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Lebensdaten: 29. März 1902 Oldham (England) - 8. März 1983 Ischia (Italien) Werk: Belshazzar's Feast Epoche: Moderne Entstehungszeit: 1931-57 Uraufführung: 8. Oktober 1931 Besetzung: Bariton, Chor, Orgel und Orchester Aufführungsdauer: ca. 34 Minuten Teile:
Thus spake Isaiah
If I forget thee, O Jerusalem
By the waters of Babylon
Babylon was a great city
Praise ye the God of Gold
Thus in Babylon the mighty city
And in that same hour, as they feasted
Then sing aloud to God our strength
The trumpeters and pipers are silent
Then sing aloud to God our strength
1929 erhielt Walton den ersten Auftrag, den die BBC jemals an einen britischen Komponist vergab und zwar für ein Werk "für kleinen Chor, kleines Orchester mit nicht mehr als fünfzehn [Musikern] und Solist." Als Thema des Werks entschied sich Walton für den biblischen Fall Belshazzars (besser bekannt als Nebukadnezar, König von Babylon und despotischer Eroberer Jerusalems), wie er von seinem Freund und Gönner Sir Osbert Sitwell dramatisiert wurde. Ende 1930 berichtete ein Mitglied des Musikrates der BBC nervös, dass Waltons Unternehmung "auf solche Ausmaße angewachsen war, dass es nicht als ein Werk angesehen werden kann, welches speziell für die Radioübertragung geschrieben wurde".
Nichtsdestotrotz stellte der Komponist es fertig und das in großem Stil, nämlich inklusive zweier Blechblasabteilungen. Vor der Uraufführung im Oktober 1931 rief der Chor zum Streik auf und sagte das Werk wäre zu unmöglich schwer um aufgeführt zu werden. Der Komponist beantwortete Beschwerde folgendermaßen: "Ich weiß, dass es schwierig ist... aber es ist in natürlicher Form nicht für einen Kirchenchor geschrieben." Die Reichweite und das Drama des Werks, das der Kritiker Compton Mackenzie als "wie ein großer, explosiver Sonnenuntergang" beschrieben hatte, hat sich seither als unwiderstehlich für das Publikum erwiesen. Der angesehene britische Dirigent Henry Wood nannte es "wahrhaft wunderbar, als wenn die Welt zu ihrem Ende kommen würde."
Die Handlung setzt ein mit einer Beschreibung des materiellen Reichtums Babylons (ein beträchtlicher Abschnitt, den Thomas Beecham respektlos "Einkaufsliste" nannte"), darunter auch "die Seelen von Menschen". Der rohen Energie, in der die Unterdrücker ihre Götter aus Silber, Bronze, Gold und anderen wertvollen Besitztümer anbeten, folgt ein Chor an aufrichtiger Klage, denn die Israeliten bedauern ihr Schicksal und bekräftigen ihren Glauben an Gott. Während das Festmahl in Belshazzars Palast wilder und haltloser wird, erscheint eine mysteriöse, hebräische Nachricht an der Wand: "mene mene tekel uparsin" (Ihr wurdet gewogen und für zu leicht befunden). Die Rache erfolgt auf dem Fuße: "In dieser Nacht wurde der König Belshazzar getötet und sein Königreich zerteilt."
Walton schrieb Musik im großen Stil mit äußerstem Selbstbewusstsein und seine Orchestrierung, brillant und evokativ, steht in scharfem Kontrast zu dem, was mit Händel beginnend den größten Teil der englischen Chortradition darstellte.
(c) Roy Brewer
Kaufempfehlung:
Christopher Purves (Bariton), Huddersfield Choral Socieety, Leeds Philharmonic Chorus, English Northern Philharmonia, dir, Paul Daniel Label: Naxos, DDD, 1996/2001
YouTube:
Bryn Terfel (Bariton), BBC Singers, BBC Symphony Chorus, BBC Symphony Orchestra, dir. Andrew Davis
Lebensdaten: 31. März 1732 Rohrau (Österreich) - 31. Mai 1809 Wien (Österreich) Werk: Die Schöpfung, Hob. XXI:2 Epoche: Klassik Entstehungszeit: 1798 Uraufführung: 29. März 1798 in Wien Besetzung: Solisten, Chor und Orchester Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde, 45 Minuten Teile:
Einführung. Die Vorstellung des Chaos
Im Anfange schuf Gott
Und der Geist Gottes schwebte auf der Fläche der Wasser
Nun schwanden vor dem heiligen Strahle
Verzweiflung, Wut und Schrecken
Und Gott machte das Firmament
Da tobten brausend heftige Sturme
Mit Staunen sieht das Wunderwerk
Und laut ertönt aus ihren Kehlen
Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser
Rollend in schäumenden Wellen
Und Gott sprach: Es bringe die Erde Gras hervor
Nun beut die Flur das frische Grün
Und die himmlischen Heerscharen
Stimmt an die Saiten
Und Gott sprach: Es sei'n Lichter an der Feste der Himmels
In vollem Glanze (Accompagnato)
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes
Und Gott sprach: Es bringe das Wasser
Auf starken Fittiche schwinget sich der Adler stolz
Und Gott schuf große Walfische und ein jedes
Seid fruchtbar alle (Accompagnato)
Und die Engel rührten ihr' unsterblichen Harfen
In holder Anmut stehn
Der Herr ist groß in seiner Macht
Und Gott sprach: Es bringe die Erde hervor lebende Geschöpfe nach ihrer Art
Gleich öffnet sich der Erde Schoß (Accompagnato)
Nun scheint in vollem Glanze der Himmel
Und Gott schuf den Menschen
Mit Würd' und Hoheit angetan
Und Gott sah jedes Ding
Vollendet is das große Werk
Zu dir, o Herr, blickt alles
Vollendet ist das große Werk
Alles lobe seinen Namen
Aus Rosenwolken bricht, geweckt
Von deiner Gut, o Herr und Gott
Der Sterne hellster, o wie schön
Heil dir, o Gott!
Nun ist die erste Pflicht erfüllt
Holde Gattin!
Der thauende Morgen, o wie ermuntert er!
O glücklich Paar
Singt dem Herren alle Stimmen!
Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit
Eines von Haydns zwei großen Chormeisterwerken, Die Schöpfung, wurde im Jahr 1795 komponiert zu einem Libretto, das speziell hierfür von Baron Gottfried von Swieten angefertigt wurde und gemeinschaftlich auf dem Buch Genesis, ergänzt durch passende Abschnitte aus dem Buch der Psalmen und auf John Miltons allegorischer Studie über Schöpfung und Sündenfall, Paradise Lost, beruht.
Zu dieser Zeit war der einst scheinbar unaufhaltsame händelsche Oratorienkult schnell altmodisch und unmodern geworden im Zuges des Rufes der Aufklärung nach Vernunft und der Abweisung religiöser Dogmen zugunsten dem Streben nach materieller Objektivität. Im Nachhinein wirkt es daher schon ein wenig ironisch, dass ein von Händel bereits abgelehntes Thema einen Konvergenzpunkt für Haydns frommen Glauben und dem vorherrschenden, intellektuellen Klima der Epoche liefert, das gleichzeitig noch neues Vertrauen in ein Genre schürte, dessen Tage bereits gezählt schienen. Der Musikwissenschaftler Hans Schnoor nannte dies "einen außergewöhnlichen Fall der vollständig musikalischen Interpretation der sozialen und individuellen Psyche" und es war doppelt bemerkenswert, wenn man die Exzentrizitäten und Eigenheiten bedenkt, die in Swietens Text verstreut sind.
Das Oratorium beginnt mit einer der futuristischsten Episoden, die man in der gesamten vorromantischen Musik findet. Es ist die berühmte "Vorstellung des Chaos", die als Geleit zum Werk dient. Die unfokussierten harmonischen Strukturen und Atmosphäre an vager Formlosigkeit muss Haydns Zeitgenossen verdutzt haben und der Abschnitt klingt auch für moderne Ohren immer noch verblüffend und hoch impressionistisch.
Ein gleichermaßen genialer Moment und einer, dem John Milton zweifellos zugestimmt hätte, kommt, wenn der Chor über einem gedämpften, langsam pulsierenden Hintergrund des Orchesters singt: "Und der Geist Gottes schwebte auf der Fläche der Wasser..."
Urplötzlich und unerhört singt der Chor "Und es ward Licht!" in einem der ergreifendsten Fortissimo-Ausbrüche in C-Dur, die man in der gesamten Musik finden kann! Es war ein logischer, natürlicher Schritt und einer, der völlig typisch war für den späten, großartigen Haydn am Gipfelpunkt seiner Schaffenskraft. Danach folgt ein frohlockender Erguss nach dem anderen, wenn der Chor dem himmlischen Schöpfer für jeden nachfolgenden Tag der Schöpfung huldigt.
Erzählende oder rein beschreibende Stücke werden den drei Solisten überlassen, die nach den Erzengeln Gabriel, Uriel und Raphael benannt sind, nur vom Orchester begleitet. Haydns meisterhaft angewandte technische Fähigkeiten stellen jedoch sicher, dass es durchweg eine zufriedenstellende Balance gibt zwischen den jeweiligen vokalen und instrumentalen Kräften, wie zu hören ist, wann immer Chor und Solisten zusammen zu hören sind. Gute Beispiele dafür sind "Mit Staunen sieht das Wunderwerk" für Sopran mit Chor und das Terzett "In holder Anmut steh'n", das direkt in den Chor "Der Herr ist groß in seiner Macht" führt. In diesem Abschnitt sind alle drei Solisten und der Chor mit Orchester beschäftigt, genauso wie im berühmtesten Teil des Oratoriums "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes".
(c) Michael Jameson
Kaufempfehlung:
Christina Landshamer, Maximilian Schmitt, Rudolf Rosen (Solisten), Collegium Vocale Gent, Orchestre des Champs-Élysées, Dir. Philippe Herreweghe Label: PHI, DDD, 2014
Christoph Pregardien, Edith Mathis, René Pape (Solisten), Festival Choir Luzern, Scottish Chamber Orchestra, Dir. Peter Schreier Label: Arthaus, 1992
YouTube:
Christina Landshamer, Toby Spence, Matthew Rose (Solisten), Orchestra of the Age of Enlightenment, Dir. Trevor Pinnock
Lebensdaten: 5. März 1685 Halle/Saale (Herzogtum Magdeburg) - 14. April 1759 London (Großbritannien) Werk: Der Messias, HWV 56 (Messiah) Epoche: Barock Besetzung: Soli, Chor und Orchester Entstehungszeit: 1741 Uraufführung: 13. April 1742 in der New Music Hall von Dublin (Irland) Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, 15 Minuten Teile:
Sinfonia in E minor
Comfort ye my people
Ev'ry valley shall be exalted
And the glory of the Lord
Thus saith the Lord of Hosts
But who may abide the day of His coming
And He shall purify the sons of Levi
Behold, a virgin shall conceive
O thou that tellest good tiding to Zion
For behold, darkness shall cover the earth
The people that walked in darkness
For unto us a Child is born
Pifa in C major [Pastoral Symphony]
There were shepherds abiding in the field
And lo, the angel of the Lord came upon them
But lo, the angel of the Lord came upon them (Arioso)
And the angel said unto them
And suddenly there was with the angel a multitude
Glory to God in the highest
Rejoice greatly
Then shall the eyes of the blind be open'd
He shall feed His flock like a shepherd
His yoke is easy, His burden is light
Behold the Lamb of God
He was despised and rejected
Surely, He hath borne our griefs and carried our sorrows
And with His stripes we are healed
All we like sheep
All they that see Him, laugh Him to scorn
He trusted in God that He would deliver Him
Thy rebuke hat broken His heart
Behold, and see if there be any sorrow
He was cut off out of the land of the living
But Thou didst not leave His soul in hell
Lift up your heads, O ye gates
Unto which of the angels said He at any time
Let all the angels of God worship Him
Thou art gone up on high
The Lord gave the word; great was the company of the preachers
How beautiful are the feet of them
Their sound is gone out into all the lands (Arioso)
Their sound is gone out into all the lands (Chorus)
Why do the nations so furiously rage together
The Kings of the earth rise up
Let us break their bonds asunder
He that dwelleth in heaven
Thou shalt break them with a rod of iron
Hallelujah
I know that my Redeemer liveth
Since by man came death
Behold, I tell you a mystery
The trumpet shall sound
Then shall be brought to pass the saying
O death, where is thy sting?
But thanks to be to God
If God be for us
Worthy is the Lamb was slain
Amen
Vielleicht mit Ausnahme der Wassermusik ist das Oratorium Messias das einzige Werk Händels, das weltweit bekannt ist. Dennoch wurde es zu einer Zeit komponiert, als Händel etwas das Glück entschwunden zu sein schien. Seine letzten Versuche zur Oper zurückzukehren stellten sich mit Imeneo (1740) und Deidamia (1741) als Fehlgriffe heraus und Gerüchte besagten sogar, dass er aus Verzweiflung über das Londoner Publikum im Begriff war England zu verlassen. Zufällig lockte Pfarrer und Autor Charles Jennens, Händels Zuarbeiter für "Saul", Händel zur Idee des englischen Oratoriums zurück; fast zur gleichen Zeit erhielt der Komponist ein Angebot von William Cavendish, Lordleutnant von Irland, in der nächsten Spielzeit der Darbietung von Oratorien in Dublin teilzunehmen. Das von Jennens an Händel vorgelegte Libretto drehte sich um die Geburt und Passion Christi. Es hieß "Messiah". Händel machte sich am 22. August 1741 an die Arbeit an dem Libretto und stellte die Partitur gerade einmal drei Wochen später am 12. September fertig.
Das daraus resultierende geistliche und nicht-dramatische Oratorium war ein Novum für Händel und obwohl es die letzte große Phase von Oratorienkompositionen des Komponisten einläutete schrieb er nie wieder ein ähnliches. Der Messias ist daher völlig atypisch innerhalb des Kontextes von Händels Oratorien, von denen sich der Großteil auf das Alte Testament oder apokryphische Texte in dramatisierter Form bezieht. Als eine Bekräftigung des christlichen Glaubens bringt er den weltlichen Händel näher an Bach als jedes andere seiner Werke, obwohl auch das nicht ausreichte, um zeitgenössische Vorwürfe opernhafter Einflüsse zu verhindern. Es lohnt sich auch ins Gedächtnis zu rufen, dass zu Händels Zeit der Messias häufiger in Opernhäusern als in Kirchen aufgeführt wurde.
Jennens teilte seinen Text in drei Teile auf, wovon der erste von der Prophezeiung des Messias' und deren Erfüllung handelt. Der zweite nimmt uns von der Passion bis zum Triumph der Wiederauferstehung, während sich der letzte Teil um die Rolle des Messias im Leben nach dem Tod kümmert. Händels Vertonung besteht aus der üblichen Gegenüberstellung von Rezitativen, Arien und Chören. Jennens Libretto schöpft aus einem großen Spektrum an Quellen sowohl aus Altem und Neuem Testament, einzigartig für Händels Oratorien ist aber, dass es keine mit Namen benannten Personen gibt. Das Drama wird daher ausschließlich durch die Botschaft im Text ausgedrückt, am Beeindruckendsten durch die überwältigenden Chöre, die die anhaltende Popularität des Oratoriums sichergestellt haben. Die Uraufführung fand in der New Music Hall von Dublin am 13. April 1742 statt. Sie wurde unter großem Beifall aufgenommen, das Dublin Journal rief aus, dass "der Messias von den wichtigsten Kritikern als das vollendetste Werk der Musikgeschichte angesehen wird." Der Triumph wiederholte sich im folgenden Jahr im Covent Garden, wofür Händel zwei weitere Soli hinzufügte. Weitere Überarbeitungen erfolgten 1745 für die berühmten Aufführungen im Foundling Hospital, was alle nachfolgenden Dirigenten mit dem Problem zurückließ, welche nun Händels "endgültigen" Absichten waren. Zur Zeit des Todes des Komponisten im Jahre 1758 hatte der Messias bereits einen Kultstatus erreicht, den er nie wieder verlor.
Neben seinen ungemein beliebten Chören - von denen das "Hallelujah" König ist - liegt der größte Reiz des Messias in seinen wirkungsvollen Arien und Rezitativen für Solisten. Das beginnende "Every Valley", vom Tenor gesungen, legt die Stimmung an Melodienreichtum und gefühlvollem Charme fest und ihm wird gleich getan von "Rejoice Greatly" des Sopran, "He was Despised" des Alt und "The Trumpet Shall Sound" für den Bass.
(c) Brian Robins
Kaufempfehlung:
Henry Jenkinson, Otta Jones, Robert Brooks (Solisten), New College Oxford Choir, Academy of Ancient Music, Dir. Edward Higginbottom
Label: Naxos, DDD, 2006
Lynne Dawson, Hilary Summers, John Mark Ainsley (Solisten), King's College Choir, Brandenburg Consort, Dir. Roy Goodman
Label: Arthaus, 1984
YouTube:
Ailish Tynan, Alice Coote, Allan Clayton, Matthew Rose (Solisten), Chori of King's College Cambridge, Academy of Ancient Music, Dir. Stephen Cleobury
Lebensdaten: 21. März 1685 Eisenach (Sachsen-Eisenach) - 28. Juli 1750 Leipzig (Sachsen) Werk: Matthäuspassion, BWV 244 Epoche: Barock Entstehungszeit: 1736 Besetzung: Soli, Chor und Orchester Uraufführung: 30. März 1736 in der Thomaskirche von Leipzig (Sachsen) Aufführungsdauer: ca. 2 Stunden, 40 Minuten Teile:
Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen
Da Jesus diese Rede vollendet hatte
Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen
Da versammelten sich die Hohenpriester
Ja nicht auf das Fest, auf dass nicht ein Aufruhr
Da nun Jesus war zu Bethanien
Wozu dienet dieser Unrat?
Da das Jesus merkete, sprach er zu ihnen
Du lieber Heiland du
Buß und Reu knirscht das Sündeerherz entzwei
Da ging hin der Zwölfen einer, mit Namen Judas Ischarioth
Blute nur, du liebes Herz!
Aber am ersten Tage der süßen Brot
Wo willst du, daß wir dir bereiten
Er sprach: Gehet hin in die Stadt zu einem
Und die Jünger täten
Und sie wurden sehr betrübt
Herr, bin ich's
Ich bin's ich sollte büßen
Er antwortet und sprach
Wiewohl mein Herz in Tränen schwimmt
Ich will dir mein Herze schenken
Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten
Erkenne mich, mein Hüter
Petrus aber antwortete und sprach zu ihm
Ich will hier bei dir stehen
Da kam Jesus mit ihnen zu einem Hofe
O Schmerz! hier zittert das gequälte Herz!
Ich will bei meinem Jesu wachen
Und ging hin ein wenig, fiel nieder auf sein Angesicht
Der Heiland fällt vor seinem Vater nieder
Gerne will ich mich bequemen
Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend
Was mein Gott will, das g'scheh allzeit
Und er kam und fand sie aber schlafend
So ist mein Jesus nun gefangen
Laßt ihn, haltet, bindet nicht
Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden
Und siehe, einer aus denen, die mit Jesu waren
O Mensch, bewein' dein' Sünde groß
Ach, nun ist mein Jesus hin!
Die aber Jesum gegriffen hatten
Mir hat die Welt
Und wiewohl viel falsche Zeugen herzutraten
Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen
Mein Jesus schweigt
Geduld! Wenn mich falsche Zungen stechen
Und der Hohepriester antwortete und sprach
Er ist des Todes schuldig
Da speiten sie aus in sein Angesicht
Weissage uns
Wer hat dich so geschlagen
Petrus aber saß draußen im Palast
Wahrlich, du bist auch einer von denen
Da hub er an, sich zu verfluchen und zu schwören
Erbarme dich, mein Gott [Have mercy, Lord]
Bin ich gleich von dir gewichen
Des Morgens aber hielten alle Hohenpriester
Was gehet uns das an?
Und er warf die Silberlinge in den Tempel
Gebt mir meinen Jesum wieder!
Sie hielten aber einen Rat
Befiehl du deine Wege
Auf das Fest aber hatte der Landpfleger
Laß ihn kreuzigen
Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe!
Der Landpfleger sagte: Was hat er denn Übels getan?
Er hat uns allen wohlgetan
Aus Liebe will mein Heiland sterben
Sie schrieen aber noch mehr und sprachen
Laß ihn kreuzigen
Da aber Pilatus sahe, dass er nichts schaffete
Sein Blut komme über uns
Da gab er ihnen Barrabbam los
Erbarm es Gott! Hier steht der Heiland angebunden
Können Tränen meiner Wangen
Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesum zu sich
Gegrüßet seist du, Jüdenkönig
Und speieten ihn an
O Haupt voll Blut und Wunden
Und da sie ihn verspottet hatten
Ja freilich will in uns das Fleisch und Blut
Komm, süßes Kreuz
Und da sie an die Stätte kamen, mit Namen Golgatha
Der du den Tempel Gottes zerbrichst
Desgleichen auch die Hohenpriester spotteten sein
Andern hat er geholfen
Desgleichen schmäheten ihn auch die Mörder
Ach, Golgatha, unselges Golgatha
Sehet, Jesus hat die Hand uns zu fassen ausgespannt
Und von der sechsten Stunde an ward eine Finsternis
Der rufet den Elias
Und bald lief einer unter ihnen
Halt! laß sehen
Aber Jesus schriee abermal laut
Wenn ich einmal soll scheiden
Und siehe da, der Vorhang im Tempel zerriß
Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen
Und es waren viel Weiber da
Am Abend, da es kühle war
Mache dich, mein Herze
Und Joseph nahm den Leib
Herr, wir haben gedacht
Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Huter
Nun ist der Herr zur Ruh gebracht
Wir setzen uns mit Tränen nieder
Es ist unklar wie viele Passionsvertonungen Bach schrieb: vielleicht, aber eher unwahrscheinlich fünf, vermutlich drei oder vier. Nur zwei haben bis heute überlebt; die zweite davon, die Matthäuspassion, datiert auf das Jahr 1729. Die Passionen, biblische Texte vertont als musikalische Werke großen Umfangs, wurden an Karfreitag aufgeführt und erzählten die Geschichte der Kreuzigung Jesu gemäß den Aposteln.
Die Matthäuspassion ist ein im Charakter sehr unterschiedliches Werk gegenüber seinem übriggebliebenen Vorgänger, der Johannespassion: die erstgenannte ist tief andächtig, introvertiert und in der Stimmung meditativ, während die letztgenannte dramatisch intensiver ist mit mehr Handlung in seiner Erzählung. Die Matthäuspassion wird oft mit Bachs monumentaler Messe h-Moll verglichen, sowohl in Reichweite, wie auch in Pietät. In der Thomaskirche von Leipzig uraufgeführt, vertont das Werk einen Text von Christian Picander (der auch der Autor der hypothetischen, verloren gegangenen Bach-Passion von 1725 gewesen sein mag). Ein weiterer bedeutsamer Unterschied zwischen Johannes- und Matthäuspassion liegt in ihren jeweiligen Texten: der der Johannespassion ist sehr kurz, beginnt mit Judas' Verrat an Christus und fokussiert sich auf dessen Prozess vor Pilatus; auf der anderen Seite ist der Text der Matthäuspassion sehr lang und enthält fast doppelt so viele Verse wie der der Johannespassion.
Die Matthäuspassion ist auch musikalisch viel stattlicher mit ihren zwei vierstimmigen Chören und dem großen Orchester aus Streichern, Flöten, Oboen, Cembalo und Orgel. Bach zieht besonders scharfen und vielseitigen Nutzen aus seinen beiden Chören in diesem Stück; sie werden repräsentativ als die Stimmen verschiedener Gruppen an Gläubigen gehört und auch als die lärmende, höhnische Menge bei der Kreuzigung. Ein gefeierter Aspekt des Werk ist die Art, wie Bach die Instrumentengruppen nutzt, um verschiedene Effekte zur Untermalung des Textes zu erreichen; ein Heiligenschein über Jesus wird z.B. durch die weichen, zurückhaltenden Akkorde eines Streicherensembles suggeriert und Bach zeichnet die Ermüdung Jesu auf dem Weg nach Golgatha mit einem tiefen Orgelpunkt. Wie die Johannespassion enthält auch die Matthäuspassion sowohl Text der Apostel, wie auch von Kirchenliedern und beide verwenden Rezitative, Arien und Choräle.
Die Ähnlichkeiten zwischen Bachs Passionen und dem katholischen Oratorium sind auffällig. Die Passionen sind wie das Oratorium eine Art religiöse Oper; wie auch in diesem offenkundiger dramatischen Genre dienen Arien als Vehikel für lyrischen Ausdruck und Rezitative, um die textliche Handlung voranzubringen. Die zentrale Figur in der Matthäuspassion ist sowohl musikalisch wie dramatisch der Evangelist (ein Tenor), der die Geschichte erzählt. Die Natur seiner ausschließlich erzählerischen und nicht handlungsinvolvierten Rolle wird durch seine Begrenzung auf rezitative Teile klar gemacht; ihm wird nie die Gelegenheit für ausgedehntere Lyrik gegeben. Diese Art des Ausdrucks wird den anderen Gesangssolisten zuteil, die die Persönlichkeiten all jener im Drama Involvierten übernehmen und ihnen eine Stimme verleihen.
Die Musik wird am Besten als Ganzes geschätzt, in dessen Kontext der dramatische Bogen und die geistliche Überzeugung des Werks überaus klar sind. Es gibt jedoch eine Reihe herausstechender Höhepunkte, die regelmäßig einzeln gespielt werden. Diese beinhalten die Sopranarie "Blute nur, du liebes Herz", die Altarie "Erbarme dich", die eine obligate, sprich hauptstimmige Violine mit beinhaltet und die Bassarie "Mache dich, mein Herze, rein."
(c) Alexander Carpenter
Kaufempfehlung:
Ian Bostridge, Franz-Josef Selig, Sibylla Rubens, Andreas Scholl, Werner Güra, Dietrich Henschel (Solisten), Collegium Vocale Gent, Dir. Philippe Herreweghe
Label: Harmonia Mundi, DDD, 1999
Margaret Marshall, Claes-Håkan Ahnsjö, Hermann Prey, Christoph Dobmeier (Solisten), Tölzer Knabenchor, Chorgemeinschaft Neubeuern, Bach Collegium München, Dir. Enoch zu Guttenberg
Label: Arthaus, 1990
YouTube:
Christina Landshamer, Stefan Kahle, Wolfram Lattke, Martin Lattke, Klaus Mertens, Gotthold Schwarz (Solisten), Thomanerchor und Gewandhausorchester Leipzig, Dir. Georg Christoph Biller