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MOZART: Sinfonie Nr. 38 D-Dur "Prager"

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Sinfonie Nr. 38 D-Dur, KV 504 "Prager"
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1786
Besetzung: Orchester
Aufführungsdauer: ca. 25 Minuten
Teile:

  1. Adagio - Allegro
  2. Andante
  3. Finale. Presto

Am 1. Mai 1786 erhielt Mozarts neue Oper "Le nozze di Figaro" im Burgtheater von Wien ihre Uraufführung. Von Kennern enthusiastisch aufgenommen, überforderte die lange und komplexe Oper aber einen Großteil der allgemeinen Öffentlichkeit und sie erhielt nur acht Aufführungen. Anfang Dezember wurde der Figaro im Nationaltheater (heute als Ständetheater bekannt) von Prag produziert, wo er zu einem solch triumphalen Erfolg wurde, dass Mozart die böhmische Hauptstadt zu besuchen beabsichtigte, um die Produktion selbst anzusehen. Als er und seine Frau Constanze am 11. Januar 1787 eintrafen, brachte er eine neue Sinfonie mit sich, die Anfang Dezember fertiggestellt worden war (und am 6. Dezember Mozarts thematischem Katalog beigefügt wurde). Die Sinfonie wurde in das Konzert mit eingeführt, das Mozart acht Tage später gab, was in der Uraufführung eines Werks endete, das nachfolgend unwiderruflich mit der Stadt assoziiert werden sollte, in der der Komponist seinen größten Triumph späterer Jahre erlebte. Ein Jahrzehnt nach dem Konzert bescheinigte der Prager Schulmeister Franz Niemetschek (der Mozarts Sohn Carl nach dem Tod des Komponisten 1791 unterrichtete) der Sinfonie ihre anhaltende Beliebtheit: "Die Sinfonien, die er für diese Gelegenheit komponiert hatte, sind wahre Meisterwerke der instrumentalen Komposition... Dies betrifft insbesondere die große Sinfonie in D, die immer ein Favorit ist in Prag, obwohl sie zweifellos schon hundertfach gehört wurde."

Solche Verbindungen führten zur allgemeinen Ansicht durch Mozarts Biografen, dass die "Prager" Sinfonie für seinen Besuch dort komponiert wurde, das kann aber nicht der Fall sein - Mozart komponiert das Werk, bevor er die Einladung zum Besuch der Stadt erhielt. Tatsächlich zeigt ein Brief seines Vaters (vom 17. November 1786) eindeutig, dass Mozart zur Zeit der Komposition einen Besuch nach England plante, ein Besuch, der nie stattgefunden hat, weil Leopold sich weigerte nach den beiden jungen Kindern des Komponisten zu sehen. Daher scheint es völlig nachvollziehbar zu denken, dass das Werk mit Mozarts geplantem London-Aufenthalt im Hinterkopf komponiert wurde - was wir also als die "Prager" Sinfonie kennen, hätte die "Londoner" Sinfonie werden können, hätten seine Pläne Früchte getragen. Ein unübliches Merkmal der Sinfonie ist, dass sie aus nur drei Sätzen besteht; es ist das einzige große sinfonische Werk der Wiener Klassik, das das übliche Menuett und Trio oder Scherzo als Satz vermissen lässt. Nichts an diesem Werk ist allerdings klein; sie rechtfertigt Niemetscheks Beiwort "groß" vollauf. Der Anfangssatz, eine weite, imposante Adagio-Einführung, der ein immens mächtiges Allegro folgt, ist einer der beeindruckendsten aller sinfonischen Sätze der klassischen Musik mit dramatischen Qualitäten, die Don Giovanni prophezeien und eine Meisterung des Kontrapunkts, die bis dahin auf Mozarts Kammermusik beschränkt blieb. Das zentrale Andante übersteigt gänzlich die unbekümmerte Implikation einer solchen Satzbezeichnung; es ist ein Satz aus profunder, liedhafter Tiefe und kontrapunktischem Talent. Das finale Presto zeigt ebenfalls einiges der dämonischen Macht des Don Giovanni, die Oper, die Mozart in Kürze für Prag komponieren sollte, während es gleichzeitig eine Welt bewohnt in der trotz all der hellen Dur-Musik die Tragödie nie zu entfernt zu sein scheint.

(c) Franz Niemetschek, Brian Robins

Kaufempfehlung:
Freiburger Barockorchester, Dir. René Jacobs
Label: HMF, DDD, 2006
YouTube:
Concentus Musicus Wien, Dir. Nikolaus Harnoncourt

MOZART: Sinfonia concertante Es-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Sinfonia concertante Es-Dur, KV 364
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1779
Besetzung: Violine, Bratsche und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 32 Minuten
Teile:

  1. Allegro maestoso
  2. Andante
  3. Presto

Die prachtvolle Sinfonia concertante für Violine, Bratsche und Orchester in Es-Dur, KV 364, ist Mozarts einzig erhaltenes Werk dieser Art, eine Gattung, die sowohl Elemente der Sinfonie, als auch des Konzerts umschließt. Im Allgemeinen für zwei oder mehr Soloinstrumente und Orchester komponiert war die Sinfonia concertante insbesondere im Paris des 18. Jahrhunderts beliebt. Es war auch dort, wo Mozart ein solches Werk 1778 für vier herausragende Holzblassolisten des Mannheimer Orchesters komponierte, das sich damals ebenfalls in der französischen Hauptstadt befand; dieses Werk ist jedoch nur in einer gefälschten Ausgabe aus dem 19. Jahrhundert bekannt.

Während dieser Zeit begann Mozart auch zwei weitere Werke in der Gattung der Sinfonia concertante, eines für Violine und Klavier in D-Dur (1778) und ein weiteres für Violine, Bratsche und Cello in A-Dur, KV 320e (ca. 1779-80), welche aber beide nicht über die ersten ungefähr 130 Takte hinaus voranschritten, bevor der Komponist sie beiseite legte. Das hier vorliegende Werk könnte ein Ersatz für das abgebrochene D-Dur-Werk sein. Es wurde in Salzburg während des Sommers oder Herbstes 1779 komponiert, ungefähr zur gleichen Zeit wie jenes Werk. In beiden Werken verlangt Mozart eine höhere Stimmung als sie für die Bratsche üblich ist; seine Absicht darin war zweifellos dem Instrument einen helleren Klang zu verleihen, um zu verhindern, dass es vom hervorstechenderen Begleiter, der Violine, überschattet wird.

Die Solisten, für die die Sinfonia concertante komponiert wurde, sind nicht bekannt, aber es könnten Antonio Brunetti, Leiter des Salzburger Hoforchesters und der Violinist Joseph Hafender gewesen sein. Das Werk besteht aus drei Sätzen: Allegro maestoso, Andante und Rondo. Das Orchester umfasst zwei Oboen, zwei Hörner, ein optionales Paar Fagotte und Streicher. Das Werk ist bekannt für seine warme Ausdehnung; das Andante mit seinem hinreißenden Dialog zwischen den zwei Solisten ist besonders ergötzlich. Die Orchestrierung ist ungewöhnlich voll und reichhaltig; Mozarts regelmäßige Divisi-Angaben für die Bratschen kreieren Strukturen, die die üppige Partitur von Idomeneo, ré die Creta (1781) prophezeien, eine weniger als ein Jahr später für München komponierte Opera seria.

(c) Brian Robins

Kaufempfehlung:
Gidon Kremer (Violine), Kim Kashkashian (Bratsche), Wiener Philharmoniker, Dir. Nikolaus Harnoncourt
Label: DGG, DDD, 1983/85
YouTube:
Renaud Capuçon (Violine), Gerard Causse (Bratsche), Orchestre national Montpellier Languedoc-Roussillon
Live beim Festival de Montpellier

MOZART: Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur, KV 488
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1786
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 25 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Adagio
  3. Allegro assai

Mozart stellte dieses Werk am 2. März 1786 fertig und spielte die Uraufführung höchstwahrscheinlich wenige Tage später in Wien. Für die Krönung des österreichischen Kaisers Joseph II. 1781 und dazugehörigen Feierlichkeiten verlegte der Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo seinen gesamten Hof nach Wien. Er bestellte seinen berühmtesten musikalischen Angestellten ein, den jungen Mozart, der den Erfolg von Ideomeneo in München auskostete, eine Oper, die eigens vom Kurfürsten Bayerns in Auftrag gegeben worden war. Der zögernde Wolfgang Amadé, der seinen übergeizigen Arbeitgeber zu dem Zeitpunkt schon durch und durch verabscheute, traf am 16. März in der Habsburger Hauptstadt ein. Bis 8. Juni hatte er es geschafft aus der Arbeit für Colloredo entlassen zu werden (mit einem Tritt in den Hintern), so dass er frei war Wien zu erobern, was ihm unter sprunghafter Hilfe des Kaisers gelang. Über die nächsten vier Jahre regierte er als Wiens beliebtester Komponist instrumentaler Musik. Während er auf der Erfolgswelle schwimmte wurde seine Musik gleichermaßen herbeigesehnt und wertgeschätzt. Als Reaktion auf die öffentliche Nachfrage zwischen 1782 und 1786 schrieb er 14 glorreiche Klavierkonzerte - die Nummern 11 bis 24 -- die meisten davon für ihn selbst als Pianisten. Das Konzert Nr. 23 war für die Lenten-Reihe von 1786 gedacht, zusammen mit Nr. 22 und 24, den letzten vor dem Figaro. Obwohl die genauen Daten dieser Konzerte verloren gegangen sind wissen wir, dass das Konzert A-Dur ein unmittelbarer Erfolg war und seither beliebt geblieben ist, aufgrund von Wehmut und an Erhabenheit grenzenden Melodien gleichermaßen. In Gesellschaft einer Flöte, zweier Fagotte, zweier Hörner und Streichern, leiht ein Paar Klarinetten der Musik eine verdrossene Stimmung.

Das Allegro des ersten Satzes folgt mit seiner doppelten Exposition größtenteils den strukturellen Regeln, obwohl es in der Durchführung ein plötzliches Auftreten von Drama gibt (Cuthbert Girdlestone schrieb, dass "Mozarts Dämon... plötzlich aus den Tiefen aufsteigt"), sowie eine durchkomponierte Kadenz, was in seinen reiferen Konzerten selten ist.

Anstatt eines Andante ist der langsame Satz das einzige Adagio aller Konzerte Mozarts und es die bisher auf ihren Auftritt wartende Melancholie nimmt die Hauptbühne ein. Überraschend und düster ist die Tonart fis-Moll (A-Durs harmonische Paralleltonart), sie wird nicht wirklich gebessert von einem lieblichen Thema in A-Dur für Flöte und Klarinette, das den Mittelteil einer ABA-Struktur darstellt, trotz Eigenschaften einer Sonatenform.

Nach zwei introvertierten Sätzen, der zweite auf ein musikalisches Krankenzimmer beschränkt, erholt sich das Rondo-Finale auf überschäumende Art - eines der lebhaftesten Allegro assai in Mozarts Konzertkanon, mit Tonartwechseln und sogar hochgradiger Komik, die den Patienten erholt und glücklich auffinden lässt, so wie wir alle, die bisher über seine Gesundheit besorgt waren.

(c) Roger Dettmer

Kaufempfehlung:
Friedrich Gulda, Sinfonieorchester des SWR Baden-Baden, Dir. Hans Rosbaud
Label: Hänssler, ADD, 1953-62
YouTube:
Daniil Trifonow (Klavier), Israel Camerata Orchestra, Dir. Avner Biron
in Tel Aviv

MOZART: Streichquartett Nr. 19 C-Dur "Dissonanzen"

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Streichquartett Nr. 19 C-Dur, KV 465 "Dissonanzen"
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1785
Besetzung: Streichquartett
Aufführungsdauer: ca. 30 Minuten
Sätze:

  1. Adagio - Allegro
  2. Andante cantabile
  3. Menuetto & Trio. Allegro
  4. Allegro

Das letzte der sechs Quartette, die Mozart an Haydn widmete, das KV 465, steht offiziell in der sonnigen Tonart C-Dur, verdankt ihren Beinamen "Dissonanzen" der langsamen, nervösen Einleitung voller unaufgelöster Harmonien über einer pochenden Cellomelodie. Schon bald macht dieses verwirrende Adagio Platz für den hellen Allegro-Hauptteil des ersten Satzes. Die ersten Violinen pfeifen ein kurz phrasiertes Hauptthema, das die anderen Instrumente bald darauf in kontrapunktischer Nachahmung aufgreifen. Eine zweite, aufgeregtere Melodie und eine dritte in Triolen werden alle zu Futter für eine kurze Durchführung, obwohl es das erste Thema ist, das nun in kleiner Besetzung die Geschehnisse dominiert bis die Reprise das aufgewühlte Quartett beruhigt - die Exposition kehrt natürlich ohne die Last der "dissonanten" Einleitung zurück.

Der zweite Satz, Andante cantabile, wickelt sich in ein warmes F-Dur ein und alle vier Instrumente erkunden eine Bandbreite an hochgradig lyrischen thematischen Passagen. Als Drittes erfolgt ein originelles, haydn-isches Menuett (und eines, das Beethoven beeinflussen sollte), voller plötzlicher dynamischer Kontraste und dem Gegenüberstellen verschiedener Kombinationen an Instrumenten. Der kurze Trio-Abschnitt taucht für eine Passage an aufgewühltem Pathos in c-Moll ein. So wie es beginnt trägt das Finale (Allegro) jedes Anzeichen für ein gewöhnliches, wenn auch kurzes Rondo, doch die Musik steuert zunehmend in unerwartetes harmonisches Gebiet, schleudert in Moll hinein und fragmentiert die Themen; dies ist vielleicht ein Allegrosatz in Sonatenform, bei dem die Durchführung unter die Bestandteile des Rondos aufgeteilt wurde. Künstler können dies entweder als Komödie oder Tragödie spielen, die Musik aber ist eine kühne Mischung aus Beidem.

(c) James Reel

Kaufempfehlung:
Klenke-Quartett
Label: Profil, DDD, 2004/05
YouTube:
Hagen-Quartett

MOZART: Klarinettenkonzert A-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Klarinettenkonzert A-Dur, KV 622
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1791
Besetzung: Klarinette und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 29 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Adagio
  3. Rondo. Allegro
Von den Werken, die Mozart für den herausragenden Wiener Klarinettisten Anton Stadler (1753-1812) komponiert hatte, sind das Klarinettenquintett A-Dur, KV 581, 1789 geschrieben und das hier vorliegende Konzert A-Dur, fertiggestellt weniger als zwei Monate vor dem Tod des Komponisten 1791, die krönenden Errungenschaften. Die Arbeit an dem Konzert wurde 1789 begonnen. Mozart hatte das Werk ursprünglich für Bassetthorn vorgesehen, aber schrieb es für Klarinette um. Die heute bekannte Version unterscheidet sich jedoch von dem Werk, das Mozart für Stadler produziert hatte, da die Originalversion für ein Instrument mit ausgedehntem Tonumfang im Bass geschrieben hatte, der Stadler erlaubte seine berühmte Fähigkeit des Spielens tiefer Noten zu demonstrieren. Die Transkription für die übliche Klarinette (zehn Jahre nach Mozarts Tod veröffentlicht) benötigt daher eine Transponierung um eine Oktave der Noten, die nicht auf ihr produziert werden können, was die Klangfarbe des Werks verändert. Die Uraufführung spielte Stadler am 16. Oktober 1791, nicht in Wien, sondern bei seinem Benefizkonzert im Theater von Prag. Es scheint daher fest zu stehen, dass der Komponist die Komposition, die zu einer seiner bekanntesten wurde, nie gehört hat. In den üblichen drei Sätzen angelegt, bewirkte die ruhige, nostalgische Lyrik eines Großteils des Klarinettenkonzerts solche Beinamen wie "abschiednehmend" und "herbstlich", eine Einschätzung, die den außerordentlichen Elan und Schwung dieses beseelten Werks herunterspielt.

(c) Brian Robins

Kaufempfehlung:
Wolfgang Meyer (Klarinette), Concentus Musicus Wien, Dir. Nikolaus Harnoncourt
Label: DAW, DDD, 1998/99
YouTube:
Sharon Kam (Klarinette), Česká filharmonie, Dir. Manfred Honeck
aus dem Ständetheater in Prag

MOZART: Serenade Nr. 13 "Eine kleine Nachtmusik"

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien
Werk: Serenade Nr. 13 G-Dur, KV 525 "Eine kleine Nachtmusik"
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1787
Besetzung: Streichquintett
Aufführungsdauer: ca. 18 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Romanze. Andante
  3. Menuett & Trio. Allegretto
  4. Rondo. Allegro

Die Serenade in G-Dur (1787), das am Anhaltendsten beliebte aller Werke Mozarts, wurde während einer Phase geschrieben, als der Komponist auch sehr mit der Arbeit an seiner Opera Don Giovanni beschäftigt war. Der Titel "Eine kleine Nachtmusik" stammt von Mozart selbst; Nachtmusik war tatsächlich eine bekannte Beschreibung für Serenaden dieser Art. Obwohl Mozart mehrere solcher Werke während seiner Zeit in Salzburg komponiert hatte, ist die Serenade in G einzigartig für die Epoche seines Wohnorts Wien (1781-91). Das Werk unterscheidet sich von Mozarts früheren Serenaden in ihrer vergleichsweise schlanken Orchestrierung: zwei Violinen, Bratsche, Cello und Kontrabass. Mozarts Eintrag dieses Werks in seinem Werkkatalog zeigt, dass das Werk ursprünglich fünf Sätze hatte; der ursprüngliche zweite Satz, ein Menuett, wurde später entfernt.

Der genaue Anlass, für den die Serenade geschrieben wurde, ist unbekannt, aber einige hatten nahegelegt, dass die Grazie, Eleganz und formelle Perfektion des Werks als Gegenstück zur absichtlichen Banalität und Tölpelei von Ein musikalischer Spaß, KV 522, gedacht war, der ungefähr sechs Wochen zuvor komponiert worden war. Die scheint jedoch dem Charakter eines Komponisten entgegenzustehen, der zu unnachgiebig derbem musikalischem Humor fähig war (wie beispielsweise in einigen seiner Kanons). Der Musikwissenschaftler Alfred Einstein wagt auch die zweifelhafte Aussage, dass Mozart die Serenade geschrieben hätte, um ein persönliches, inneres Bedürfnis zu stillen - wäre das wahr, wäre es eindeutig untypisch für einen Komponisten, der nur kaum Musik produzierte ohne eine externe Motivation oder Grund, ob finanziell oder anderer Art. Die übrig gebliebenen Sätze der Serenade sind die folgenden: Allegro; Romanze (Andante); Menuett (Allegretto) und Rondo (Allegro).

(c) Brian Robins

Kaufempfehlung:
Polnische Kammerphilharmonie, Dir. Wojciech Rajski
Label: Tacet, DDD, 2003
YouTube:
Wiener Philharmoniker, Dir. Karl Böhm

MOZART: Sinfonie Nr. 39 Es-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Sinfonie Nr. 39 Es-Dur, KV 543
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1788
Besetzung: Orchester
Aufführungsdauer: ca. 28 Minuten
Sätze:

  1. Adagio - Allegro
  2. Andante con moto
  3. Menuetto & Trio. Allegretto
  4. Finale. Allegro

Keine Gruppe von Mozarts Werken war größeren Diskussionen ausgesetzt als seine letzten drei Sinfonien, die Nr. 39 in Es-Dur, 40 in g-Moll und die "Jupitersinfonie", Nr. 41 in C-Dur. Sie wurden offenbar in einer bemerkenswert kurzen Zeitspanne von ungefähr zwei Monaten im Sommer 1788 komponiert und die Motivation des Komponisten sie zu schreiben wurde seither heftig debattiert. So wie seine Zeitgenossen komponierte Mozart fast ausschließlich aus praktischen Gründen, doch wurden in diesem Fall keine verifiziert. Es ist trotzdem noch die am wenigsten plausibelste Erklärung, dass Mozart seine große, finale Trilogie an Sinfonien als Ergebnis einer Art persönlichen "inneren Bedürfnisses" schrieb, diese Theorie erhält eine attraktive Romantik durch die Mischung mit der Behauptung, dass er nicht mehr gelebt hätte, um diese drei Gipfelpunkte seines sinfonischen Repertoires dargeboten gehört zu haben. Eine solche Theorie stellt sich entgegen allem was wir über Mozarts Arbeitspraxis wissen. Vor allen Dingen hätte er während der betreffenden Periode seines Lebens gar nicht die Zeit für eine solche Schwelgerei gehabt, denn es war ein Sommer, während dem sich seine erhaltene Korrespondenz vorrangig mit zunehmend verzweifelten Bittbriefen an seinen Mäzen und befreundeten Freimaurer Michael Puchberg befasste. Naheliegender wurde vermutet, dass Mozart vorhatte eine Reihe an Abonnementkonzerten für die Herbst- oder Adventszeit zusammenzustellen. Man ging davon aus, dass diese Konzerte nie stattgefunden haben, aber kürzlich hatte der Musikwissenschaftler H.C. Robbins Landon überzeugend argumentiert, dass diese Konzerte tatsächlich stattgefunden haben und die drei letzten Sinfonien die wichtigsten neuen Werke waren, die dort gespielt wurden. Es erscheint auch sehr wahrscheinlich, dass Mozart die neuen Werke mit auf die Reise nach Deutschland nahm, die er im folgenden Jahr unternommen hatte.

In den drei Sinfonien von 1788 (zu denen man in dieser Hinsicht noch die "Prager" Sinfonie von 1786 zählen muss) findet man die Kulmination von Mozarts Einverleibung des kontrapunktischen Stils von Bach und Händel, den er Anfang der 1780er zuerst begonnen hatte zu erlernen. Es war diese Synthese des "erlernten" Stils mit der reinen Klarheit der Klassik, die so große Schwierigkeiten bereitete für Mozarts Zeitgenossen, für die sein später Stil zunehmend "schwierig" wurde. Jede der Sinfonien besetzt eine ganz spezifische Welt für sich. Die Sinfonie in Es-Dur, von Mozart am 26. Juni 1786 seinem thematischen Katalog beigefügt, wird oft als "warm und herbstlich" charakterisiert (Robbins Landon), eine Beschreibung, die (wie so oft bei Mozart) nur einen Teil der Geschichte darstellt; sie verpasst es einen Augenmerk auf die spannbare Stärke und eine dramatische Qualität der Sinfonie zu legen, die auch Momente an Pathos nicht ausschließt, welche man eher unmittelbar mit der Sinfonie g-Moll assoziiert. Es gibt vier Sätze. Dem beginnenden Allegro geht (wie auch schon in den "Prager" und "Linzer" Sinfonien, den direkten numerischen Vorgängern) eine kraftvolle, langsame Adagio-Einführung voraus. Das folgende Andante hat ein sekundäres Thema, das viel stürmischer ist (und auch einer beträchtlichen Durchführung ausgesetzt wird) als man das in einem "langsamen" Satz vermuten könnte, während das anschließende Menuett in elegantem Schritt steht, der von einem ländlichen Trio in der Mitte hervorgehoben wird. Das finale Allegro ist eine blendende Schau an gutmütigem Humor und kontrapunktischer Magie, dessen Komplexität meisterhaft in einem jener Sätze getarnt wird, in denen der Komponist seine Kunst verbirgt. Die Sinfonie wurde angelegt für Flöte, Paaren an Klarinetten, Fagotten, Hörner, Trompeten, Pauke und Streicher.

(c) Brian Robins, H.C. Robbins Landon

Kaufempfehlung:
Berliner Philharmoniker, Dir. Karl Böhm
Label: DGG, ADD, 1960-69
YouTube:
The Chamber Orchestra of Europe, Dir. Nikolaus Harnoncourt
Großer Musikvereinssaal in Wien

MOZART: Requiem d-Moll

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Requiem d-Moll, KV 626
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1791
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 52 Minuten
Teile:

  1. Requiem aeternam
  2. Kyrie
  3. Dies irae
  4. Tuba mirum
  5. Rex tremendae
  6. Recordare
  7. Confutatis
  8. Lacrimosa
  9. Domine Jesu Christe
  10. Hostias
  11. Sanctus
  12. Benedictus
  13. Agnus Dei
  14. Lux aeterna

E.T.A. Hoffmann schrieb einmal, dass "[Mozarts] Requiem wohl das Höchste ist, was die neueste Zeit für den kirchlichen Cultus aufzuweisen hat". Mozarts Komposition auf dem Totenbett bot dem 19. Jahrhundert einen großen Reiz; im angeblich rationaleren zwanzigsten stieg es zu wahrhaftigem Kultstatus auf. Dies tat es trotz fundamentaler Mysterien rund um seine Komposition und sogar seine Authentizität, Mysterien, die im 21. Jahrhundert immer noch nicht gelöst wurde. Irgendetwas in der Ernsthaftigkeit und den subtilen Feinheiten der Musik berührte jede nachfolgende Generation.

Ein verworrener Strang an Mythen und Märchen schildern das im Sterben liegende Genie, das über dem Manuskript zusammenbricht (Mythen, die durch den Film "Amadeus" 1984 kräftig bestärkt wurden), aber es gibt auch viele Fakten zum Werk, die klar sind. Im Februar 1791 verstarb die Gräfin von Walsegg. Der Graf beauftragte Mozart mit einem Requiem mittels eines Sekretärs (der "graue Bote" der Requiem-Mythologie). Mozart nahm den Auftrag für seinen anonymem Gönner an, da er ohnehin danach trachtete eine "höhere Form der Kirchenmusik" zu komponieren (sein Ave verum corpus spiegelt den gleichen Wunsch wieder). Nachdem er den ganzen Oktober und November hindurch am Requiem gearbeitet hatte, wurde Mozart jedoch krank und verstarb ohne es fertigzustellen. Mozarts Witwe sorgte aus Geldmangel dafür, dass seine Freund und Schüler die anderen Sätze fertigstellten. Der Graf erhielt schließlich ein vollständiges Requiem, das er als seine eigene Komposition auszugeben versuchte; der Großteil dieser Ausgabe stammt aus der Hand von Franz Süssmayr. Musikwissenschaftler haben sorgfältig versucht Mozarts Werk von Süssmayrs Fehlinterpretation seiner Vorstellungen zu unterscheiden.

Mozarts Requiem enthält fünf Abschnitte, jeder wird von einer Fuge gekrönt: Requiem/Kyrie, Sequentia ("Dies Irae"), Offertorium, Sanctus und Agnus Dei. Durchweg treibt die Komposition für Chor Mozarts Musik an; selbst die vier Solisten singen kaum einmal alleine. Das dunkel gefärbte Orchester unterstützt den Chor mit oft lebhaften Motiven. Dieser illustrierende Aspekt wird in der Sequentia am Auffälligsten: "Tuba mirum" (Soloposaune), "Rex tremendae" (majestätisch punktierte Rhythmen), "Confutatis" (feurige Begleitung) und "Lachrymosa" (seufzende Streicher). Einzelne Sätze weisen nicht nur einen außerordentlichen Grad an motivischer Einheit auf, Mozart schafft behutsam motivische Beziehungen das gesamte Requiem hindurch. Die allererste Melodie, die von den Bässen gesungen wird ("Requiem aeternam") wird beispielsweise ganz zu Ende wiederholt und hallt auch das gesamte Werk hindurch wider; die Anfangsmelodie der "Dies irae" verwandelt sich zu Dur, um das "Sanctus" zu eröffnen. Mozart scheut sich jedoch nie seine Tribut an die früheren Traditionen der Kirchenmusik zu zollen. Seine Fugen beziehen sich absichtlich auf Bach und alleine im ersten Satz zitiert er aus Michael Haydns Requiem, Händels Totenhymne für Königin Caroline, den Messias und dem als "Pilgerton" bekannten gregorianischen Choral.

(c) Timothy Dickey, E.T.A. Hoffmann

Kaufempfehlung:
Sibylla Rubens, Lioba Braun, Steve Davislin, Georg Zeppenfeld (Solisten), Chor des Bayerischen Rundfunks, Münchner Philharmoniker, Dir. Christian Thielemann
Label: DGG, DDD, 2005
Gundula Janowitz, Christa Ludwig, Peter Schreier, Walter Berry, Chor der Wiener Staatsoper, Wiener Symphoniker, Dir. Karl Böhm
Label: DGG, 1971
YouTube:
Anna Tomowa-Sintow, Helga Müller-Molinari, Vinson Cole, Paata Burchuladze (Solisten), Wiener Singverein & Philharmoniker, Dir. Herbert von Karajan
1986

MOZART: Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll, KV 491
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1786
Uraufführung: 7. April 1787 in Wien (Österreich)
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 30 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Larghetto
  3. Allegretto

In den ersten Monaten des Jahres 1786 war Mozart sehr im Prozess vertieft seine Oper "Le nozze di Figaro" fertigzustellen, die am 1. Mai am Nationalen Hoftheater von Wien ihre Uraufführung feierte. Ein Mangel an Zeugnissen für die Wintermonate und den Frühling des Folgejahres bedeuten, dass wir nicht wissen, ob er die Reihe an Abonnementkonzerten für Lenten wiederholte, die er in den beiden vorherigen Jahren gegeben hatte, sie erbrachten allerdings die Vollendung zweier neuer Klavierkonzerte, ein Genre, das zwischen 1784 und 1786 eigentlich mit solchen Konzertreihen assoziiert werden kann. Eines von diesen, die Nr. 23 in A-Dur KV 488, ist ein Werk, von dem wir heute wissen, dass es bereits zwei Jahre vorher begonnen wurde, aber das hier behandelte prachtvolle Konzert war ein komplett neues Werk. Es wurde am 24. März seinem thematischen Katalog beigefügt und es soll am 7. April im Burgtheater bei Mozarts Wohltätigkeitskonzert Premiere gefeiert haben, im letzten Konzert, das er dort geben sollte.

Die Popularität, die Mozart als Künstler beim Wiener Publikum genoss sollte von nun an nachlassen und das c-Moll-Konzert das vorletzte sein in der großartigen Reihe an Klavierkonzerten, die für seine Konzerte zwischen 1784 und 1786 komponiert wurden. Es ist eines von nur zwei Klavierkonzerten, die Mozart in Moll komponierte und ein Werk, das die zunehmende Dichte und Komplexität in Mozarts Musik reflektiert, die Entwicklung eines Stils, der bereits viele seiner Zeitgenossen verblüffte. Wie konnten sie sich beispielsweise das stürmische, Beethoven-ähnliche Drama des den Anfang darstellenden Allegros oder die chromatische Intensität erklären, die das Konzert durchdringt?

Die Urschrift der Partitur, die sich in der British Library befindet, zeigt auch völlig untypische Anzeichen der Mühen, besonders im Finalsatz, wo Mozart verschiedene Versionen der dritten Variation versuchte ohne jemals eine Lösung zu erreichen. Die sehr füllige Orchestrierung, die kräftigste, die Mozart je in einem Konzert schrieb, ist der Größe und Kraft des Werks angemessen - Flöte, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, zwei Hörner, zwei Trompeten, Pauke und Streicher.

(c) Brian Robins

Kaufempfehlung:
Martin Stadtfeld (Klavier), NDR Sinfonieorchester, Dir. Bruno Weil
Label: Sony, DDD, 2004
YouTube:
Rudolf Buchbinder (Klavier & Dir.), Wiener Philharmoniker

MOZART: Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur, KV 467
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1785
Uraufführung: 12. März 1785
Besetzung: Klavier und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 28 Minuten
Sätze:

  1. Allegro maestoso
  2. Andante
  3. Allegro vivace assai

In Einklang mit dem Klavierkonzert d-Moll, KV 466 wurde das C-Dur-Konzert für eine Reihe an Abonnement-Konzerten von Lenten komponiert, die Mozart 1765 gab. Dies war eine außerordentlich umtriebige und erfolgreiche Zeit in Mozarts Leben, soweit wir das aus einer Reihe an Briefen abschätzen können, die sein Vater Leopold an Mozarts Schwester Nannerl sendete, die damals bereits verheiratet war und mit ihrem Ehemann in St. Gilgen lebte. "Jeden Tag gibt es Konzerte; und die ganze Zeit wird für Unterricht, Musik, Komposition und so weiter genutzt... es ist mir unmöglich die Hektik und den Betrieb zu beschreiben." Leopold traf am 11. Februar ein, dem ersten Tag der Konzerte und der Uraufführung des d-Moll-Konzerts. Mozart spielte das gerade erst vollendete KV 467 zuerst nicht auf einem seiner Abonnement-Konzerte (obwohl er es sicherlich in eines der letzten davon auch mit eingebaut hat), sondern bei seinem Wohltätigkeitskonzert im Hoftheater am 10. März, einen Tag nachdem es ihn seinen thematischen Katalog aufgenommen worden war. Ein Handzettel für das Konzert verkündete, dass es "ein neues, gerade erst vollendetes Klavier für Fortepiano" enthielte zusätzlich zu von Mozart gespielten Improvisationen (für die er besonders berühmt war), die "ein besonders großes Fortepiano-Pedal" verwendeten.

Das C-Dur-Konzert zeigt absolut keine Anzeichen dafür in einer Atmosphäre von "Hektik und Betriebsamkeit" komponiert worden zu sein; genauso hätte der Kontrast zum stürmischen Drama seines unmittelbaren Vorgängers nicht größer sein können. Dem ersten Satz, einem ausgedehnten Allegro von olympischer Erhabenheit und Aufbau folgt ein Andante von außerordentlicher Schönheit, das in moderneren Zeiten durch seine Nutzung im Film "Das Ende einer großen Liebe" berühmt wurde. Dieser Satz ist mit seinen wenigen Anmerkungen und dem nackten Entwurf nebenbei ein klassisches Beispiel für die Art, in der sich Mozart regelmäßig Freiraum zum Improvisieren innerhalb des Kontexts seines eigenen Konzertes ließ, eine Technik, die später von Künstlern wie Malcolm Bilson und Robert Levin wieder eingeführt wurde. Der letzte Satz ist ein Allegro vivace assai, dessen Heraufbeschwörung der Welt der Buffooper typisch für viele von Mozarts Finalsätzen ist, sowohl in Konzerten, wie auch Sinfonien. Wie das d-Moll-Konzert ist das KV 467 für ein großes Orchester angelegt: Flöte, Paare an Oboen, Fagotten, Hörnern und Trompeten, Pauke und Streicher.

(c) Brian Robins

Kaufempfehlung:
Rudolf Serkin (Klavier), London Symphony Orchestra, Dir. Claudio Abbado
Label: DGG, DDD, 1982
YouTube:
Maurizio Pollini (Klavier), Orchestra filarmonica della Scala, Dir. Riccardo Muti

MOZART: Die Zauberflöte

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Die Zauberflöte, KV 620
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1791
Uraufführung: 30. September 1791 im Theater auf der Wieden in Wien
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, 17 Minuten
Teile:

  • Ouvertüre. Adagio - Allegro
  • Zu Hilfe! zu Hilfe! sonst bin ich verloren! (Einführung)
  • Der Vogelfänger bin ich ja
  • Dies Bildnis ist bezaubernd schön
  • O zittre nicht, mein lieber Sohn... Zum Leiden bin ich auserkoren
  • Hm! hm! hm! hm! hm! hm! hm! hm! hm! hm! hm! hm! hm!
  • Du feines Täubchen, nur herein!
  • Bei Mannern, welche Liebe fühlen
  • Zum Ziele führt dich diese Bahm (Finale)
  • March. Adagio
  • O Isis und Osiris
  • Bewahret euch vor Weibertücke: dies ist des Bundes erste Pflicht
  • Wie? wie? wie? Ihr an diesem Schrekkenort?
  • Alles fühlt der Liebe Freuden
  • Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen
  • In diesen heil'gen Hallen
  • Seid uns zum zweiten Mal willkommen
  • Ach, ich fühl's, es ist verschwunden, ewig hin der Liebe Glück
  • O Isis und Osiris, welche Wonne!
  • Soll ich dich, Teurer, nicht mehr sehn? Ihr werdet froh euch wiedersehn!
  • Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich
  • Bald prangt, den Morgen zu verkünden (Finale)

Trotz seines skurrilen Librettos und den offenkundig sinnbildlichen Figuren zählt Mozarts Singspiel "Die Zauberflöte" als eine der größten Opern überhaupt. Tatsächlich rangieren einige Die Zauberflöte unter den größten menschlichen Erzeugnissen ein, wie Musikhistoriker Philip Downs bemerkte, würdig genug, um neben Bachs Matthäuspassion zu stehen. In dieser Geschichte über Gut und Böse entführt Sarastro, der Hohepriester einer aufgeklärten Bruderschaft, Pamina, deren Mutter die böse Königin der Nacht ist. Die Königin entsendet den Prinzen Tamino, um Pamina zu retten. Tamino verliebt sich nicht nur in Pamina, sondern nimmt auch Sarastro als die Inkarnation von Wahrheit und Güte an. Taminos Gegenstück ist Papageno, der Vogelfänger der Königin, dessen Urtümlichkeit Taminos Idealismus gegensteuert. Wie man sich denken kann triumphieren Liebe und Güte, Sarastro besiegt die Königin der Nacht, Tamino und Pamina sind nach vielen Hürden vereint und Papageno findet Papagena, eine weibliche Version seiner selbst. Mögliche Quellen für Emanuel Schikaneders Libretto beinhaltet August Jacob Liebeskinds Geschichte "Lulu oder die Zauberflöte", die in Wielands Dschinnistan, einer Sammlung von Märchen, veröffentlicht wurde.

Die Zauberflöte wurde 1791 geschrieben, in Mozarts Todesjahr. Obwohl er von vielen Missgeschicken übermannt war, fand Mozart große Freude an der Arbeit an einer Oper für Schikaneders Theater auf der Wieden in den Vororten Wiens, das sich vor allem dem einfachen Publikum zugewandt hatte. Die Zauberflöte wurde eine Freimaureroper genannt: sowohl Librettist als auch Komponist waren Freimaurer und die Oper wimmelt von Freimaurersymbolik, die im Triumph des Lichts über der Dunkelheit kulminiert. Obwohl der freimaurerische Beigeschmack der Zauberflöte unzweifelhaft ist, ist es Mozarts einzigartige Fähigkeit seine humanistischen Ideale in eine Musik an außerordentlicher Schönheit und Beziehungsreichtum zu verwandeln, was sie zu einem großartigen Werk werden lässt. Das fundamentale Thema der Oper ist die Liebe, ein Thema, dem Mozart seinen gesamten Genius widmete. Für den Hörer bringt Mozarts Ode an die Liebe eine Oper des 18. Jahrhunderts in voller Blüte. Die Musik, die funkelnde Arien, bezaubernde Buffo-Szenen und Ensembles von hervorragender Schönheit enthält, ist nicht nur hinreißend und erfrischend, sondern verschmelzt auch wirksam mit der Geschichte, um ein eindringliches und überzeugendes Stück Kunst zu erschaffen.

(c) Rovi Staff

Kaufempfehlung:
Anton Dermota, Irmgard Seefried, Erich Kunz, Emmy Loose, Ludwig Weber, Wilma Lipp (Solisten), Wiener Philharmoniker, Dir. Herbert von Karajan
Label: Warner, ADD/m, 1950
Deon van der Walt, Ulrike Sonntag, Cornelius Hauptmann, Andrea Frei, Thomas Mohr, Patricia Rozario (Solisten), Orchester der Ludwigsburger Festspiele, Dir. Wolfgang Gönnenwein
Label: Arthaus, 2001
YouTube:
Nicolai Gedda, Edith Mathis, Hans Sotin, Christina Deutekom (Solisten), Hamburger Staatsoper, Dir. Horst Stein

MOZART: Streichquintett Nr. 4 g-Moll

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Streichquintett Nr. 4 g-Moll, KV 516
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1787
Besetzung: Streichquintett
Aufführungsdauer: ca. 35 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Menuetto & Trio. Allegretto
  3. Adagio ma non troppo
  4. Allegro

Das Quintett g-Moll, KV 516 ist das zweite von zwei Streichquintetten, die Mozart innerhalb eines Monats im Frühling 1787 vollendet hatte. Bis zu diesem Jahr hatte er gerade einmal ein einziges Werk zur Gattung beigetragen, fast 15 Jahre zuvor: das Quintett B-Dur, KV 174. Mozarts Wahl von zwei Violinen, zwei Bratschen und Cello für all seine Streichquintette ist in der Klassik unüblich; Komponisten wie Boccherini entschieden sich gewöhnlich für die Nutzung einer Bratsche und zweier Celli. Ein Präzedenzfall für Mozarts Wahl könnte in einer Reihe von leichten, österreichischen Werken in der Art eines Divertimentos gefunden werden, darunter ein Notturno von Michael Haydn, der am Salzburger Hof tätig und Mozart und seiner Familie gut bekannt war.

Mozart fügte das g-Moll-Quintett am 16. Mai 1787 seinem thematischen Katalog hinzu, kurz nach dem Quintett in C-Dur, KV 515. Obwohl es keinen dokumentarischen Beweis gibt, der erklären könnte, weshalb Mozart nach so vielen Jahren zu der Gattung zurückkehrte, scheint es nur wenig Zweifel zu geben, dass die KV 515 und 516 als sich kontrastierendes Paar komponiert wurden in der gleichen Art wie die Sinfonien Nr. 40 und 41. Und in der Tat: während das C-Dur-Quintett als analog direkt zur "Jupiter"-Sinfonie (die Sinfonie Nr. 41 C-Dur, KV 551) gesehen werden kann in seiner Breite und den erhöhten, olympischen Äußerungen, kann das in g-Moll als Gegenstück zur Sinfonie Nr. 40 in g-Moll, KV 550, gesehen werden. Die Verwendung von Moll-Tonarten war während der Klassik vergleichsweise selten und für Mozart war g-Moll die vielleicht tiefgründig persönlichste aller Tonarten, eine, in der er nicht nur mächtige Leidenschaften, sondern auch Tragödie ausdrückte. Die vorliegende Kombination aus Melancholie und manchmal gewaltsamem Drama im g-Moll-Quintett wird von Mozarts außerordentlich talentierter Verwertung der dunklen Klänge, die innerhalb dieser Instrumentation verborgen liegen können, unterstrichen. Dies wird z.B. besonders auffällig im lebhaften Kontrast, der zwischen der überwiegend ernsten Farbgebung und Passagen gezogen wird, die die höchsten Register der Violine hervorheben.

Bemühungen im anfänglichen Allegro zu einer Dur-Tonart zu fliehen werden von der vorherrschenden Dunkelheit resolut niedergeschmettert. Wie im C-Dur-Quintett wurde das Menuett an zweiter Stelle des Werks platziert, obwohl es wenig zur Anhebung der Stimmung beiträgt. Das Adagio non troppo ist ein einsames, verzweifeltes Lied. Obwohl sich das Finale schließlich zur Paralleltonart G-Dur wendet, ist es keine "glückliche" Tonart, sondern eine, die ein mehrdeutiges Terrain besetzt, eine typische Eigenschaft in Mozarts Spätwerken. Ein Jahr nach der Vollendung der Quintette in C-Dur und g-Moll warb Mozart für ihren Druck zusammen mit seinem Arrangement für Streichquintett der Serenade c-Moll, KV 388.

(c) Brian Robins

Kaufempfehlung:
János Fehérvári (Bratsche), Éder Quartet
Label: Naxos, DDD, 1994
YouTube:
Ensemble ACJW
am 4. Dezember 2011 in der Carnegie Hall von New York City

MOZART: Klarinettenquintett A-Dur "Stadler"

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Klarinettenquintett A-Dur, KV 581 "Stadler"
Epoche: Klassik
Besetzung: Klarinette und Streichquartett
Entstehungszeit: 1789
Aufführungsdauer: ca. 32 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Larghetto
  3. Menuetto & Trio I, II
  4. Allegro con Variazioni

Die Jahre 1789 und 1790 waren die schwierigsten in Mozarts Karriere; in dieser Zeit eskalierten seine finanziellen Schwierigkeiten und seine Popularität als Künstler schwand in der wankelmütigen Wiener Öffentlichkeit. Dieser Umstände eingedenk war es nicht überraschend, dass diese Jahre einen deutlichen Rückgang in der Zahl der Werke erlebte, die Mozart produzierte. An irgendeinem Tag im Spätsommer 1789 jedoch erhielt Mozart einen Auftrag für eine neue Oper von Kaiser Joseph II. Zu der Zeit als er mit der Komposition der betreffenden Oper, Così fan tutte, begann, muss er auch an der Arbeit für das gewesen sein, was später eines seiner beliebtesten Kammermusikwerke werden sollte, das Klarinettenquintett in A-Dur. Nicht nur sonnt sich dieses Quintett überwiegend in der gleichen güldenen Wärme und Weichheit, die auch viel von Così charakterisiert, eine Skizze für sein Finale wurde sogar zu "Ah lo veggio", eine von Ferrandos Arien aus dem zweiten Akt der Oper. Das Quintett wurde gegen Ende September 1789 fertiggestellt - vielleicht am 29., worauf in Mozarts thematischem Katalog hingewiesen wird.

Es wurde komponiert für den herausragenden Klarinettisten Anton Stadler (1753-1812), Mitglied des Hoforchesters in Wien und ein Freund Mozarts aus der Zeit, als sich Letztgenannter 1781 zum ersten Mal in Wien niederließ. Mozart hatte bereits eine Reihe an Kammermusikwerken für Stadler und dessen Bruder Mathias komponiert, wovon einige eigentlich für das Bassetthorn waren. Zusätzlich zum Spiel dieses tiefer gestimmten Instruments war Anton Stadler bekannt für seine Fähigkeit die tieferen Register einer üblichen Klarinette auszunutzen; um diese Nutzung des sogenannten Chalumeau-Umfangs zu ermöglichen entwickelte er eine zusätzliche Erweiterung für das Instrument. Für dieses modifizierte Instrument hatte Mozart sowohl das Klarinettenquintett als auch das berühmte Klarinettenkonzert in A-Dur, KV 622 komponiert - eines seiner letzten Werke. Obwohl das Interpretieren des Werkes auf einer modernen Klarinette weniger Transponierung tieferer Noten erfordert wie das bei dem Konzert der Fall ist, klingt das Werk dennoch am Besten auf einem Instrument, das die ursprüngliche Stimmung ermöglicht; verschiedene Aufnahmen wurden auf Klarinetten gemacht, die Stadlers Instrument rekonstruieren.

Das Quintett ist geschrieben für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Cello und in vier Sätzen angelegt. Das eröffnende Allegro, ein Diskurs unter allen fünf Instrumenten, ist in Traurigkeit gefärbt; das ausnehmend liebliche Larghetto, das danach folgt, stellt die Klarinette mehr ins Rampenlicht, deren stürmische Melodien werden durchweg von gedämpften Streichern unterstützt. Das Minuetto ist besonders für das erste seiner beiden Trios bemerkenswert. Der letzte Satz ist eine Sammlung an Variationen, die auf einem jeder unschuldigen, fast kindisch klingenden Themen basiert, die Mozart so oft in seinen Finals anwendete. Aber wie es auch typisch ist für Mozart entlockt die Art, wie der Komponist eine große Vielfältigkeit an Stimmungen und musikalischen Strukturen entwickelt, enorme Reichhaltigkeit aus dem Material und erlaubt dem Klarinettisten große Virtuosität aufzuzeigen.

(c) Brian Robins

Kaufempfehlung:
Ulf Rodenhäuser (Klarinette), Ensemble Villa Musica
Label: MDG, DDD, 2003
YouTube:
Pedro Franco (Klarinette), Camerata de Murcia

MOZART: Sinfonie Nr. 40 g-Moll

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Sinfonie Nr. 40 g-Moll, KV 550
Epoche: Klassik
Besetzung: Orchester
Entstehungszeit: 1788
Aufführungsdauer: ca. 28 Minuten
Sätze:

  1. Molto allegro
  2. Andante
  3. Menuetto & Trio. Allegretto
  4. Allegro assai

Mozart komponierte seine letzten drei Sinfonien während des Sommers 1788. Die Wesensähnlichkeit des Materials aus dem thematischen Katalog legt nahe, dass alle im Zeitraum von rund zwei Monaten geschrieben wurden. Viele Kritiker haben sich in Diskussionen der Frage nach den Gründen für ihre Komposition gewidmet, da es so schien, als ob Mozart keinen speziellen Anlass für ihre Aufführung im Kopf hatte. Der romantische Gedanke, dass er sie ohne praktischen Nutzen schrieb wird aber heutzutage weitestgehend abgewiesen, dass es schlicht nicht zu der Art von Mozarts bekannter Prozedur einer Komposition passt und der Wissenschaftler H.C. Robbins Landon brachte erst weitere, überzeugende Argumente hervor, indem er nahelegte, dass sie tatsächlich für eine Reihe an Konzerten geschrieben worden seien, die Mozart im Herbst oder in der Adventszeit 1788 gab. Robbins Landons Argument basiert größtenteils auf einem undatierten Brief, den Mozart an seinen hauptsächlichen Gönner schrieb, seinen Freimaurer-Bruder Michael Puchberg. In diesem Brief nimmt er zu seinenen Konzert Bezug, die "nächste Woche" begonnen werden haben, Konzerte, von denen Wissenschaftler überzeugt sind, dass sie nie stattgefunden haben. Beweise unterstützen auch die Idee (vorgebracht von Neal Zaslaw), dass Mozart die drei Sinfonien mit auf die Reise nahm, die er im nächsten Jahr nach Deutschland unternahm, was die lang geglaubte Vorstellung weiter schwächt, dass der Komponist drei der großartigsten Werke des sinfonischen Kanons nie in einer Aufführung zu hören bekommen hätte.

Ein Aspekt der Sinfonien über den sich alle Kommentatoren allgemein einig sind ist ihre außergewöhnliche charakterliche Vielseitigkeit; jede hat einzigartige Qualitäten, die alle zusammen deutlich den Mythos entlarven, dass die extreme Unruhe und das Pathos der Sinfonie g-Moll die elenden Umstände widerspiegeln würden, in denen sich Mozart zu dieser Zeit befand. Die bettelnden Briefe an Puchberg während dieser Monate sind tatsächlich bemitleidenswerte Dokumente, die man als Beweis für Mozarts Gefühlslage zu der Zeit, als er die g-Moll-Sinfonie komponierte heranziehen kann. Sie erklären aber kaum die sanfte Wärme, Stärke und den Humor der Es-Dur-Sinfonie oder die erhabene Herrlichkeit der "Jupiter"-Sinfonie. Darüber hinaus sollte man nicht vergessen, dass die heute so oft mit der Sinfonie assoziierten tragischen Eigenschaften nicht immer jedem offenkundig waren. Für Robert Schumann war die Sinfonie ein Werk von "griechischer Leichtigkeit und Anmut", während es für einen späteren Kommentator, Alfred Einstein, Stellen gibt, die "bis zum Abgrund der Seele eintauchen".

Solche Mehrdeutigkeit passt vielleicht zu einem der großartigsten Werke eines Komponisten, dessen Musik so häufig einer adäquaten Beschreibung trotzt. Die Sinfonie ist in den üblichen vier Sätzen angelegt; das beginnende Molto allegro kündigt unmittelbar etwas Ungewöhnliches an, indem es nicht mit dem charakteristisch lauten "Ruf nach Aufmerksamkeit" beginnt, sondern mit einer leise artikulierten Unruhe. Die unbehagliche Leidenschaft des Hauptthemas führt zu Auflösungen, die eher zu protestieren scheinen anstatt irgendeinen Trost zu spenden. Das vorherrschende Gefühl des Satzes ist Dringlichkeit: es folgen Auftakt nach Auftakt nach Auftakt. Zwischen großer Instabilität und einer kritischen Stimmung erleben wir einen Blick in den Abgrund des Don Giovanni. Im Finale mischen sich die Hörner ein mit wilden Farbklecksen. Nach dem Doppelstrich im Allegro-assai-Teil gibt es sogar einen gespenstigen Einschub über zwölf Töne hinweg.

Es gibt zwei Versionen der g-Moll-Sinfonie. Die erste ist bescheiden orchestriert für Flöte und jeweils einem Paar an Oboen, Hörnern und Streichern, aber irgendwann kurz nach der Komposition fügte Mozart Passagen für zwei Klarinetten hinzu und änderte die für Oboe etwas, um sie anzupassen. Solche Zweitgedanken geben sicherlich auch der Annahme Glaubhaftigkeit, dass Mozart Aufführungen des Werks leitete - er hätte sich wohl kaum mit solchen Verfeinerungen beschäftigt, wenn die Sinfonie nicht für praktische Zwecke genutzt worden wäre.

(c) Brian Robins, H.C. Robbins Landon, Neal Zaslaw, Robert Schumann, Alfred Einstein

Kaufempfehlung:
Berliner Philharmoniker, Dir. Karl Böhm
Label: DGG, ADD, 1960-69
YouTube:
The Chamber Orchestra of Europe, Dir. Nikolaus Harnoncourt
im Großen Musiksaal von Wien

MOZART: Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Klavierkonzert Nr. 20 d-Moll, KV 466
Epoche: Klassik
Besetzung: Klavier und Orchester
Entstehungszeit: 1785
Uraufführung: 11. Februar 1785
Aufführungsdauer: ca. 32 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Romance
  3. Rondo. Allegro assai

Mozart vollendete dieses Werk am 10. Februar 1785 und spielte die Uraufführung am nächsten Abend in Wien. Die Partitur fügt den Bläsern, Hörnern, Pauken und Streichern eine Flöte und zwei Trompeten hinzu.

Am 11. Februar 1785 kam Leopold Mozart nach einer frostigen, bitterkalten Kutschfahrt aus Salzburg in Wien an - sein erster Besuch in der Hauptstadt nach 12 Jahren und sein letzter. Am selben Abend besuchte er eine Akademie seines gefeierten Sohnes, der gerade erst 29 Jahre alt geworden war und sich auf der Höhe seiner Beliebtheit im stets launenhaften Wien befand. Leopold schrieb seiner Tochter Nannerl, dass er im Casino zur Mehlgrube "einen gewaltigen Auflauf von Menschen mit Rang erblickte... das Konzert war unvergleichlich, das Orchester exzellent." Nach zwei Arien eines Sängers der italienischen Oper "kam ein neues, prächtiges Klavierkonzert von Wolfgang, an dem der Kopist noch schrieb, als wir ankamen und das Rondo, für das dein Bruder keine Zeit hatte es zu spielen, weil er Kopien [der Orchesterparts] überarbeiten musste." Dies war das bahnbrechende Konzert in d-Moll, das der Ablehnung von so großen Teilen von Mozarts Musik im 19. Jahrhundert standhielt. Beethoven, gleichermaßen ergriffen und beeinflusst, spielte es öffentlich mit seinen eigenen Kadenzen im ersten und letzten Satz, wo Mozart improvisiert hatte. Es gibt keine Überlieferungen von der Rezeption des Publikums, aber wären sie ablehnend oder auch nur gleichgültig gewesen hätte Leopold das sicherlich an Nannerl berichtet. Die Heirat seines Sohnes zu Constanze Weber 1782 ohne Einverständnis des Vaters machte ihm noch zu schaffen; genauso wie ihre neu erlebte Unabhängigkeit. Papas unmittelbare und unverhohlte Akzeptanz von Wolfgangs Abkehr der Tradition im neuen Konzert - das mit einer aufgeregten, subtil sich verändernden Basslinie unterhalb der pochenden Synkopierung von Violinen und Bratschen beginnt - enthüllte jedoch eine Flexibilität, die man sonst in seinem persönlichen Charakter vermisste. Man kann den manipulativen Leopold dafür fast bewundern.

Im ersten Satz, Allegro (in d-Moll, Viervierteltakt), sind Mozarts Themen eher motivisch anstatt konventionell melodisch; mehr als zwei Jahrhunderte später bleibt es ein Wunder, dass der Solist nie exakt das spielt, was das Orchester in der Exposition darlegt, trotz einer grundsoliden Sonatenhauptsatzform durchweg. Als das Klavier schließlich im Takt 77 eintritt, tut es das quasi als Fremdkörper in einem bedrohlich aufgewühlten Land. Genauso wenig übernimmt der Solist die volle Führung bis zur Coda des Finales, wo er eine halbe Stunde später die Musik in D-Dur hineindrängt.

Der zweite Satz ist eine Romanze (B-Dur, Viervierteltakt). Ohne Mozarts einzigartiges Genie in der Musik zuvor zu schmälern, kam dennoch nichts der Einzigartigkeit des Ausdrucks gleich, der ab 1785 erreicht wurde. Über das Verflechten der äußeren Sätze hinaus, machte er den langsamen Satz zu einem Teil und einer Parzelle des Ganzen. Diese Romanze ohne Tempoangabe (aber eindeutig im Andante) ist ein Rondo in ABACA-Form, das sich dramatisch in g-Moll stürzt vor dem Couplet am Ende - ein wichtiges harmonisches Abweichen nicht nur hier, sondern im Gesamtkontext des Konzerts.

Mozarts kehrt im dritten Satz zu d-Moll zurück (Allegro assai in alla breve-Takt). Bis zur Coda hören wir eines von Mozarts seltenen Rondos in Moll. Präziser gesagt ist es ein ausgedehntes Sonatenrondo (ABACDA mit Coda), da C eine Durchführung ist mit der Reprise in Abschnitt D. Wie zuvor im zweiten Satz sucht die Durchführung erneut nach g-Moll - die dunkelste Tonart in Mozarts harmonischem Lexikon - bevor D-Dur schließlich erlaubt wird durchzubrechen, allerdings nur als weißliche und winterliche Sonne.

(c) Roger Dettmer, Leopold Mozart

Kaufempfehlung:
Martin Stadtfeld (Klavier), NDR Sinfonieorchester, Dir. Bruno Weil
Label: Sony, DDD, 2004
Carmen Piazzini (Klavier), St. Petersburg Soloists, Dir. Michail Gantvarg
Label: Hera, DDD, 1989/90
YouTube:
Mitsuko Uchida (Klavier & Dir.), Camerata Salzburg
März 2001 in Salzburg

MOZART: Sinfonie Nr. 41 C-Dur "Jupiter"

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Sinfonie Nr. 41 C-Dur, KV 551 "Jupiter"
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1788
Besetzung: Orchester
Aufführungsdauer: ca. 32 Minuten
Sätze:

  1. Allegro vivace
  2. Andante cantabile
  3. Menuetto & Trio. Allegretto
  4. Molto allegro

Das fast Vierteljahrhundert, das Mozarts erste Sinfonie und seine letzte - die Sinfonie Nr. 41 in C-Dur (1788) - voneinander trennt war von dem wiederkehrenden, wenn nicht gar anhaltenden Interesse an den diese Gattung innewohnenden Möglichkeiten gekennzeichnet. Bei der Untersuchung der Chronologie von Mozarts Werken stellt man fest, dass die Komposition seiner Sinfonien dazu neigten in irregulär zerstreuten Gruppen aufzutreten mit bis zu neun oder zehn Exemplaren in einer Reihe, anstatt dass es beständig oder einzeln wäre. Was dies abgesehen von finanziell motivierten Gründen nahelegen könnte ist, dass er sich in diesen verschiedenen Perioden spezifisch damit beschäftigte die Probleme und Herausforderungen der sinfonischen Gattung herauszuarbeiten. Begutachtet man diese Werke erkennt man, dass die berühmteren Fixpunkte fast geometrisch mit der fortschreitenden Zeit zunehmen, so dass bei der Erstellung der "Jupiter"-Sinfonie zwei Jahre vor seinem Tod - als Teil einer Gruppe von dreien, die innerhalb des Zeitraums von weniger als drei Monaten komponiert wurden - der volle Umfang der Entwicklung, die stattgefunden hat, tatsächlich beeindruckend ist.

Die Sinfonie Nr. 41 verkörpert passend was heutzutage als Musterbeispiel der Form der klassischen Sinfonie angesehen wird: vier Sätze, der erste und letzte in einem schnellen Tempo, der zweite langsamer und der dritte ein Menuett mit Trio. Losgelöst von allen Normen, die ein Modell nahelegen könnte, lässt Mozarts gewandte Fantasie jedoch dieses Werk von anderen der gleichen Art unterscheiden. Der erste Satz wird teilweise durch die dramatische und effektive Anwendung unerwarteter Unterbrechungen im rhythmischen Fluss charakterisiert, erreicht durch die Nutzung von Pausen, ein Merkmal, dass er mit den Sinfonien von Haydn teilt, wovon es vielleicht auch beeinflusst wurde. Nach anfänglicher Regelmäßigkeit tragen unregelmäßige und wechselnde Phrasenlängen ebenfalls zum dramatischen Antrieb bei. Die heitere Ruhe in F-Dur des Anfangs im zweiten Satz wird schon bald unterbrochen und rastloseren, rhythmisch beharrlichen Episoden in Moll gegenübergestellt. Dieser Konflikt aus ruhig und dunkel wird durchweg fortgeführt, der anfängliche Geist siegt schließlich. Das fallende chromatische Thema und die fließende, gleichmäßige Begleitung des Menuetts geben dem dritten Satz eine elegante Färbung. Das zugehörige Trio liefert eine urige, offenkundiger tänzerische Stimmung, die jedoch durch einen plötzlich deutlich ernsthafteren Ausbruch im Tutti unterbrochen wird. Der letzte Satz ist für seine Reichhaltigkeit an kontrapunktischer Sprache außergewöhnlich, was eine irgendwie unerwartete - und einige von Mozarts Zeitgenossen würden es wagen zu sagen unmoderne - Eigenschaft in einem sinfonischen Werk dieser Zeit ist. Das viertönige Motiv, das denn Satz beginnt wird in einer ganzen Reihe an Verkleidungen durch seine Tempi geschickt, am Auffälligsten als Beginn eines beständigen Kanons und Thema einer Fuge, die beide sowohl im Original, als auch in ihrer Umkehrung auftreten. Der Effekt gereicht zwar nicht zu Akademismus, hat aber große Spannung und einen dramatischen Impuls, der im Anfang borstig und auf der Suche nach Auflösung, seinen Ruheort erst in den Schlusstakten findet.

(c) Michael Rodman

Kaufempfehlung:
Freiburger Barockorchester, Dir. René Jacobs
Label: HMF, DDD, 2006
The English Chamber Orchestra, Dir. Jeffrey Tare
Label: Arthaus, 2004
YouTube:
The Chamber Orchestra of Europe, Dir. Nikolaus Harnoncourt
aus dem Großen Musiksaal in Wien

MOZART: Die Hochzeit des Figaro

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Die Hochzeit des Figaro, KV 492 (Le nozze di Figaro)
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1786
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Uraufführung: 1. Mai 1786 im Burgtheater in Wien (Österreich)
Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, 30 Minuten
Teile:

  • Ouvertüre. Presto
  • Cinque dieci
  • Se a caso madama la notte ti chiama
  • Se vuol ballare, signor contino (Cavatina)
  • La vendetta, oh, la vendetta
  • Via resti servita, madama brillante
  • Non sò più cosa son, cosa faccio
  • Cosa sento! tosto andate
  • Giovani liete, fiori spargete
  • Non più andrai farfallone amoroso
  • Porgi amor qualche ristoro (Cavatina)
  • Voi, che sapete che cosa e amor (Arietta)
  • Venite, inginocchiatevi
  • Susanna or via sortite
  • Aprite presto, aprite
  • Esci omai, garzon malnato, sciagurato, non tardar (Finale)
  • Crudel! perchè finora
  • Hai già vinta la causa! Cosa sento!... Vedro, mentr'io sospiro
  • Riconosci in questo amplesso
  • E Susanna non vien! Sono ansiosa... Dove sono i bei momenti
  • Sull' aria... che soave zefiretto
  • Recevete, o padroncina
  • Ecco la marcia, andiamo!... Amanti costanti, seguaci d'onor (Finale & Chor)
  • L'ho perduta... me meschina! (Cavatina)
  • Il capro e la capretta
  • In quegl' anni, in cui val poco
  • Tutto è disposto: l'ora dovrebbe esser vicina; io sento gente... Aprite un po quegl' occhi
  • Giunse alfin il momento... Deh vieni non tardar, o gioja bella
  • Pian, pianin le andrò più presso (Finale)

Lorenzo da Ponte schrieb das Libretto für Mozarts Figaro nach dem Zerwürfnis mit Antonio Salieri, der als kaiserlicher Hofkomponist die Position des Hofpoeten für da Ponte erwirkt hatte. Zur Zeit der Komposition und ersten Aufführungen der Oper gab es ein Klima der Feindseligkeit unter Fraktionen von in Wien lebenden italienischen Musikern und Dichtern, zu denen auch Salieri gezählt wurde. Obwohl die Bemühungen der italienischen Anti-Mozart-Clique keinen Erfolg darin Mozarts Figaro von der Bühne zu verbannen, erhielt die Oper in Wien unmittelbar nach ihrer Uraufführung im Burgtheater am 1. Mai 1786 nicht einmal zehn Aufführungen. Der Figaro sollte jedoch in Prag ungeheuren Erfolg haben, bevor er sich in weiteren Teilen Europas verbreitete und zu einem Klassiker im Repertoire der Buffo-Oper wurde. So begann die zufällige Beziehung von Mozart und da Ponte, aus der noch zwei weitere Meisterwerke entstehen sollten: Don Giovanni (1787) und Così fan tutte (1789-90).

Mozart bewunderte das politisch radikale Drama "Die Hochzeit des Figaro" (1781) von Pierre Auguste Caron de Beaumarchais, das zweite Drama aus einer späteren Trilogie, die auf der autobiographischen Figur Figaro beruht. Beaumarchais' "Der Barbier von Sevilla" wurde 1775 aufgeführt und das dritte Drama der Trilogie, "Die schuldige Mutter", sollte 1793 uraufgeführt werden. In seinen Figaro-Dramen parodiert Beaumarchais, der selbst an der Revolution teilnahm und antiaristokratischen, revolutionären Ideen entgegenarbeitete, die französische Gesellschaft vor der Revolution auf scharfe Weise.

Mozarts Musik für den Figaro besteht aus den üblichen trockenen und begleiteten Rezitativen, Arien und Ensemblestücken. Obwohl sie keine Durchführung hat ist die Ouvertüre im Kern in Sonatenhauptsatzform. Mozart musikalisch vermittelt den Grad an Verwirrung bei Figaro in seiner Cavatina im ersten Akt "Se vuol ballare", indem er verschmitzt den Charakter seiner Musik verändert, damit sie zu Figaros Intrigen passt. Mozart durchtränkt auch Figaros Rondo-förmige Arie "Non più andrai, farfallone amoroso" mit farbenfrohen musikalischen Darstellung von Cherubinos bevorstehendem Wehrdienst durch punktierte Rhythmen und Fanfaren an Arpeggi in der Trompete. Die Cavatina der Gräfin "Porgi amor" vermittelt den erhöhten Sozialstatus der Figur durch ihre elegante melodische Sprache. Das Duett ("Aprite, presto, aprite") von Susanna und Cherubino im zweiten Akt quellt erwartungsvoll über mit seiner Streichmusik im Moto perpetuo und der nervösen, plappernden Textdeklamation. Im Duett des Grafen und Susanna im dritten Akt ("Crudel! Perchè finora") überträgt die Moll-Tonart die anfängliche Trauer des Grafen und ein Wechsel nach Dur, nachdem Susanne einwilligt in den Garten zu kommen, bestätigt ein Gefühl der zeitweiligen Erlösung. Später, im begleiteten Rezitativ des Grafen ("Hai già vinta la causa!") legt das Orchester ein zusätzliches Augenmerk auf seinen verbalen Ausdruck der Wut und Aufregung durch impulsiv punktierte Rhythmen und Streichertremoli. Durch wilde Passagen über schnelle Skalen und Triller schafft es das Orchester diese wütende Intensität in der Rachearie des Grafen ("Vedrò mentr'io sospiro") beizubehalten. Barbarinas Cavatina im vierten Akt ("L'ho perduta... me meschina!") führt eine Moll-Melodie mit klassischem Pathos Mozarts ein. Das Finale des vierten Aktes lässt die Hauptfiguren den Grafen um Vergebung bitten und die Musik schwillt von einem frommen, hymnischen Ensemble zu einem triumphalen, mit Fanfaren beladenen Jubel an.

(c) Jennifer Hambrick

Kaufempfehlung:
Dietrich Fischer-Dieskau, Heather Harper, Judith Blegen, Geraint Evens, Teresa Berganza (Solisten), English Chamber Orchestra, Dir. Daniel Barenboim
Label: Warner, ADD, 1976
Bryn Terfel, Alison Hagley, Rodney Gilfry, Hillevi Martinpelto (Solisten), The English Baroque Soloists, Dir. John Eliot Gardiner
Label: DGG, 1993
YouTube:
Luca Pisaroni, Rosemary Joshua, Pietro Spagnoli, Annette Dasch, Angelika Kirchschlager (Solisten), Concerto Köln, Dir. René Jacobs
aus dem Théâtre des Champs-Élysées in Paris

MOZART: Don Giovanni

Wolfgang Amadeus Mozart
Lebensdaten: 27. Januar 1756 Salzburg - 5. Dezember 1791 Wien (Österreich)
Werk: Don Giovanni, KV 527
Epoche: Klassik
Entstehungszeit: 1787
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Uraufführung: 29. Oktober 1787 im Ständetheater von Prag (Böhmen)
Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, 35 Minuten
Teile:

  • Ouvertüre. Andante
  • Notte e giorno faticar (Introduzione)
  • Ma qual mai s'offre, oh Dei, spettacolo funesto... Fuggi, crudele, fuggi
  • Ah! chi mi dice mai
  • Madamina! Il catalogo e questo
  • Giovinette che fate all' amore
  • Ho capito, Signor, si
  • La ci darem la mano, la mi dirai di si
  • Ah, fuggi il traditor
  • Non ti fidar, o misera
  • Don Ottavio, son morta!... Or sai chi l'onore
  • Dalla sua pace la mia dipende
  • Finch' han dal vino calda la testa
  • Batti, batti, o bel Masetto
  • Presto, presto! priach' ei venga, por mi vo' (Finale)
  • Eh via buffone, eh via buffone
  • Ah, taci ingiusto core
  • Deh, vieni alla finestra (Canzonetta) [Serenade]
  • Metà di voi qua vadano
  • Vedrai, carino, se sei buonino
  • Sola, sola in buio loco palpitar
  • Ah, pietà, signori miei! Ah, pietà, pietà
  • Il mio tesoro intanto... Per queste tue manine
  • In qualieccessi, o Numi... Mi tradi quell' alma ingrata, quell' alma ingrata
  • O statua gentilissima
  • Crudele! Ah no, mio bene... Non mi dir, bell' idol mio
  • Gia la mensa e preparata (Finale)

Während eines Aufenthaltes in Prag im Januar und Februar 1787, bei dem er Konzerte besuchte und seiner zuletzt fertiggestellten Oper Die Hochzeit des Figaro aufführte, sowie Konzerte einiger seiner instrumentalen Werke, erhielt Mozart einen Auftrag des Prager Operndirektors Pasquale Bondini für eine neue Oper, die im Oktober 1787 in Prag produziert werden sollte. Mozart kehrte nach Wien zurück und bat Lorenzo Da Ponte, der Librettist des Figaro, um ein weiteres Opernlibretto. Don Giovanni wurde zur zweiten von drei Buffo-Opern, die Mozart zu einem Libretto Da Pontes komponieren würde, die dritte davon war Così fan tutte, die Mozart Anfang 1790 fertigstellen sollte. Da Pontes Libretto zeigt den Einfluss von Bertatis Libretto für Gazzanigas Oper Convitato di pietra. Unter großem Interesse und Lob der Kritiker fand die Uraufführung des Don Giovanni am 29. Oktober 1787 in Prag statt. Der Prager Zuspruch für Don Giovanni war positiver als der der ersten Wiener Aufführungen der Oper 1788, wo die Kritiken leichte Enttäuschung zeigten aufgrund der ausgedehnten Länge des Werks und unnötigen Einzelheiten in der Handlung.

Mozart schafft verschiedene Stufen des dramatischen Ausdrucks durch die Stile der Secco-Rezitative, Accompagnato-Rezitative und Arien. Durch Secco-Rezitative entblößt Mozart große Teile an Informationen für die Handlung mit größter musikalischer Effizienz. Accompagnato-Rezitative sind für Momente großer Emotionen vorbehalten, in denen das begleitende Orchester quasi eine dramatische Rolle einnimmt. In Szene 10 des zweiten Aktes spricht das Orchester praktisch für die hin- und hergerissene Donna Elvira, eindringlich punktierte Rhythmen im Orchester vermitteln ihre Wut und gebundene Couplets geben ihren Seufzern eine musikalische Stimme. Die dramatisch stagnierenden da-Capo-Arien, die in den Opern Georg Friedrich Händels eine Hauptsäule darstellten, sind in Don Giovanni quasi ausgestorben. Leporellos sogenannte "Katalogarie" ("Madamina, il catalogo è questo") in Szene 5 des ersten Aktes z.B. stellt durchkomponierte und zweiteilig formale Elemente vor. Einige Arien in Don Giovanni, wie z.B. Don Ottavios Arie in Szene 14 des ersten Akts ("Dalla sue pace"), enthalten jedoch Spuren der Idee der dreiteiligen Form mit einer Rückkehr zum anfänglichen Material nach einem Abschnitt mit konstrastierender Musik. Donna Elviras Arie in Szene 10 des zweiten Aktes ("Mi tradì quell'alma ingrata") stellt formale Vorstellungen der Dreiteiligkeit und des Rondos gegenüber und bekräftigt durch die musikalische Form Donna Elviras Rückkehr zur gleichen Haltung an Mitleid und der Sehnsucht nach Don Giovanni. Um die Funktion aufrecht zu erhalten, dass die Opernouvertüre in die wichtigsten Themen der Oper einführt, kehrt die die Ouvertüre beginnende Musik, gekennzeichnet durch Wechsel der Tonika in d-Moll und ihrer Dominante, in der Szene des Commendatore in Szene 15 des zweiten Aktes zurück. Das Drama dieser Szene wird aufgehellt durch die leichte Nutzung populärer Musik in der vorangehenden Feierszene, in der die Musiker auf der Bühne Melodien aus Arien von Martín y Soler, Sarti und selbst Mozarts eigener Hochzeit des Figaro während Don Giovannis Fest spielen. Don Giovannis Canzonetta ("Deh, vieni alle fenestra, o mio tesoro") in Szene 3 des zweiten Aktes, ein leichtes Strophenlied, arrangiert für Pizzicato-Streicher und Mandoline, ist eine ähnlich clevere musikalische Gegenüberstellung von Ebenen des Realismus.

(c) Jennifer Hambrick

Kaufempfehlung:
Ruggero Raimondi, Kiri Te Kanawa, Teresa Berganza, Edda Moser, José van Dam (Solisten), Orchestre de l'Opera National de Paris, Dir. Lorin Maazel
Label: Sony, ADD, 1979
Cecilia Bartoli, Liliana Nikiteanu, Rodney Gilfry, Agnes Baltsa, Roberto Sacca, Urs Widmer (Solisten), Orchester der Oper Zürich, Dir. Nikolaus Harnoncourt
Label: Arthaus, 2000/2001
YouTube:
Simon Keenlyside, Carmela Remigio, Anna Caterina Antonacci, Patrizia Pace, Bruno Lazzaretti (Solisten), Dir. Claudio Abbado
im Teatro Comunale von Ferrara, 1997