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PUCCINI: Turandot

Giacomo Puccini
Lebensdaten: 22. Dezember 1858 Lucca (Italien) - 29. November 1924 Brüssel
Werk: Turandot, SC 91
Epoche: Romantik/Postromantik
Entstehungszeit: 1920-24
Uraufführung: 25. April 1926 in Mailand
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde, 40 Minuten
Teile:

  1. Nr. 1, Popolo di Pekino! [Stolze Menschen von Peking!]
  2. Nr. 2, Gira la cote!
  3. Nr. 3, Perchè tarda la luna?
  4. Nr. 4, O giovinetto!
  5. Nr. 5, Principessa! Pieta!
  6. Nr. 6, Fermo! che fai?
  7. Nr. 7, Non indugiare!
  8. Nr. 8, Signore, ascolta!
  9. Nr. 9, Non piangere, Liù!
  10. Nr. 10, Ah! per l'ultima volta!
  11. Nr. 11a, Olà, Pang! Olà Pong!
  12. Nr. 11b, O Cina
  13. Nr. 11c, Ho una casa
  14. Nr. 11d, Vi ricordare il principe regal
  15. Nr. 11e, Addio, amore
  16. Nr. 12a, Gravi, enormi ed imponenti
  17. Nr. 12b, Un giuramento
  18. Nr. 12c, Popolo di Pekino!
  19. Nr. 13a, In questa Reggia [In diesem Schlosse]
  20. Nr. 13b, O Principe, che a lunghe carovane
  21. Nr. 14, Straniero, ascolta!
  22. Nr. 15, Tre enigmi
  23. Nr. 16, Così comanda Turandot
  24. Nr. 17, Nessun dorma! [Keiner schlafe]
  25. Nr. 18, Tu che guardi le stelle
  26. Nr. 19, Principessa divina!
  27. Nr. 20, Tanto amore
  28. Nr. 21, Tu, che di gel sei cinta
  29. Nr. 22, Liù! Liù! Sorgi!
  30. Nr. 23, Principessa di morte
  31. Nr. 24a, Del primo pianto
  32. Nr. 24b, Diecimila anni al nostro imperatore!

Puccini stand kurz vor der Fertigstellung der Turandot, als er an den Folgen einer Operation gegen Kehlkopfkrebs relativ kurzfristig verstarb. Auf Geheiß Arturo Toscaninis stellte Franco Alfano, ein ehemaliger Student Puccinis, die Oper - das letzte Duett und die Schlussszene - fertig, indem er Puccinis Skizzen gebrauchte. Turandot wurde am 25. April 1926 im Teatro alla Scala von Mailand unter Toscanini uraufgeführt; eigenartigerweise verwendete der Maestro damals gar nicht Alfanos Ende, sondern ließ die Aufführung dort enden, wo Puccinis letzte Notizen aufhörten.

Turandots Libretto wurde von Giuseppe Adami und Renato Simoni entworfen und basiert auf Schillers Adaption eines Dramas von Carlo Gozzi. Die Geschichte ist im kaiserlichen China angesiedelt, der erste Akt beginnt nahe der Stadtmauern Pekings. Ein kaiserlicher Erlass der Prinzessin Turandot, Tochter des Kaisers, wird verlesen: sie wird den ersten Mann royalen Bluts ehelichen, der in der Lage ist drei Rätsel zu lösen. Ein Scheitern des Werbers wird in seinem Tod enden.
Von seinem Sklavenmädchen Liu begleitet, sinkt der alte, besiegte Tartarenkönig Timur, mittlerweile erblindet, zu Boden. Prinz Kalaf kommt ihm zur Hilfe und erkennt ihn als seinen Vater, zu dem er den Kontakt verloren hatte. Die sich außerhalb ansammelnde Menschenmenge verlangt nach dem Kopf des letzten gescheiterten Brautwerbers, des Prinzen von Persien. Kalaf schimpft über Turandots Grausamkeit die Hinrichtungen zu verlangen, als er sie aber erblickt verliebt er sich sofort in sie. Entgegen der Bedenken Timurs und Lius möchte Kalaf die drei Rätsel lösen, was ihm auch gelingt. Turandot bittet ihren Vater sie von den Bedingungen des Erlasses zu lösen, dies wird aber zurückgewiesen. Kalaf bietet jedoch an sein Leben zu opfern, wenn sie es schaffe seinen Namen vor Sonnenaufgang herauszufinden. Liu und Timur werden zu Turandot gebracht, letztgenannter begeht aber lieber Selbstmord als seinen Namen zu verraten. Später küsst Kalaf Turandot, als sie alleine sind und vertraut ihr in einem plötzlichen Sinneswandel seinen Namen an. Später treten sie vor den Kaiser und Turandot verkündet seinen Namen: Liebe.

Puccinis Partitur enthält seine übliche Reihe an beliebten Arien und brillanter Orchestrierung. Es gibt auch sehr wirksame Chöre: "Muoia! Noi vogliamo il carnefice", gesungen, als die Meute die Hinrichtung des Prinzen von Persien verlangt, sowie im dunklen und atmosphärischen "Arrota! Che la lama guizzi", gesungen von den Helfern des Henkers. Es sind aber die einzelnen Arien, die in dieser Oper am Bekanntesten sind. Lius "Signore Ascolta" ist der wunderschöne Versuch der Sklavin Kalaf davon abzubringen sich als Turandots Bewerber vorzustellen. Seine tiefempfundene Antwort liefert er mit seinem "Non piangiere, Liu".

Die bekannteste Arie in der Oper ist jedoch "Nessun dorma", gesungen von Kalaf, davon überzeugt, dass sie seinen Namen nicht erraten würde. Aufgrund des künstlerischen Werts dieser Komposition mag Turandot Puccinis beste Oper sein.

(c) Robert Cummings

Kaufempfehlung:
Katia Ricciarelli, Plácido Domingo, Barbara Hendricks, Ruggero Raimondi (Solisten), Wiener Staatsopernchor, Wiener Sängerknaben, Wiener Philharmoniker, dir. Herbert von Karajan
Label: DGG, DDD, 1981
Éva Marton, Plácido Domingo, Leona Mitchell, Paul Plishka (Solisten), The Metropolitan Opera Chorus and Orchestra, dir. James Levine
Label: DGG, 1988
YouTube:
Éva Marton, José Carreras, Katia Ricciarelli, Orchester der Wiener Staatsoper, dir. Lorin Maazel
1983 an der Wiener Staatsoper

PUCCINI: Tosca

Giacomo Puccini
Lebensdaten: 22. Dezember 1858 Lucca (Italien) - 29. November 1924 Brüssel
Werk: Tosca, SC 69
Epoche: Romantik/Postromantik
Entstehungszeit: 1900
Uraufführung: 14. Januar 1900 in Rom
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde, 50 Minuten
Teile:

  • Nr. 1a, Ah! Finalmente!
  • Nr. 1b, E sempre lava!
  • Nr. 1c, Sante ampolle!
  • Nr. 2, Recondita armonia
  • Nr. 3a, Mario! Mario! Mario!
  • Nr. 3b, Perché chiuso?
  • Nr. 3c, Ora stammi a sentir
  • Nr. 3d, Non la sospiri
  • Nr. 3e, Or lasciami al lavoro
  • Nr. 3f, Ah, quegli occhi!... Quale occhio al mondo
  • Nr. 4, È buona la mia Tosca
  • Nr. 5, Sommo giubilo, Eccellenza!
  • Nr. 6a, Un tal baccano in chiesa!
  • Nr. 6b, Fu grave sbaglio
  • Nr. 7a, Or tutto è chiaro
  • Nr. 7b, Tosca divina
  • Nr. 7c, O che v'offende
  • Nr. 8, Tre sbirri (Te Deum)
  • Nr. 9a, Tosca è un buon falco
  • Nr. 9b, Ella verrà... per amor del suo Mario!... Ha più forte
  • Nr. 10a, Meno male... Sale, ascende... A te quest'inno (Kantate)
  • Nr. 10b, Ov'è Angelotti... Mario?! tu qui?
  • Nr. 11a, La povera mia cena
  • Nr. 11b, Quanto?... Quanto?... Il prezzo!... Già, mi dicon venal
  • Nr. 12, Vissi d'arte (Toscas Flehen)
  • Nr. 13a, Vedi, le man giunte io stendo a te!... Sei troppo bella
  • Nr. 13b, Tosca, finalmente mia!
  • Nr. 14, Prelude
  • Nr. 15a, Io de' sospiri
  • Nr 15b, Mario Cavaradossi?
  • Nr. 16, E lucevan le stelle
  • Nr. 17a, Franchigia a Floria Tosca
  • Nr. 17b, O dolci mani
  • Nr. 17c, Senti, l'ora è vicina
  • Nr. 18a, Amaro sol per te
  • Nr. 18b, Trionfa!... Di nova speme
  • Nr. 19a, Son pronto
  • Nr. 19b, Com'è lunga l'attesa!

Giacomo Puccini hatte vier Opern komponiert, bevor er 1895 seinen Stift zur Tosca ansetzte. Nach dem schwachen Zuspruch von Puccinis ersten beiden Opern Le villi und Edgar brachte ihm Manon Lescaut beträchtlichen Ruhm und finanziellen Erfolg ein und auch La Bohème erhielt guten Zuspruch (wenn auch nicht immer von Kritikern). In Tosca ergründete Puccini die dunklen Seiten menschlicher Emotionen, ein deutlicher Wandel von der spätromantischen Sentimentalität von La Bohème. Tosca wurde 1900 im Teatro Costanzi von Rom unter mäßigem Zuspruch der Kritiker uraufgeführt.

Luigi Illica und Giuseppe Giacosa fußten ihr Libretto für Tosca auf Victorien Sardous Drama "La Tosca" (1887), das die Schauspielerin Sarah Bernhardt in ihren Aufführungen in ganz Europa berühmt gemacht hatte. Puccini kam 1889 zum ersten Mal mit Sardous Drama in Berührung. Seine Verzögerung die Musik für Tosca zu beginnen war größtenteils das Ergebnis seines nachlassenden Interesses am Drama, welches wiederum vielleicht von Sardous Eingeständnis stammte Puccinis Musik nicht zu mögen. Puccinis Verleger Giulio Ricori überzeugte den Komponisten schließlich die Tosca zu vollenden.

Puccini schafft eine Kohärenz zwischen Geschichte und Musik mit Themen, die in Verbindung mit Charakteren und Konzepten wiederkehren. Die Oper beginnt mit dem Orchester, welches das tiefe und von Blechbläsern befüllte, drei Akkorde umfassende Motiv vorträgt, das das finstere Intervall des Tritonus umreißt (B-Dur, As-Dur, E-Dur), mit dem wir später im ersten Akt den bösen Polizeichef und Scharfrichter Scarpia assoziieren. Ein ausgedehntes Dur-Thema, angelegt für Streicher, wird im ersten Akt als Toscas und Cavaradossis Liebesmusik eingeführt und kehrt im zweiten Akt zurück, als Tosca in Scarpias Kammer tritt und wenn Cavaradossi von der Folterkammer zu Tosca geführt wird, sowie im dritten Akt als Pantomimenmusik, wenn Cavaradossi seinen Abschied an Tosca verfasst. Obwohl die anhaltenden Klangschwaden in Puccinis Partitur die klaren Abgrenzungen zwischen Rezitativ und Arie der italienischen Oper des frühen 19. Jahrhunderts vermeiden, fungieren Arien immer noch dazu die Emotionen der Hauptfiguren von Tosca offen zu legen. Tosca bringt ihr Flehen "Vissi d'arte" im zweiten Akt in aufsteigend melodischer Ausdrucksweise hervor, bestärkt von einer fülligen harmonischen Sprache und orchestralen Palette. Die Cellomelodie, die Toscas ersten Auftritt und das Treffen mit Cavaradossi im ersten Akt begleitete, begleitet hier Toscas Gebet und veranschaulicht inwieweit Liebe Toscas wahre Religion darstellt. In Cavaradossis Arie "E lucevan e stelle" im dritten Akt singt das Orchester mit ihm in den wichtigsten Äußerungen in verzweifelt leeren Oktaven.

Puccini hält hier auch die Tradition monumentaler Akt-Finale aufrecht. Das Finale des ersten Akts ("Tre sbirri... una carrozza") ist eine clever erstellte Gegenüberstellung von diegetischer und nicht-diegetischer Musik, in der der lateinische Chor der Gläubigen der Arbeiterklasse das Te Deum singt und die unterbrechenden Äußerungen des gottlosen Scarpia die Musik auf unterschiedlichen Ebenen realistischer Wahrnehmung vermischt. Das Finale des zweiten Aktes, das aus Toscas und Cavaradossis Duett herauswächst, ist ein tragischer Rausch, da Sciaronne, Spoletta und ein Chor an Soldaten Tosca in ihren Tod treiben. Die Tonart e-Moll, die Scarpias Tod durch Tosca im zweiten Akt begleitete, begleitet hier nun ihr eigenes Ableben und bindet Tosca und Scarpia über ihre irdische Verbindung hinaus.

(c) Jennifer Hambrick

Kaufempfehlung:
Leontyne Price, Giuseppe Di Stefano, Giuseppe Taddei, Fernando Corena (Solisten), Wiener Philharmoniker, Dir. Herbert von Karajan
Label: Decca, ADD, 1962
YouTube:
Daria Masiero, Lorenzo De Caro, Carlo Colombara (Solisten), I Musici di Parma, Dir. Walter Attanasi
7. Juni 2012 in Parma

PUCCINI: Madame Butterfly

Giacomo Puccini
Lebensdaten: 22. Dezember 1858 Lucca (Toskana) - 29. November 1924 Brüssel (Belgien)
Werk: Madame Butterfly, SC 74 (Madama Butterfly)
Epoche: Romantik/Postromantik
Entstehungszeit: 1904
Uraufführung: 17. Februar 1904 an der Scala in Mailand (Italien)
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, 6 Minuten
Teile:

  • Nr. 1a, E soffitto
  • Nr. 1b, Questa è la cameriera
  • Nr. 2, Dovunque al mondo
  • Nr. 3a, Ed è bella la sposa?
  • Nr. 3b, Amore o grillo
  • Nr. 4a, Ah! ah! quanto cielo!
  • Nr. 4b, Ancora un passo
  • Nr. 5a, Gran ventura
  • Nr. 5b, L'imperial Commissario
  • Nr. 6, Vieni, amor mio!
  • Nr. 7a, Ieri son salita tutta sola
  • Nr. 7b, Ed eccoci in famiglia
  • Nr. 7c, Bimba, bimba, non piangere
  • Nr. 8a, Viene la sera [Ja, es ward Abend]
  • Nr. 8b, Bimba, dagli occhi [Mädchen, in deinen Augen liegt ein Zauber]
  • Nr. 8c, Vogliatemi bene
  • Nr. 8d, Un po' di vero c'e
  • Nr. 9, E lzaghi e lzanami
  • Nr. 10, Un bel di vedremo [Eines Tages sehn wir]
  • Nr. 11a, C'e. Entrate
  • Nr. 11b, Ora a noi
  • Nr. 11c, Ebbene, che fareste
  • Nr. 11d, E questo?
  • Nr. 12, Che tua madre
  • Nr. 13a, Il cannone del porto!
  • Nr. 13b, Scuoti quella fronda di ciliego
  • Nr. 13c, Tutti i fior
  • Nr. 14, Coro a bocca chiusa
  • Nr. 15, Intermezzo
  • Nr. 16, Già il sole!
  • Nr. 17a, Povera Butterfly
  • Nr. 17b, Ve lo dissi?
  • Nr. 17c, Io so che alle sue pene
  • Nr. 18a, Non ve l'avevo detto?
  • Nr. 18b, Addio, fiorito asil [Leb wohl, mein Blütenreich]
  • Nr. 18c, Glielo dirai?
  • Nr. 19a, Che vuol da me
  • Nr. 19b, Come una mosca prigioniera
  • Nr. 20a, Con onor muore chi non puo serbar vita con onore
  • Nr. 20b, Tu? tu? piccolo iddio

Giacomo Puccini erweiterte seine Reputation als eine der maßgeblichen Personen der italienischen Oper des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, als er 1904 mit Madame Butterfly eine der beliebtesten Opern der Welt komponierte. Neben La Bohème und Tosca beruht sein Ruhm auf diesem Werk. Beeinflusst von Verdi, Wagner, Debussy, Lehár und Strawinski wurde er ein Massenet ohne die Weltgewandtheit genannt. Seine Fähigkeit den Verismo-Stil zu meistern, während er Romantik und Exotik vermischt, wird in der Handlung von Madame Butterfly, einer in Japan spielenden, tragischen Liebesgeschichte, am Offensichtlichsten. Das Werk wurde geschrieben ungefähr 20 Jahre nachdem seine erste Oper, Le Villi, die Aufmerksamkeit des Verlegers Giulio Ricordi auf sich zog. Von da an arbeitete Puccini mit Toscanini und wurde durch Ricordi den talentierten Librettisten Giuseppe Giacosa und Luigi Illica vorgestellt, mit denen er eng über einige Jahre zusammenarbeitete. Zusammen produzierten sie Manon Lescaut, La Bohème und Tosca, bevor sie Madame Butterfly fertigstellten.

Die Inspiration zur Handlung kam von einem amerikanischen Drama von David Belasco, das beim Komponisten unmittelbares Interesse entflammte, als er es in London gesehen hatte. Auf dem gebrochenen Herzen der Madame Butterfly beruhend, einem 15-jährigen japanischen Mädchen, das ihr Volk und ihre Religion für eine Ehe zu Pinkerton verlässt, einem Kapitänleutnant der US Navy, sowie einer Konvertierung zum Christentum, hatte das Werk für sein amerikanisches Publikum zweifellos eine höhere Bedeutung nach der Besetzung US-amerikanischer Truppen in Asien in der Mitte und Ende des 20. Jahrhunderts. Zusätzlich zu seiner wirksamen Handlung erreichten die in der Oper enthaltenen Soli beispiellosen Ruhm. Während einer dreijährigen Wartezeit auf die Rückkehr ihres Mannes aus den Vereinigten Staaten singt Madame Butterfly die vermutlich bekannteste Sopranarie, die je geschrieben wurde: "Un bel di vedremo" (Eines Tages wird er zurückkommen). Vor Schmerz benommen, als ihr Ehemann mit einer anderen Frau zurückkehrt, begeht Butterfly Selbstmord und bringt die Oper dramatisch zu Ende.

Die Originalfassung in zwei Akten feierte Uraufführung am 17. Februar 1904 an der Mailänder Scala, wo sie beinahe von der Bühne gezischt wurde, teilweise aufgrund der enormen Länge des zweiten Akts. Während er sich auf das Land zurückzog überarbeitete Puccini das Werk, entfernte ein Lied aus dem ersten Akt und teilte den zweiten Akt in zwei Teile. Die Überarbeitung wurde in Brescia am 28. Mai 1904 präsentiert, wo ihre lange und triumphale Karriere begann. Kurze Zeit später am 15. Oktober 1906 wurde sie von der Henry W. Savage Company im Belasco Theatre in Washington, DC in englischer Sprache gespielt und ebenfalls an der Metropolitan Opera und im Covent Garden.

(c) Meredith Gailey

Kaufempfehlung:
Miriam Gauci, Yordy Ramiro, Georg Tichy (Solisten), Slovenský filharmonický zbor, Symfonický orchester Československého rozhlasu, Dir. Alexander Rahbari
Label: Naxos, DDD, 1991
Mirella Freni, Plácido Domingo, Christa Ludwig (Solisten), Wiener Philharmoniker, Dir. Herbert von Karajan
Label: DGG, 1974
YouTube:
Fiorenza Cedolins, Francesca Franci, Mina Blum, Marcello Giordani, Dir. Daniel Oren
2004 in der Arena di Verona

PUCCINI: La Bohème

Giacomo Puccini
Lebensdaten: 22. Dezember 1858 Lucca (Toskana) - 29. November 1924 Brüssel (Belgien)
Werk: La Bohème, SC 67
Epoche: Romantik/Postromantik
Entstehungszeit: 1896
Besetzung: Solisten, Chor und Orchester
Uraufführung: 1. Februar 1896 in Turin (Italien)
Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde, 42 Minuten
Teile:

  • Nr. 1a, Questo mar rosso
  • Nr. 1b, Nei cieli bigi
  • Nr. 1c, Pensier profondo! Giusto color!
  • Nr. 1d, Legna! Sigari! Bordo!
  • Nr. 1e, Si puo? Chi e la? Benoit!
  • Nr. 1f, Io resto per terminar l'articolo
  • Nr. 1g, Non sono in vena. Chi e la?
  • Nr. 1h, Si sente meglio? Si. Qui ce tanto freddo
  • Nr. 2, Che gelida manina
  • Nr. 3, Si. Mi chiamano Mimi
  • Nr. 4, O soave fanciulla
  • Nr. 5, Aranci, datteri!
  • Nr. 6a, Chi guardi?
  • Nr. 6b, Eccoci qui!
  • Nr. 7a, Come un facchino
  • Nr. 7b, Quando me'n vo' soletta la via
  • Nr. 8, Ohe, la, le guardie
  • Nr. 9, Mimi?!... Speravo di trovarvi
  • Nr. 10a, Marcello... Finalmente
  • Nr. 10b, Mimi è una civetta
  • Nr. 11, Donde lieta usci
  • Nr. 12, Addio dolce svegliare
  • Nr. 13a, In un coupe?
  • Nr. 13b, O Mimi, tu più non torni
  • Nr. 14, Che ora sia?
  • Nr. 15, Musetta!... C'e Mimi
  • Nr. 16, Vecchia zimarra
  • Nr. 17a, Sono andati?
  • Nr. 17b, Torno al nido
  • Nr. 17c, Oh Dio! Mimi!

Vielleicht war es ein gemeinsames Interesse an der kulturellen Modeerscheinung der Bohème im 19. Jahrhundert, die Giacomo Puccini und sein Zeitgenosse Ruggiero Leoncavallo dazu brachte Opern über das Thema hungernder Künstler in Paris zu komponieren. Was auch immer die ursprünglichen Auslöser waren: ein Treffen der beiden Komponisten 1893, während dem Puccini beiläufig sein Projekt La Bohème erwähnte, bewegte die Komponisten dazu in der Mailänder Presse Mitteilungen zu veröffentlichen, in denen beide einen Prioritätsanspruch auf das Thema erhoben. Die Gültigkeit von Puccinis Anspruch ist keineswegs sichergestellt. Dennoch war Puccinis La Bohème ein Erfolg in der Öffentlichkeit, obwohl zeitgenössische Kritiker ihre Uraufführung unter Arturo Toscanini am 1. Februar 1896 in Turin gleichgültig aufgenommen hatten, und bewährte sich als Klassiker im Opernrepertoire.

La Bohème war das erste Libretto für Puccini, an dem Luigi Illica und Giuseppe Giacosa zusammenarbeiteten. 1893 überlegte Puccini eine Oper basierend auf Henri Murgers Roman "Scènes de la vie de bohème" zu schreiben. Murgers Werk, ursprünglich als eine Reihe von Geschichten in einer französischen Zeitschrift veröffentlicht (1845-49), verbrachte ein zwischenzeitliches Dasein als Bühnenstück, bevor es in einen Roman verwandelt wurde. Murgers Roman wurde in Italien kurz nach seiner ersten Veröffentlichung und ersten Übersetzung ins Italienische 1859 wohlwollend aufgenommen.

Einige von Puccinis liebevollsten lyrische Momente zieren La Bohème. Rodolfos erste Arie "Che gelida manina" im ersten Akt führt eine vorrangig stufenweise Melodie von berührender Simplizität ein, die die Unschuld der reinen Liebe vermittelt. Diese Melodie kehrt am Ende des ersten Aktes zurück, wenn Mimi und Rodolfo die Bühne verlassen und noch einmal im vierten Akt, wenn Mimi auf dem Totenbett mit Rodolfo in Erinnerungen an ihre erste Begegnung schwelgt. Puccinis Verpflichtung zu Wagners Leitmotiv-Prozedur wird auch in seiner Zuordnung der Musik von Mimis Arie "Mi chiamo Mimi" aus dem ersten Akt zu Mimi selbst deutlich, wenn diese Musik ihren späteren Auftritt im dritten Akt begleitet. Diese Technik von an Figuren zugeteilter Musik bindet klangfarblich sowie thematische Elemente mit ein. Die magische, anhaltende Streicherinstrumentierung für den D-Dur-Dreiklang in zweiter Umkehrung, der Mimis Auftritt im ersten Akt verkündet ist auch die grundlegende Farbe in der orchestralen Begleitung ihrer wichtigsten Arie. Typische Puccini-Orchestrierung und harmonische Sprache markieren die Schilderung des Tagesanbruchs, der den dritten Akt eröffnet. Hier hacken Flöten in gleichlaufenden Quinten eine modale Melodie aus, die jeweils zu Phrasenenden von subtilen, anhaltenden oberen Streichern über Celli in Tremolo punktiert wird. Ein Harfensolo fügt der spärlichen orchestralen Palette eine zarte Brillanz hinzu und lässt die vernebelte Klangfarbe des Frauenchores hinter der Bühne vorausahnen. Puccinis ausdrucksstarke Nutzung des Orchesters hängt aufs Engste mit dem Drama im vierten Akt zusammen. Nachdem Schaunard Marcello von Mimis Tod berichtet steigt das Orchester aus und lässt nur ein ausgehaltenes A im Kontrabass zurück, um ein Gefühl für dramatische Erwartung und musikalische Kontinuität zu vermitteln. Selbst die Solisten verlassen ihre Liederwelt für eine Welt des gesprochenen Vortrags bis das Orchester in cis-Moll-Dreiklängen in den Hörner explodiert, Rodolfos Gewahrwerden von Mimis Tod reflektiert und dessen qualvolle Schreie begleitet.

(c) Jennifer Hambrick

Kaufempfehlung:
Renata Tebaldi, Giacinto Prandelli, Hilde Gueden, Giovanni Inghilleri (Solisten), Chor und Orchester der Accademia di Santa Cecilia, Dir. Alberto Erede
Label: Naxos, ADD/m, 1951
Mirella Freni, Gianni Raimondi, Adriane Martino (Solisten), Orchestra e Coro del Teatro alla Scala, Dir. Herbert von Karajan
Label: DGG, 1965
YouTube:
Ileana Cotrubas, Luciano Pavarotti, Lorenzo Saccomani, Lucia Popp (Solisten), Orchestra e Coro del Teatro alla Scala, Dir. Carlos Kleiber
30. März 1979 am Teatro alla Scala in Mailand