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WAGNER: Lohengrin


Richard Wagner

Lebensdaten: 22. Mai 1813 Leipzig (Sachsen) - 13. Februar 1883 Venedig (Italien)
Werk: Lohengrin, WWV 75
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1845-48
Uraufführung: 28. August 1850 in Weimar
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 3 Stunden
Teile:
  1. Vorspiel
  2. Nr. 2, Gott grüss' euch, liebe Männer
  3. Nr. 3, Dank, König, dir
  4. Nr. 4, Einsam in trüben Tagen
  5. Nr. 5a, Wer hier in Gotteskampf
  6. Nr. 5b, In düst'rem Schweigen richtet Gott!... Du trügest zu ihm
  7. Nr. 6, Nun sei bedankt
  8. Nr. 7, Nie sollst du mich
  9. Nr. 8, Mein Herr und Gott, nun ruf' ich dich
  10. Nr. 9, Erhebe dich, Genossin meiner Schmach!
  11. Nr. 10, Euch Lüften, die mein Klagen so traurig oft erfüllt
  12. Nr. 11, Elsa!... Wer ruft?
  13. Nr. 12a, Entweihte Götter!
  14. Nr. 12b, Ortrud! Wo bist du?
  15. Nr. 12c, Du Ärmste kannst wohl nie ermessen
  16. Nr. 13, Gesegnet soll sie schreiten (Prozession)
  17. Nr. 14, O König! Trugbetörte Fürsten! Haltet ein!
  18. Nr. 15, Welch ein Geheimnis muss der Held bewahren
  19. Nr. 16, Mein Held, entgegne kühn dem Ungetreuen!
  20. Nr. 17, Vorspiel
  21. Nr. 18, Treulich geführt ziehet dahin
  22. Nr. 19a, Das süsse Lied verhallt
  23. Nr. 19b, Atmest du nicht mit mir die süssen Düfte?
  24. Nr. 19c, Höchstes Vertraun hast du mir schon zu danken
  25. Nr. 20a, Heil, König Heinrich!
  26. Nr. 20b, Habt Dank, ihr Lieben von Brabant
  27. Nr. 21, In fernem Land, unnahbar euren Schritten
  28. Nr. 22, Mein lieber Schwan!
Der Lohengrin stellt ein maßgebliches Werk in Richard Wagners Karriere dar. In puncto Struktur und Herangehensweise wird er üblicherweise ans Ende seiner frühen Opern gestellt; gleichzeitig weist er bereits viele der Ideen und Techniken auf, die in seinen späteren Musikdramen vollends verwirklicht werden sollten. Tatsächlich keimten bereits zur gleichen Zeit, als Wagner dieses Werk entwarf, viele der Ideen für seine späteren Werke, wie Tristan und der Ring-Zyklus, auf (und wurden in etwas vorläufiger Form sogar zu Papier gebracht). Andererseits korrespondiert die stilistische Trennung, die üblicherweise nach dem Lohengrin angesetzt wird, mit einer biografischen: nachdem er vor der Uraufführung der Oper in Weimar (1850, Franz Liszt dirigierte) für politisches Exil nach Zürich geflohen war, würde Wagner das nächste Jahrzehnt damit verbringen seine ästhetischen Ansichten durch eine Reihe an wichtigen Essays zu artikulieren. Diese sollten viele der in Lohengrin bereits angedeuteten Ideen in einen ausgewachsenen musikalischen Paradigmenwechsel verwandeln.

Die Geschichte für die Oper reifte beinahe ein Jahrzehnt heran. Wagner begegnete dem Lohengrin-Mythos das erste Mal 1841 und würde binnen fünf Jahren das Szenario für eine Oper über das Thema skizziert haben. Einige Jahre später, 1848, folgte die Musik. Die Geschichte ist im Antwerpen des 10. Jahrhunderts angesiedelt, wo Elsa, Schwester des Herzogs in spe Gottfried, des Mordes angeklagt wird. Eine mysteriöse Figur tritt auf, um sie zu verteidigen und sogar als Braut zu nehmen, befielt ihr allerdings keine Fragen bezüglich seines Namens oder seiner unbekannten Herkunft zu stellen. Ein Graf, Telramund und dessen Frau Ortrud, eine Zauberin, sind Elsas Ankläger und tatsächlich die eigentlichen Täter für Gottfrieds Verschwinden. Sie stellen eine Reihe an Intrigen, um Elsa zu überzeugen ihren mysteriösen Helden nach dessen Identität zu fragen und der Liebesgeschichte ein trauriges Ende zu bereiten, welches allerdings eine unerwartet frohe Auflösung bereithält: die Rückkehr Gottfrieds.

Indem er diese Handlung mit musikalischen Mitteln zum Ausdruck bringt demonstriert Wagner eine Reihe seiner charakteristischen Techniken, wie auch sein feines Gespür für mehrschichtige Dramen. Die Spannung zwischen Elsas Liebe für ihren mysteriösen Helden und ihre unbehagliche Neugier über seinen Hintergrund werden von der Halbtonbeziehung der mit ihnen assozierten Harmonien verkörpert (As-Dur und A-Dur). Ortruds unheilvolle Machenschaften legen einen gespenstischen Schatten aus verminderten Akkordklängen, sobald sie auftritt oder ihre Pläne greifen (dies wird besonders effektiv, als Elsa im dritten Akt Ortruds Täuschung nachgiebt und ebenfalls eine Version ihres Themas annimmt). Genauso stoßen die f-Moll-Klänge, die beständig für die "verbotene Frage" stehen ahnend mit den C-Dur-Harmonien zusammen, welche die Hochzeitsprozession am Ende des zweiten Aktes charakterisieren. Diese Arten dramatischer Ideen vereinen sich mit der offensichtlichsten: während sich die Oper um die Verkündung des unbekannten Namens dreht, steht das Publikum, welches durch den bloßen Titel des Werks recht ungezwungen die geheime Identität des Heldes erfahren hat, in dauerhafter Spannung mit den Protagonisten der Oper.

(c) Jeremy Grimshaw

Kaufempfehlung:

WAGNER: Die Meistersinger von Nürnberg

Richard Wagner
Lebensdaten: 22. Mai 1813 Leipzig (Sachsen) - 13. Februar 1883 Venedig (Italien)
Werk: Die Meistersinger von Nürnberg, WWV 96
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1862-67
Uraufführung: 21. Juni 1868 in München (Bayern)
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 3 Stunden, 45 Minuten
Teile:

  • Nr. 1, Vorspiel
  • Nr. 2, Da zu dir der Heiland kam
  • Nr. 3, Verweilt! Ein Wort! ein einzig Wort!
  • Nr. 4, Da bin ich! Wer ruft?
  • Nr. 5, David! Was stehst?
  • Nr. 6, Mein Herr! Der Singer Meisterschlag
  • Nr. 7, Der Meister Tön' und Weisen
  • Nr. 8, Damit, Herr Ritter, ist's so bewandt!
  • Nr. 9, So bleibt mir einzig der Meister-Lohn
  • Nr. 10, 'Seid meiner Treue wohl versehen
  • Nr. 11a, Gott grüsst Euch, Meister
  • Nr. 11b, Zu einer Freiung und Zunftberatung
  • Nr. 12, Das schöne Fest, Johannistag
  • Nr. 13, Vielleicht schon ginget ihr zu weit
  • Nr. 14a, Wohl, Meister, zur Tagesordnung kehrt
  • Nr. 14b, Dacht' ich mir's doch!
  • Nr. 15, Am stillen Herd
  • Nr. 16, Nun, Meister! Wenn's gefällt
  • Nr. 17, Was euch zum Liede Richt' und Schnur
  • Nr. 18, 'Fanget an' - So rief der Lenz
  • Nr. 19, Seid ihr nun fertig?
  • Nr. 20, Halt! Miester! Nicht so geeilt!
  • Nr. 21, Johannistag!
  • Nr. 22, Lass seh'n, ob Meister Sachs zuhaus?
  • Nr. 23a, Zeig' her! - 's ist gut, Dort an die Tur'
  • Nr. 23b, Was duftet doch der Flieder
  • Nr. 24, Gut'n Abend, Meister!
  • Nr. 25, Das dacht' ich wohl
  • Nr. 26, Da ist er!... Ja, ihr seid es
  • Nr. 27a, Geliebter, spare den Zorn
  • Nr. 27b, Hört, ihr Leut, und lasst euch sagen
  • Nr. 27c, Üble Dinge, die ich da merk
  • Nr. 28a, Tu's nicht! - Doch horch!
  • Nr. 28b, Jerum! Jerum!
  • Nr. 29a, Das Fenster geht auf
  • Nr. 29b, Freund Sachs! So hört doch nur ein Wort!
  • Nr. 30, Den Tag seh' ich erscheinen
  • Nr. 31, Mit den Schuhen ward ich fertig schier
  • Nr. 32, Zum Teufel mit dir, verdammter Kerl!
  • Nr. 33, Vorspiel
  • Nr. 34, Gleich, Miester! Hier!
  • Nr. 35, Am Jordan Sankt Johannes stand
  • Nr. 36, Wahn! Wahn! Überall Wahn!
  • Nr. 37, Grüss Gott, mein Junker!
  • Nr. 38, Mein Freund! In holder Jugendzeit
  • Nr. 39, Morgenlich leuchtend
  • Nr. 40, Abendlich glühend
  • Nr. 41, Ein Werbelied! Von Sachs!
  • Nr. 42, Das Gedicht! hier liess ich's
  • Nr. 43a, So ganz boshaft doch keinen ich fand
  • Nr. 43b, Sie Evchen!... Grüss Gott, mein Evchen
  • Nr. 44, Hat man mit dern Schuhwerk
  • Nr. 45, O Sachs! Mein Freund
  • Nr. 46a, Mein Kind, von Tristan und Isolde
  • Nr. 46b, Aha! Da streicht die Lene
  • Nr. 46c, Ein Kind ward hier geboren
  • Nr. 47, Selig wie die Sonne
  • Nr. 48, Sankt Krispin, lobet ihn!
  • Nr. 49, Ihr tanzt? (Tanz der Lehrbuben)
  • Nr. 50, (Auftritt der Meister)
  • Nr. 51, Wach auf! es nahet gen den Tag
  • Nr. 52, Euch macht ihr's leicht
  • Nr. 53, Nun denn, wenn's Meistern und Volk beliebt
  • Nr. 54, Morgen ich leuchte
  • Nr. 55, Das Lied, fur wahr, ist nicht von mir
  • Nr. 56, Morgenlich leuchtend im rosigen Schein
  • Nr. 57, Verachtet mir die Meister nicht
  • Nr. 58, Ehrt eure Deutschen


Nachdem er bereits seine fünfte Oper, Tannhäuser, fertiggestellt hatte und darüber nachdachte eine neue über die Geschichte des Lohengrin zu erstellen, wurde Richard Wagner 1845 inspiriert sich des Themas der mittelalterlichen "Meistersinger" anzunehmen, indem er Georg Gottfried Gervinus' "Geschichte der poetischen National-Literatur der Deutschen" las. Obwohl er im gleichen Jahr noch einen prosaischen Entwurf eines Librettos komponierte, sollte es ihn jedoch mehr als 20 Jahre benötigen, um das Projekt zur Vollendung zu bringen. Nachdem er das Thema in Jakob Grimms "Über den altdeutschen Meistergesang" von 1811 und Wagenseils Nürnberger Geschichte von 1697 weite studiert hatte, verfasste Wagner im Winter 1861/62 ein Verslibretto für die Meistersinger. Dann unterbrach er die Arbeit am Siegfried (den er ebenfalls schon beiseite gelegen hatte, um 1859 Tristan und Isolde zu komplettieren), um die Partitur anzufertigen.

Glücklicherweise für Wagner fand ein Großteil der Arbeit unter der Gunst von Ludwig II., König von Bayern, statt, der den Komponisten im Mai 1864 an seinen Hof berufen hatte, um seine Unterstützung anzubieten. Wagner ließ sich mit seiner zukünftigen zweiten Frau Cosima von Bülow (geborene Liszt, damals Frau des Dirigenten Hans von Bülow) auf einem Landsitz außerhalb von Luzern in der Schweiz häuslich nieder und stellte die Partitur in ziemlich ruhiger Umgebung fertig. Für Wagner war dies ein Wandel in der Schnelligkeit, da er den Großteil seiner frühen Karriere auf der Flucht vor Gläubigern verbracht hatte. Als sie schließlich vollendet waren, feierten Die Meistersinger von Nürnberg unter großem Beifall ihre Uraufführung am 21. Juni 1868 an der Münchner Staatsoper - unter Leitung des gehörnten von Bülow.

Wagner nutzt die Traditionen der deutschen Meistersänger als Grundlage für die musikalische Konzeption der Oper. Durch eine regelmäßige Nutzung der Barform (AAB oder auch Abgesang) beispielsweise zollt Wagner musikalischen Tribut an diese frühen Komponisten, deren erhaltene Werke diese formale Struktur sehr klar bevorzugen. Eines der zugrunde liegenden Themen der Meistersinger - dass Regeln keine großartige Kunst erschaffen können, obwohl sie notwendig sind um die Inspiration zu vergüten - wird in Szene 3 des ersten Aktes illustriert, als die Figur des Kothner eine mechanische, etüdenhafte Musik singt, während er die Regeln zum Komponieren eines Meisterliedes studiert. In starkem Kontrast zu Kothners Pedanterie steht Walthers Probegesang, der aus einem hinreißenden Geplätscher an chromatischem Überschwang besteht, der innerhalb der Grenzen keines vorgeschriebenen, formalen Plans gehalten wird. Wenn Walther, der naturbegabt großartige Musiker, Wagner selbst repräsentiert, dann trifft genauso zu, dass der begriffsstutzige und griesgrämige Sixtus Beckmesser Wagners künstlerischen und ästhetischen Erzfeind, Eduard Hanslick repräsentiert. Beckmessers Musik macht diese Verknüpfung süffisant klar, indem sie regelmäßig schlichte Staccato-Noten verwendet, die eher zu beißen als zu singen scheinen.

Im allergünstigsten Licht betrachtet sind die Meistersinger eine gutmütig komische Parabel über die Beziehung zwischen Kunst und denen, die sie erschaffen. Das Werk birgt allerdings auch Elemente von Wagners wachsendem Antisemitismus und seinem Verlangen nicht-germanische Eigenschaften aus seiner Musik zu verbannen. Die Charakterisierung von Beckmesser, genauso wie sie ein Stoß zum befeindeten Kritiker des Komponisten ist, etabliert diese Figur auch klar als einen Juden durch die Verweise auf Grimms Märchen "Der Jude im Dorn". Für einige Hörer befleckt diese Verbindung zusammen mit dem ungünstigen Zerrbild die allgemeine Genialität des Werks mit einem Gefühl der Gefahr; aus jedem rein künstlerischen Blickwinkel jedoch sind die Meistersinger ein wunderbar geschaffenes Drama, reichhaltig mit dramatischen und musikalischen Strukturen, die Wagners kreatives Talent bestens präsentieren.

(c) Rovi Staff

Kaufempfehlung:
Norman Bailey, Rene Kollo, Hannelore Bode, Bernd Weikl, Kurt Moll (Solisten), Wiener Philharmoniker, Dir. Georg Solti
Label: Decca, ADD, 1975
Eva Johansson, Wolfgang Brendel, Gösta Winbergh (Solisten), Orchester der Deutschen Oper Berlin, Dir. Rafael Frühbeck de Burgos
Label: Arthaus, 1995
YouTube:


Thomas Johannes Mayer, Alastair Miles, Pascal Pittie (Solisten), Nederlands Philharmonisch Orkest, Dir. Marc Albrecht
Juni 2013 in Amsterdam

WAGNER: Parsifal

Richard Wagner
Lebensdaten: 22. Mai 1813 Leipzig (Sachsen) - 13. Februar 1883 Venedig (Italien)
Werk: Parsifal, WWV 111
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1878-82
Uraufführung: 26. Juli 1882 in Bayreuth (Bayern)
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Aufführungsdaur: ca. 3 Stunden, 50 Minuten
Teile:

  • Vorspiel
  • Nr. 2, He! ho! Waldhüter ihr
  • Nr. 3, Hei! Wie fliegen der Teufelsmahre die Mahnen
  • Nr. 4, Recht so! - Habt Dank! Ein wenig Rast
  • Nr. 5, Wann alles ratlos steht
  • Nr. 6, Das ist ein andres
  • Nr. 7, Titurel, der fromme Held
  • Nr. 8, Weh! Weh! Hoho! Auf!
  • Nr. 9, Unerhortes Werk!
  • Nr. 10, Den Vaterlosen gebar die Mutter
  • Nr. 11, So recht! So nach des Grales Gnade
  • Nr. 12a, Vom Bade kehrt der König heim
  • Nr. 12b, (Verwandlungsszene)
  • Nr. 13, Nun achte wohl... Zum letzten Liebesmahle
  • Nr. 14a, Mein Sohn Amfortas, bist du am Amt?
  • Nr. 14b, Nein! Lasst ihn unenthüllt
  • Nr. 14c, Wehvolles Erbe, dem ich verfallen
  • Nr. 15, Durch Mitleid Wissend, der reine Tor
  • Nr. 16, Vorspiel
  • Nr. 17, Die Zeit ist da
  • Nr. 18, Ach! Tiefe Nacht... Furchtbare Not!
  • Nr. 19, Hier war das Tosen!
  • Nr. 20, Komm, holder Knabe!
  • Nr. 21, Dies alles - hab' ich nun geträumt?
  • Nr. 22, Ich sah das Kind
  • Nr. 23, Wehe! Wehe! Was tat ich?
  • Nr. 24, Amfortas! Die wunde!
  • Nr. 25, Grausamer! Fuhlst du im Herzen
  • Nr. 26, Auf Ewigkeit warst du verdammt mir fur eine Stunde
  • Nr. 27, Vorspiel
  • Nr. 28, Von dorther kam das Stöhnen
  • Nr. 29, Heil dir, mein Gast!
  • Nr. 30, Zu ihm, des tiefe Klagen
  • Nr. 31, O Gnade! Hochstes Heil!
  • Nr. 32, Du wuschest mir die Fusse
  • Nr. 33a, Mittag - Die Stund'ist da
  • Nr. 33b, Geleiten wir im bergenden Schrein
  • Nr. 34, Ja, Wehe! Wehe! Weh' über mich!
  • Nr. 35, Nur eine Waffe taugt

Laut seiner Autobiografie entwarf Wagner seinen Parsifal bereits 1857; er sollte jedoch zu seinem letzten fertigen Werk werden, das 1882 uraufgeführt wurde, im Jahr vor seinem Tod. Seine wichtigsten Quellen waren das epische Gedicht Parzival des Dichters Wolfram von Eschenbach aus dem 13. Jahrhundert (der nebenbei als Figur in Tannhäuser auftritt) und die mittelalterische Romanze Perceval ou li Cotes de Graal des Beinahe-Zeitgenossen Wolframs Chrétien de Troyes.

Parsifal ist die Geschichte eines jungen Mannes, dessen Tugend und Mitgefühl zur Rettung der Ritter des Heiligen Grals werden. Er widersetzt sich Versuchung und Gefahr, um den Speer wiederzuerlangen mit dem Christus an das Kreuz genagelt wurde; währenddessen heilt er den König Amfortas von einer verfluchten Wunde und befreit die gefallene Frau Kundry aus ihrem ewigen Umherirren.

Die mittelalterliche Literatur über den Heiligen Gral ist komplex und vielseitig und hat Wurzeln in keltischem Heidentum; die Identifikation des Heiligen Grals als den Becher des letzten Abendmahls oder als Behältnis, das Christus' Blut bei der Kreuzigung aufgefangen hatte trat nicht auf bis zu den Werken des burgundischen Dichters Robert de Boron aus dem 13. Jahrhundert. Obwohl es oberflächlich ein christliches Drama ist (für zeitgenössisches Publikum bestärkt durch seine regelmäßige Vorstellung als Programmpunkt zu Ostern) findet Parsifal immer noch im Heidentum Widerhall, vor allem durch die Figur der Kundry. Der vielleicht stärkste philosophische Einfluss jedoch stammte aus dem Buddhismus mittels Schopenhauer, für den Mitgefühl und die Entsagung des Willens oder Verlangens zentrale Konzepte darstellten.

Parsifal war Wagners einziges Werk, das spezifisch für die besondere Akustik seines Theaters in Bayreuth komponiert wurde (wo der Orchestergraben unter der Bühne versteckt ist) und seine besondere Klangwelt unterscheidet sich von all seinen Vorgängern. Einer der außergewöhnlichsten Aspekte des Werks ist Wagners orchestral beschriebenes Gespür für Raum, das für jeden seiner Orte spezifisch ist (die Gralsburg in den Akten eins und drei; Klingsors Zaubergarten).

Musikalisch greift das Werk zurück und voraus. Die außergewöhnliche Musik der Verwandlungsszene im ersten Akt kombiniert einen triadischen Basso ostinato mit progressiv chromatischen Harmonien und erschafft ein fast greifbares Gefühl der Bewegung von der Außenwelt hinein zu einem versteckten Platz voller Wunder. Das eindringliche Umfeld der Gralsburg im ersten Akt wird hervorgezaubert von den läutenden Glocken, den absichtlich archaischen a-cappella-Chören (Wagner studierte dafür Palestrina) und Titurels Stimme hinter der Bühne, punktiert von Pauken. Kundrys tobende Solopassagen im dritten Akt sind in ihrer Natur fast expressionistisch mit ihren weiten, dissonanten Sprüngen, Lachen, Weinen und Stöhnen. ie Verwandlung im dritten Akt (Titurels Trauermarsch) und der Doppelchor der Gralsritter ist aus qualvollen Dissonanzen aufgebaut und schert näher zu Atonalität aus als jedes vorherige Werk Wagners.

(c) Theresa Muir

Kaufempfehlung:
Irene Dalis, Anja Silja, Hans Hotter, Martti Tavela, George London (Solisten), Orchester der Bayreuther Festspiele, Dir. Hans Knappertsbusch
Label: Decca, ADD, 1962
Plácido Domingo, Violeta Urmana, Matti Salminen, Nikolai Putilin (Solisten), Kirov Orchestra, Dir. Waleri Gergijew
Label: Arthaus, 1997
YouTube:
Falk Struckmann, Matthias Hölle, Hans Sotin, Poul Elming, Ekkehard Wlaschiha, Linda Watson (Solisten), Orchster der Bayreuther Festspiele, Dir. Giuseppe Sinopoli

WAGNER: Tristan und Isolde

Richard Wagner
Lebensdaten: 22. Mai 1813 Leipzig (Sachsen) - 13. Februar 1883 Venedig (Italien)
Werk: Tristan und Isolde, WWV 90
Epoche: Romantik
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Entstehungszeit: 1857-1859
Uraufführung: 10. Juni 1865 in München (Bayern)
Aufführungsdauer: ca. 3 Stunden, 25 Minuten
Teile:

  • Nr. 1, Vorspiel
  • Nr. 2, Hab acht, Tristan!
  • Nr. 3, Doch nun von Tristan!
  • Nr. 4, Wie lachend sie mir Lieer singen
  • Nr. 5, So reihte sie die Mutter
  • Nr. 6, Begehrt, Herrin was ihr wünscht
  • Nr. 7, Vorspiel
  • Nr. 8a, Isolde! Geliebte! Tristan! geliebter
  • Nr. 8b, O eitler Tagesknecht!
  • Nr. 8c, O sink hernieder
  • Nr. 9a, Einsam wachend
  • Nr. 9b, Lausch Geliebter!
  • Nr. 9c, So stürben wir
  • Nr. 9d, Lass' mich sterben!
  • Nr. 10, Tatest du's wirklich?
  • Nr. 11, König... Wohin nun Tristan scheidet
  • Nr. 12, Vorspiel
  • Nr. 13, Die alte Weise - was weckt sie mich?
  • Nr. 14, Dunkt dich das?
  • Nr. 15, Wie sie selig
  • Nr. 16, O diese Sonne!
  • Nr. 17, Ha! Ich bin's, ich bin's
  • Nr. 18, Mild und leise

Wagners offene Ankündigung eine Oper zu schreiben, die auf der Sage um Tristan und Isolde beruht, über die er in dem Versroman von Gottfried von Straßburg aus dem 13. Jahrhundert gelesen hatte, erscheint das erste Mal in einem Brief an Franz Liszt vom 16. Dezember 1854. Die frühesten musikalischen Skizzen datieren auf Dezember 1856, zu diesem Datum hatte Wagner bereits den Text für den Ring des Nibelungen fertig, sowie die Musik für das Rheingold und die Walküre und bis zum zweiten Akt des Siegfried. Wagner hatte auch drei seiner wichtigsten Schriften über die Ästhetik des Dramas fertiggestellt.

Die Komposition von Tristan und Isolde steht in großem Zusammenhang mit Wagners persönlichen und theoretischen Anliegen. Im August 1857 unterbrach Wagner die Arbeit an der Musik für Siegfried, um sich mit vollem Fokus Tristan zu widmen, da er eine Oper von gemäßigterem Ausmaß und mit der Chance auf eine Produktion komponieren wollte, wie er in seinem Essay "Das Kunstwerk der Zukunft" von 1860 angab. Das Musikdrama wurde im März 1859 in Luzern vollendet. Wagner hatte auch fünf Lieder zu Gedichten von Mathilde Wesendonck komponiert, der Frau seines Mäzens, die ihn zutiefst betört hatte, zwei davon designierte er als Studien für Tristan und Isolde.

Wagner selbst anerkannte, dass er mit der Komposition des Tristan die musikalischen und dramaturgischen Theorien überstieg, die er in seinen früheren Abhandlungen ausgearbeitet hatte. Tatsächlich wurde die musikalische Sprache des Tristan lange Zeit als Beginn der musikalischen Moderne angesehen. Die harmonische Sprache des Tristan, die mit anhaltenden Verläufen an unaufgelösten Dissonanzen um sich wirft, inszeniert nicht nur musikalisch die sexuelle Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren der Oper, sondern deutet auch auf die Befreiung der Dissonanz von den Geißeln der Tonalität hin, die Arnold Schönberg und andere im 20. Jahrhundert meistern würden. Das Vorspiel zu Tristan verdeutlicht vollständig Wagners zukunftsweisende Handhabung von Harmonie, sowie dem Punkt der musikalischen Form - oder, wie manche argumentieren würden, Formlosigkeit - die in seinen Musikdramen zentral arbeitet. Alfred Lorenz argumentiert in seiner Studie "Der musikalische Aufbau von Richard Wagners 'Tristan und Isolde'" von 1924, dass das Vorspiel und die drei Akte der Oper aus groß angelegten Bogen- (z.B. A-B-A; Vorspiel - Akt 1 - Akt 2) und Stabformen (z.B. AAB; Akt 3) bestünde und dass das gesamte Opernvorspiel und alle Akte zusammengenommen in eine riesige Bogenform fallen. 2000 argumentierte Robert Bailey, dass die Form des Vorspiels zu Tristan so verstanden werden kann, als dass sie sich in Zyklen sich wiederholender Phrasen entfaltet. Das Vorspiel entfaltet auch Wagners Leitmotiv-Technik, in der die instrumentale Musik in zentrale Motive einführt, die mit Figuren und Ideen zusammenhängen. Wagner scheint die Andeutungen eines von Tristans wichtigsten Leitmotiven - das, welches aus vier aufsteigenden chromatischen Tönen besteht und im Anfangstakt des Vorspiels von der Oboe einführt wird - in seinem Lied "Im Treibhaus" ergründet zu haben, das eines der fünf Wesendonck-Lieder ist. Zusätzlich gibt es eine starke Verbindung zwischen der Musik der der Liebesszene Tristans im zweiten Akt und  einer weiteren Studie für Tristan, nämlich Wagners früherem Wesendonck-Lied "Träume".

(c) Jennifer Hambrick, Alfred Lorenz, Robert Bailey

Kaufempfehlung:
John Treleaven, Christine Brewer, Dagmar Pecková, Boaz Daniel (Solisten), BBC Symphony Orchestra, Dir. Donald Runnicles
Label: Warner, DDD, 2002/2003
Nina Stemme, Robert Gambill, Katarina Karneus, Bo Skovhus, René Pape (Solisten), London Philharmonic Orchestra, Dir. Jiří Bělohlávek
Label: OpusArte, 2006
YouTube:
René Kollo, Johanna Meier, Matti Salminen, Hermann Brecht, Robert Schunk (Solisten), Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Dir. Daniel Barenboim
aus dem Festspielhaus in Bayreuth, 1983

WAGNER: Der Ring des Nibelungen

Richard Wagner
Lebensdaten: 22. Mai 1813 Leipzig (Sachsen) - 13. Februar 1883 Venedig (Italien)
Werk: Der Ring des Nibelungen, WWV 86
Epoche: Romantik
Besetzung: Soli, Chor und Orchester
Entstehungszeit: 1853-1874
Uraufführung: 13.-17. August 1876 in Bayreuth (Bayern)
Aufführungsdauer: ca. 15 Stunden
Teile:

  1. Das Rheingold
  2. Die Walküre
  3. Siegfried
  4. Götterdämmerung

In den Revolutionsjahren 1848/49 begonnen und Wagner für ein Vierteljahrhundert vereinnahmend ist der "Ring" eine der umfangreichsten aller künstlerischen Schöpfungen. Wagner verbindet dieses Gefüge über die Dauer von fünfzehn Stunden mit einem komplexen Netzwerk aus Leitmotiven. Jedes Leitmotiv ist eine kurze musikalische Idee (üblicherweise eine kurze Melodie, aber manchmal auch eine harmonische oder rhythmische Idee), die für etwas im Drama steht, oft eine Figur, aber genauso oft auch ein Ereignis, Erinnerung oder eine abstrakte Idee. Durch thematische Variation nehmen die wichtigen Protagonisten und Ereignisse des Dramas neue Gestalt und Bedeutung an. In genau der ersten Szene der ersten der vier Opern z.B. verwandelt sich das hochwichtige Motiv des Rheingolds, ein beim ersten Auftreten frohes und sprudelndes Lied, zu einer unheilvollen Anklage der Liebe und einem Symbol böser Macht, wenn die Herrschaft über das Gold von einer Figur errungen wird, die die Liebe verurteilt. Die Idee der Welten kontrollierenden Macht wird zum Ende dieser Szene auf die wohlmeinende Welt der Götter ausgedehnt, wenn das Thema erneut verändert wird zum vornehmen Thema Walhallas, ihrem Schloss oberhalb des Rheins.

Der grundlegende Konflikt im Ring-Zyklus entsteht durch Alberich, einem Zwerg, der an die Herrschaft über die Macht des Goldes gelangt ist. Damit kann er eine Armee von Sklaven kontrollieren, die Waffen und Reichtum produzieren können, welche ihn unbesiegbar machen; er kann durch Macht und Geld alleine regieren. Folglich trachtet er danach die vorherrschende Weltordnung umzustürzen, angeführt von Gott Wotan, der durch die Macht der Ehre regiert, sprich dem Einhalten von Verträgen. Alle Verträge der Welt sind symbolisch auf dem Schaft seines Speeres eingekerbt, den er aus einem magischen Baum schnitt, der sogenannten Weltesche, nachdem er dafür eines seiner Augen opferte, um damit auch die Hand der Göttin Fricka für sich zu gewinnen. Alberich und Wotan sind somit Spiegelbilder ihrer selbst, der Eine opferte die Liebe selbst um unbegrenzte Macht zu gewinnen; der Andere gab Opfer, um an Liebe zu gelangen und mit einer Macht zu regieren, die die Idee der Ehre sowohl kontrolliert, als auch durch sie gefangen ist. Fricka ihrerseits ist die Hüterin der Ehe, die diesen Vertrag aus eigener Kraft durchsetzt.

Speer und Ring sind somit zwei der grundlegenden Ideen des Dramas; die vom Ring angeführte Suite an Motiven ist aus einem einfachen Paar an Akkorden aufgebaut; die vom Speer angeführten Motiven entspringen seiner Grundidee, die genauso einfach ist: eine rhythmisch eindrucksvolle, abwärts gerichtete Dur-Skala. Eine dritte mächtige Kraft, die Natur, wird zu Beginn der Oper vernommen; sie wird durch einen einzigen Akkord dargestellt, der sich in einem langsamen, aufwärts gerichteten Arpeggio aufwindet und seine eigene Entourage an Motiven kreiert, welche das Entfalten der Kräfte darstellen, die über Mensch und Götter gleichermaßen hinausgehen.

Nach Lohengrin stellte Wagner die ersten beiden der vier Ring-Opern fertig, unterbrach die Komposition der dritten für einige andere Projekte und kehrte erst dann ernsthaft zum Ring zurück, als die Möglichkeit ihn auf die Bühne zu bringen, wie er das wünschte, möglich zu erscheinen begann. Der gesamte Ring wurde schließlich 1876 uraufgeführt; das Publikum wurde dazu angehalten, das Besuchen dieses viertätigen Ereignisses anzusehen, als ob sie etwa einen Schrein begutachten würden, anstatt einfach zu musikalischem Vergnügen in die Oper zu gehen. Dieser Gedanke hält sich nach wie vor aufrecht; bis heute zählen das Inszenieren und Besuchen wesentlicher Aufführungen des Ring zu den wichtigsten Ereignissen in den Leben sowohl von Opernkünstlern sowie Opernfans. Zahlreiche Auszüge aus den vier gewaltigen Partituren können in sinfonischen Konzerten und vielfachen Adaptionen auf der gesamten Welt gehört werden.

(c) Rovi Staff

Kaufempfehlung:
Kirsten Flagstad, Regine Crespin, Helga Dernesch, Birgit Nilsson, Brigitte Fassbaender, Christa Ludwig, Helen Watts, James King, Hans Hotter, Marga Höffgen, Gerhard Stolze, Lucia Popp, Wolfgang Windgassen, Dietrich Fischer-Dieskau, Wiener Philharmoniker, Dir. Georg Solti
Label: Decca, ADD, 1959-63
Gwyneth Jones, Jeannine Altmeyer, Norma Sharp, Ortrun Wenkel, Hanna Schwarz, Peter Hofmann, Siegfried Jerusalem, Donald McIntyre, Heinz Zednik, Matti Salminen, Orchester der Bayreuther Festspiele, Dir. Pierre Boulez
Label: DGG, 1980
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Donald McIntyre, Martin Egel, Siegfried Jerusalem, Heinz Zednik, Hermann Becht, Matti Salminen, Hanna Schwarz, Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, Dir. Pierre Boulez
aus dem Festspielhaus Bayreuth, 1980