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WALTON: Belshazzar's Feast

William Walton
Lebensdaten: 29. März 1902 Oldham (England) - 8. März 1983 Ischia (Italien)
Werk: Belshazzar's Feast
Epoche: Moderne
Entstehungszeit: 1931-57
Uraufführung: 8. Oktober 1931
Besetzung: Bariton, Chor, Orgel und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 34 Minuten
Teile:

  1. Thus spake Isaiah
  2. If I forget thee, O Jerusalem
  3. By the waters of Babylon
  4. Babylon was a great city
  5. Praise ye the God of Gold
  6. Thus in Babylon the mighty city
  7. And in that same hour, as they feasted
  8. Then sing aloud to God our strength
  9. The trumpeters and pipers are silent
  10. Then sing aloud to God our strength

1929 erhielt Walton den ersten Auftrag, den die BBC jemals an einen britischen Komponist vergab und zwar für ein Werk "für kleinen Chor, kleines Orchester mit nicht mehr als fünfzehn [Musikern] und Solist." Als Thema des Werks entschied sich Walton für den biblischen Fall Belshazzars (besser bekannt als Nebukadnezar, König von Babylon und despotischer Eroberer Jerusalems), wie er von seinem Freund und Gönner Sir Osbert Sitwell dramatisiert wurde. Ende 1930 berichtete ein Mitglied des Musikrates der BBC nervös, dass Waltons Unternehmung "auf solche Ausmaße angewachsen war, dass es nicht als ein Werk angesehen werden kann, welches speziell für die Radioübertragung geschrieben wurde".

Nichtsdestotrotz stellte der Komponist es fertig und das in großem Stil, nämlich inklusive zweier Blechblasabteilungen. Vor der Uraufführung im Oktober 1931 rief der Chor zum Streik auf und sagte das Werk wäre zu unmöglich schwer um aufgeführt zu werden. Der Komponist beantwortete Beschwerde folgendermaßen: "Ich weiß, dass es schwierig ist... aber es ist in natürlicher Form nicht für einen Kirchenchor geschrieben." Die Reichweite und das Drama des Werks, das der Kritiker Compton Mackenzie als "wie ein großer, explosiver Sonnenuntergang" beschrieben hatte, hat sich seither als unwiderstehlich für das Publikum erwiesen. Der angesehene britische Dirigent Henry Wood nannte es "wahrhaft wunderbar, als wenn die Welt zu ihrem Ende kommen würde."

Die Handlung setzt ein mit einer Beschreibung des materiellen Reichtums Babylons (ein beträchtlicher Abschnitt, den Thomas Beecham respektlos "Einkaufsliste" nannte"), darunter auch "die Seelen von Menschen". Der rohen Energie, in der die Unterdrücker ihre Götter aus Silber, Bronze, Gold und anderen wertvollen Besitztümer anbeten, folgt ein Chor an aufrichtiger Klage, denn die Israeliten bedauern ihr Schicksal und bekräftigen ihren Glauben an Gott. Während das Festmahl in Belshazzars Palast wilder und haltloser wird, erscheint eine mysteriöse, hebräische Nachricht an der Wand: "mene mene tekel uparsin" (Ihr wurdet gewogen und für zu leicht befunden). Die Rache erfolgt auf dem Fuße: "In dieser Nacht wurde der König Belshazzar getötet und sein Königreich zerteilt."

Walton schrieb Musik im großen Stil mit äußerstem Selbstbewusstsein und seine Orchestrierung, brillant und evokativ, steht in scharfem Kontrast zu dem, was mit Händel beginnend den größten Teil der englischen Chortradition darstellte.

(c) Roy Brewer

Kaufempfehlung:
Christopher Purves (Bariton), Huddersfield Choral Socieety, Leeds Philharmonic Chorus, English Northern Philharmonia, dir, Paul Daniel
Label: Naxos, DDD, 1996/2001
YouTube:
Bryn Terfel (Bariton), BBC Singers, BBC Symphony Chorus, BBC Symphony Orchestra, dir. Andrew Davis

SAINT-SAËNS: Sinfonie Nr. 3 c-Moll "Orgelsinfonie"

Camille Saint-Saëns
Lebensdaten: 9. Oktober 1835 Paris - 16. Dezember 1921 Algier
Werk: Sinfonie Nr. 3 c-Moll, op. 78 "Orgelsinfonie" (Avec Orgue)
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1886
Uraufführung: 19. Mai 1886 in London
Besetzung: Orgel und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 35 Minuten
Teile:

  1. Adagio - Allegro moderato - Poco adagio
  2. Allegro moderato - Presto - Maestoso - Più allegro

Die London Philharmonic Society beauftragte Saint-Saëns mit der Sinfonie Nr. 3 ähnlich wie Beethovens Neunte. Saint-Saëns dirigierte die Uraufführung am 19. Mai 1886 in London. Obwohl er bis 1921 lebte, sollte Saint-Saëns keine weitere Sinfonie komponieren. Später erklärte er: "Mit ihr habe ich alles gegeben, was ich konnte. Was ich schuf hätte ich nicht erneut erreichen können." Er hatte vor das Werk Liszt zu widmen, die Partitur wurde jedoch nach Liszts Tod mit der Inschrift "À la Memoire de Franz Liszt" veröffentlicht.

Die Sinfonie c-Moll zeigt Saint-Saëns' Nutzung thematischer Umwandlung, die auch in der Ouvertüre Spartacus und dem vierten Klavierkonzert erscheint. Diese Technik hatte Saint-Saëns in den sinfonischen Dichtungen Liszts, sowie der Symphonie fantastique von Berlioz beobachtet. Deren Beispiel folgend führt Saint-Saëns sein Hauptthema seine gesamte Dritte Sinfonie durch Umwandlungen hindurch. Zu den üblichen Kräften eines großen Orchesters fügte er sein und Liszts primäre Instrumente, die Orgel und das Klavier, hinzu. Saint-Saëns legt die Sinfonie in zwei großen Teilen an, aber jeder davon ist wiederum eindeutig zweigeteilt, so dass ein traditionelles, viersätziges Werk entsteht.

Nach einer Adagio-Einführung wechselt das Tempo zu Allegro moderato und die Streicher spielen das Hauptthema des ersten Satzes, das den Gesang zu Beginn des Dies irae mit einbaut, eine Melodie, die gleichermaßen mit dem Tod und, teilweise aufgrund des Totentanzes, mit Liszt assoziiert wird. Die Melodie weist eine AABB-Struktur auf, die typisch für die Werke des Komponisten ist und sie ist die Hauptidee oder auch das "Motto" der gesamten Sinfonie. Dieses unruhige Thema wird verwandelt und macht schließlich Platz für eine neue, ruhigere Idee. Danach treten diese beiden Themen in der Durchführung gleichzeitig auf, bevor eine Rückkehr mehr auf Umwandlung fokussierte Abschnitte bringt und auf den langsamen "Satz" in Des-Dur vorbereitet.

Streicher, unterstützt von Orgelakkorden, spielen das Hauptthema des zweiten Satzes, ein Adagio, was auch der bekannteste Abschnitt der Dritten Sinfonie ist. Holzbläser greifen das friedliche Thema auf und variieren es bis eine neue Umwandlung des "Mottos" eine kontrastierende, rastlose Energie einfüllt. Eine Rückkehr des Adagio-Themas rundet den Satz ab. Gegen Ende hören wir eine brillante Mischung aus Holzbläser und Zungenstimmen an der Orgel.

Ein aggressives, kurzes Thema eröffnet das Scherzo, eine Umwandlung des "Mottos", geborgen im Ausbruch der tiefen Streicher, der nach der ersten Phrase folgt. Wenn sich das Tempo zu Presto wandelt, tritt das Klavier auf mit schnellen, aufsteigenden Arpeggi und Skalen, mehrfach in verschiedenen Harmonien gespielt. Das Scherzo-Material kehrt zurück und was wie eine Reprise des Presto-Teils klingt, führt in ein neues Thema ein, gespielt von den tieferen Instrumenten unter emsigen Verzierungen und das Finale vorausahnend.

Das Finale beginnt mit einem mächtigen Akkord, gespielt von der Orgel. Eine weitere Umwandlung des "Mottos" tritt auf; dieses Mal sind die Bezüge zum Dies irae sehr auffällig. Ein paar ruhige Phrasen folgen, bevor die Orgel und das Orchester sich in einer kräftigen Darbietung des verwandelten Themas zusammentun. Nach einer Durchführung schließt das Stück mit allen verfügbaren Kräften in C-Dur.

(c) John Palmer, Camille Saint-Saëns

Kaufempfehlung:
Simon Preston (Orgel), Berliner Philharmoniker, Dir. James Levine
Label: DGG, DDD, 1986
YouTube:
MDR Sinfonieorchester, Dir. Jun Märkl

BACH: Toccata und Fuge d-Moll

Johann Sebastian Bach
Lebensdaten: 21. März 1685 Eisenach - 28. Juli 1750 Leipzig
Werk: Toccata und Fuge d-Moll, BWV 565
Epoche: Barock
Entstehungszeit: vor 1708
Besetzung: Orgel
Aufführungsdauer: ca. 9 Minuten

Johann Sebastian Bachs berühmtestes Orgelstück ist bekannt für seinen rhythmischen Antrieb, sowie sein fesselndes Anfangsmotiv. Von der Vielzahl derjeniger, die es mit melodramatischen Stummfilmszenen assoziieren, als Sinnbild Angst einflößender Orgelmusik angesehen, wurde es mannigfaltig transkribiert. Einen Großteil des 20. Jahrhunderts hindurch wurde es oft als orchestrales Arrangement von Leopold Stokowski gehört. Die oft in Orgelkonzerten verwendete romantisierte, tosende Registrierung ist immer noch effektiv, obwohl Interpretationen mit dem Ziel historischer Genauigkeit dazu neigen dem Werk einen helleren Ansatz zu geben. Es ist schwierig eine Chronologie von Bachs Orgelwerken aufzustellen, da die meisten autografischen Manuskripte (abgesehen von jenen am Ende seiner Karriere) verloren gingen. Werke wie dieses sind uns nur anhand von Kopien zugänglich, die von seinen Schülern angefertigt wurden. Mangels Hinweisen in der Handschrift des Komponisten, dem Papier, auf dem er schrieb, Notizen, die im Manuskript erscheinen und anderen Dingen versuchten Wissenschaftler die Datierung des Werks anhand stilistischer Einschätzungen vorzunehmen. Aufgrund seines auffälligsten strukturellen Merkmals - der Verflechtung des Materials der Toccata und der kontrapunktischen Fuge - wurde das Werk dem Beginn von Bachs Karriere zugeordnet, vor seinem Umzug nach Weimar 1708. Es ist vielleicht das früheste unter den bekannten Meisterwerken Bachs. Der Wechsel zwischen fast-improvisatorischen und kontrapunktischen Abschnitten war charakteristisch für die Werke des norddeutschen Organisten Dietrich Buxtehude, für den Bach 1704 etwas mehr als 300 km reiste, um ihn zu hören und dabei einen Urlaub von seiner Stelle als Organist an der Neukirche in Arnstadt nahm. Indem er das in dieser Technik verborgene dramatische Potenzial voll ausschöpfte, schuf Bach ein zeitloses Werk.

(c) Joseph Stevenson

Kaufempfehlung:
Gerhard Weinberger (Orgel)
Label: CPO, DDD, 2005
YouTube:
Hans-André Stamm (Orgel)
an der Trostorgel der Stadtkirche Waltershausen

BACH: Passacaglia und Fuge c-Moll

Johann Sebastian Bach
Lebensdaten: 21. März 1685 Eisenach (Sachsen-Eisenach) - 28. Juli 1750 Leipzig (Sachsen)
Werk: Passacaglia und Fuge c-Moll, BWV 582
Epoche: Barock
Enstehungszeit: 1708-1712
Besetzung: Orgel solo
Aufführungsdauer: ca. 14 Minuten

Auch wenn er einer der großen Konservativen der Musikgeschichte war, wird oft (und zurecht) bemerkt, dass J. S. Bach ein großer Kosmopolit war - in seiner Musik begegnen sich die nordischen Länder und die südlichen Deutschland, Frankreich und Italien auf zuvor ungekannte, beeindruckende Art. In der Passacaglia und Fuge c-Moll, BWV 582, bringt Bach Elemente von verschiedenen Nationen und Traditionen auf eine Art zusammen, die man tatsächlich sehr nah an der musikalischen Oberfläche vernehmen kann. Der achttaktige ostinate Bass, auf dem die Passacaglia basiert (und auch die Fuge, die von Bach eigentlich gar nicht als individuelles und separates Stück ausgewiesen wurde, sondern eher als weitere Nutzung des Basso ostinato der Passacaglia als "Thema fugatum") scheint aus einem geistlichen Werk eines unbekannten, zeitgenössischen, französischen Komponisten namens André Raison extrahiert worden zu sein. Bis zum Abschnitt der Fuge führend, gibt es insgesamt 21 Erscheinungen des Basso ostinato, beginnend mit dem nicht-harmonisierten Basssolo ganz zu Beginn und danach immer aktiver werdend schließlich bis eine voll entfaltete Ekstase an epigonenhaften Sechzehntelnoten in den oberen Stimmen den Weg zur Fuge anführt; während ein paar der mittleren Variationen bewegt sich der Basso ostinato in den Sopran- und danach in die Altstimme hoch. Die Fuge nutzt nur die ersten vier Takte des französischen Basso ostinato und verwandelt ihn in ein Thema über das Bach im Laufe von 124 Takten die volle Pracht seines vollständig im Norden gelernten, kontrapunktischen Genies ausführen kann. Da die Fuge nicht wirklich unabhängig ist wie z.B. bei Bachs Präludien und Fugen wird das Werk manchmal auch einfach als die Passacaglia bezeichnet.

(c) Blair Johnston

Kaufempfehlung:
Christian Rieger (Orgel)
Label: Christophorus, DDD, 1997
YouTube:
Hans-André Stamm (Orgel)
an der Trostorgel in der Stadtkirche von Waltershausen