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CHOPIN: Klaviersonate Nr. 2 b-Moll

 

Frédéric Chopin

Lebensdaten: 1. März 1810 Żelazowa Wola (Herzogtum Warschau) - 17. Oktober 1849 Paris
Werk: Klaviersonate Nr. 2 b-Moll, op. 35
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1837-39
Besetzung: Klavier solo
Aufführungsdauer: ca. 25 Minuten
Sätze:

  1. Grave - Doppio movimento
  2. Scherzo. Più lento - Tempo I
  3. Marche funèbre. Lento
  4. Finale. Presto

Chopin schrieb den Trauermarsch, der später zum dritten der vier Sätze dieser Sonate wurde, 1837 und komponierte die anderen drei Sätze zwei Jahre später. Quasi seitdem es das erste Mal gehört wurde, wurde dieses Werk der Form nach weniger als Sonate angesehen, sondern als Sammlung von vier ziemlich unterschiedlichen Stücken, die der Komponist unter einem musikalischen Dach versammelte. Robert Schumann war der erste, der einen Mangel an Zusammenhang zwischen den verschiedenen Sätzen bemängelte. Verschiedene Musikwissenschaftler des späten 20. Jahrhunderts stellten jedoch eine Reihe an zuvor übersehenen - oder zumindest ignorierten - Eigenschaften dieser Komposition heraus, die die Sätze als untrennbare musikalische Geschwister zusammenhalten.

Die Sonate kann als eine Art Lebenszyklus angesehen werden. Der erste Satz dient als die Lebenskraft, sich mühend, liebend und leidend. Das folgende Scherzo stellt im Hauptteil dämonische Kräfte dar und gute Kräfte in der lyrischen, Abwechslung bringenden Melodie des Trios. Wenn dieser Satz mit einer teilweisen Rückkehr des zweiten Themas endet ist nicht klar, welche Kräfte am Ende siegreich daraus hervorgingen. Der Trauermarsch des dritten Satzes repräsentiert den Tod oder die Trauer über den Protagonisten der ersten beiden Sätze. Das gespenstische Finale mit seinen Wirbeln aus düsteren Winden, rief in der Vorstellung der Hörer viele unheilvolle Bilder hervor und dient dem Lebenszyklus hier als eine Art letztes Bild des Verstorbenen, der in seinem stillen Grab liegt mit dem Rauschen des Windes, das darüber die einzige Störung darstellt.

Es gibt auch viele thematische und harmonische Beziehungen zwischen den Sätzen. Die Harmonien im Trauermarsch können in allen drei anderen Sätzen bemerkt werden. Es gibt auch eine thematische Verwandtschaft zwischen der Nebenmelodie im ersten Satz und dem lieblichen Thema im Trio des Scherzo. Noch weitere Verknüpfungen zwischen den ersten beiden Sätzen gibt es: beide sind äußerlich stürmisch und treibend, beinhalten aber beide ein lyrisches zweites Thema. Die strukturelle Ähnlichkeit zwischen den Hauptthemen in diesen beiden Sätzen ist auch eine Bemerkung wert: Jedes ist auf repetitiven Motiven aufgebaut, das erste davon wird zweimal gespielt, bevor es sich auf der Tastatur aufwärts bewegt, um die thematische Idee zu vervollständigen.

Letzten Endes ist diese Sonate, obwohl in mancherlei Hinsicht unorthodox, eine akribisch ausgearbeitete Komposition aus großer Subtilität, die wohl kaum nur aus einem Satz lose zusammenhängender Klavierstücke besteht. Aber trotz dieses großartigen und tiefgründigen Konzepts waren es schon immer Chopins Themen und Klaviersatz, die dieses Werk so beliebt machten. Das Thema des Trauermarsches des dritten Satzes zählt zu den bekanntesten überhaupt und die einnehmende Natur der schnellen Themen in den ersten Sätzen, sowie die ihrer Nebenmelodien, ließen diese Sonate auf der ganzen Welt beliebt werden. Eine durchschnittliche Aufführung des Werks dauert zwischen 22 und 26 Minuten.

(c) Robert Cummings

Kaufempfehlung:

Adam Harasiewicz (Klavier)
Label: Decca, ADD, 1958-71

YouTube:

Vladimir Horowitz (Klavier)
im Weißen Haus in Washington, D.C.

BEETHOVEN: Klaviersonate Nr. 29 B-Dur "Hammerklavier"

Ludwig van Beethoven
Lebensdaten: 16. Dezember 1770 Bonn - 26. März 1827 Wien
Werk: Klaviersonate Nr. 29 B-Dur, op. 106 "Hammerklavier"
Epoche: Klassik/Romantik
Entstehungszeit: 1817-18
Besetzung: Klavier
Aufführungsdauer: ca. 38 Minuten
Sätze:

  1. Allegro
  2. Scherzo. Assai vivace - Presto
  3. Adagio sostenuto. Appassionato e con molto sentimento
  4. Largo - Allegro risoluto
Der Begriff "Hammerklavier" legt ein Schlagen auf die Tastatur nahe. Beethovens "Hammerklavier-Sonate" mag zwar ihre perkussiven Momente haben, der Titel bezieht sich allerdings lediglich auf eine alte Bezeichnung für das Instrument. In anderen Worten präzisierte der Komponist lediglich, dass dieses Werk unter allen Umständen auf einem modernen Klavier mit gehämmerten Saiten zu spielen und das alte Cembalo mit gezupften Saiten keine Option sei. Tatsächlich trugen alle von Beethovens letzten fünf Klaviersonaten diese Angabe, sie wurde allerdings nur zum Beinamen des gewaltigen Opus 106. Der erste Satz, Allegro, bricht mit einem heroischen Ausruf herein, einer Reihe aus großen, staccato zu spielenden Akkorden im Stile einer Barock-Ouvertüre. Schon bald unternehmen leichte Kaskaden an Tönen den Versuch einer Auflösung zu einer schönen Spieluhr-artigen Phrase, bevor erneut die Anfangsakkorde heraufbeschwört werden. Beethoven legt sein Grundmaterial für diesen großen Satz in grade einmal den ersten, wenigen Minuten offen. Fast unmittelbar durchläuft er alles erneut mit größerer harmonischer Verschiebung. Was folgt ist eine kontrapunktische Behandlung der Anfangsthemas, die kolossale Fuge prophezeiend, die die Sonate beenden wird. Beethovens weitere Entwicklung seiner Motive durchläuft Episoden, die abwechselnd sprudelnd und pochend sind, punktiert von einem zunehmend furchteinflößenden Auftreten jener Anfangsakkorde. Zur Hälfte der Reprise löst sich dieser harmonische Rahmen auf und die Musik landet in der entfernten Tonart h-Moll. Die Sonate benötigt eine weitere halbe Stunde, um sich von diesem Schock zu erholen. Das folgende Scherzo ist eine Miniatur: mit einer Jagdrufphrase beginnend fällt es in ein Trio in der Art eines Whirlpools in Moll, dessen Effekt der A-Teil bei seiner Rückkehr nicht ganz abschütteln kann. Der gewaltige langsame Satz, Adagio sostenuto, treibt durch einen Dunst aus harmonischer Instabilität. Beethoven nennt ihn Appassionato e con molto sentimento und verlangt eine intensive emotionale Verbindung zwischen dem Pianisten und der Partitur. Die Themen, wie so oft der Fall in Beethovens späten langsamen Sätzen, leiden unter verschwommenen Umrissen; anstatt einer Melodie zu folgen, erhält man den Eindruck tiefen Stillstands, wenigen Momenten von fließender, aber zielloser Bewegung und erneutem Stillstand und so weiter. Beethoven wechselt behutsam zwischen voller klingenden Teilen und Passagen, die mit una corda bezeichnet wurden, was die Nutzung des Dämpferpedals anzeigt, um schemenhafte, entfernte musikalische Szenen zu erzeugen. Obwohl der Satz offiziell in fis-Moll steht wandert die Musik durch die Tonarten und bringt auch die sekundäre Idee D-Dur unter. Dies ist die Tonart, die Beethoven üblicherweise für religiöse Gefühle reservierte und hier deutet sie die Möglichkeit spiritueller Erleuchtung selbst unter kompliziertester Umstände an. Der letzte Satz erwächst aus einem Largo, einer allmählichen Rückkehr zum Leben, das langsam fragmentarische Phrasen zusammenfügt, bevor er in eine dramatische, dreistimmige Fuge ausbricht. Frühere Generationen von Pianisten lehnten die Fuge als unspielbar ab (nicht nur aufgrund des Tempos), das ist aber eindeutig eine unfaire Beurteilung. Der Kontrapunkt mag zwar außerordentlich komplex sein, aber Beethovens Meisterung der Struktur ist vorzüglich. Bisweilen ist die Musik dicht und wütend und droht (zwei Mal) sogar an sich in zornige Triller aufzulösen. Ungleichmäßig dünnt sich die Vorwärtsbewegung aus und entspannt sich leicht, ohne jedoch wirklich zu erschlaffen. Als die Fuge plötzlich zu einem ruhigen, meditativen Kanon wird, ist der Kontrast beeindruckend. Nichtsdestoweniger gewinnt sie den ursprünglichen Impuls zurück und der Satz endet mit einer imposanten Reihe an großen, nachhallenden Akkorden.

(c) James Reel

Kaufempfehlung:
Wladimir Aschkenasi (Klavier)
Label: Decca, ADD, 1973-81
YouTube:
Alfred Brendel (Klavier)

BEETHOVEN: Klaviersonate Nr. 21 C-Dur "Waldstein"

Ludwig van Beethoven
Lebensdaten: 16. Dezember 1770 Bonn - 26. März 1827 Wien
Werk: Klaviersonate Nr. 21 C-Dur, op. 53 "Waldstein"
Epoche: Klassik/Romantik
Entstehungszeit: 1803-04
Besetzung: Klavier
Aufführungsdauer: ca. 20 Minuten
Sätze:

  1. Allegro con brio
  2. Introduzione. Adagio molto
  3. Rondo. Allegretto moderato - Prestissimo
Nach dem Kauf eines Érard-Flügels im Jahre 1803 wurde Beethoven inspiriert diese Sonate zu schreiben, eine der Besten seiner insgesamt 32. Der Komponist hatte seit ungefähr zwei Jahren gewusst, dass er sein Gehör verlieren würde, aber er war noch weit von kompletter Taubheit entfernt. Die klareren Töne des neuen Instruments waren für ihn viel reizvoller als die seines alten Walter-Klaviers. Diese Sonate, dem Gönner und Freund des Komponisten Graf Ferdinand von Waldstein gewidmet, trat als große Herausforderung für Pianisten in Erscheinung. Der erste Satz, Allegro con brio genannt, beginnt mit einem rhythmischen, treibenden, besessenen Thema, das einen enormen Klangraum und ein beträchtliches Energiefeld zwischen den hämmernden Akkorden in der linken Hand und der Ergänzung der Phrase, einige Oktaven höher, in der rechten Hand, erschafft. In etwas tieferer Lage beginnend wiederholt, erscheint das Thema weniger energetisch, der Effekt ist aber trügerisch. Während das Energieniveau hoch bleibt, werden zusätzliche Ideen entwickelt und das zweite Thema wird eingeführt, während jede dieser Ideen danach strebt den Diskurs der Komposition zu dominieren. Das zweite Thema in E-Dur führt einen Moment der Ruhe ein, aber diese löst sich schon bald auf und bewegt sich zu einem brillanten, triumphalen Ende mit der zugrunde liegenden rhythmischen Intensität des Hauptthemas. Die Durchführung beginnt dem Hauptthema in dunklerer Gestalt, das dann in eine neue Richtung geht. Das vorherige Material wird verwoben und entwickelt und dieser Prozess kreiert beträchtliche Spannung. In der folgenden Reprise vermeidet Beethoven auf geniale Weise eine bloße Wiedereinführung, indem er die Phrase zum Ende des ersten Auftretens des Hauptthemas erweitert. Es gibt viele weitere geschickte Kniffe hier, darunter die brillante Coda, basierend auf dem Hauptthema. Der zweite Satz, der als Introduzione (Adagio molto) bezeichnet wurde, ist kurz, ernst und introvertiert, er zieht seine immense dramatische Kraft aus vielen figurativen Umwandlungen der ursprünglichen Phrase aus drei Tönen, die das Intervall einer Sexte umfasst. Bezeichnenderweise wird der mysteriöse und nachdenkliche Ton des Anfangs durch die ausdrucksstarke Lyrik der im Mittelteil auftretenden Melodie bereichert. Dieser Kontrapunkt an reiner Lyrik und Nachdenklichkeit stellt den Kern des Satzes dar. Ursprünglich schrieb Beethoven das als Andante favori bekannte als den zweiten Satz, entschied dann aber keinen Satz einzubinden, den er als zu lang empfand. Ohne Pause entsteht aus der philosophischen Atmosphäre des Adagio die Musik und blüht in einem brillanten Hauptthema des Finales, bezeichnet als Rondo (Allegretto moderato), auf. Diese Melodie, als siebentönig auftretend und dann alle außer dem letzten Ton wiederholend, hat in ihren ruhigeren Momenten zu Beginn pastorale Eigenschaften. Beethoven verwandelt diese friedfertige Stimmung jedoch in die einer ekstatischen Feier, versprüht durch farbenfrohe Sprühnebel, die eine harmonische Basis bilden. Während sich das Thema entwickelt und neue Ideen eingeführt werden, weicht die dramatische Intensität des Satzes, bestärkt von einer repetitiven Oktavenphrase in der linken Hand, Momenten der Müdigkeit. Das Hauptthema kehrt jedoch zurück und verhängt einen triumphalen und frohen Sinn der Ordnung und eine funkelnde Coda beendet die Komposition. Mit ihrem mächtigen rhythmischen Antrieb, dem harmonischen Erfindungsreichtum, dem thematischen Strahlen und dem Reichtum an Ideen ist diese Sonate eines der größten Werke des Klavierrepertoires.

(c) Rovi Staff

Kaufempfehlung:
András Schiff
Label: ECM, DDD, 2006
YouTube:
Claudio Arrau

BEETHOVEN: Klaviersonate Nr. 32 c-Moll

Ludwig van Beethoven
Lebensdaten: 16. Dezember 1770 (Kurköln) - 26. März 1827 Wien (Österreich)
Werk: Klaviersonate Nr. 32 c-Moll, op. 111
Epoche: Klassik/Romantik
Entstehungszeit: 1821-22
Besetzung: Klavier solo
Aufführungsdauer: ca. 26 Minuten
Sätze:

  1. Maestoso - Allegro con brio ed appassionato
  2. Arietta. Adagio molto semplice e cantabile

Dies ist ohne Zweifel eine der großartigsten Klaviersonaten, die je geschrieben wurden. Obwohl es sogar eine ganze Reihe von Sonaten Beethovens gibt, die noch bekannter sind, gibt es vielleicht nur eine oder zwei, die dieser in reiner Tiefgründigkeit gleichkommen. Der stürmische erste Satz dieser Sonate und dessen nachfolgende, überlange Arietta, die das Thema zu folgenden Variationen darstellt, entführen den Hörer in Klangwelten, die noch nie zuvor von anderen Komponisten ergründet wurden und dieses Werk zu einer der einflussreichsten musikalischen Schöpfungen aller Zeiten machen. Es verhalf nicht nur der Entwicklung der Klaviermusik Gestalt anzunehmen, sondern beeinflusste die orchestralen Kompositionen von Franck, Wagner, Mahler und vielen anderen. Prokofjew modellierte die Struktur seiner Sinfonie Nr. 2 direkt nach dieser Sonate - ein Allegro, dem ein langer zweiter Satz aus Thema und Variationen folgt. Die Sonate beginnt mit einer grimmigen Einführung (Maestoso), typisch für den ernsten Stil des Komponisten, weil es die Erzählung mit einer Frage oder einem Dilemma beginnt bei der nach dunklen, eindringlichen Akkorden Triller folgen, die ein weiteres Element der Unsicherheit einführen. Man könnte sich fragen, ob der Rest des Satzes nach einigen Antworten auf die offenkundige Frage sucht, etwa wie in der "Pathétique", aber das geschieht nicht. Es scheint, als ob ein Mangel an Auflösung über die Erkenntnis des Komponisten reflektiert, dass die Launen des Schicksals unbeantwortbare Fragen aufwerfen können. Der Hauptteil des ersten Satzes, Allegro con brio ed appassionato genannt, beginnt in unheilvoller Stimmung in den Basstönen mit dem Auftritt des Hauptthemas, das selbst eine dunkle, zögernde Schöpfung ist. Nachdem es vollständig vorgestellt wurde, verlangsamt sich das Tempo und leitet eine neue Idee ein. Friedlich und beruhigend ist diese Idee nur von kurzer Dauer und das Hauptthema kehrt zurück. Nach einer Wiederholung mit ein paar Variationen der Erzählung beginnt die Durchführung. Hier verdunkelt sich inmitten von brillantester Kontrapunktkomposition die Stimmung und es wird ein Element von dramatischer Spannung eingeführt, während das Hauptthema verschiedene Mutationen durchläuft. Als nach einer sich steigernden Phase das zweite Thema auftritt verwandelt sich die Atmosphäre von düster zu mysteriös. Es gibt keine Reprise als solche, da das Hauptmaterial nicht wiederholt wird, sondern stattdessen nur teilweise überdacht wird, bevor es einen finalen Höhepunkt erreicht, nach dem die Musik langsam schwindet.

Der zweite Satz (Adagio molto semplice e cantabile) beginnt mit einer der ruhigsten Schöpfungen des Komponisten überhaupt, Das Thema klingt friedvoll und engelsgleich, aber auch fast statisch in seinem extrem langsamen Schritt. Es erscheint einem nicht als die Art Melodie, die Variationen von vielerlei Charakteren abwerfen könnte. Dieses Thema und die ersten drei Variationen bilden den ersten Teil des Satzes, in dem die Atmosphäre und der Charakter der Musik von erhaben bis fast leichtsinnig fröhlich und wieder zurück zu erhaben wechselt. Es ist die vierte Variation, die die zweite Hälfte des Satzes markiert und damit die tiefgründigste Musik in diesem Werk. Nach einer Reihe an Trillern beginnt dieser Abschnitt mit der Variation, die sich langsam aus einem Dunstschleier erhebt und den Hörer auf die höchsten Ebenen musikalischer Erfahrung transportiert. Einige sehen diesen langen Abschlussteil als "Abschied" des Komponisten an. Tatsächlich scheint Beethoven eine musikalische Sprache zu formen, die irdische Schranken übersteigt und die Töne scheinen in den Himmel zu steigen, je näher das Ende kommt.

(c) Robert Cummings

Kaufempfehlung:
Alfred Brendel (Klavier)
Label: Philips, DDD, 1995/96
YouTube:
Claudio Arrau (Klavier)

BEETHOVEN: Klaviersonate Nr. 14 cis-Moll "Mondscheinsonate"

Ludwig van Beethoven
Lebensdaten: 16. Dezember 1770 Bonn (Kurköln) - 26. März 1827 Wien (Österreich)
Werk: Klaviersonate Nr. 14 cis-Moll, op. 27 Nr. 2 "Mondscheinsonate"
Epoche: Klassik/Romantik
Entstehungszeit: 1801
Besetzung: Klavier solo
Aufführungsdauer: ca. 15 Minuten
Sätze:

  1. Adagio sostenuto
  2. Allegretto
  3. Presto agitato

Beethoven benannte beide seiner als Op. 27 veröffentlichten Werke eine "Sonata quasi una fantasia", was vermutlich ein Hinweis darauf ist, dass er die formellen Konventionen der Sonate des 18. Jahrhundert mit einem neueren, freieren und romantischeren Stil zu verschmelzen versuchte. Viele Musiker betrachten die erste aus diesem Paar, die Klaviersonate Nr. 13 in Es-Dur (1800-01) als das außergewöhnlichere Werk, aber die Klaviersonate Nr. 14 cis-Moll (1801) ist bei Weitem berühmter; es ist tatsächlich eines von Beethovens beliebtesten Werken und sein erster Satz nimmt einen Platz inmitten der am weitesten und unmittelbar bekanntesten Musik ein, die der Komponist je geschrieben hat. Die bekannte Bezeichnung "Mondscheinsonate" stammt nicht vom Komponisten selbst, sondern ist die Erfindung des deutschen Musikkritikers Ludwig Rellstab, der die sich kräuselnde Struktur des ersten Satzes mit dem Schimmern des Mondlichtes am Luzerner See verglich.

Der erste Satz ist als Adagio sostenuto ausgewiesen, praktisch eine Einladung die Musik auf eine solche Länge hinauszuziehen, dass die dünne, bohrende Melodie schwierig zu verfolgen wird und die Hörer hypnotisiert lässt von den wogenden Arpeggi, die als Einleitung dienen und dann (theoretisch) als Begleitung zurückweichen. Das richtige Tempo ist der Schlüssel zur Wirksamkeit dieses Satzes. Spielt man ihn zu schnell, klingt die Musik mechanisch; vielleicht etwas häufiger wird es jedoch mit trübseliger Langsamkeit gespielt. Ein Tempo zwischen diesen Extremen bringt den sehnsüchtigen Charakter der Musik hervor, vor allem in dem Teil, in dem in der Oberstimme langsame Seufzer aufsteigen und abfallen mit einem ermatteten Echo im Bass.

Der erste Satz steht nicht wirklich in Sonatenhauptsatzform; er legt im Grunde das thematische Material aus - ein grüblerischer Beginn, der "Seufzer"-Abschnitt und eine bedauernde, kleine Hymne - mit ein paar ergreifenden Modulationen nebenbei, dann wiederholt sich alles. Der zweite Satz, Allegretto, ist ein kurzes, zartes Zwischenspiel mit einer synkopierten Melodie in der Oberstimme, die von etwas düsteren Grübeleien im Bass während des Mittelteils unterbrochen wird. Das Presto verwandelt die nachdenklichen Arpeggi des ersten Satzes in eine hektische, besessene Phrase, deren aufwärts steigende Wogen sogar die Melodie infizieren und das Finale mit einem Charakter versehen, der bereits auf die "Waldstein"-Sonate vorausblickt. Anstatt des ersten ist es eher dieser Satz, der eine Sonatenform annimmt, obwohl Beethoven mit der Tradition bricht, indem er alle thematischen Einheiten gleichermaßen aufgewühlt gestaltet. Wenn das Adagio eine Reflektion privater, innerer Gedanken war, so ist das Presto hochgradig öffentliches Drama, ein unerwarteter und wirksamer Kontrast zum intimen Beginn der Sonate.

(c) James Reel

Kaufempfehlung:
Wladimir Aschkenasi (Klavier)
Label: Decca, ADD, 1973-81
YouTube:
Daniel Barenboim (Klavier)

SCHUBERT: Klaviersonate Nr. 21 B-Dur

Franz Schubert
Lebensdaten: 31. Januar 1797 Wien (Österreich) - 19. November 1828 Wien (Österreich)
Werk: Klaviersonate Nr. 21 B-Dur, D 960
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: September 1828
Besetzung: Klavier solo
Aufführungsdauer: ca. 40 Minuten
Sätze:

  1. Molto moderato
  2. Andante sostenuto
  3. Scherzo. Allegro vivace con delicatezza - Trio
  4. Allegro ma non troppo

Viele von Schuberts großartigsten Werken stammen aus seinem letzten Jahr, einem wahrhaften Annus Mirabilis, das die Schöpfung seiner "Großen" Sinfonie in C-Dur, des Streichquintetts D 956, der Klaviertrios D 929 und 898, der Messe Es-Dur D950 und der Fantasie f-Moll für Klavier zu vier Händen D 940 erlebte. Am 26. September 1828 wurde Schuberts Klaviersonate in B-Dur D 960, sein letztes instrumentales Werk, vollendet. Die letzten drei Sonaten des Komponisten erörtern Begrenztheit und Abschiednehmen; Alfred Brendel legte nahe, dass sie "uns in die romantischen Gefilde der Verwunderung, Schrecken und Ehrfurcht führen". Vielleicht erforscht die B-Dur-Sonate die menschliche Sterblichkeit sogar noch tiefgründiger als ihre Gefährtinnen.

Wie Claudio Arrau einmal bemerkte, "ist dies ein Werk in Annäherung an den Tod geschrieben... man fühlt es vom allerersten Thema an... der Abbruch und die Stille nach einem langen, mysteriösen Triller im Bass." Was Tovey als "ein vortreffliches Thema von äußerster Ruhe und Weite" beschrieb endet auf mysteriöse Art mit dem gleichen entfernten Triller und kehrt zeitweise zurück, um einer Musik von unheilvoller Schönheit tieferen Schmerz zu vermitteln. Die Exposition enthält noch zwei weitere Nebenthemen, beide in entfernten Tonarten und was folgt beinhaltet auch ein bemerkenswertes Eigenzitat - die Verbindungen zwischen der Durchführung des ersten Satzes der B-Dur-Sonate und einem hartnäckigen Thema aus sechs Noten aus einer Vertonung der Kathedralenszene von Goethes Faust, komponiert im Dezember 1814, werden oft übersehen. Wie John Reed jedoch in 'Schubert: The Final Years' nahelegt "verirrt sich so manch eine erkennbare Variation viel weiter von ihrem Thema weg!"

Das Andante sostenuto in cis-Moll zählt zu Schuberts großartigsten langsamen Sätzen. Kontinuierliche Würde und Erhabenheit des Ausdrucks nehmen uns mit bis an die Schwelle zum Abgrund: diesen entfernten, einsamen Ort, den T.S. Eliot als "den Ruhepol der sich drehenden Welt" erkannte. Die Musik wird von einer wiederkehrenden Phrase in der Begleitung dominiert, die vier Oktaven umspannt und eine Melodie von übermäßiger Schönheit umschließt. Die charakteristische rhythmische Begleitung ruft ein österreichisches Volkslied in Erinnerung, dessen stummer zweiter Schlag Hammer-schwingende Handwerker befähigt hätte ihre vernichtenden Schläge auf das Beste zu synchronisieren. Die allgemein verbreitete Überlieferung ist, dass Schubert eine Gruppe an Arbeitern beobachtete und einige ihrer Arbeitslieder notierte, als er sich in den Sommermonaten 1815 zu einem Urlaub in Gmunden befand. Die charakteristische Phrase mit punktiertem Rhythmus wurde später in dem Notturno Es-Dur für Klaviertrio (D 897) verwendet.

Es folgt ein lebhaftes Scherzo in B-Dur, das "con delicatezza" gespielt werden soll. Aber Anspannung und Störfälle sind nie abwesend von einem wolkenverhangenen Trio und einer unbehaglichen Rückkehr zum Material des Scherzo mittels eines unwahrscheinlichen, wenn auch verwandten A-Dur. Diese Trilogie an Sonaten endet größtenteils wie sie begonnen hat; Beethovens Einfluss tritt in einem Rondo-Finale auf, dessen Hauptidee Vergleiche zu dem Satz zulässt, der geschrieben wurde, um die sogenannte Große Fuge zu ersetzen, die wiederum das eigentliche Finale von Beethovens Quartett B-Dur, op. 130, war. Das Rondothema beginnt wiederholt in der falschen Tonart von c-Moll, eine Unklarheit, die aufgelöst wird, wenn das Thema das letzte Mal auftritt und die nach extensiver Auseinandersetzung und Entwicklung die ihm vorangehende Oktave G in die Dominante F abgesenkt wird in Vorbereitung auf die finale, brillante Coda. "Somit endet Schubert fröhlich und vergnügt", schrieb Robert Schumann, "als ob er in der Lage wäre einen weiteren Arbeitstag zu meistern." Die Geschichte erzählt aber anderes: Schubert spielte seine letzten drei Sonaten auf einem von Dr. Ignaz Menz gehaltenen Fest am Samstag des 27. September 1828, nachdem er erst am vorherigen Tag das Werk in B-Dur vollendet hatte. Er starb weniger als zwei Monate später.

(c) Michael Jameson, Alfred Brendel, Claudio Arrau, Donald Tovey, John Reed, T.S. Eliot, Robert Schumann

Kaufempfehlung:
Mitsuko Uchida (Klavier)
Label: Decca, DDD, 1996/97
YouTube:
Alfred Brendel (Klavier)

LISZT: Klaviersonate h-Moll

Franz Liszt
Lebensdaten: 22. Oktober 1811 Raiding (Königreich Ungarn) - 31. Juli 1886 Bayreuth (Bayern)
Werk: Klaviersonate h-Moll, S 178
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1851-53
Besetzung: Klavier solo
Aufführungsdauer: ca. 31 Minuten

Es gibt nur drei Werke in Liszts umfangreichem Œuvre, denen man berechtigterweise eine Art Sonatenhauptsatzform zurechnen kann: die Faust-Sinfonie, die Dante-Sinfonie und die Sonate in h-Moll für Klavier. Man wird sogleich sehen, dass dies das einzige Werk ist, dass er in vollständiger Sonatenhauptsatzform geschrieben hat.

Er machte sich die Form jedoch zu eigen in diesem innovativen und einzigartigen Werk in einem Satz. Wagner beschrieb das Werk als wunderbar "über alle Vorstellung hinaus" und "grandios". Was Liszt darin liefert betrachten viele Kritiker als bestes Beispiel der musikalischen Technik der beständigen "thematischen Verwandlung", die eine tiefgreifende Wirkung auf die Zukunft der Musik haben sollte - vor allem als sie von Wagner aufgegriffen wurde und als grundlegende musikalische Methode benutzt wurde, mit deren Hilfe er all seine späteren Oper konstruierte, vor allem die große Tetralogie des Rings der Nibelungen.

Diese einsätzige Sonate liefert den Eindruck einer freien, ungezügelten Fantasie, praktisch eine Improvisation. In Wirklichkeit ist das gesamte Werk aber dicht konstruiert aus der Musik der Einführung der Sonate. Aus dieser Einführung entwickelt er zunächst drei fesselnde und mächtige Themen, danach einen Abschnitt, der wie ein religiöser Choral klingt. Der abschließende Hauptteil erfordert nicht nur das Allerhöchste an Klaviertechnik, um mit seinem Prestissimo-Tempo standzuhalten, sondern verwendet auch Elemente all der Themen, die seit dem Beginn ausgesponnen wurden. Schließlich kehrt Liszt in einem eloquenten, abschließenden Andante zu den frühesten Versionen des hauptsächlichen musikalischen Materials zurück und weicht in die Stille zurück. So voll an romantischem Feuer und Spontaneität, wie die Sonata sein mag, passt sie auch, je nachdem wie man sie hört, in die Struktur eines einzelnen Allegro-Satzes in Sonatenhauptsatzform (mit Exposition, Durchführung, Reprise und Coda) oder die viersätzige Struktur einer traditionellen Sonate (Anfangssatz, langsamer Satz, Scherzo und Finale). Dadurch bleibt das Werk ein ewig währendes Meisterwerk selbst in der Einschätzung jener Hörer, die Liszts Musik eher als schwülstig einschätzen. In der Sonate h-Moll verknüpfte sich Liszt, der große Radikale, auf überzeugende Weise mit der Tradition der Sonate.

Die Sonate stammt aus dem Jahr 1854, nur kurz nachdem die Fürstin Carolyne zu Sayn-Wittgenstein, die Lebensgefährtin des Komponisten, Liszt davon überzeugt hatte nicht mehr als Pianist auf Tournée zu gehen und sich auf die Komposition zu konzentrieren. Der Pianist und Musikwissenschaftler Alfred Brendel und andere behaupteten über Jahre die Sonate sei mit der Faust-Legende verwandt. Obwohl eine solche Interpretation tatsächlich zur Struktur und dem emotionalen Geist des Werks passen würde, muss man ihr mit einem Maß Skepsis begegnen. Einige Musikwissenschaftler argumentierten auch, dass das Stück autobiographisch sei und stellten heraus, dass eine solche Sichtweise eine faustsche Interpretation nicht ausschließen würde.

(c) Rovi Staff

Kaufempfehlung:
Alfred Brendel (Klavier)
Label: Philips, DDD, 1991
YouTube:
Yundi Li (Klavier)
aus dem Festspielhaus in Baden-Baden

BEETHOVEN: Klaviersonate Nr. 23 f-Moll "Appassionata"

Ludwig van Beethoven
Lebensdaten: 16. Dezember 1770 (Kurköln) - 26. März 1827 Wien (Österreich)
Werk: Klaviersonate Nr. 23 f-Moll, op. 57 "Appassionata"
Epoche: Klassik/Romantik
Besetzung: Klavier solo
Entstehungszeit: 1804-1805
Aufführungsdauer: ca. 25 Minuten
Sätze:

  1. Allegro assai
  2. Andante con moto
  3. Allegro ma non troppo

Zwischen der Niederschrift des Heiligenstädter Testaments 1802 bis zur Komposition der "Appassionata" 1804-05 produzierte Beethoven einige seiner zentralsten Werke, Musik, die die Ankunft dessen voraussah und ankündigte, was allgemein als die "zweite" Epoche seines Schaffens bezeichnet wird. Es schien, als ob Beethoven in sich gekehrt war und Musik zu produzieren begann, die nur er vollkommen verstand. Wenn er sich mit der Nutzlosigkeit seiner kosmischen Wutausbrüche abfand, so entschied er mit seinem immensen Genius Mensch und Gott gleichermaßen vor den Kopf zu stoßen, keine Schranken zu akzeptieren bezüglich der Größe oder des Entwicklungsverlaufs seiner Kreativität. Es war der Beethoven dieser Werke, der 1805 die "Appassionata"-Sonate entfesselte.

Mit einem dunklen, mysteriösen Thema beginnend - eines der bemerkenswertesten Vorspiele in allen Sonaten Beethovens - explodiert das Werk abrupt mit einem Aufschrei der Wut, wie es manche bezeichnet haben. Das Werk stellt an den Pianisten unmittelbare, furchterregende Forderungen und beansprucht sowohl zwei perkussive Hände voller Akkorde und begleitende Gestaltungen, die die allerhöchste Feinheit erfordern. Mit einer dämonischen Intensität und einem gewagten harmonischen Gespür treibt der Satz voran; die Anfangsphrase z.B. wird in der zweiten Phrase einen Halbton höher wiederholt und verbirgt das tonale Zentrum zeitweilig in einer eigenartigen, verwirrenden Unklarheit. Unter anderem auch das Da-da-da-dam-Motiv der fünften Sinfonie in seinem rhythmischen Material prophezeiend, entfaltet sich die "Appassionata" mit einem wechselhaften, immer wieder unterbrechenden rhythmischen Schema, das ihr ein besonderes Gefühl des Konflikts und der Dringlichkeit verleiht. In einem der klassischen Beispiele für Beethovens natürliches motivisches Gespür macht das zweite Thema des ersten Satzes klare Andeutungen auf das erste; obwohl die Entstehung seines Rhythmus' und seiner Kontur offensichtlich ist, verwandelt es Beethoven hier zu einem lyrischen und sehnsüchtigen, wenn auch nur kurzen Moment Ruhe.

Der zweite Satz, ein entspanntes Andante, ist eine Sammlung an Variationen über ein einfaches, Choral-artiges Thema, das noch eine Spur der punktuierten Rhythmen des ersten Satzes bewahrt. Die Varationen nehmen laufend an Aktivität zu; eine plötzliche Reprise des ruhigeren Originalthemas folgt und führt ohne Pause zu einem wilden, leidenschaftlichen Finale. Hier stellt Beethoven beträchtliche Anforderungen sowohl an das Instrument (vor allem die Klaviere seiner eigenen Zeit), wie Spieler; das Presto-Finale ist nichts weniger als ein hämmernder Klecks an Rage. Der Untertitel "Appassionata" der Sonate ist nicht von Beethoven erdacht; er wurde 1838 von einem Hamburger Verleger das erste Mal angewendet.

(c) Michael Morrison

Kaufempfehlung:
Wladimir Aschkenasi (Klavier)
Label: Decca, ADD, 73-81
YouTube:
Daniel Barenboim (Klavier)
1983/84