Adagio - Cantabile, beginnt mit einem besonders zarten Auftritt der Kaiserhymne und nimmt daraufhin vier Variationen daran vor. Die erste ist eine ruhige, aber kunstvolle Ausarbeitung für die erste Violine, während die zweite Geige das Thema in seiner Originalform spielt. Die nächste Variation verlegt das Thema zum Cello hinab, während die Bratsche und zweite Violine die Harmonie liefern und die erste Violine den Kontrapunkt bietet. Schließlich erhält die Bratsche ihren eigenen Auftritt des Themas in der dritten Variation, während die darüber- und darunterliegenden Instrumente sich darum schlängeln. Zu guter Letzt kommt eine üppig harmonisierte Version des Themas mit ausgeklügelteren inneren Stimmen als zu Beginn, aber nichts so komplexes wie das, was dazwischen stattgefunden hat.

Das Menuett ist ein gut gelaunter Salontanz, besonders gekennzeichnet von einer leicht spöttischen, nach unten gleitenden Phrase in der ersten Violine. Das Trio ist eine vorsichtig klingende Variation des Hauptthemas des Menuetts.

Das Presto-Finale wirft uns in etwas, das ein Wissenschaftler als eine Gefechtsszene in c-Moll beschrieben hat: Franz gegen Napoleon. Der Satz beginnt mit drei lauten, zerklüfteten Akkorden und lässt schließlich die erste Violine ein Trommelfeuer aus acht Noten abfeuern, die Musik ist aber nur wenig explizit militaristisch. Nachdem dieses Material intensiv verarbeitet wurde, kehrt das Hauptthema in einer C-Dur- Version zurück, die zweifellos optimistisch klingt, doch nicht unbedingt triumphal.

(c) James Reel

Kaufempfehlungen:
Joachim-Quartett
Label: Tho, DDD, 1986
YouTube:
Attacca Quartet
Banff International String Quartet Competition, 2013

MOZART: Sinfonie Nr. 38 D-Dur "Prager"

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Sinfonie Nr. 38 D-Dur, KV 504 "Prager"
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1786
Besetzung: Orchester
Aufführungsdauer: ca. 25 Minuten
Teile:

  1. Adagio - Allegro
  2. Andante
  3. Finale. Presto

Am 1. Mai 1786 erhielt Mozarts neue Oper "Le nozze di Figaro" im Burgtheater von Wien ihre Uraufführung. Von Kennern enthusiastisch aufgenommen, überforderte die lange und komplexe Oper aber einen Großteil der allgemeinen Öffentlichkeit und sie erhielt nur acht Aufführungen. Anfang Dezember wurde der Figaro im Nationaltheater (heute als Ständetheater bekannt) von Prag produziert, wo er zu einem solch triumphalen Erfolg wurde, dass Mozart die böhmische Hauptstadt zu besuchen beabsichtigte, um die Produktion selbst anzusehen. Als er und seine Frau Constanze am 11. Januar 1787 eintrafen, brachte er eine neue Sinfonie mit sich, die Anfang Dezember fertiggestellt worden war (und am 6. Dezember Mozarts thematischem Katalog beigefügt wurde). Die Sinfonie wurde in das Konzert mit eingeführt, das Mozart acht Tage später gab, was in der Uraufführung eines Werks endete, das nachfolgend unwiderruflich mit der Stadt assoziiert werden sollte, in der der Komponist seinen größten Triumph späterer Jahre erlebte. Ein Jahrzehnt nach dem Konzert bescheinigte der Prager Schulmeister Franz Niemetschek (der Mozarts Sohn Carl nach dem Tod des Komponisten 1791 unterrichtete) der Sinfonie ihre anhaltende Beliebtheit: "Die Sinfonien, die er für diese Gelegenheit komponiert hatte, sind wahre Meisterwerke der instrumentalen Komposition... Dies betrifft insbesondere die große Sinfonie in D, die immer ein Favorit ist in Prag, obwohl sie zweifellos schon hundertfach gehört wurde."

Solche Verbindungen führten zur allgemeinen Ansicht durch Mozarts Biografen, dass die "Prager" Sinfonie für seinen Besuch dort komponiert wurde, das kann aber nicht der Fall sein - Mozart komponiert das Werk, bevor er die Einladung zum Besuch der Stadt erhielt. Tatsächlich zeigt ein Brief seines Vaters (vom 17. November 1786) eindeutig, dass Mozart zur Zeit der Komposition einen Besuch nach England plante, ein Besuch, der nie stattgefunden hat, weil Leopold sich weigerte nach den beiden jungen Kindern des Komponisten zu sehen. Daher scheint es völlig nachvollziehbar zu denken, dass das Werk mit Mozarts geplantem London-Aufenthalt im Hinterkopf komponiert wurde - was wir also als die "Prager" Sinfonie kennen, hätte die "Londoner" Sinfonie werden können, hätten seine Pläne Früchte getragen. Ein unübliches Merkmal der Sinfonie ist, dass sie aus nur drei Sätzen besteht; es ist das einzige große sinfonische Werk der Wiener Klassik, das das übliche Menuett und Trio oder Scherzo als Satz vermissen lässt. Nichts an diesem Werk ist allerdings klein; sie rechtfertigt Niemetscheks Beiwort "groß" vollauf. Der Anfangssatz, eine weite, imposante Adagio-Einführung, der ein immens mächtiges Allegro folgt, ist einer der beeindruckendsten aller sinfonischen Sätze der klassischen Musik mit dramatischen Qualitäten, die Don Giovanni prophezeien und eine Meisterung des Kontrapunkts, die bis dahin auf Mozarts Kammermusik beschränkt blieb. Das zentrale Andante übersteigt gänzlich die unbekümmerte Implikation einer solchen Satzbezeichnung; es ist ein Satz aus profunder, liedhafter Tiefe und kontrapunktischem Talent. Das finale Presto zeigt ebenfalls einiges der dämonischen Macht des Don Giovanni, die Oper, die Mozart in Kürze für Prag komponieren sollte, während es gleichzeitig eine Welt bewohnt in der trotz all der hellen Dur-Musik die Tragödie nie zu entfernt zu sein scheint.

(c) Franz Niemetschek, Brian Robins

Kaufempfehlung:
Freiburger Barockorchester, Dir. René Jacobs
Label: HMF, DDD, 2006
YouTube:
Concentus Musicus Wien, Dir. Nikolaus Harnoncourt

MOZART: Sinfonia concertante Es-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Sinfonia concertante Es-Dur, KV 364
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1779
Besetzung: Violine, Bratsche und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 32 Minuten
Teile:

  1. Allegro maestoso
  2. Andante
  3. Presto

Die prachtvolle Sinfonia concertante für Violine, Bratsche und Orchester in Es-Dur, KV 364, ist Mozarts einzig erhaltenes Werk dieser Art, eine Gattung, die sowohl Elemente der Sinfonie, als auch des Konzerts umschließt. Im Allgemeinen für zwei oder mehr Soloinstrumente und Orchester komponiert war die Sinfonia concertante insbesondere im Paris des 18. Jahrhunderts beliebt. Es war auch dort, wo Mozart ein solches Werk 1778 für vier herausragende Holzblassolisten des Mannheimer Orchesters komponierte, das sich damals ebenfalls in der französischen Hauptstadt befand; dieses Werk ist jedoch nur in einer gefälschten Ausgabe aus dem 19. Jahrhundert bekannt.

Während dieser Zeit begann Mozart auch zwei weitere Werke in der Gattung der Sinfonia concertante, eines für Violine und Klavier in D-Dur (1778) und ein weiteres für Violine, Bratsche und Cello in A-Dur, KV 320e (ca. 1779-80), welche aber beide nicht über die ersten ungefähr 130 Takte hinaus voranschritten, bevor der Komponist sie beiseite legte. Das hier vorliegende Werk könnte ein Ersatz für das abgebrochene D-Dur-Werk sein. Es wurde in Salzburg während des Sommers oder Herbstes 1779 komponiert, ungefähr zur gleichen Zeit wie jenes Werk. In beiden Werken verlangt Mozart eine höhere Stimmung als sie für die Bratsche üblich ist; seine Absicht darin war zweifellos dem Instrument einen helleren Klang zu verleihen, um zu verhindern, dass es vom hervorstechenderen Begleiter, der Violine, überschattet wird.

Die Solisten, für die die Sinfonia concertante komponiert wurde, sind nicht bekannt, aber es könnten Antonio Brunetti, Leiter des Salzburger Hoforchesters und der Violinist Joseph Hafender gewesen sein. Das Werk besteht aus drei Sätzen: Allegro maestoso, Andante und Rondo. Das Orchester umfasst zwei Oboen, zwei Hörner, ein optionales Paar Fagotte und Streicher. Das Werk ist bekannt für seine warme Ausdehnung; das Andante mit seinem hinreißenden Dialog zwischen den zwei Solisten ist besonders ergötzlich. Die Orchestrierung ist ungewöhnlich voll und reichhaltig; Mozarts regelmäßige Divisi-Angaben für die Bratschen kreieren Strukturen, die die üppige Partitur von Idomeneo, ré die Creta (1781) prophezeien, eine weniger als ein Jahr später für München komponierte Opera seria.

(c) Brian Robins

Kaufempfehlung:
Gidon Kremer (Violine), Kim Kashkashian (Bratsche), Wiener Philharmoniker, Dir. Nikolaus Harnoncourt
Label: DGG, DDD, 1983/85
YouTube:
Renaud Capuçon (Violine), Gerard Causse (Bratsche), Orchestre national Montpellier Languedoc-Roussillon
Live beim Festival de Montpellier

ROSSINI: Der Barbier von Sevilla

Gioacchino Rossini
Lebensdaten: 29. Februar 1792 Pesaro - 13. November 1868 Passy (Frankreich)
Werk: Der Barbier von Sevilla (Il barbiere di Siviglia)
Epoche: Klassik/Romantik
Entstehugszeit: 1815
Uraufführung: 20. Februar 1816 im Teatro Argentina in Rom
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, 20 Minuten
Teile:

  1. Ouvertüre
  2. No. 2a, Piano, pianissimo
  3. No. 2b, Ecco, ridente in cielo
  4. No. 3, Mille grazie
  5. No. 4, Largo al factotum
  6. No. 5, Se il mio nome
  7. No. 6a, Oh cielo
  8. No. 6b, All'idea di quel metallo
  9. No. 6c, Numero quindici
  10. No. 7a, Una voce poco fa
  11. No. 7b, Io son docile
  12. No. 8, La calunnia è un venticello
  13. No. 9, Dunque io son la fortunata?
  14. No. 10, A un dottor della mia sorte
  15. No. 11, Ehi, di casa!
  16. No. 12, Fredda ed immobile
  17. No. 13, Pace e gioia
  18. No. 14, Contro un cor (Unterrichtsszene: Rosina & Graf Almaviva)
  19. No. 15, Don Basilio!... Cosa veggo!
  20. No. 16, Buona sera, mio signore
  21. No. 17, Il vecchiotto cera moglie
  22. No. 18, Temporale (Sturmmusik)
  23. No. 19a, b, Ah! qual colpo inaspettato... Zitti, zitti
  24. No. 20, Cessa di più resistere
  25. No. 21, Di si felice
  26. No. 22a, Ma forse, ahime Lindoro, Ersatzarie
  27. No. 22b, L'innoenza di Lindoro, Ersatzarie
  28. No. 23, La mia pace, la mia calma, Ersatzarie

Dieses Meisterwerk von 1815 wird weit verbreitet als die größte komische Oper angesehen. Selbst als Opern der Bel-Canto-Epoche (Rossinis Blütezeit) selten gespielt wurden, war ihre regelmäßige Darbietung auf den Opernbühnen der Welt unvermindert. Die Uraufführung 1816 in Rom wurde zum Fiasko. Der ältere Opernkomponist Giovanni Paisiello hatte 1782 eine Oper über die gleiche Geschichte komponiert, die ebenfalls Der Barbier von Sevilla heißt. Rossini hatte Bedenken eine neue Oper über den gleichen Text zu komponieren, so dass er zunächst Paisiellos freundliche Erlaubnis erbat fortführen zu dürfen und er nannte seine neue Oper ursprünglich Almaviva. Dies hinderte Paisiellos Claque nicht daran die Uraufführung zu sabotieren, eine Absicht, in der sie durch mangelnde Proben, eine schlampige Produktion und nicht korrekt funktionierende Bühneneffekte unterstützt wurden. Ohne Paisiellos Fans, die einen Aufstand inszenierten, war die Aufführung ein Erfolg und in der dritten Aufführung führte sie zu Ovationen und eroberte fortan schnell die Opernwelt. (Paisiellos Oper übrigens wurde schon bald von Rossinis in den Schatten gestellt, hat in den letzten Jahren aber wieder etwas Beachtung in der Opernwelt gefunden.)

Der Barbier von Sevilla ist das erste aus einer Trilogie von Dramen des französischen Dramatikers Beaumarchais. Diese Dramen, die dazu neigten den Adelsstand als Hanswürste darzustellen, die von ihren hinterlistigen Dienern abhängig waren und manipuliert wurden, wurden im späten 18. Jahrhundert als staatsfeindlich angesehen. (Die Hochzeit des Figaro, das zweite der Dramen, wurde 1786 von Mozart in eine Oper verwandelt. Es ist übrigens Rossinis Oper und nicht Mozarts, die die komische Arie "Largo al factotum" mit dem darin enthaltenen Ausruf "Figaro, Figaro, Figaro" enthält.) Figaro ist der Barbier des Titels. Die Handlung dreht sich um die Bemühungen des verliebten jungen Grafen Almaviva die liebliche Rosina zu bezirzen und für sich zu gewinnen und dabei ihren Vormund, Dr. Bartolo, zu überflügeln, der selbst für sie schwärmt. Es gibt textliche Unterschiede zwischen den Produktionen der Oper. Die Hauptentscheidung ist die, ob Rosinas Rolle von einem Mezzosopran (wie Rossini ursprünglich wollte) oder von einem Sopran gesungen wird, wie es seit 1826 üblicherweise getan wurde, offenbar mit Rossinis Zustimmung. Eine Arie für Bartolo ging verloren und wurde von einer eines Komponisten namens Romani ersetzt. Und auch die "Unterrichtsszene" ist verschollen, so dass der Sopran die Musik eines anderen Komponisten an ihrer Statt wählen kann. Einige der großartigen, beliebten Nummern in der Oper sind Almavivas Serenade "Ecco ridente in cielo" und das leidenschaftlichere "Se il mio nome". Rosinas "Una voce poco fa" ist vielleicht die bekannteste aller Koloraturarien, während Bartolo mit "La Calunnia" seine eigene Arie enthält, in der es ganz um die böse Macht der Verleumdung geht. Im Übrigen wurde die berühmte Ouvertüre zur Oper, die vermutlich zu den am Häufigsten gespielten Kompositionen Rossinis in der Konzerthalle zählt, ursprünglich gar nicht für diese Oper komponiert! Rossini hatte nicht mehr viel Zeit, so dass er einfach eine Ouvertüre nahm, die er zuvor bereits geschrieben hatte.

(c) Joseph Stevenson

Kaufempfehlung:
Thomas Allen, Agnes Baltsa, Francisco Araiza (Solisten), The Academy of St. Martin in the Fields, Dir. Sir Neville Marriner
Label: Philips, DDD, 1982
Maria Ewing, John Rawnsley, Max-René Cosotti, Claudio Desderi (Solisten), London Philharmonic Orchestra, Dir. Sylvain Cambreling
Label: Teldec, 1982
YouTube:
Juan Diego Flórez, Sonia Ganassi, Alfonso Antoniozzi (Solisten), Orchestra di Scala, Dir. Riccardo Chailly
1999

BEETHOVEN: Klaviertrio Nr. 7 B-Dur "Erzherzog"

Ludwig van Beethoven
Lebensdaten: 16. Dezember 1770 Bonn - 26. März 1827 Wien
Werk: Klaviertrio Nr. 7 B-Dur, op. 97 "Erzherzog"
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1810-11
Uraufführung: 11. April 1814 in Wien
Besetzung: Klavier, Violine und Cello
Aufführungsdauer: ca. 38 Minuten
Sätze:

  1. Allegro moderato
  2. Scherzo. Allegro
  3. Andante cantabile
  4. Allegro moderato - Presto

Beethoven selbst zählte das Klaviertrio B-Dur, op. 97 zu seinen besten Werken, als er auf sein Lebenswerk zurückblickte. (Das Werk ist allgemein als "Erzherzogstrio" bekannt, weil es wie viele Werke Beethovens an den Mäzen des Komponisten, Erzherzog Rudolph gewidmet war; weniger gerechtfertigt ist sein Platz im Katalog als Klaviertrio Nr. 7 - obwohl es Klaviertrios gibt, die die Nummern 8 bis 12 tragen, ist das Erzherzogstrio eigentlich Beethovens letztes vollendetes Produkt in dem Genre.) Generationen an Pianisten und Streichern stimmten mit Beethovens Urteil überein und das Werk hat, vielleicht mit der Konsequenz ungerechter Vernachlässigung von Beethovens vielen anderen Klaviertrios, den Markt später klassischer Klaviertrios beherrscht. Im Erzherzogstrio erreichen Violine und Cello einen wahrhaft gleichberechtigten Status zu dem des Klaviers, was tatsächlich erst das zweite oder dritte Mal in der Geschichte der Klaviertrios passierte.

Der Grund, weshalb gerade dieses Werk aus allen Werken Beethovens, die an Erzherzog Rudolph gewidmet waren, den Beinamen "Erzherzog" erhalten sollte, ist relativ einfach: das Wort passt zur Musik und auch wenn es nie einen Rudolph gegeben hätte oder nie Interesse an Beethoven gezeigt hätte, würde der Beiname dennoch perfekt passen. Von den allerersten Takten des anfänglichen Allegro moderato an gibt es im Werk einen Edelmut, der nichts anderes als beeindruckt; und dieser Edelmut wird umso wirksamer und glaubhafter, indem er sehr regelmäßig abgeschwächt wird, wie während der Phrase des Soloklaviers, die das Hauptthema des ersten Satzes einführt - ruhig, sanft, höchst lyrisch. Wenn die Streicher nach sechs Takten im Stück auftreten tun sie das, indem sie während der Kadenz des Klaviers hereinschleichen und dann ein sattes, kleines Duett anbieten, das sich mühelos in das Hauptthema zurückfallen lässt. Selbst wenn die Ereignisse später in der Exposition etwas hitziger werden, gibt es nie das Gefühl für etwas besonders dringliches - alles ist perfekt kontrolliert und die geschmeidige Melodik, keine dramatische Physis, ist vorrangig.

Der zweite der vier Sätze des Erzherzogstrios ist ein leichtfüßiges Scherzo, das von Cello und Violine alleine begonnen wird; die schlitternde Chromatik des Trioteils ist eigenartig und mysteriös. Der dritte Satz Andante cantabile ma però moto ist eine Sammlung an Variationen über ein sehr ernstes (aber einfaches) Thema in D-Dur; und das Finale Allegro moderato, das dem Andante ohne Unterbrechung folgt, ist ein ausgelassenes Rondo, in dem sich unser glücklicher Adliger etwas einem besseren Trinklied hingibt.

(c) Blair Johnston

Kaufempfehlung:
Abegg-Trio
Label: Tacet, DDD, 1987

YouTube:
Wilhelm Kempff (Klavier), Yehudi Menuhin (Violine), Mstislaw Rostropowitsch (Cello)

MOZART: Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur, KV 488
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1786
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 25 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Adagio
  3. Allegro assai

Mozart stellte dieses Werk am 2. März 1786 fertig und spielte die Uraufführung höchstwahrscheinlich wenige Tage später in Wien. Für die Krönung des österreichischen Kaisers Joseph II. 1781 und dazugehörigen Feierlichkeiten verlegte der Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo seinen gesamten Hof nach Wien. Er bestellte seinen berühmtesten musikalischen Angestellten ein, den jungen Mozart, der den Erfolg von Ideomeneo in München auskostete, eine Oper, die eigens vom Kurfürsten Bayerns in Auftrag gegeben worden war. Der zögernde Wolfgang Amadé, der seinen übergeizigen Arbeitgeber zu dem Zeitpunkt schon durch und durch verabscheute, traf am 16. März in der Habsburger Hauptstadt ein. Bis 8. Juni hatte er es geschafft aus der Arbeit für Colloredo entlassen zu werden (mit einem Tritt in den Hintern), so dass er frei war Wien zu erobern, was ihm unter sprunghafter Hilfe des Kaisers gelang. Über die nächsten vier Jahre regierte er als Wiens beliebtester Komponist instrumentaler Musik. Während er auf der Erfolgswelle schwimmte wurde seine Musik gleichermaßen herbeigesehnt und wertgeschätzt. Als Reaktion auf die öffentliche Nachfrage zwischen 1782 und 1786 schrieb er 14 glorreiche Klavierkonzerte - die Nummern 11 bis 24 -- die meisten davon für ihn selbst als Pianisten. Das Konzert Nr. 23 war für die Lenten-Reihe von 1786 gedacht, zusammen mit Nr. 22 und 24, den letzten vor dem Figaro. Obwohl die genauen Daten dieser Konzerte verloren gegangen sind wissen wir, dass das Konzert A-Dur ein unmittelbarer Erfolg war und seither beliebt geblieben ist, aufgrund von Wehmut und an Erhabenheit grenzenden Melodien gleichermaßen. In Gesellschaft einer Flöte, zweier Fagotte, zweier Hörner und Streichern, leiht ein Paar Klarinetten der Musik eine verdrossene Stimmung.

Das Allegro des ersten Satzes folgt mit seiner doppelten Exposition größtenteils den strukturellen Regeln, obwohl es in der Durchführung ein plötzliches Auftreten von Drama gibt (Cuthbert Girdlestone schrieb, dass "Mozarts Dämon... plötzlich aus den Tiefen aufsteigt"), sowie eine durchkomponierte Kadenz, was in seinen reiferen Konzerten selten ist.

Anstatt eines Andante ist der langsame Satz das einzige Adagio aller Konzerte Mozarts und es die bisher auf ihren Auftritt wartende Melancholie nimmt die Hauptbühne ein. Überraschend und düster ist die Tonart fis-Moll (A-Durs harmonische Paralleltonart), sie wird nicht wirklich gebessert von einem lieblichen Thema in A-Dur für Flöte und Klarinette, das den Mittelteil einer ABA-Struktur darstellt, trotz Eigenschaften einer Sonatenform.

Nach zwei introvertierten Sätzen, der zweite auf ein musikalisches Krankenzimmer beschränkt, erholt sich das Rondo-Finale auf überschäumende Art - eines der lebhaftesten Allegro assai in Mozarts Konzertkanon, mit Tonartwechseln und sogar hochgradiger Komik, die den Patienten erholt und glücklich auffinden lässt, so wie wir alle, die bisher über seine Gesundheit besorgt waren.

(c) Roger Dettmer

Kaufempfehlung:
Friedrich Gulda, Sinfonieorchester des SWR Baden-Baden, Dir. Hans Rosbaud
Label: Hänssler, ADD, 1953-62
YouTube:
Daniil Trifonow (Klavier), Israel Camerata Orchestra, Dir. Avner Biron
in Tel Aviv

MOZART: Streichquartett Nr. 19 C-Dur "Dissonanzen"

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Streichquartett Nr. 19 C-Dur, KV 465 "Dissonanzen"
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1785
Besetzung: Streichquartett
Aufführungsdauer: ca. 30 Minuten
Sätze:

  1. Adagio - Allegro
  2. Andante cantabile
  3. Menuetto & Trio. Allegro
  4. Allegro

Das letzte der sechs Quartette, die Mozart an Haydn widmete, das KV 465, steht offiziell in der sonnigen Tonart C-Dur, verdankt ihren Beinamen "Dissonanzen" der langsamen, nervösen Einleitung voller unaufgelöster Harmonien über einer pochenden Cellomelodie. Schon bald macht dieses verwirrende Adagio Platz für den hellen Allegro-Hauptteil des ersten Satzes. Die ersten Violinen pfeifen ein kurz phrasiertes Hauptthema, das die anderen Instrumente bald darauf in kontrapunktischer Nachahmung aufgreifen. Eine zweite, aufgeregtere Melodie und eine dritte in Triolen werden alle zu Futter für eine kurze Durchführung, obwohl es das erste Thema ist, das nun in kleiner Besetzung die Geschehnisse dominiert bis die Reprise das aufgewühlte Quartett beruhigt - die Exposition kehrt natürlich ohne die Last der "dissonanten" Einleitung zurück.

Der zweite Satz, Andante cantabile, wickelt sich in ein warmes F-Dur ein und alle vier Instrumente erkunden eine Bandbreite an hochgradig lyrischen thematischen Passagen. Als Drittes erfolgt ein originelles, haydn-isches Menuett (und eines, das Beethoven beeinflussen sollte), voller plötzlicher dynamischer Kontraste und dem Gegenüberstellen verschiedener Kombinationen an Instrumenten. Der kurze Trio-Abschnitt taucht für eine Passage an aufgewühltem Pathos in c-Moll ein. So wie es beginnt trägt das Finale (Allegro) jedes Anzeichen für ein gewöhnliches, wenn auch kurzes Rondo, doch die Musik steuert zunehmend in unerwartetes harmonisches Gebiet, schleudert in Moll hinein und fragmentiert die Themen; dies ist vielleicht ein Allegrosatz in Sonatenform, bei dem die Durchführung unter die Bestandteile des Rondos aufgeteilt wurde. Künstler können dies entweder als Komödie oder Tragödie spielen, die Musik aber ist eine kühne Mischung aus Beidem.

(c) James Reel

Kaufempfehlung:
Klenke-Quartett
Label: Profil, DDD, 2004/05
YouTube:
Hagen-Quartett

MOZART: Klarinettenkonzert A-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Klarinettenkonzert A-Dur, KV 622
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1791
Besetzung: Klarinette und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 29 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Adagio
  3. Rondo. Allegro
Von den Werken, die Mozart für den herausragenden Wiener Klarinettisten Anton Stadler (1753-1812) komponiert hatte, sind das Klarinettenquintett A-Dur, KV 581, 1789 geschrieben und das hier vorliegende Konzert A-Dur, fertiggestellt weniger als zwei Monate vor dem Tod des Komponisten 1791, die krönenden Errungenschaften. Die Arbeit an dem Konzert wurde 1789 begonnen. Mozart hatte das Werk ursprünglich für Bassetthorn vorgesehen, aber schrieb es für Klarinette um. Die heute bekannte Version unterscheidet sich jedoch von dem Werk, das Mozart für Stadler produziert hatte, da die Originalversion für ein Instrument mit ausgedehntem Tonumfang im Bass geschrieben hatte, der Stadler erlaubte seine berühmte Fähigkeit des Spielens tiefer Noten zu demonstrieren. Die Transkription für die übliche Klarinette (zehn Jahre nach Mozarts Tod veröffentlicht) benötigt daher eine Transponierung um eine Oktave der Noten, die nicht auf ihr produziert werden können, was die Klangfarbe des Werks verändert. Die Uraufführung spielte Stadler am 16. Oktober 1791, nicht in Wien, sondern bei seinem Benefizkonzert im Theater von Prag. Es scheint daher fest zu stehen, dass der Komponist die Komposition, die zu einer seiner bekanntesten wurde, nie gehört hat. In den üblichen drei Sätzen angelegt, bewirkte die ruhige, nostalgische Lyrik eines Großteils des Klarinettenkonzerts solche Beinamen wie "abschiednehmend" und "herbstlich", eine Einschätzung, die den außerordentlichen Elan und Schwung dieses beseelten Werks herunterspielt.

(c) Brian Robins

Kaufempfehlung:
Wolfgang Meyer (Klarinette), Concentus Musicus Wien, Dir. Nikolaus Harnoncourt
Label: DAW, DDD, 1998/99
YouTube:
Sharon Kam (Klarinette), Česká filharmonie, Dir. Manfred Honeck
aus dem Ständetheater in Prag

MOZART: Serenade Nr. 13 "Eine kleine Nachtmusik"

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Serenade Nr. 13 G-Dur, KV 525 "Eine kleine Nachtmusik"
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1787
Besetzung: Streichquintett
Aufführungsdauer: ca. 18 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Romanze. Andante
  3. Menuett & Trio. Allegretto
  4. Rondo. Allegro

Die Serenade in G-Dur (1787), das am Anhaltendsten beliebte aller Werke Mozarts, wurde während einer Phase geschrieben, als der Komponist auch sehr mit der Arbeit an seiner Opera Don Giovanni beschäftigt war. Der Titel "Eine kleine Nachtmusik" stammt von Mozart selbst; Nachtmusik war tatsächlich eine bekannte Beschreibung für Serenaden dieser Art. Obwohl Mozart mehrere solcher Werke während seiner Zeit in Salzburg komponiert hatte, ist die Serenade in G einzigartig für die Epoche seines Wohnorts Wien (1781-91). Das Werk unterscheidet sich von Mozarts früheren Serenaden in ihrer vergleichsweise schlanken Orchestrierung: zwei Violinen, Bratsche, Cello und Kontrabass. Mozarts Eintrag dieses Werks in seinem Werkkatalog zeigt, dass das Werk ursprünglich fünf Sätze hatte; der ursprüngliche zweite Satz, ein Menuett, wurde später entfernt.

Der genaue Anlass, für den die Serenade geschrieben wurde, ist unbekannt, aber einige hatten nahegelegt, dass die Grazie, Eleganz und formelle Perfektion des Werks als Gegenstück zur absichtlichen Banalität und Tölpelei von Ein musikalischer Spaß, KV 522, gedacht war, der ungefähr sechs Wochen zuvor komponiert worden war. Die scheint jedoch dem Charakter eines Komponisten entgegenzustehen, der zu unnachgiebig derbem musikalischem Humor fähig war (wie beispielsweise in einigen seiner Kanons). Der Musikwissenschaftler Alfred Einstein wagt auch die zweifelhafte Aussage, dass Mozart die Serenade geschrieben hätte, um ein persönliches, inneres Bedürfnis zu stillen - wäre das wahr, wäre es eindeutig untypisch für einen Komponisten, der nur kaum Musik produzierte ohne eine externe Motivation oder Grund, ob finanziell oder anderer Art. Die übrig gebliebenen Sätze der Serenade sind die folgenden: Allegro; Romanze (Andante); Menuett (Allegretto) und Rondo (Allegro).

(c) Brian Robins

Kaufempfehlung:
Polnische Kammerphilharmonie, Dir. Wojciech Rajski
Label: Tacet, DDD, 2003
YouTube:
Wiener Philharmoniker, Dir. Karl Böhm

MOZART: Sinfonie Nr. 39 Es-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Sinfonie Nr. 39 Es-Dur, KV 543
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1788
Besetzung: Orchester
Aufführungsdauer: ca. 28 Minuten
Sätze:

  1. Adagio - Allegro
  2. Andante con moto
  3. Menuetto & Trio. Allegretto
  4. Finale. Allegro

Keine Gruppe von Mozarts Werken war größeren Diskussionen ausgesetzt als seine letzten drei Sinfonien, die Nr. 39 in Es-Dur, 40 in g-Moll und die "Jupitersinfonie", Nr. 41 in C-Dur. Sie wurden offenbar in einer bemerkenswert kurzen Zeitspanne von ungefähr zwei Monaten im Sommer 1788 komponiert und die Motivation des Komponisten sie zu schreiben wurde seither heftig debattiert. So wie seine Zeitgenossen komponierte Mozart fast ausschließlich aus praktischen Gründen, doch wurden in diesem Fall keine verifiziert. Es ist trotzdem noch die am wenigsten plausibelste Erklärung, dass Mozart seine große, finale Trilogie an Sinfonien als Ergebnis einer Art persönlichen "inneren Bedürfnisses" schrieb, diese Theorie erhält eine attraktive Romantik durch die Mischung mit der Behauptung, dass er nicht mehr gelebt hätte, um diese drei Gipfelpunkte seines sinfonischen Repertoires dargeboten gehört zu haben. Eine solche Theorie stellt sich entgegen allem was wir über Mozarts Arbeitspraxis wissen. Vor allen Dingen hätte er während der betreffenden Periode seines Lebens gar nicht die Zeit für eine solche Schwelgerei gehabt, denn es war ein Sommer, während dem sich seine erhaltene Korrespondenz vorrangig mit zunehmend verzweifelten Bittbriefen an seinen Mäzen und befreundeten Freimaurer Michael Puchberg befasste. Naheliegender wurde vermutet, dass Mozart vorhatte eine Reihe an Abonnementkonzerten für die Herbst- oder Adventszeit zusammenzustellen. Man ging davon aus, dass diese Konzerte nie stattgefunden haben, aber kürzlich hatte der Musikwissenschaftler H.C. Robbins Landon überzeugend argumentiert, dass diese Konzerte tatsächlich stattgefunden haben und die drei letzten Sinfonien die wichtigsten neuen Werke waren, die dort gespielt wurden. Es erscheint auch sehr wahrscheinlich, dass Mozart die neuen Werke mit auf die Reise nach Deutschland nahm, die er im folgenden Jahr unternommen hatte.

In den drei Sinfonien von 1788 (zu denen man in dieser Hinsicht noch die "Prager" Sinfonie von 1786 zählen muss) findet man die Kulmination von Mozarts Einverleibung des kontrapunktischen Stils von Bach und Händel, den er Anfang der 1780er zuerst begonnen hatte zu erlernen. Es war diese Synthese des "erlernten" Stils mit der reinen Klarheit der Klassik, die so große Schwierigkeiten bereitete für Mozarts Zeitgenossen, für die sein später Stil zunehmend "schwierig" wurde. Jede der Sinfonien besetzt eine ganz spezifische Welt für sich. Die Sinfonie in Es-Dur, von Mozart am 26. Juni 1786 seinem thematischen Katalog beigefügt, wird oft als "warm und herbstlich" charakterisiert (Robbins Landon), eine Beschreibung, die (wie so oft bei Mozart) nur einen Teil der Geschichte darstellt; sie verpasst es einen Augenmerk auf die spannbare Stärke und eine dramatische Qualität der Sinfonie zu legen, die auch Momente an Pathos nicht ausschließt, welche man eher unmittelbar mit der Sinfonie g-Moll assoziiert. Es gibt vier Sätze. Dem beginnenden Allegro geht (wie auch schon in den "Prager" und "Linzer" Sinfonien, den direkten numerischen Vorgängern) eine kraftvolle, langsame Adagio-Einführung voraus. Das folgende Andante hat ein sekundäres Thema, das viel stürmischer ist (und auch einer beträchtlichen Durchführung ausgesetzt wird) als man das in einem "langsamen" Satz vermuten könnte, während das anschließende Menuett in elegantem Schritt steht, der von einem ländlichen Trio in der Mitte hervorgehoben wird. Das finale Allegro ist eine blendende Schau an gutmütigem Humor und kontrapunktischer Magie, dessen Komplexität meisterhaft in einem jener Sätze getarnt wird, in denen der Komponist seine Kunst verbirgt. Die Sinfonie wurde angelegt für Flöte, Paaren an Klarinetten, Fagotten, Hörner, Trompeten, Pauke und Streicher.

(c) Brian Robins, H.C. Robbins Landon

Kaufempfehlung:
Berliner Philharmoniker, Dir. Karl Böhm
Label: DGG, ADD, 1960-69
YouTube:
The Chamber Orchestra of Europe, Dir. Nikolaus Harnoncourt
Großer Musikvereinssaal in Wien

MOZART: Requiem d-Moll

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Requiem d-Moll, KV 626
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1791
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 52 Minuten
Teile:

  1. Requiem aeternam
  2. Kyrie
  3. Dies irae
  4. Tuba mirum
  5. Rex tremendae
  6. Recordare
  7. Confutatis
  8. Lacrimosa
  9. Domine Jesu Christe
  10. Hostias
  11. Sanctus
  12. Benedictus
  13. Agnus Dei
  14. Lux aeterna

E.T.A. Hoffmann schrieb einmal, dass "[Mozarts] Requiem wohl das Höchste ist, was die neueste Zeit für den kirchlichen Cultus aufzuweisen hat". Mozarts Komposition auf dem Totenbett bot dem 19. Jahrhundert einen großen Reiz; im angeblich rationaleren zwanzigsten stieg es zu wahrhaftigem Kultstatus auf. Dies tat es trotz fundamentaler Mysterien rund um seine Komposition und sogar seine Authentizität, Mysterien, die im 21. Jahrhundert immer noch nicht gelöst wurde. Irgendetwas in der Ernsthaftigkeit und den subtilen Feinheiten der Musik berührte jede nachfolgende Generation.

Ein verworrener Strang an Mythen und Märchen schildern das im Sterben liegende Genie, das über dem Manuskript zusammenbricht (Mythen, die durch den Film "Amadeus" 1984 kräftig bestärkt wurden), aber es gibt auch viele Fakten zum Werk, die klar sind. Im Februar 1791 verstarb die Gräfin von Walsegg. Der Graf beauftragte Mozart mit einem Requiem mittels eines Sekretärs (der "graue Bote" der Requiem-Mythologie). Mozart nahm den Auftrag für seinen anonymem Gönner an, da er ohnehin danach trachtete eine "höhere Form der Kirchenmusik" zu komponieren (sein Ave verum corpus spiegelt den gleichen Wunsch wieder). Nachdem er den ganzen Oktober und November hindurch am Requiem gearbeitet hatte, wurde Mozart jedoch krank und verstarb ohne es fertigzustellen. Mozarts Witwe sorgte aus Geldmangel dafür, dass seine Freund und Schüler die anderen Sätze fertigstellten. Der Graf erhielt schließlich ein vollständiges Requiem, das er als seine eigene Komposition auszugeben versuchte; der Großteil dieser Ausgabe stammt aus der Hand von Franz Süssmayr. Musikwissenschaftler haben sorgfältig versucht Mozarts Werk von Süssmayrs Fehlinterpretation seiner Vorstellungen zu unterscheiden.

Mozarts Requiem enthält fünf Abschnitte, jeder wird von einer Fuge gekrönt: Requiem/Kyrie, Sequentia ("Dies Irae"), Offertorium, Sanctus und Agnus Dei. Durchweg treibt die Komposition für Chor Mozarts Musik an; selbst die vier Solisten singen kaum einmal alleine. Das dunkel gefärbte Orchester unterstützt den Chor mit oft lebhaften Motiven. Dieser illustrierende Aspekt wird in der Sequentia am Auffälligsten: "Tuba mirum" (Soloposaune), "Rex tremendae" (majestätisch punktierte Rhythmen), "Confutatis" (feurige Begleitung) und "Lachrymosa" (seufzende Streicher). Einzelne Sätze weisen nicht nur einen außerordentlichen Grad an motivischer Einheit auf, Mozart schafft behutsam motivische Beziehungen das gesamte Requiem hindurch. Die allererste Melodie, die von den Bässen gesungen wird ("Requiem aeternam") wird beispielsweise ganz zu Ende wiederholt und hallt auch das gesamte Werk hindurch wider; die Anfangsmelodie der "Dies irae" verwandelt sich zu Dur, um das "Sanctus" zu eröffnen. Mozart scheut sich jedoch nie seine Tribut an die früheren Traditionen der Kirchenmusik zu zollen. Seine Fugen beziehen sich absichtlich auf Bach und alleine im ersten Satz zitiert er aus Michael Haydns Requiem, Händels Totenhymne für Königin Caroline, den Messias und dem als "Pilgerton" bekannten gregorianischen Choral.

(c) Timothy Dickey, E.T.A. Hoffmann

Kaufempfehlung:
Sibylla Rubens, Lioba Braun, Steve Davislin, Georg Zeppenfeld (Solisten), Chor des Bayerischen Rundfunks, Münchner Philharmoniker, Dir. Christian Thielemann
Label: DGG, DDD, 2005
Gundula Janowitz, Christa Ludwig, Peter Schreier, Walter Berry, Chor der Wiener Staatsoper, Wiener Symphoniker, Dir. Karl Böhm
Label: DGG, 1971
YouTube:
Anna Tomowa-Sintow, Helga Müller-Molinari, Vinson Cole, Paata Burchuladze (Solisten), Wiener Singverein & Philharmoniker, Dir. Herbert von Karajan
1986

HAYDN: Die Schöpfung

Joseph Haydn
Lebensdaten: 31. März 1732 Rohrau (Österreich) - 31. Mai 1809 Wien (Österreich)
Werk: Die Schöpfung, Hob. XXI:2
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1798
Uraufführung: 29. März 1798 in Wien
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde, 45 Minuten
Teile:

  • Einführung. Die Vorstellung des Chaos
  • Im Anfange schuf Gott
  • Und der Geist Gottes schwebte auf der Fläche der Wasser
  • Nun schwanden vor dem heiligen Strahle
  • Verzweiflung, Wut und Schrecken
  • Und Gott machte das Firmament
  • Da tobten brausend heftige Sturme
  • Mit Staunen sieht das Wunderwerk
  • Und laut ertönt aus ihren Kehlen
  • Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser
  • Rollend in schäumenden Wellen
  • Und Gott sprach: Es bringe die Erde Gras hervor
  • Nun beut die Flur das frische Grün
  • Und die himmlischen Heerscharen
  • Stimmt an die Saiten
  • Und Gott sprach: Es sei'n Lichter an der Feste der Himmels
  • In vollem Glanze (Accompagnato)
  • Die Himmel erzählen die Ehre Gottes
  • Und Gott sprach: Es bringe das Wasser
  • Auf starken Fittiche schwinget sich der Adler stolz
  • Und Gott schuf große Walfische und ein jedes
  • Seid fruchtbar alle (Accompagnato)
  • Und die Engel rührten ihr' unsterblichen Harfen
  • In holder Anmut stehn
  • Der Herr ist groß in seiner Macht
  • Und Gott sprach: Es bringe die Erde hervor lebende Geschöpfe nach ihrer Art
  • Gleich öffnet sich der Erde Schoß (Accompagnato)
  • Nun scheint in vollem Glanze der Himmel
  • Und Gott schuf den Menschen
  • Mit Würd' und Hoheit angetan
  • Und Gott sah jedes Ding
  • Vollendet is das große Werk
  • Zu dir, o Herr, blickt alles
  • Vollendet ist das große Werk
  • Alles lobe seinen Namen
  • Aus Rosenwolken bricht, geweckt
  • Von deiner Gut, o Herr und Gott
  • Der Sterne hellster, o wie schön
  • Heil dir, o Gott!
  • Nun ist die erste Pflicht erfüllt
  • Holde Gattin!
  • Der thauende Morgen, o wie ermuntert er!
  • O glücklich Paar
  • Singt dem Herren alle Stimmen!
  • Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit

Eines von Haydns zwei großen Chormeisterwerken, Die Schöpfung, wurde im Jahr 1795 komponiert zu einem Libretto, das speziell hierfür von Baron Gottfried von Swieten angefertigt wurde und gemeinschaftlich auf dem Buch Genesis, ergänzt durch passende Abschnitte aus dem Buch der Psalmen und auf John Miltons allegorischer Studie über Schöpfung und Sündenfall, Paradise Lost, beruht.

Zu dieser Zeit war der einst scheinbar unaufhaltsame händelsche Oratorienkult schnell altmodisch und unmodern geworden im Zuges des Rufes der Aufklärung nach Vernunft und der Abweisung religiöser Dogmen zugunsten dem Streben nach materieller Objektivität. Im Nachhinein wirkt es daher schon ein wenig ironisch, dass ein von Händel bereits abgelehntes Thema einen Konvergenzpunkt für Haydns frommen Glauben und dem vorherrschenden, intellektuellen Klima der Epoche liefert, das gleichzeitig noch neues Vertrauen in ein Genre schürte, dessen Tage bereits gezählt schienen. Der Musikwissenschaftler Hans Schnoor nannte dies "einen außergewöhnlichen Fall der vollständig musikalischen Interpretation der sozialen und individuellen Psyche" und es war doppelt bemerkenswert, wenn man die Exzentrizitäten und Eigenheiten bedenkt, die in Swietens Text verstreut sind.

Das Oratorium beginnt mit einer der futuristischsten Episoden, die man in der gesamten vorromantischen Musik findet. Es ist die berühmte "Vorstellung des Chaos", die als Geleit zum Werk dient. Die unfokussierten harmonischen Strukturen und Atmosphäre an vager Formlosigkeit muss Haydns Zeitgenossen verdutzt haben und der Abschnitt klingt auch für moderne Ohren immer noch verblüffend und hoch impressionistisch.

Ein gleichermaßen genialer Moment und einer, dem John Milton zweifellos zugestimmt hätte, kommt, wenn der Chor über einem gedämpften, langsam pulsierenden Hintergrund des Orchesters singt: "Und der Geist Gottes schwebte auf der Fläche der Wasser..."

Urplötzlich und unerhört singt der Chor "Und es ward Licht!" in einem der ergreifendsten Fortissimo-Ausbrüche in C-Dur, die man in der gesamten Musik finden kann! Es war ein logischer, natürlicher Schritt und einer, der völlig typisch war für den späten, großartigen Haydn am Gipfelpunkt seiner Schaffenskraft. Danach folgt ein frohlockender Erguss nach dem anderen, wenn der Chor dem himmlischen Schöpfer für jeden nachfolgenden Tag der Schöpfung huldigt.

Erzählende oder rein beschreibende Stücke werden den drei Solisten überlassen, die nach den Erzengeln Gabriel, Uriel und Raphael benannt sind, nur vom Orchester begleitet. Haydns meisterhaft angewandte technische Fähigkeiten stellen jedoch sicher, dass es durchweg eine zufriedenstellende Balance gibt zwischen den jeweiligen vokalen und instrumentalen Kräften, wie zu hören ist, wann immer Chor und Solisten zusammen zu hören sind. Gute Beispiele dafür sind "Mit Staunen sieht das Wunderwerk" für Sopran mit Chor und das Terzett "In holder Anmut steh'n", das direkt in den Chor "Der Herr ist groß in seiner Macht" führt. In diesem Abschnitt sind alle drei Solisten und der Chor mit Orchester beschäftigt, genauso wie im berühmtesten Teil des Oratoriums "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes".

(c) Michael Jameson

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MOZART: Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll, KV 491
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1786
Uraufführung: 7. April 1787 in Wien (Österreich)
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 30 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Larghetto
  3. Allegretto

In den ersten Monaten des Jahres 1786 war Mozart sehr im Prozess vertieft seine Oper "Le nozze di Figaro" fertigzustellen, die am 1. Mai am Nationalen Hoftheater von Wien ihre Uraufführung feierte. Ein Mangel an Zeugnissen für die Wintermonate und den Frühling des Folgejahres bedeuten, dass wir nicht wissen, ob er die Reihe an Abonnementkonzerten für Lenten wiederholte, die er in den beiden vorherigen Jahren gegeben hatte, sie erbrachten allerdings die Vollendung zweier neuer Klavierkonzerte, ein Genre, das zwischen 1784 und 1786 eigentlich mit solchen Konzertreihen assoziiert werden kann. Eines von diesen, die Nr. 23 in A-Dur KV 488, ist ein Werk, von dem wir heute wissen, dass es bereits zwei Jahre vorher begonnen wurde, aber das hier behandelte prachtvolle Konzert war ein komplett neues Werk. Es wurde am 24. März seinem thematischen Katalog beigefügt und es soll am 7. April im Burgtheater bei Mozarts Wohltätigkeitskonzert Premiere gefeiert haben, im letzten Konzert, das er dort geben sollte.

Die Popularität, die Mozart als Künstler beim Wiener Publikum genoss sollte von nun an nachlassen und das c-Moll-Konzert das vorletzte sein in der großartigen Reihe an Klavierkonzerten, die für seine Konzerte zwischen 1784 und 1786 komponiert wurden. Es ist eines von nur zwei Klavierkonzerten, die Mozart in Moll komponierte und ein Werk, das die zunehmende Dichte und Komplexität in Mozarts Musik reflektiert, die Entwicklung eines Stils, der bereits viele seiner Zeitgenossen verblüffte. Wie konnten sie sich beispielsweise das stürmische, Beethoven-ähnliche Drama des den Anfang darstellenden Allegros oder die chromatische Intensität erklären, die das Konzert durchdringt?

Die Urschrift der Partitur, die sich in der British Library befindet, zeigt auch völlig untypische Anzeichen der Mühen, besonders im Finalsatz, wo Mozart verschiedene Versionen der dritten Variation versuchte ohne jemals eine Lösung zu erreichen. Die sehr füllige Orchestrierung, die kräftigste, die Mozart je in einem Konzert schrieb, ist der Größe und Kraft des Werks angemessen - Flöte, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, zwei Hörner, zwei Trompeten, Pauke und Streicher.

(c) Brian Robins

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Rudolf Buchbinder (Klavier & Dir.), Wiener Philharmoniker