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LISZT: Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur

Franz Liszt
Lebensdaten: 22. Oktober 1811 Raiding (Österreich-Ungarn) - 31. Juli 1886 Bayreuth
Werk: Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur, S 124
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1830-55
Uraufführung: 16. Februar 1855 im Hoftheater von Weimar
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 20 Minuten
Sätze:

  1. Allegro maestoso - Tempo giusto
  2. Quasi Adagio - Allegro vivace - Allegro animato
  3. Allegro marziale animato - Presto

Die Entstehungsgeschichte von Liszts Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur datiert auf das Jahr 1830 zurück, als der Komponist das Hauptthema in einem Notizbuch skizzierte. Er sollte jedoch nicht vor den 1840er-Jahren mit der tatsächlichen Arbeit an dem Konzert beginnen. Als Neuling ist der Kunst der Orchestrierung - sein Oeuvre bestand bis zu diesem Zeitpunkt fast vollständig aus Klaviermusik - zog Liszt die Unterstützung seines Schülers Joachim Raff heran, um das Werk mit einer instrumentalen Haut zu versehen. Liszt stellte das Werk 1849 fertig, nahm aber in den folgenden Jahren eine Reihe an Revisionen vor. Die endgültige Version des Werks datiert auf das Jahr 1856.

Die drei Hauptteile des Konzerts - Allegro maestoso, Quasi adagio - Allegretto vivace - Allegro animato und Allegro marziale animato - sind nahtlos in einer einzigen, großangelegten Struktur verknüpft. Die Anfangstakte, charakterisiert von einem kühnen, fast martialischen chromatischen Abstieg, enthält die grundlegenden Bestandteile, aus denen sich das gesamte nachfolgende thematische Material herleitet. Das Klavier tritt mit einer dramatischen Passage in für Liszt typischen Oktaven auf, nach der das Hauptthema in ruhigerer Gestalt wiederkehrt. Das zweite Thema wir im Klavier eingeführt, danach folgt ein Dialog zwischen Klavier und Klarinette. Die anmutige Gemütslage macht plötzlich einer Intensität Platz, wenn das Hauptthema dramatisch, beinahe wütend wieder auftritt.

Der zweite Teil beginnt mit einer ruhigen, singbaren Melodie in den gedämpften Streichern. Nachdem das Klavier das Thema aufgreift, wird die Stimmung unruhiger durch launenhafte, dramatische Äußerungen des Orchesters, die sich mit quasi-improvisatorischen Abschnitten im Klavier abwechseln. Wenn die Flöte, dann Oboe und Klarinette das Thema aufnehmen, steigt das Tempo. Die Lyrik macht einer leichtfüßigeren Stimmung Platz, signalisiert durch einem Paar an zarten Schlägen der Triangel. (Die Prominenz dieses Instruments im späteren Teil des Werks rief tatsächlich spöttische Kommentare einer Reihe von Kritikern hervor. Eduard Hanslick beispielsweise nutzte dieses Element, um das Werk als Liszts "Triangelkonzert" zu bezeichnen.) Das Klavier führt in ein lebhaftes, verspieltes Thema in höherer Tonlage ein; andere Instrumente treten der Struktur nach und nach bei, während die Triangel weiterhin mit heiteren Kommentaren beistimmt. Die Stimmung verfinstert sich mit der Wiederkehr des Anfangsthemas des Konzerts, als ob eine Rückkehr zu dieser musikalischen Ereignisfolge angedeutet würde. Stattdessen eröffnet das Klavier den Schlussteil, der mit einer schnelleren Version des singbaren Themas des zweiten Teils beginnt. Andere frühere Themen treten in verschiedenerlei Gestalt wiederauf, während die Triangel weiterhin durchweg ihre Farbe beimischt. Indem es zwischen verschachtelten Passagen und donnernden Oktaven wechselt, kommt das Konzert in der bravourösen Art zum Schluss, mit der Liszt so eng verbunden wird.

(c) Robert Cummings

Kaufempfehlung:
Nelson Freire (Klavier), Dresdner Philharmoniker, Dir. Michel Plasson
Label: Berlin, DDD, 1994
YouTube:
Martha Argerich (Klavier), West-Eastern Divan Orchestra, Dir. Daniel Barenboim
Royal Albert Hall, London 2016

PROKOFJEW: Klavierkonzert Nr. 3 C-Dur

Sergei Prokofjew
Lebensdaten: 23. April 1891 Gut Sonzowka (Russland) - 5. März 1953 Moskau
Werk: Klavierkonzert Nr. 3 C-Dur, op. 26
Epoche: Moderne
Entstehungszeit: 1917-21
Besetzung: Klavier und Orchester
Uraufführung: 1921 in Chicago
Aufführungsdauer: ca. 27 Minuten
Sätze:

  1. Andante - Allegro
  2. Tema con variazioni
  3. Allegro ma non troppo

Für sein drittes Klavierkonzert bediente sich Prokofjew der Vergangenheit als Inspiration: dieses Konzert beinhaltet Material, das aus Skizzen stammt, welche zwischen 1911 und 1918 angefertigt wurden. Der ersten Satz enthält zwei Themen, die 1916 geschrieben wurden, sowie eine zuerst 1911 skizzierte Akkordpassage; der zweite Satz enthält ein Thema und Variationen, die 1913 geschrieben wurden, während der Finalsatz thematisches Material aus einem verworfenen Streichquartett nutzt, das 1918 begonnen wurde. Als er dieses Konzert während eines Urlaubs in Großbritannien begann, schrieb Prokofjew: "Ich hatte bereits all das thematische Material, das ich benötigte, mit Ausnahme des dritten Themas des Finales und des Nebenthemas des ersten Satzes." Das dritte Klavierkonzert ist vielleicht Prokofjews bestes Werk in diesem Genre und reicht an Beliebtheit und Regelmäßigkeit der Darbietungen an Tschaikowski und Rachmaninow heran. Seine Opuszahl rangiert es direkt nach der "Klassischen" ersten Sinfonie von 1917 ein und das Konzert ist auf seine Art in vielerlei Hinsicht ähnlich zur ersten Sinfonie: beide Werke sind lebhaft, bissig, mit brillanter Orchestrierung und einer gewissen transparenten Struktur. Beide Stücke sind auch eindeutig das Werk eines geschickten, jungen Komponisten mit beträchtlichen technischen Fertigkeiten; die beiden Werke unterscheiden sich jedoch stark in Bezug auf ihren Zuspruch. Die "klassische" Sinfonie wurde in Russland einigermaßen wohlwollend aufgenommen, obwohl sie dort nur einmal aufgeführt wurde, bevor Prokofjew in die Vereinigten Staaten auswanderte. Nachfolgende Darbietungen der Sinfonie in den USA waren erfolgreich. Dem dritten Klavierkonzert jedoch war kein solcher Erfolg beschienen und das Werk wurde nach einer guten Uraufführung in Chicago 1921 (zusammen mit der Oper "Die Liebe zu den drei Orangen") später in New York geradewegs abgelehnt.

Das Konzert weist einiges dieser "harmonischen Lebhaftigkeit", wie Nancy Siff sie nannte, der Sinfonien der mittleren Epoche auf mit seinen plötzlichen Wecheln von Tonart zu Tonart und chromatischer Harmonie. Die mit Prokofjews Musik allgemein verbundene Differenziertheit und Bravour ist stets vorhanden, sowie auch der in vielen seiner orchestralen Werken aufzufindende Humor. Das Konzert steht in traditioneller Konzertform aus drei Sätzen (das einzige von Prokofjews fünf Klavierkonzerten, das die traditionelle Form nutzt) und beginnt und endet mit schnellen Sätzen, flankiert von einem langsamen Mittelsatz. Jeder Satz ist ungefähr gleich lang und das thematische Gewicht und Fokus ist die ganze Sätze hindurch gleichmäßig verteilt. Das Werk beginnt mit einem temperamentvollen Anfangssatz, der einen von Kastagnetten untermalten, heiteren Marsch beinhaltet, gefolgt von den fünf Variationen des zweiten Satz und endet mit einer grandiosen Darstellung der farbenfrohen Harmonien und virtuosen Orchestrierung. Die Solopartitur des Klaviers ist auch virtuos, bisweilen ziemlich perkussiv.

(c) Alexander Carpenter

Kaufempfehlung:
Martha Argerich, Berliner Philharmoniker, Dir. Claudio Abbado
Label: DGG, ADD, 1966/74
YouTube:
Yuja Wang, Lucerne Festival Orchestra, Dir. Claudio Abbado
2009 beim Lucerne Festival

RACHMANINOW: Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll

Sergei Rachmaninow
Lebensdaten: 1. April 1873 Semjonowo (Russland) - 28. März 1943 Beverly Hills
Werk: Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll, op. 30
Epoche: Postromantik
Entstehungszeit: 1909
Uraufführung: 28. November 1909 in New York
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 45 Minuten
Sätze:

  1. Allegro ma non tanto
  2. Intermezzo. Adagio
  3. Finale. Alla breve

Rachmaninow spielte die Uraufführung des dritten Klavierkonzerts am 28. November 1909 in New York mit dem New York Symphony Orchestra unter der Leitung von Walter Damrosch. Im folgenden Januar spielte er es mit dem New York Philharmonic Orchestra, dirigiert von Gustav Mahler. Über viele Jahrzehnte wurde es von Pianisten und Publikum gleichermaßen gemieden zugunsten des kompakteren, melodischeren und strukturell solideren zweiten Klavierkonzerts. Es ist ein tiefgründigeres Werk, voller virtuoser Hürden und langwieriger Kadenzen. Es wurde aber unterminiert von Kürzungen, zu denen Rachmaninow überredet wurde und die es auf kurze Sicht besser in Konzertprogramme einbinden ließ, aber letztendlich seinen künstlerischen Wert sabotierten. Seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts befassten sich jedoch die meisten Darbietungen des Konzerts mit der Originalversion, die um die 45 Minuten andauern kann. (Gekürzte Versionen schnitten teilweise bis zu zehn Minuten der Originaldauer der Partitur ab).

Der erste Satz des dritten Klavierkonzerts, als Allegro ma non tanto bezeichnet, beginnt mit dem Klavier, welches ein lebhaftes, aber einsames Thema russischen Charakters spielt, welches dann unmittelbar neue Ideen aufkeimen zu lassen. Ein sehnsüchtiger Brückenteil führt zu einem rhythmischen Thema, das sich verlangsamt, um dann zügig eine andere melodische Gestalt anzunehmen, eine wunderschöne und für Rachmaninow typische in ihrer aufsteigenden und ekstatischen Art. Das Hauptthema kehrt zurück und eine mächtige Durchführung lässt eine langwierige Kadenz gewähren, deren Anfangstakte alternative Versionen für den Solisten anbieten - ein leichtfüßigerer, athletischerer Beginn oder ein dunklerer, akkordischerer. Ein Wiederauftreten des Hauptthema und eine kurze Coda schließen diesen allgemein verhaltenen und reflektierenden Satz ab.

Das Adagio des zweiten Satzes ist formal ziemlich einzigartig mit einem Hauptthema, das den Großteil des Satzes dominiert, sowie einem kurzen Scherzo-ähnlichen Teil, der gegen Ende auftritt. Die Stimmung rangiert von der Melancholie des Hauptthemas der Oboe bis zur ekstatischen Pracht seiner großen Wiederauftritte im Klavier und Orchester zur Mitte des Satzes. Nach der verspielten Scherzo-ähnlichen Musik liefert das Klavier eine kurze, aber brillante Kadenz, die direkt in das farbenfrohe Finale führt.

Dieser als Alla breve markierte Satz bietet direkt zu Beginn ein für Rachmaninow typisches schnelles Thema am Klavier: es ist verwandt zum alternativen Thema des ersten Satzes, ist rhythmisch heiter und zugänglich in seinen repetierten Noten. Eine rhythmische Akkordpassage blickt zurück auf den zu Beginn des Konzerts gehörten Rhythmus und ein liebevolles Thema, verwandt mit dem Brückenteil des ersten Satzes, wird präsentiert, auf eine triumphale Auflösung hindeutend. Nach einem dramatischen, unheilvollen Aufbau gegen Ende tritt das Thema ein letztes und absolut triumphales Mal auf, wonach die brillante Coda das Werk abschließt. Der Mittelteil dieses Satzes erinnert an beide Themen des ersten Satzes und war einstmals der am Gravierendsten gekürzte Abschnitt des Konzerts.

Heutzutage trägt dieses Konzert den Beinamen "Rach 3" und ist die beliebteste Wahl unter Teilnehmern an Klavierwettbewerben, die ein virtuoses Schaustück darbieten möchten.

(c) Robert Cummings

Kaufempfehlung:
Khatia Buniatishvili (Klavier), Česká filharmonie, Dir. Paavo Järvi
Label: Sony, DDD, 2016
YouTube:
Martha Argerich (Klavier), Radiosinfonieorchester Berlin, Dir. Riccardo Chailly

MOZART: Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur, KV 488
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1786
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 25 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Adagio
  3. Allegro assai

Mozart stellte dieses Werk am 2. März 1786 fertig und spielte die Uraufführung höchstwahrscheinlich wenige Tage später in Wien. Für die Krönung des österreichischen Kaisers Joseph II. 1781 und dazugehörigen Feierlichkeiten verlegte der Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo seinen gesamten Hof nach Wien. Er bestellte seinen berühmtesten musikalischen Angestellten ein, den jungen Mozart, der den Erfolg von Ideomeneo in München auskostete, eine Oper, die eigens vom Kurfürsten Bayerns in Auftrag gegeben worden war. Der zögernde Wolfgang Amadé, der seinen übergeizigen Arbeitgeber zu dem Zeitpunkt schon durch und durch verabscheute, traf am 16. März in der Habsburger Hauptstadt ein. Bis 8. Juni hatte er es geschafft aus der Arbeit für Colloredo entlassen zu werden (mit einem Tritt in den Hintern), so dass er frei war Wien zu erobern, was ihm unter sprunghafter Hilfe des Kaisers gelang. Über die nächsten vier Jahre regierte er als Wiens beliebtester Komponist instrumentaler Musik. Während er auf der Erfolgswelle schwimmte wurde seine Musik gleichermaßen herbeigesehnt und wertgeschätzt. Als Reaktion auf die öffentliche Nachfrage zwischen 1782 und 1786 schrieb er 14 glorreiche Klavierkonzerte - die Nummern 11 bis 24 -- die meisten davon für ihn selbst als Pianisten. Das Konzert Nr. 23 war für die Lenten-Reihe von 1786 gedacht, zusammen mit Nr. 22 und 24, den letzten vor dem Figaro. Obwohl die genauen Daten dieser Konzerte verloren gegangen sind wissen wir, dass das Konzert A-Dur ein unmittelbarer Erfolg war und seither beliebt geblieben ist, aufgrund von Wehmut und an Erhabenheit grenzenden Melodien gleichermaßen. In Gesellschaft einer Flöte, zweier Fagotte, zweier Hörner und Streichern, leiht ein Paar Klarinetten der Musik eine verdrossene Stimmung.

Das Allegro des ersten Satzes folgt mit seiner doppelten Exposition größtenteils den strukturellen Regeln, obwohl es in der Durchführung ein plötzliches Auftreten von Drama gibt (Cuthbert Girdlestone schrieb, dass "Mozarts Dämon... plötzlich aus den Tiefen aufsteigt"), sowie eine durchkomponierte Kadenz, was in seinen reiferen Konzerten selten ist.

Anstatt eines Andante ist der langsame Satz das einzige Adagio aller Konzerte Mozarts und es die bisher auf ihren Auftritt wartende Melancholie nimmt die Hauptbühne ein. Überraschend und düster ist die Tonart fis-Moll (A-Durs harmonische Paralleltonart), sie wird nicht wirklich gebessert von einem lieblichen Thema in A-Dur für Flöte und Klarinette, das den Mittelteil einer ABA-Struktur darstellt, trotz Eigenschaften einer Sonatenform.

Nach zwei introvertierten Sätzen, der zweite auf ein musikalisches Krankenzimmer beschränkt, erholt sich das Rondo-Finale auf überschäumende Art - eines der lebhaftesten Allegro assai in Mozarts Konzertkanon, mit Tonartwechseln und sogar hochgradiger Komik, die den Patienten erholt und glücklich auffinden lässt, so wie wir alle, die bisher über seine Gesundheit besorgt waren.

(c) Roger Dettmer

Kaufempfehlung:
Friedrich Gulda, Sinfonieorchester des SWR Baden-Baden, Dir. Hans Rosbaud
Label: Hänssler, ADD, 1953-62
YouTube:
Daniil Trifonow (Klavier), Israel Camerata Orchestra, Dir. Avner Biron
in Tel Aviv

MOZART: Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll, KV 491
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1786
Uraufführung: 7. April 1787 in Wien (Österreich)
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 30 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Larghetto
  3. Allegretto

In den ersten Monaten des Jahres 1786 war Mozart sehr im Prozess vertieft seine Oper "Le nozze di Figaro" fertigzustellen, die am 1. Mai am Nationalen Hoftheater von Wien ihre Uraufführung feierte. Ein Mangel an Zeugnissen für die Wintermonate und den Frühling des Folgejahres bedeuten, dass wir nicht wissen, ob er die Reihe an Abonnementkonzerten für Lenten wiederholte, die er in den beiden vorherigen Jahren gegeben hatte, sie erbrachten allerdings die Vollendung zweier neuer Klavierkonzerte, ein Genre, das zwischen 1784 und 1786 eigentlich mit solchen Konzertreihen assoziiert werden kann. Eines von diesen, die Nr. 23 in A-Dur KV 488, ist ein Werk, von dem wir heute wissen, dass es bereits zwei Jahre vorher begonnen wurde, aber das hier behandelte prachtvolle Konzert war ein komplett neues Werk. Es wurde am 24. März seinem thematischen Katalog beigefügt und es soll am 7. April im Burgtheater bei Mozarts Wohltätigkeitskonzert Premiere gefeiert haben, im letzten Konzert, das er dort geben sollte.

Die Popularität, die Mozart als Künstler beim Wiener Publikum genoss sollte von nun an nachlassen und das c-Moll-Konzert das vorletzte sein in der großartigen Reihe an Klavierkonzerten, die für seine Konzerte zwischen 1784 und 1786 komponiert wurden. Es ist eines von nur zwei Klavierkonzerten, die Mozart in Moll komponierte und ein Werk, das die zunehmende Dichte und Komplexität in Mozarts Musik reflektiert, die Entwicklung eines Stils, der bereits viele seiner Zeitgenossen verblüffte. Wie konnten sie sich beispielsweise das stürmische, Beethoven-ähnliche Drama des den Anfang darstellenden Allegros oder die chromatische Intensität erklären, die das Konzert durchdringt?

Die Urschrift der Partitur, die sich in der British Library befindet, zeigt auch völlig untypische Anzeichen der Mühen, besonders im Finalsatz, wo Mozart verschiedene Versionen der dritten Variation versuchte ohne jemals eine Lösung zu erreichen. Die sehr füllige Orchestrierung, die kräftigste, die Mozart je in einem Konzert schrieb, ist der Größe und Kraft des Werks angemessen - Flöte, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, zwei Hörner, zwei Trompeten, Pauke und Streicher.

(c) Brian Robins

Kaufempfehlung:
Martin Stadtfeld (Klavier), NDR Sinfonieorchester, Dir. Bruno Weil
Label: Sony, DDD, 2004
YouTube:
Rudolf Buchbinder (Klavier & Dir.), Wiener Philharmoniker

LISZT: Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur

Franz Liszt
Lebensdaten: 22. Oktober 1811 Raiding (Königreich Ungarn) - 31. Juli 1886 Bayreuth (Bayern)
Werk: Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur, S 125
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1839
Uraufführung: 7. Januar 1857 in Weimar
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 21 Minuten
Abschnitte:

  1. Adagio sostenuto assai - Allegro agitato assai
  2. Allegro moderato
  3. Allegro deciso - Marziale un poco meno allegro
  4. Allegro animato

Liszt begann 1839 mit der Arbeit an seinem Klavierkonzert Nr. 2 und stellte es zunächst 1857 fertig. Im Verlaufe der nächsten paar Jahre wurden weitere Überarbeitungen vorgenommen und eine endgültige Version 1861 erstellt, die 1863 gedruckt wurde. Wie auch das erste Klavierkonzert ist es in einem einzelnen Satz angelegt, allerdings sind die einzelnen Abschnitte davon anders als beim Schwesterwerk zahlreich und weniger ausgeprägt, was manche Musikwissenschaftler dazu veranlasste es als sinfonische Dichtung mit Klavier anzusehen. W.F. Apthorp untertitelte das Konzert mit "Das Leben und die Abenteuer einer Melodie". Seine Beschreibung passt ganz gut, weil sich die Gesamtheit des Konzerts, genau wie das Erste, aus seiner beginnenden Melodie ableitet, die im Verlauf der ungefähr 20 Minuten des Werks viele Verwandlungen und Variationen durchlebt. Dies ist auch eine intimere Komposition als das Erste und ironischerweise auch eine bombastischere.

Das Hauptthema ist eine langwierige, melancholische Melodie, die zunächst durch die Holzbläser präsentiert wird. Das Klavier tritt in gemäßigter, fast zaghafter Weise auf und spielt filigran, während die Streicher süßlich das Thema darbieten. Die achtungsvolle Rolle des Klaviers endet mit einem dramatischen, sich kräuselnden Sturz, der das Instrument in den Bassregionen verweilen lässt, um ein bedrohliches, rhythmisches Thema einzuführen. Das Orchester gesellt sich zu diesen düsteren Vorgängen, das Klavier treibt dann aber noch weiteres musikalisches Chaos an mit Oktavenpassagen und anderem virtuosen Feuerwerk. Das Orchester übernimmt, um die Passage mit einer dramatischen Klimax zu unterstreichen, nach der die Melodie von einem Solocello gespielt wird, begleitet vom Klavier. Danach spielt das Klavier eine Variation der Melodie, schon bald unterstützt von den Streichern, während sich die Emotionen weiter steigern. Dieser Abschnitt endet mit herzig absteigenden Skalen und erwartungsvollen Strudeln in den höheren Regionen des Klaviers. Dies alles geht bombastischen Akkorden des Klaviers voran, während die Bläserabteilung eine Variation des Themas hinausposaunt. Nach einer verträumten Passage in den Streichern intensiviert sich die Musik erneut und das Klavier bricht in furiose Oktaven aus. Ein weiterer emotionaler Aufbau führt zu einer weiteren Episode, in der die Blechbläser, nun vom Klavier angestiftet, eine Marsch-ähnliche Variation der Eröffnungsmelodie darbieten. Die Musik schwächt nach und nach ab und das Klavier spielt eine geradlinige Interpretation des omnipräsenten Hauptthemas, nach der es ihm die Holzbläser gleich tun. Diese Passage endet mit der gleichen Art an süßem, zartem Abfallen von Tönen, die schon die erste ausgedehnte langsame Sektion abgeschlossen hatte. Liszt stattet das Finale des Konzerts mit aller Art von pianistischer und orchestraler Pyrotechnik aus.

Trotz aller brillanten Variationen und Mutationen des Zweiten Konzerts scheint eine Musik nicht an einer Auflösung anzukommen, die aus einer Art logischer, musikalischer Sequenz stammt. Sie ist großartig gefertigt, aber nicht wirklich profund. Das Werk feierte seine Uraufführung am 7. Januar 1857 in Weimar mit dem Widmungsträger des Werks Hans von Bronsart als Solisten und Liszt am Dirigentenpult.

(c) Robert Cummings

Kaufempfehlung:
Nelson Freire (Klavier), Dresdner Philharmonie, Dir. Michel Plasson
YouTube:
Michail Pletnjew (Klavier), Orchestra Sinfonia Nazionale della Rai, Dir. Aleksandr Wedernikow

MOZART: Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur, KV 467
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1785
Uraufführung: 12. März 1785
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 28 Minuten
Sätze:

  1. Allegro maestoso
  2. Andante
  3. Allegro vivace assai

In Einklang mit dem Klavierkonzert d-Moll, KV 466 wurde das C-Dur-Konzert für eine Reihe an Abonnement-Konzerten von Lenten komponiert, die Mozart 1765 gab. Dies war eine außerordentlich umtriebige und erfolgreiche Zeit in Mozarts Leben, soweit wir das aus einer Reihe an Briefen abschätzen können, die sein Vater Leopold an Mozarts Schwester Nannerl sendete, die damals bereits verheiratet war und mit ihrem Ehemann in St. Gilgen lebte. "Jeden Tag gibt es Konzerte; und die ganze Zeit wird für Unterricht, Musik, Komposition und so weiter genutzt... es ist mir unmöglich die Hektik und den Betrieb zu beschreiben." Leopold traf am 11. Februar ein, dem ersten Tag der Konzerte und der Uraufführung des d-Moll-Konzerts. Mozart spielte das gerade erst vollendete KV 467 zuerst nicht auf einem seiner Abonnement-Konzerte (obwohl er es sicherlich in eines der letzten davon auch mit eingebaut hat), sondern bei seinem Wohltätigkeitskonzert im Hoftheater am 10. März, einen Tag nachdem es ihn seinen thematischen Katalog aufgenommen worden war. Ein Handzettel für das Konzert verkündete, dass es "ein neues, gerade erst vollendetes Klavier für Fortepiano" enthielte zusätzlich zu von Mozart gespielten Improvisationen (für die er besonders berühmt war), die "ein besonders großes Fortepiano-Pedal" verwendeten.

Das C-Dur-Konzert zeigt absolut keine Anzeichen dafür in einer Atmosphäre von "Hektik und Betriebsamkeit" komponiert worden zu sein; genauso hätte der Kontrast zum stürmischen Drama seines unmittelbaren Vorgängers nicht größer sein können. Dem ersten Satz, einem ausgedehnten Allegro von olympischer Erhabenheit und Aufbau folgt ein Andante von außerordentlicher Schönheit, das in moderneren Zeiten durch seine Nutzung im Film "Das Ende einer großen Liebe" berühmt wurde. Dieser Satz ist mit seinen wenigen Anmerkungen und dem nackten Entwurf nebenbei ein klassisches Beispiel für die Art, in der sich Mozart regelmäßig Freiraum zum Improvisieren innerhalb des Kontexts seines eigenen Konzertes ließ, eine Technik, die später von Künstlern wie Malcolm Bilson und Robert Levin wieder eingeführt wurde. Der letzte Satz ist ein Allegro vivace assai, dessen Heraufbeschwörung der Welt der Buffooper typisch für viele von Mozarts Finalsätzen ist, sowohl in Konzerten, wie auch Sinfonien. Wie das d-Moll-Konzert ist das KV 467 für ein großes Orchester angelegt: Flöte, Paare an Oboen, Fagotten, Hörnern und Trompeten, Pauke und Streicher.

(c) Brian Robins

Kaufempfehlung:
Rudolf Serkin (Klavier), London Symphony Orchestra, Dir. Claudio Abbado
Label: DGG, DDD, 1982
YouTube:
Maurizio Pollini (Klavier), Orchestra filarmonica della Scala, Dir. Riccardo Muti

BEETHOVEN: Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur

Ludwig van Beethoven
Lebensdaten: 16. Dezember 1770 Bonn (Kurköln) - 26. März 1827 Wien (Österreich)
Werk: Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur, op. 58
Epoche: Klassik/Romantik
Entstehungszeit: 1805-06
Uraufführung: März 1807
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 35 Minuten
Sätze:

  1. Allegro moderato
  2. Andante con moto
  3. Rondo. Vivace

Beethovens bekanntermaßen umfassende Notizbücher bestätigen, dass er nur komponierte nach einer unklaren Periode der Inspiration, gefolgt von einer Periode des Experimentierens, gefolgt von einer Periode der Heranreifung: oder anders gesagt einem Entwicklungsprozess. Während wir in den meisten Fällen wissen wann Werke uraufgeführt und erstgedruckt wurden, wissen wir nicht, wann er sie genau konzipierte oder welche Kette an Veränderungen ihrer ersten öffentlichen Darbietung vorausging. Wir bleiben beispielsweise unwissend darüber an welchen Tagen welcher Monate - oder eigentlich auch in welchem Jahr - er sich ausschließlich auf das vierte Klavierkonzert konzentriert hatte.

Nicht, dass man das wissen müsste. Es genügt seine revolutionäre (sowie evolutionäre) Natur zu erkennen, die mit dem allerersten Akkor beginnt. Kein Konzert zuvor, von Beethoven oder jemand anderem, beginnt wie das G-Dur mit dem unbegleiteten Soloinstrument spielend - nicht nur das, sondern auch noch anmutig und weich! Das Wunder ist jedoch, dass Beethoven Hauptthema und -rhythmus des gesamten ersten Satzes innerhalb von fünf lieblichen, weichen Solotakten einführt, die auf einem Akkord in D-Dur (Dominante) enden und auf den das Orchester in B-Dur antwortet, bevor es zur Tonika G moduliert. Nichts von Beethovens charakteristischer Vehemenz ist hier vorhanden, nicht einmal während eines Crescendo hin zu Forte mit einer Sforzando-Punktierung in den Takten 20-22, obwohl er gleichzeitig das vierte Konzert und die Appassionata-Sonate komponierte und während sich die fünfte Sinfonie in seinem Unterbewusstsein einnistete.

Faszinierend ist, dass sich die Hauptthemen in den Anfangssätzen des vierten Konzerts und der fünften Sinfonie ein rhythmisches Motto teilen: drei kurze gleichwertige Noten, denen eine längere vierte Note folgt. (Im Konzert sind all diese die gleichen Töne; in der Sinfonie ist der letzte um eine Terz tiefer). Bemerkenswert ist auch die Uraufführung beider Werke im gleichen Wiener Programm - der geschichtenumwoben, vierstündige Marathon am 22. Dezember 1908 im unbeheizten Theater an der Wien, der auch die Pastorale-Sinfonie und die "Choralfantasie" vorstellte mit einem Orchester, das sich weigerte vor dem anwesenden Komponisten zu proben. Apropos G-Dur-Konzert: obwohl seinem bahnbrechenden Beginn eine traditionelle Doppelexposition folgt, waren Beethovens instrumentale Strukturen, das tonale Gewicht, die Feinheiten der Harmonie und vor allem die Illusion der Improvisation, die er kreiert, absolute Meilensteine.

Der langsame Satz ist sogar noch revolutionärer trotz der Kürze von nur 72 Takten und der Verbindlichkeit gegenüber der Romanze als Mittelsatz in Mozarts d-Moll-Konzert (KV 466), das Beethoven mit herausragendem Erfolg öffentlich gespielt hatte. In seinem eigenen Konzert jedoch waren die Gegenüberstellung unversöhnlicher Streicher, die sowohl Forte, als auch Staccato spielten, sowie die tröstende Legato-Antwort des Klaviers mit durchweg gehaltenem "weichen" Pedal beispiellos. Eine solch spürbare Konfrontation war in Konzerten nicht die Norm. Genauso wenig wie die letztendliche Kapitulation des Orchesters, ohne Pause gefolgt von einem als Vivace bezeichneten Rondo-Finale, dessen Coda in Presto mit das Entflammendste ist, das Beethoven je geschrieben hat.

Dennoch ließen sich Solopianisten und ihr Publikum mehr Zeit das Vierte zu spielen als bei anderen Konzerten Beethovens. Mendelssohn aber - ein Kaviar liebender General - liebte es am Meisten und spielte es bei seinem letzten Konzert 1846 in London: ein Programm, das auch seine eigene Musik zu Ein Sommernachtstraum und die schottische Fantasie enthielt.

(c) Roger Dettmer

Kaufempfehlung:
Maurizio Pollini (Klavier), Berliner Philharmoniker, Dir. Claudio Abbado
Label: DGG, DDD/LA, 1993/2006
Wladimir Aschkenasi (Klavier), London Philharmonic Orchestra, Dir. Bernard Haitinik
Label: Decca, 2007
YouTube:
Krystian Zimerman (Klavier), Wiener Philharmoniker, Dir. Leonard Bernstein

GRIEG: Klavierkonzert a-Moll

Edvard Grieg
Lebensdaten: 15. Juni 1843 Bergen (Königreich Schweden, heute Norwegen) - 4. September 1907 Bergen (Norwegen)
Werk: Klavierkonzert a-Moll, op. 16
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1868
Uraufführung: 3. April 1869 in Kopenhagen (Dänemark)
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 30 Minuten
Sätze:

  1. Allegro molto moderato
  2. Adagio
  3. Allegro moderato molto e marcato

Grieg wurde an Norwegens Fjordküste im gleichen Jahr geboren als in Leipzig das geschichtenumwobene Konservatorium unter der Leitung von Felix Mendelssohn eröffnete. Zu der Zeit als Ole Bull, der skandinavische Paganini, Griegs Eltern überredet hatte ihren talentierten 15-jährigen dort zur Ausbildung zu schicken war Mendelssohn bereits 11 Jahre tot. Seine Nachfolger waren zuverlässige Akademiker deutscher Schule, die Edvard hasste und gegen die er rebellierte. Seitdem ließ er fünf Jahre in Leipzig klingen wie eine Gefängnisstrafe. Dass er von angeblich engstirnigen und gefühllosen Lehrern so viel lernte bestätigt die Zuverlässigkeit ihrer Lehre. Ganz besonders saugte Grieg die auffallenden stilistischen Charakterzüge von Mendelssohn und Schumann auf (der dort kurz lehrte, bevor er nach Dresden zog). Tatsächlich könnte man sein Klavierkonzert "schumannesk" nennen (wie das Konzert Schumanns steht es in a-Moll) ohne dabei seinen skandinavischen Charakter oder Lisztsche Verzierungen zu entkräften. Trotz posthumer Verachtung von Griegs großem Solo-Oeuvre einen Großteil des 20. Jahrhunderts hindurch war sein natürliches Betätigungsfeld das Klavier. Grieg komponierte diese Musik 1868 um sie selbst zu spielen; es war jedoch Edmund Neupert, der am 3. April 1869 in Kopenhagen die erste öffentliche Aufführung spielte.

Ein Zuschuss der Regierung machte es Grieg möglich 1869 Italien zu besuchen, wo er das Werk Liszt vorstellte in dessen Residenz nahe Rom. Der freundliche Abbé spielte es vom Blatt mit unverhohlener Freude (auch brillant, obwohl es Grieg während des Anfangsteils "eher zu schnell" war). Liszt ermutigte ihn "weiterzumachen und sich durch nichts beängstigen zu lassen", legte aber geschmacklos nahe, dass das zweite Thema des ersten Satzes von einer Trompete anstatt Celli gespielt werden solle. Grieg gab es den Streichern erst bei seiner Überarbeitung von 1905-06 wieder zurück.

Das Konzert beginnt mit einem Trommelwirbel und einer Soloverzierung, nach der die Bläser ein einfaches, unkompliziertes Hauptthema spielen, dem das Klavier zuvorkommt und es in Länge ausschmückt. Allegro, molto moderato. Das Cellothema (Più lento - etwas langsamer) ist kontrastierend "beseelt". Trompeten leiten die Durchführung und später auch die Reprise ein. Eine Solokadenz kommt kurz vor dem Ende. Im zweiten Satz verschiebt sich die Tonart von a-Moll nach Des-Dur. Dieses strukturell unkomplizierte Adagio in 3/8-Takt beginnt introvertiert mit gedämpften Streichern. Das Klavier rhapsodiert bis eine dramatisch kantige Version des Hauptthemas die Stimmung sprengt.

Die Ruhe wird schließlich wiederhergestellt und ein ruhiges Ende führt ohne Pause zum dritten Satz, ein weiterer "schneller, aber nicht zu schneller" Satz in a-Moll, zusätzlich als Marcato angegeben, dessen Struktur Sonate und Rondo verbindet. Das Klavier führt ein Hauptthema ein, das auf dem 2/4-Rhythmus eines norwegischen Volkstanzes, dem Halling, beruht. Das zweite Thema ist schrulliger und aufwändiger, aber nicht weniger volkstümlich. Die Soloflöte stößt eine besinnliche Episode an, nach der das Hauptthema für eine ausgedehnte Durchführung zurückkommt. Eine kurze Solokadenz geht Griegs lange verzögertem Übergang von Moll zu Dur voraus für einen weiteren Tanz, dieser steht bei beschleunigtem Tempo in 3/4-Takt. Während einer finalen Kadenz verweht Lisztsche Bravour alle übriggebliebenen Spuren Schumanns.

(c) Roger Dettmer

Kaufempfehlung:
Shani Diluka (Klavier), Orchestre National Bordeaux Aquitaine, Dir. Eivind Gullberg Jensen
Label: Mirare, DDD, 2006
YouTube:
Arthur Rubinstein (Klavier), London Symphony Orchestra, Dir. André Previn

RACHMANINOW: Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll

Sergei Rachmaninow
Lebensdaten: 1. April 1873 Semjonowo (Russland) - 28. März 1943 Beverly Hills (CA, USA)
Werk: Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll, op. 18
Epoche: Postromantik
Entstehungszeit: 1900-01
Uraufführung: 27. Oktober 1901
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 35 Minuten
Sätze:

  1. Moderato
  2. Adagio sostenuto
  3. Allegro scherzando

Rachmaninow komponierte dieses Werk im Jahr 1900 und spielte die erste vollständige Aufführung am 9. November 1901 mit Alexandre Siloti, der die Gesellschaft der Moskauer Philharmoniker leitete.

Er erlitt eine niederschmetternde Krise in seiner Karriere nach dem Debakel seiner ersten Sinfonie 1897 in St. Petersburg und ihrem ersten Dirigenten, Glasunow, der angeblich bis zur Unfähigkeit betrunken war - ein Fiasko, das die Heerscharen an Kritikern, angeführt von César Cui, dem Komponisten wie ein Kadaver vor die Füße warfen. Das Publikum - das nie vergaß, dass Rachmninow 1885 aus dem örtlichen Tempel der musikalischen Erziehung geworfen wurde - hörte mit steinerner Miene zu, glücklich über das Versagen eines jungen Löwen, der andernorts ausgebildet wurde (in Moskau hatte er 1891 den Kurs am Konservatorium beendet und ein Jahr später mit den best möglichen Noten abgeschlossen). Aufgrund des Scheiterns der Sinfonie Nr. 1 begann Rachmaninow maßlos zu trinken. Da er sich für zum Komponieren unfähig hielt, versuchte er sich auf parallele Kurse als Konzertsolist und Operndirigent zu konzentrieren, aber verwickelte sich in eine Liebesbeziehung, die sehr unglücklich endete. Ende 1899 war er zum Alkoholiker geworden, dessen Hände so zitterten, dass dies seine Karriere als Pianist gefährdete. Zwischen Januar und April 1900 ersuchte Sergei Wassiljewitsch täglich Dr. Dahl, einen Moskauer Spezialisten in "Neuropsychotherapie" und wurde unter Hypnose dazu getrieben das neue Klavierkonzert zu komponieren, um das ein Impresario aus London gebeten hat. Die Trance-Therapie rief den Komponisten aus einer Lethargie wach; tatsächlich arbeitete er fortan mit großer Leichtigkeit an einem exzellenten, neuen Konzert - dem zweiten in c-Moll, op. 18 - das aus Dankbarkeit Dr. Dahl gewidmet wurde. In den letzten vier Jahrzehnten seines Lebens war Rachmaninow nie wieder von Depression behindert, trotz einiger erschütternder Schicksalswendungen.

Der Anfangssatz in c-Moll und Sonatenhauptsatzform wurde zuletzt komponiert; strukturell ist er der gewöhnlichste. Zehn Takte an unbegleiteten Klavierakkorden führen direkt zu einem pochenden Hauptthema für Violinen, Bratschen und Klarinetten - es ist eher motivisch als melodisch, trotz einer melismatischen Verlängerung für Celli. Ein Zwischenspiel verknüpft dies mit dem zweiten Thema in Es, eine von Rachmaninows meistgefeierten Melodien, die vom Klavier eingeführt wird. Nach der Durchführung und einer Reprise in Maestoso alla marcia gibt es eine brilliante Coda - aber noch keine Solokadenz.

Im E-Dur-Satz Adagio sostenuto führen nach vier Takten an Streicherakkorden á la Tschaikowski Klavierarpeggi in ein zweiteiliges Hauptthema ein, das zunächst von Soloflöte gespielt wird, danach von Soloklarinette. Klavier und Orchester entwickeln beide Teile, bevor ein Tschaikowski-ähnliches Thema für Fagotte das Tempo etwas anstößt. Die weitere Durchführung verläuft sogar noch schneller und kulminiert in einer Solokadenz, die herausfordernd verzögert wurde und nach der das ursprüngliche Material gefühlvoll zurückkehrt.

Das Finale ist ein Allegro scherzando in C-Dur. Die Streicher spielen eine rhythmische Phrase, die sich zu einer Staccato-Klimax aufbaut. Das Klavier tritt ein mit einer Verzierung, die das Hauptthema etabliert - das, wie zuvor in Satz 1, eher motivisch als melodisch ist, aber bewunderswert gebaut ist für Entwicklung. Dem folgt eine weitere von Rachmaninows Markenzeichenmelodien, üppig undulierend, gesungen von Solooboe und Streichern. (In den Nachkriegsjahren der 1940er wurde dies mit Worten verziert und unnachgiebig von Big-Band-Vandalen als "Full Moon and Empty Arms" gespielt). Ein Fugato bringt das Hauptthema zurück, dem eine Maestoso-Bekräftigung "der Melodie" folgt. Schneller werdende und saftige Klavierakkorde bauen einen mitreißenden Abschluss auf.

(c) Roger Dettmer

Kaufempfehlung:
Krystian Zimerman (Klavier), Boston Symphony Orchestra, Dir. Seiji Ozawa
Label: DGG, DDD, 1997/2000
YouTube:
Jewgeni Kissin (Klavier), Orchestre Philharmonique de Radio France, Dir. Myung-Whun Chung
im Salle Pleyel von Paris am 19. September 2014

TSCHAIKOWSKI: Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll

Pjotr Tschaikowski
Lebensdaten: 7. Mai 1840 Wotkinsk (Russland) - 6. November 1893 St. Petersburg (Russland)
Werk: Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll, op. 23
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1874
Besetzung: Klavier und Orchester
Uraufführung: 15. Oktober 1875 in Boston (Massachusetts)
Aufführungsdauer: ca. 35 Minuten
Sätze:
  1. Allegro non troppo e molto maestoso - Allegro con spirito
  2. Andantino semplice - Prestissimo
  3. Allegro con fuoco
Obwohl Tschaikowski bereits ein versierter Komponist war (er hatte bereits seine ersten beiden Sinfonien, ein Streichquartett und zwei bedeutende sinfonische Dichtungen produziert, die alle erfolgreiche und anhaltend beliebte Werke waren) suchte er immer noch nach der Anerkennung von Mentoren wie Balakirew und Nikolai Rubinstein. Am Weihnachtsabend 1874 spielte er das Konzert für Rubinstein (der der vorgesehen Solist war) in einem leeren Schulzimmer. Rubinstein reagierte mit einer Lawine an Verachtung, die durch Tschaikowskis eigene Aufzeichnungen berühmt wurde. Tschaikowski zog verzweifelt von dannen. Später rief ihn Rubinstein aber noch einmal an und legte eine Liste an Veränderungen vor, die Tschaikowski bis zu einem gewissen Zeitpunkt vornehmen müsse, damit Rubinstein es einmal spielen sollte. Tschaikowski schrieb, dass er antwortete "ich werde nicht eine einzige Note ändern und ich werde das Konzert so veröffentlichen wie es gerade ist." In seiner Erinnerung fuhr er fort: "und dies habe ich tatsächlich getan." Naja, nicht ganz. Obwohl es wirklich keine beträchtlichen Veränderungen gibt, nahm er am Konzert einige kleine Überarbeitungen vor, bevor es gedruckt wurde, wie das mit den meisten Kompositionen geschieht. Die Premiere wurde Hans von Bülow überlassen, der es am 15. Oktober 1875 in Boston uraufführte. Das Publikum war verzückt und verlangte eine Wiederholung des gesamten Finalsatzes. Bülow brachte das Konzert nach Europa zurück, wo es schnell zum Repertoire anderer führender Pianisten hinzugefügt wurde; selbst Rubinstein begann es 1878 zu spielen. Es war ein überwältigender Erfolg und ist im Grunde seither der Inbegriff des romantischen Klavierkonzerts.

Die Form des Konzerts ist ungleichgewichtig: durch das Beinhalten einer bemerkenswert umfangreichen Einführung überdauern die weiten Melodien des ersten Satzes fast 25 Minuten, mehr als die Länge der beiden anderen Sätze zusammen. Sein fesselnder Horn-Ruf zu Beginn mit kräftigen Orchesterakkorden, die ihn unterbrechen, führt unmittelbar in eine der bekanntesten und beliebtesten aller klassischen Melodien, gespielt von Streichern mit fülliger harmonischer Unterstützung vom Soloklavier. Tschaikowski löst eine große formale Überraschung aus, indem er geradewegs in eine voll ausgeprägte Kadenz für Soloklavier geht, eine mächtige Bearbeitung des Themas. Die Streicher bekräftigen dann die Melodie wieder in ihrer ursprünglichen Form - und all dies ist nur die Einführung zum wirklichen ersten Satz. Sicherlich eine langwierige Einführung (106 Takte), aber wenn sie einmal endet war das das letzte Mal, dass diese Musik auf irgendeine Art im Konzert verwendet wurde. Der eigentliche Satz ist eine Ausarbeitung zweier Themen in voll angelegter Sonatenhauptsatzform in Allegro, eines ist ein angeblich eine ukrainische Volksweise, das andere ein ruhiges romantisches Thema. Es gibt großes Drama und Leidenschaft in deren Ausarbeitung; wenn alles vorüber ist stellt man fest, dass es auch ein Mindestmaß (für Tschaikowskis Verhältnisse) von Angst und Pathos gibt. 

Der zweite Satz ist zart, er beginnt mit so ruhigen Pizzicato-Akkorden, die beinahe flüstern. Eine Melodie in der Flöte von junger, jugendlicher Sanftheit ist das Hauptthema des Satzes. Es gibt einen Mittelteil mit einem zierlichen Walzer.

Das Finale beginnt mit einer sausenden Streicherphrase und einem mächtigen Trommelschlag. Das Hauptthema ist ein fesselnder, galoppierender Tanz, der aus vielen kurzen Phrasen aufgebaut ist. Ein weiteres romantisches Thema liefert einen Kontrast dazu.

(c) Joseph Stevenson

Kaufempfehlung:
Swjatoslaw Richter (Klavier), Wiener Symphoniker, Dir. Herbert von Karajan
Label: DGG, 1961
YouTube:
Martha Argerich (Klavier), Orchestre de la Suisse Romandie, Dir. Charles Dutoit

BEETHOVEN: Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur "Kaiserkonzert"

Ludwig van Beethoven
Lebensdaten: 16. Dezember 1770 Bonn (Kurköln) - 26. März 1827 Wien (Österreich)
Werk: Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur, op. 73 "Kaiserkonzert"
Epoche: Klassik/Romantik
Besetzung: Klavier und Orchester
Entstehungszeit: 1809
Uraufführung: 28. November 1811 in Leipzig
Aufführungsdauer: ca. 40 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Adagio un poco moto
  3. Rondo. Allegro
So wie das für viele Spitznamen für Werke des Komponisten gilt - z.B. die Mondscheinsonate oder die Frühlingssonate - stammt auch der Name "Kaiserkonzert", der Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 in Es-Dur, op. 73 (1809) gegeben wird, nicht vom Komponisten selbst. Dennoch gibt es kaum ein Attribut, das noch treffender die beeindruckende Größe und Majestät des Werks in Erinnerung rufen könnte. Trotz seiner beträchtlichen technischen Anforderungen übersteigt das "Kaiserkonzert" gewandt die typische Rolle des Konzerts als bloßes virtuoses Vehikel. Es ist in der Anlage tatsächlich eine virtuelle Sinfonie; ihre Tonart Es-Dur (die gleiche wie die Sinfonie "Eroica"), die ausgedehnte Form und der manchmal martialische, immer prachtvolle Charakter garantieren dem Konzert einen Platz unter den wichtigsten Werken im heroischen Stile des Komponisten. Die Uraufführung des Konzerts wurde wahrscheinlich von Friedrich Schneider am 28. November 1811 in Leipzig gespielt.

Das Konzert Nr. 5 ist Beethovens letzter Beitrag im Genre des Konzerts. Er könnte das Interesse an konzertanten Werken zumindest teilweise aufgrund seiner voranschreitenden Taubheit verloren haben, die auch seiner eigenen Karriere als Pianist ein Ende bereitete. Passenderweise hatte er selbst das Konzert Nr. 5 nie öffentlich gespielt, obwohl er die vier vorherigen Klavierkonzerte geschrieben hatte, um sie selbst auf der Konzertbühne zu spielen. Darüber hinaus passen das athletische und virtuose Ideal kaum zur Sprache von Beethovens Spätwerken, auch wenn einige der letzten Klaviersonaten gnadenlos schwierig zu spielen sind.

Im Klavierkonzert Nr. 4 brach Beethoven auf auffällige Art mit der Konvention, indem er das Werk mit einem Klaviersolo beginnen ließ. Im beginnenden Allegro des Fünften zieht er diese Idee ins Extreme und liefert dem Solisten eine ausgedehnte Kadenz, unterstrichen von Tutti-Akkorden aus dem Orchester, die in Miniatur den gesamten 20-minütigen Satz umreißt. Das Hauptthema ist marschartig und affirmativ; das irgendwie entspanntere zweite Thema tritt zum ersten Mal geheimnisumwittert auf in einer Moll-Version, die schon bald dem erwartbaren Auftritt in der Dur-Dominante Platz macht. Die Erhabenheit des Satzes wird von Ausflüchten in entfernte Tonarten untermalt, die jedoch nie vollständig den kräftigen Vorwärtstrieb ausbremsen.

Der lyrische und idyllische zweite Satz, Adagio un poco moto, ist eine von Beethovens zärtlichsten und intimsten Ausführungen. Das Klavier dominiert hier - nicht in virtuosem Kontext, sondern mit einer Haltung und Struktur, die die Nocturnes von Chopin vorausahnen. Ein langer Orgelpunkt in der Dominante untermauert einen gedämpften, fast ätherischen Übergang zum Rondo. Im Kontrast zur noblen Herrlichkeit des beginnenden Allegro, ist das Rondo ein Satz der frohlockenden Bestätigung, die man unmittelbar durch das aufwärts wogende, tanzartige Hauptthema erlebt. Obwohl das ambitionierte Konzept des Konzerts im Rondo immer höchste Priorität behält, scheut sich Beethoven dennoch nicht den Solisten mit Passagen an außerordentlicher Brillanz zu beliefern.

(c) Michael Rodman

Kaufempfehlung:
Maurizio Pollini (Klavier), Berliner Philharmoniker, Dir. Claudio Abbado
Label: DGG, DDD/LA, 1993/2006
Vladimir Ashkenazy (Klavier), London Philharmonic Orchestra, Dir. Bernard Haitink
Label: Decca, 2007
YouTube:
Murray Perahia (Klavier), The Academy of St. Martin in the Fields, Dir. Sir Neville Marriner

SCHUMANN: Klavierkonzert a-Moll

Robert Schumann
Lebensdaten: 8. Juni 1810 Zwickau (Sachsen) - 29. Juli 1856 Endenich (Preußen)
Werk: Klavierkonzert a-Moll, op. 54
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1841
Besetzung: Klavier und Orchester
Uraufführung: 1. Januar 1846 in Leipzig (Sachsen)
Aufführungsdauer: ca. 32 Minuten
Sätze:

  1. Allegro affettuoso - Andante espressivo - Allegro
  2. Intermezzo. Andante grazioso
  3. Allegro vivace

Robert Schumann ließ seinem bemerkenswerten "Jahr des Liedes" (1840) ein weiteres kompositorisches "Annus mirabilis" nachfolgen. 1841 entstanden die ersten Werke für Orchester des Komponisten, darunter die Sinfonie Nr. 1, op. 38, die Sinfonie Nr. 4, op. 120 (die ein Jahrzehnt später erheblich überarbeitet und dann veröffentlicht wurde) und die Ouvertüre, Scherzo und Finale, op. 52. In jedem dieser Werke ist die thematische Einheit in den Sätzen von zentraler Bedeutung, eine Idee, die in der romantischen Epoche in verschiedenerlei Gestalt erkundet wurde von der Idée fixe in Berlioz' Symphonie fantastique (1830) bis zu den Leitmotiven in Wagners Musikdramen.

Schumanns anderes großes Werk von 1841 ist die Fantasie in a-Moll für Klavier und Orchester. Obwohl die Fantasie als solche schließlich aus dem Repertoire verschwand, ist dies nur deshalb so, weil sie sich zum ersten Satz des Klavierkonzerts in a-Moll des Komponisten entwickelte, das 1845 fertiggestellt wurde. In diesem Jahr fügte Schumann der überarbeiteten Fantasie noch zwei Sätze hinzu; die Frau des Komponisten, die bemerkenswerte Pianistin Clara Wieck-Schumann spielte die Uraufführung, ein vollständiges Konzert, an Neujahr 1846 in Leipzig.

Die wechelhaften Stimmungen, die so viel von Schumanns Musik charakterisieren sind im Klavierkonzert klar auszumachen. Dennoch ist wie in den zuvor genannten zeitgenössischen Werken des Komponisten trotz der Zeitspanne zwischen der Komposition des ersten Satzes des Konzerts und der übrigen beiden die Einheit zwischen den Sätzen einer der Hauptfokusse des Werks. Das Konzert hat einen fast sinfonischen Charakter, in entschiedenem Kontrast zur damals vorherrschenden Ansicht des Konzerts als vorrangig ein Vehikel für virtuose Zurschaustellung, wie sie von den konzertanten Werken von Franz Liszt und Nicolò Paganini exemplifiziert wurde. Tatsächlich zeigte Liszt nur wenig Begeisterung für Schumanns Konzert und neckte den Komponisten (der zuvor schon ein "Konzert ohne Orchester" geschrieben hatte), indem er es als "Konzert ohne Klavier" bezeichnete.

Obwohl die technischen Anforderungen des Werkes nicht unbeträchtlich sind, sind sie fast vollständig dem thematischen Interesse und der strukturellen Klarheit unterwürfig. Das Konzert beginnt mit einer fallend wogenden, dunkel kriegerischen Einführungsgeste. Das erste Thema, von einer erhabenen Würde gekennzeichnet, wird zur wichtigsten Quelle für melodisches Material und bringt nah verwandte Themen hervor, die abwechselnd grübeln und, in Dur, Ruhe von der ernsthaften Atmosphäre gönnen. Die Durchführung prallt auf fast verwirrende Art von einer Stimmung zur nächsten, alles während die Vieldeutigkeiten der verschiedenen Komponenten des Themas ergründet werden. Schumann nutzt die langwierige Kadenz clever als Gefechtsfeld für weiteren emotionalen Konflikt bevor er den Satz mit einer entschiedenen Rückkehr zum erhabenen ersten Thema beendet.

Der zweite Satz, Intermezzo: Andantino grazioso, zeigt auf üppige Weise Schumanns innewohnendes melodisches Gespür innerhalb eines Spektrums, das von warmherzig über poetisch bis zu intensiv sehnsüchtig reicht. Das Finale in Allegro vivace beginnt ohne Pause durch eine bekräftigende Rückkehr nach Dur und zum Hauptthema des ersten Satzes. An verschiedenen Stellen nutzt Schumann das frohe, aufwärts springende Thema auf beeindruckende Art als ob es zum Thema eines Fugato würde. Es gibt zahlreiche metrische und rhythmische Vieldeutigkeiten, die den tänzerischen Geist untermalen und die vorherrschende Stimmung ist eine von uneingeschränktem Optimismus, die schließlich zu ausgelassenem Triumph anschwellt.

(c) Michael Rodman

Kaufempfehlung:
Radu Lupu (Klavier), London Symphony Orchestra, Dir. André Previn
Label: Decca, ADD, 1973
Martha Argerich (Klavier), Gewandhausorchester Leipzig, Dir. Riccardo Chailly
Label: EuroArts, 2006
YouTube:
Khatia Buniatishvili (Klavier), hr-Sinfonieorchester, Dir. Paavo Järvi
im Kurhaus von Wiesbaden, 23. August 2012

MOZART: Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll, KV 466
Epoche: Klassik
Besetzung: Klavier und Orchester
Entstehungszeit: 1785
Uraufführung: 11. Februar 1785
Aufführungsdauer: ca. 32 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Romance
  3. Rondo. Allegro assai

Mozart vollendete dieses Werk am 10. Februar 1785 und spielte die Uraufführung am nächsten Abend in Wien. Die Partitur fügt den Bläsern, Hörnern, Pauken und Streichern eine Flöte und zwei Trompeten hinzu.

Am 11. Februar 1785 kam Leopold Mozart nach einer frostigen, bitterkalten Kutschfahrt aus Salzburg in Wien an - sein erster Besuch in der Hauptstadt nach 12 Jahren und sein letzter. Am selben Abend besuchte er eine Akademie seines gefeierten Sohnes, der gerade erst 29 Jahre alt geworden war und sich auf der Höhe seiner Beliebtheit im stets launenhaften Wien befand. Leopold schrieb seiner Tochter Nannerl, dass er im Casino zur Mehlgrube "einen gewaltigen Auflauf von Menschen mit Rang erblickte... das Konzert war unvergleichlich, das Orchester exzellent." Nach zwei Arien eines Sängers der italienischen Oper "kam ein neues, prächtiges Klavierkonzert von Wolfgang, an dem der Kopist noch schrieb, als wir ankamen und das Rondo, für das dein Bruder keine Zeit hatte es zu spielen, weil er Kopien [der Orchesterparts] überarbeiten musste." Dies war das bahnbrechende Konzert in d-Moll, das der Ablehnung von so großen Teilen von Mozarts Musik im 19. Jahrhundert standhielt. Beethoven, gleichermaßen ergriffen und beeinflusst, spielte es öffentlich mit seinen eigenen Kadenzen im ersten und letzten Satz, wo Mozart improvisiert hatte. Es gibt keine Überlieferungen von der Rezeption des Publikums, aber wären sie ablehnend oder auch nur gleichgültig gewesen hätte Leopold das sicherlich an Nannerl berichtet. Die Heirat seines Sohnes zu Constanze Weber 1782 ohne Einverständnis des Vaters machte ihm noch zu schaffen; genauso wie ihre neu erlebte Unabhängigkeit. Papas unmittelbare und unverhohlte Akzeptanz von Wolfgangs Abkehr der Tradition im neuen Konzert - das mit einer aufgeregten, subtil sich verändernden Basslinie unterhalb der pochenden Synkopierung von Violinen und Bratschen beginnt - enthüllte jedoch eine Flexibilität, die man sonst in seinem persönlichen Charakter vermisste. Man kann den manipulativen Leopold dafür fast bewundern.

Im ersten Satz, Allegro (in d-Moll, Viervierteltakt), sind Mozarts Themen eher motivisch anstatt konventionell melodisch; mehr als zwei Jahrhunderte später bleibt es ein Wunder, dass der Solist nie exakt das spielt, was das Orchester in der Exposition darlegt, trotz einer grundsoliden Sonatenhauptsatzform durchweg. Als das Klavier schließlich im Takt 77 eintritt, tut es das quasi als Fremdkörper in einem bedrohlich aufgewühlten Land. Genauso wenig übernimmt der Solist die volle Führung bis zur Coda des Finales, wo er eine halbe Stunde später die Musik in D-Dur hineindrängt.

Der zweite Satz ist eine Romanze (B-Dur, Viervierteltakt). Ohne Mozarts einzigartiges Genie in der Musik zuvor zu schmälern, kam dennoch nichts der Einzigartigkeit des Ausdrucks gleich, der ab 1785 erreicht wurde. Über das Verflechten der äußeren Sätze hinaus, machte er den langsamen Satz zu einem Teil und einer Parzelle des Ganzen. Diese Romanze ohne Tempoangabe (aber eindeutig im Andante) ist ein Rondo in ABACA-Form, das sich dramatisch in g-Moll stürzt vor dem Couplet am Ende - ein wichtiges harmonisches Abweichen nicht nur hier, sondern im Gesamtkontext des Konzerts.

Mozarts kehrt im dritten Satz zu d-Moll zurück (Allegro assai in alla breve-Takt). Bis zur Coda hören wir eines von Mozarts seltenen Rondos in Moll. Präziser gesagt ist es ein ausgedehntes Sonatenrondo (ABACDA mit Coda), da C eine Durchführung ist mit der Reprise in Abschnitt D. Wie zuvor im zweiten Satz sucht die Durchführung erneut nach g-Moll - die dunkelste Tonart in Mozarts harmonischem Lexikon - bevor D-Dur schließlich erlaubt wird durchzubrechen, allerdings nur als weißliche und winterliche Sonne.

(c) Roger Dettmer, Leopold Mozart

Kaufempfehlung:
Martin Stadtfeld (Klavier), NDR Sinfonieorchester, Dir. Bruno Weil
Label: Sony, DDD, 2004
Carmen Piazzini (Klavier), St. Petersburg Soloists, Dir. Michail Gantvarg
Label: Hera, DDD, 1989/90
YouTube:
Mitsuko Uchida (Klavier & Dir.), Camerata Salzburg
März 2001 in Salzburg

BRAHMS: Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur

Johannes Brahms
Lebensdaten: 7. Mai 1833 Hamburg - 3. April 1897 Wien (Österreich-Ungarn)
Werk: Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur, op. 83
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1881
Besetzung: Klavier und Orchester
Uraufführung: 9. November 1881 im Redoutensaal in Budapest (Österreich-Ungarn)
Aufführungsdauer: ca. 48 Minuten
Sätze:

  1. Allegro non troppo
  2. Allegro appassionato
  3. Andante
  4. Allegretto grazioso

Korpulent, graubärtig und als Berühmtheit begann Johannes Brahms am Vorabend seines 45. Geburtstages Themen für sein zweites Klavierkonzert zu skizzieren, nachdem er von der ersten von acht Reisen nach Italien zurückgekehrt war. Er legte diese jedoch beiseite um das Violinkonzert in D-Dur zu komponieren. Da er nach seiner Sinfonie Nr. 2 immer noch in sinfonischer Stimmung war, fügte er der ansonsten traditionellen Dreisatzform des Klavierkonzerts in B noch ein Scherzo hinzu. Brahms stellte die Komposition am 7. Juli 1881 fertig.

Vor der Uraufführung in Budapest am 9. November probierte er die Musik jedoch in Meiningen mit Hans von Bülows Orchester aus, während geschlossenen Proben für anderes Repertoire. Dorthin kehrte er nach Budapest für eine öffentliche Aufführung am 27. November zurück, dirigiert von Bülow, der mit seinem ehemaligen Schwiegervater Franz Liszt über das Werk gesprochen hatte. Liszt verlangte eine Partitur und schrieb später an Brahms: "Beim ersten Lesen dieses Werks erschien es mir etwas grau in seiner Stimmung; nach und nach habe ich es jedoch zu verstehen gelernt. Es besitzt den bedeutungsvollen Charakter eines hervorragenden Kunstwerks, in dem sich Gedanken und Gefühle in noblen Harmonien bewegen." Ein tatsächliches Lob eines anerkannten Altmeisters, dessen Einladung seinem neu gegründeten "Allgemeinen deutschen Musikverein" beizutreten Brahms 1853 oberflächlich abgelehnt hatte.

Brahms baute im Aufbau einige ziemlich gewagte (für ihn) Veränderungen ein. Er gab die übliche orchestrale Exposition im Anfangssatz auf; nachdem das Solo-Horn ein sehnsuchtsvoll ausgedehntes erstes Thema mit Klavier-Arpeggi spielt, die von den Streichern erweitert werden, entfesselt der Solist eine virtuose Kadenz, die uns in die Exposition treibt. Wie aus einem Füllhorn werden zusätzliche Themen herangeschwemmt, immer vom Klavier angetrieben, was zu einer stürmischen Durchführung leitet, die das anfängliche Hornthema nie ganz außer Sichtweite lässt. Dessen offizielles Wiederauftreten läutet eine überwiegend harmlose Reprise ein. Es gibt jedoch einen brillianten Abschluss, der für Solist und Dirigent ein ernsthaftes strukturelles Problem darstellt: wie schafft man es, das anschließende Scherzo nicht antiklimaktisch oder noch schlimmer: unnötig klingen zu lassen?

Ohne den Eröffnungssatz in Allegro non troppo offenkundig zu schmälern oder zügeln, darf man ihn auch nicht bis an die Grenzen des Möglichen spielen. Der strukturelle Angelpunkt des gesamten Werks muss das Ende des Scherzo sein, ein Allegro appassionato in d-Moll mit einem weich gemaserten zweiten Thema; ansonsten würden die übrig bleibenden beiden Sätze Gefahr laufen überflüssig zu klingen. Dankenswerterweise weist das Scherzo eine brilliante Trio-Abteilung in D-Dur auf, sowie ein stürmisches Ende. Es muss aber qualvoll klingen, damit das nachfolgende Andante seine beruhigende Kraft ausströmen kann.

Das Solo-Cello beginnt und endet den dritten Satz mit einer ergreifendn B-Dur-Melodie, die Brahms fünf Jahre später in seinem Lied "Immer leiser wird mein Schlummer" wieder aufgriff. Der Mittelteil jedoch wird zunehmend ausdrucksvoll nervös bis die Klarinetten die Ruhe wiederherstellen mit einem vom Klavier begleiteten Duett rostbrauner Schönheit.

Brahms gab für sein Rondo-Finale in Hauptsatzform ein Allegretto grazioso an, obwohl es später beschleunigt, wenn die Komposition im Solo zunehmend brillianter wird, es wird aber nie bedrohlich übermächtig. Einige behaupteten "Zigeunerweisen" im Satz der Streicher zu hören; aber selbst wenn wäre es das, was die Ungarn ''Verbunkos'' nennen, unterbewusst erinnert aus Brahms' Jugendreisen mit dem Violinisten Reményi, der ihn auch das erste Mal Liszt vorgestellt hatte.

(c) Roger Dettmer

Kaufempfehlung:
Maurizio Pollini (Klavier), Wiener Philharmoniker, Dir. Karl Böhm
Label: DGG, ADD, 1977/79
Daniel Barenboim (Klavier), Münchner Philharmoniker, Dir. Sergiu Celibidache
Label: EuroArts/LA, 1991
YouTube:
Emanuel Ax (Klavier), The Chamber Orchestra of Europe, Dir. Bernard Haitink
in London