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GRIEG: Peer Gynt Suite Nr. 1

 

Edvard Grieg

Lebensdaten: 15. Juni 1843 Bergen - 4. September 1907 Bergen (Norwegen)
Werk: Peer Gynt Suite Nr. 1, op. 46
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1874/75
Besetzung: Orchester
Aufführungsdauer: ca. 15 Minuten
Sätze:

  1. Morgenstimmung
  2. Åses Tod
  3. Anitras Tanz
  4. In der Halle des Bergkönigs
Den meisten Konzertbesuchern ist Edvard Grieg nur als Komponist von zwei ungemein populären Konzertwerken bekannt: dem Konzert für Klavier und Orchester und der ersten Orchestersuite, die aus der Bühnenmusik zu Henrik Ibsens Theaterstück "Peer Gynt" stammt. Seit die Peer-Gynt-Suite Nr. 1, op. 46 in den späten 1880er Jahren erschien, ist sie ein fester Bestandteil des Orchesterrepertoires. In der Tat kann man mit Sicherheit sagen, dass seine vier Bestandteile zu den am häufigsten gespielten und sofort wiedererkennbaren Stücken gehören, die jemals geschrieben wurden; dennoch behalten sie bei einer guten Aufführung immer noch einen großen Teil ihrer ursprünglichen Vitalität und Frische.

Ibsens Drama in fünf Akten handelt von einem jungen norwegischen Rüpel namens Peer Gynt, der davon träumt, Herrscher der Welt zu werden. Seine verschiedenen Abenteuer - er entführt eine zukünftige Braut während ihrer Hochzeit, verlässt sie für eine andere Frau, wird von Gnomen gequält, gibt sich als Prophet unter den Arabern aus, brennt mit einer arabischen Prinzessin durch und wird anschließend von ihr betrogen, und kehrt schließlich nach Norwegen zurück - sind der Stoff, aus dem hohe Dramen und Abenteuer gemacht sind, und sie sind rau und isoliert auf eine Weise, die typisch nordisch ist. Grieg fängt diesen Ton perfekt ein.

Grieg eröffnet die erste Peer-Gynt-Suite mit einem Stück namens "Morgenstimmung", das ursprünglich zu Beginn des vierten Aktes gespielt wurde. Ein sanftes E-Dur-Thema wird von den Flöten und dann von den Oboen vor einem statischen harmonischen Hintergrund angekündigt, der wirkungsvoll die Stille der ersten Momente der Morgendämmerung nachahmt. Diese liebliche Melodie - eine umgekehrte Bogenform - wird durch eine funkelnde Palette subtiler harmonischer Veränderungen geführt; helle Flötentriller schließen sich der musikalischen Mischung an, während die "Morgenstimmung" zu einem sanften Ende kommt. Obwohl die "Morgenstimmung" nur vier Minuten lang ist, gelingt es Grieg, etwas sowohl Zeitloses als auch Universelles in der Musik einzufangen.

"Åses Tod", das folgt, sollte als Vorspiel zum dritten Akt gespielt werden. Peer Gynt ist nach Hause zu seiner Mutter Åse zurückgekehrt, nur um festzustellen, dass ihre Tage auf Erden zu Ende gegangen sind. "Åses Tod" hat nur ein winziges melodisches Fragment (zu einem absolut gleichbleibenden Rhythmus), und doch wird die Partitur nie langweilig. Ein Schriftsteller des späten 19. Jahrhunderts bemerkte, dass es Grieg gelungen sei, nicht nur das Hinscheiden von Peer Gynts Mutter zu vermitteln, sondern auch das traurige Sterben des Sommers und damit der Sonne im ländlichen Nordland.

Nach einem einzigen, magischen E-Dur-Akkord beginnt "Anitras Tanz" mit einer beschwingten Geigenmelodie über einem fesselnden Pizzicato-Hintergrund. Unser kleines Thema wird in der Mitte des Tanzes durch mehrere kleine harmonische Abenteuer geführt (einschließlich eines warmen und willkommenen, wenn auch kurzen, Durchgangs durch D-Dur). Während der Reprise des Anfangsteils lässt Grieg einige melodische Imitationen durch die Celli zu.

"In der Halle des Bergkönigs", geschrieben, um die Verhöhnung und Verfolgung von Peer Gynt durch die Zwerge zu begleiten, nachdem er sich geweigert hat, die Tochter des Bergkönigs zu heiraten, ist vielleicht das berühmteste dieser vier Stücke. Die Musik, die auf nur einem kleinen, sich wiederholenden thematischen Fragment aufbaut, wird wilder und wilder, bis es scheint, als ob es Peer Gynt - und das arme Orchester - nicht mehr aushalten können. Es ist wie ein Wirbelwind.

(c) Blair Johnston

Kaufempfehlung:
Berliner Philharmoniker, dir. Herbert von Karajan
Label: DGG, DDD, 1982

YouTube:
Polish Youth Symphony Orchestra, Dir. Maciej Tomasiewicz
8.7.2015 in der Frederic Chopin School of Music Concert Hall in Bytom (Polen)


RIMSKI-KORSAKOW: Scheherazade

Nikolai Rimski-Korsakow
Lebensdaten: 18. März 1844 Tichwin (Russland) - 21. Juni 1908 Gut Ljubensk (Russland)
Werk: Scheherazade, op. 35
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1888
Besetzung: Orchester
Aufführungsdauer: ca. 45 Minuten
Sätze:

  1. Das Meer und Sinbads Schiff
  2. Die Geschichte vom Prinzen Kalender
  3. Der junge Prinz und die junge Prinzessin
  4. Die Feier in Bagdad - Das Meer

Charakteristisch für Nikolai Rimski-Korsakows Werke sind seine farbenfrohe und fantasievolle Orchestrierung und die Scheherazade ist vielleicht das beste Beispiel von allen (Claude Debussy, selbst nicht gerade eine Niete im Orchestrieren, versah Scheherazade mit dem höchsten Kompliment, indem er ihren zweiten Satz praktisch unverändert sowohl in La mer, als auch in Daphnis et Chloe verwendete). Die hinreißenden Melodien und die üppige, tadellos angewandte Palette orchestraler Farben der Scheherazade machten sie zu Rimski-Korsakows beliebtestem Werk.

Rimski-Korsakows Leitsatz erklärt das Szenario: "Der Sultan Schahrayâr, überzeugt von der Falschheit und Untreuer aller Frauen, schwor sich jede seiner Frauen nach der ersten Nacht zu töten. Doch die Tochter des Wesirs, Scheherazade, rettete ihr Leben, indem sie ihm 1.001 Nächte lang für Geschichten begeisterte. Vor Neugier angestachelt verschob der Sultan die Hinrichtung seiner Frau Tag um Tag und gab seinen blutigen Plan schließlich ganz auf." Es folgen vier solcher lebensrettenden Geschichten, durch Musik wiedergegeben. In späteren Jahren erklärte Rimski-Korsakow, dass die Scheherazade als sinfonische Suite mit unspezifischem orientalischen Inhalt angesehen werden soll. Das macht Sinn im Lichte der Erkenntnis, dass die Musik selbst nur wenig erzählerische Logik besitzt. Einige Details des Inhalts bleiben jedoch relevant.

Der erste Satz, Das Meer und Sinbads Schiff genannt, beginnt mit den knurrenden Akkorden, die den Sultan darstellen, gefolgt von der geschmeidigen Melodie der Solovioline, die Scheherazade beim Weben ihrer Geschichten zeigt. Scheherazade verschwindet und in den Streichern tritt eine wiegende Melodie im Takt einer Barcarolle auf, anschwellend wie das Meer. Akzente der Bläser lassen das Meer gelegentlich tosen und stürmen und herzig orchestrierte Zwischenspiele legen Unterbrechungen auf Inseln nahe, der Satz endet jedoch mit einer ruhigen Schilderung dessen, was eine ruhige See und beständiger Wind sein müssen.

Die Geschichte vom Prinzen Kalender handelt von einem Prinzen, der sich selbst als Bettler verkleidet und nach Weisheit sucht. Sein Melancholie-Thema tritt zuerst in den Solo-Holzbläsern auf, danach in den Streichern und wird schneller, während sich der Prinz auf seine Reise begibt. Rimski-Korsakow legte nahe, dass "man einen Kampf sehen könne", als eine martialische Variation des Themas des Sultans auftritt, umgeben von nervösen Streicherschwingungen, während ein späterer Teil mit flatternden Holzbläsern und Streicherakkorden im Pizzicato "Sinbads mächtigen Vogel, den Rock" nahelegen.

Der dritte Satz heißt Der junge Prinz und die junge Prinzessin und ergründet einen namenlosen, östlichen Palast; der Prinz tritt als sinnliches, verträumtes Streicherthema auf, die Prinzessin als ruhiger Bogen einer Flötenmelodie. Nichtsdestotrotz findet man den Sultan zu Beginn des vierten Satzes in einer jähzornigen Stimmung vor und Scheherazade versucht ihn zu beschwichtigen, indem sie ihn von der rastlosen Energie der Feier in Bagdad erzählt. Von da an verlagert sich die Handlung auf das Meer, wo sich das Wetter verschlimmert hat. Bläser heulen auf, Winde fegen auf und nieder und die Musik wächst zu einer massiven Klimax heran, gekrönt von einem furchterregenden, bitonalen Getöse, das das Kentern und Sinken des Schiffes symbolisiert. Der Sturm klingt ab und schließlich vermengen sich die Themen von Scheherazade und Sultan, die Violine der Scheherazade spielt dabei in ihren höchsten Tönen.

(c) Andrew Lindemann Malone

Kaufempfehlung:
Kirov Orchestra, Dir. Waleri Gergijew
Label: DGG, DDD, 2001
The Philadelphia Orchestra, Dir. Eugene Ormandy
Label: MediciArts, 1978
YouTube:
Wiener Philharmoniker, Dir. Waleri Gergijew
bei den Salzburger Festspielen 2005

BACH: Violinpartita Nr. 2 d-Moll

Johann Sebastian Bach
Lebensdaten: 21. März 1685 Eisenach (Sachsen-Eisenach) - 28. Juli 1750 Leipzig (Sachsen)
Werk: Partita für Violine solo Nr. 2 d-Moll, BWV 1004
Epoche: Barock
Entstehungszeit: 1720
Besetzung: Violine solo
Aufführungsdauer: ca. 28 Minuten
Sätze:

  1. Allemande
  2. Courante
  3. Sarabande
  4. Gigue
  5. Chaconne

Zusammen mit Paganinis 24 Capricci für Solovioline und Bachs sechs Cellosuiten stechen seine Partiten und Sonaten (jeweils drei) für Solovioline aus ihren jeweiligen Geschwistern heraus als prachtvolle Musik, geschrieben für ein unbegleitetes Streichinstrument. Und während sie auch den Zenit der polyphonen Komposition für ein anderes Instrument als das Klavier darstellen, waren Bachs Sonaten und Partiten auch ungemein wichtig in der Entwicklung der Violintechnik. Mit ihrer kolossalen Reichweite, immensen technischen Anforderungen und musikalischen Komplexität, nichtsdestoweniger ihrer beeindruckenden intellektuellen Intensität, überstiegen diese Schöpfungen in großem Maße alles, das es vor ihnen gab, inklusive den Partiten für Solovioline von Westhoff (1696) und zahlreichen vergleichbaren Solowerken von Biber, Pisendel und anderen. Es scheint wahrscheinlich, dass entweder die Dresdner Virtuosen Pisendel oder Volumier oder sogar noch wahrscheinlicher der Köthener Konzertmeister Spiess die ersten Künstler gewesen waren, die sich an diesen außerordentlich herausfordernden Werken versucht haben, von denen alle klingen, als ob sie für ein Zeitalter instrumentaler Virtuosität geschrieben wurden, das noch weit in der Zukunft lag.

Die Sonaten sind auf vier Sätze beschränkt (langsam-schnell-langsam-schnell, wie die frühe Sonata da chiesa), einer davon ist eine Fuge. Die Partiten sind allgemein ausgedehnter und in unorthodoxer formaler Gestaltung (was vielleicht durch ihren umfassenderen, allgemeinen Titel angedeutet wird) und besitzen das erforschendere, improvisatorischere Gefühl der Musik, obwohl sie aus Aneinanderreihungen barocker Tänze bestehen. Die fantastische und beredte Partita Nr. 2 d-Moll, BWV 1004, scheint größtenteils dem konventionellen Entwurf der barocken Suite zu folgen, sie beginnt mit einer ernsten und zielstrebigen Allemande, die unerwartet befreit ist von Akkorden in Mehrgrifftechnik. Es folgen eine Courante und eine Sarabande, deren kurze Coda die Verknüpfung zur nachfolgenden Gigue bereitstellt.

Das Werk endet indes mit dem labyrinthischsten und intellektuell gewaltigsten einzelnen Satz, der je für ein unbegleitetes Streichinstrument ersonnen wurde. Dies ist Bachs berühmte Chaconne (ursprünglich "Ciaccona"), eine kolossale, bogenförmige Reihe an 64 atemberaubenden Variationen über die schlichte, viertaktige Phrase mit offenem Ende, die man zu Beginn hört. Zwei monumentale Außenteile in Moll umschließen eine zentrale Episode in Dur und diese große Anlage umfasst jeden Aspekt der Technik des Violinspiels und kontrapunktischer Genialität, die man zu Bachs Zeiten kannte. Die Chaconne, deren Dauer 15 Minuten übersteigt (und damit länger ist als der Rest des Werks zusammen), wird oft als einzeln stehender Satz gespielt und wurde auch für andere Instrumente umfangreich transkribiert.

(c) Michael Jameson

Kaufempfehlung:
Arthur Grumiaux (Violine)
Label: Philips, ADD, 1960-63
YouTube:
Itzhak Perlman (Violine)

HÄNDEL: Wassermusik-Suiten

Georg Friedrich Händel
Lebensdaten: 5. März 1685 Halle/Saale (Herzogtum Magdeburg) - 14. April 1759 London (Großbritannien)
Werk: Wassermusik-Suiten, HWV 348-350
Epoche: Barock
Entstehungszeit: 1717
Besetzung: Orchester
Aufführungsdauer: ca. 45 Minuten
Sätze:

  1. Overture
  2. Adagio e staccato
  3. Allegro - Andante - Allegro
  4. A Tempo di Menuetto
  5. Air
  6. Menuetto
  7. Bourrée
  8. Hornpipe
  9. Allegro moderato
  10. Andante
  11. Allegro: Alla Hornpipe
  12. Coro
  13. Loure
  14. Bourrée
  15. Sarabande
  16. Rigaudon
  17. Minuetto
  18. Gigue

Früh in seiner Karriere bereits verließ Händel Deutschland, wo ihn die Einschränkungen zu seiner Profession störten. Er ging nach England, wo er hoffte, dass das kosmopolitischere musikalische Treiben der Hauptstadt, den von Mode und öffentlichem Geschmack getriebenen Marktkräften unterliegend, anstatt dem fürstlichen Diktat, seinen Bühnenwerken einen lukrativeren Empfang bereiten würde. Trotz seiner begrenzten Fähigkeiten in der englischen Sprache gelang Händel ein triumphaler Eintritt in die Londoner Gesellschaft. Seine Opern waren dort für gewisse Zeit immens erfolgreich und für London schrieb Händel seine zwei weltweit bekanntesten Orchesterwerke: die Feuerwerksmusik und die drei Wassermusik-Suiten.

Beide Werke waren für Freiluftdarbietungen gedacht und orchestriert für Ensembles mit Ergänzungen von Holz- und Blechbläsern, die auch in Freiluft noch gut gehört werden konnten. Darüber hinaus setzten sich beide zu Teilen aus Material zusammen, das Händel bereits komponiert hatte. Zur Zeit, als Händel 1717 seine Wassermusik komponierte, war er in der Lage die musikalischen Trends seiner Wahlheimat vollständig zu analysieren. Er veranlasste, was auf den ersten Blick eher wie eine ziemlich nichtssagende Ansammlung an Seemannsmelodien, Liedern und Volkstänzen erscheinen mag und Prof. H. C. Robbins Landon beschrieb als "mehr als nur der übliche internationale Flair; eine bemerkenswerte Fusion solider deutscher Erziehung, italienischer Schule und einer tiefen Vertrautheit mit französischem Geschmack." Jedes Stück ist ein kleines Juwel mit einem fein geformten, ausdrucksstarken Fokus, die, wie Landon bemerkt, aus den verschiedenen Bestandteilen von Suiten und Arten orchestraler Komposition ziehen, die Händel meisterte.

Der englische König George I. hielt am 17. Juli 1717 eine festliche Gesellschaft am Fluss Themse ab, vermutlich eine Art Äquivalent des 18. Jahrhunderts zum "Fototermin". Für diesen Anlass komponierte Händel eine Sammlung an kurzen, festlichen Stücken, die seit der Veröffentlichung einer Gruppe von ihnen als "The Celebrated Water-Musick" kurz darauf allgemein als Wassermusik bekannt ist. Die ursprüngliche Reihenfolge und Gruppierung der Stücke ist nicht bekannt; nicht alle beschäftigen die überzähligen Trompeten, Hörner, Oboen und Pauken, die speziell für Freiluftveranstaltungen geeignet sind und scheint nahezuliegen, dass die Suite G-Dur (die die weicheren Töne von Flöten und Streichern anwendet) für eine Darbietung beim "erlesenen Abendessen" vorbehalten war, von dem der Londoner Daily Courant berichtete und das "in Lord Ranelaghs Villa in Chelsea" abgehalten wurde, "wo es eine weitere schöne Sammlung Musik gab, die bis zwei Uhr [morgens] andauerte". Über die Festlichkeiten am Fluss am früheren Tage berichtete die gleiche Zeitung auch, dass "viele Kähne mit wichtigen Personen antrafen und eine solch große Zahl an Booten, dass der gesamte Fluss auf eine Art bedeckt war; ein Kahn der Stadtgesellschaft wurde für die gesamte Musik verwendet, worauf sich fünfzig Instrumente aller Art befanden, die den ganzen Weg von Lambeth über spielten... die schönsten Sinfonien, speziell für diesen Anlass komponiert von Mr. Händel; welche Ihre Majestät so sehr mochten, dass er sie veranlasste dreimal gespielt zu werden auf Hin- und Rückfahrt."

Das Arrangement der Musik in drei Suiten könnte von Händel ursprünglich intendiert worden sein; mit drei im Werk benutzten Tonarten (F, D und G) ist die Gruppierung natürlich. Dirigenten haben die Stücke aber auch anderweitig angeordnet.

(c) Michael Jameson

Kaufempfehlung:
The Academy of Ancient Music, Dir. Christopher Hogwood
Label: DGG, ADD, 1971/81
YouTube:
Le Concert Spirituel, Dir. Hervé Niquet

MUSSORGSKI: Bilder einer Ausstellung

Modest Mussorgski
Lebensdaten: 21. März 1839 Karewo (Russland) - 28. März 1881 St. Petersburg (Russland)
Werk: Bilder einer Ausstellung (Kartinki s wystawki)
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1874
Besetzung: Klavier solo
Aufführungsdauer: ca. 33 Minuten
Teile:

  1. Promenade
  2. Der Gnom (Gnomus)
  3. Promenade
  4. Das alte Schloss (Il vecchio castello)
  5. Promenade
  6. Spielende Kinder im Streit (Tuileries)
  7. Der Ochsenkarren (Bydło)
  8. Promenade
  9. Ballett der unausgeschlüpften Küken
  10. Samuel Goldenberg und Schmuÿle
  11. Promenade
  12. Limoges. Der Marktplatz (Limoges. Le marché)
  13. Die Katakomben (Sepulchrum romanum)
  14. Cum mortuis in lingua mortua
  15. Baba-Jaga (La cabane sur des pattes des poules)
  16. Das große Tor von Kiew

Wiktor Hartmann, ein russischer Maler und Architekt, war einer von Mussorgskis engsten Freunden. Als Hartmann 1873 im Alter von 41 Jahren in St. Petersburg starb, war der Komponist niedergeschmettert. Er schrieb an den Kunstkritiker Wladimir Stasow, indem er Shakespeare paraphrasierte: "Warum soll denn ein Hund, ein Ross, 'ne Ratte ein Leben haben und gerade die Hartmanns keinen Hauch?". Im Januar 1874 organisierte die russische Akademie der Künste eine Ausstellung von Hartmanns Werken. Mussorgski besuchte die Galerie, in der er verschiedene Bilder sah, die zur Grundlage der "Bilder einer Ausstellung" wurden. Am 2. Juni begann Mussorgski an den Bildern zu arbeiten, eine musikalische Impression von zehn von Hartmanns Gemälden (plus fünf "Promenaden") für Klavier und er stellte das Werk später im gleichen Monat noch fertig.

Die Bilder einer Ausstellung beginnen mit einer "Promenade" in 5/4-Takt, die durchweg als einheitsstiftendes Vehikel dient; es ist ein Porträt des Komponisten selbst, der von einem Gemälde zum nächsten wandert. Das erste Bild ist "Der Gnom", inspiriert von einem Entwurf für einen Spielzeugnussknacker, den Hartmann 1869 gezeichnet hatte. Nach einer weiteren Promande folgt "Das alte Schloss", eine mysteriöse, einsame Beschwörung, die auf Orgelpunkten aufbaut. "Die Tuilerien" wurde angeregt von einem Aquarell von spielenden Kinder im Garten der Tuilerien. Diesem hellen und impressionistischen Stück folgt der schwere Schritt von "Bydło" (ein polnischer Ochsenkarren). Mussorgskis Arrangement des "Balletts der unausgeschlüpften Küken" ist ein hochgradig fantasievolles Scherzo. Eine ernste Melodie in einer der jüdischen Musik verwandten Tonleiter lässt "Samuel Goldenberg und Schmuÿle" beginnen, in dem ein wohlhabender Jude durch eine hartnäckig wiederholte Phrase im Diskant dargestellt wird und ein armer Jude im Bass. Das schnelle Geplapper feilschender Hausfrauen charakterisiert "Limoges. Der Marktplatz". Ein weiterer plötzlicher Stimmungswandel, "Die Katakomben", der Hartmann auf einer Tour durch riesige Katakomben voller Skelette darstellt, wird durch nackte Akkordverläufe wiedergegeben. "Die Hütte auf Hühnerfüßen (Baba-Jaga)" wurde inspiriert von Hartmanns Entwurf für eine Uhr aus dem 14. Jahrhundert in der Form des Hutes einer Hexe. Mussorgski verwandelt sie in ein kleines Tongedicht über Baba-Jaga, die legendäre russische Hexe, die die Seele von Kindern fraß. Nach einem großen Aufblühen endet das Werk mit "Das große Tor von Kiew", angeregt von einem nie realisierten Entwurf, den Hartmann an einen Architekturwettbewerb eingereicht hatte. Die Bilder einer Ausstellung gelangen mit fülligen, bombastischen Akkorden zum Ende, die Glocken heraufbeschwören.

Obwohl bekannt ist, dass Mussorgski die "Bilder einer Ausstellung" in einer Aufführung zum Besten gab, wurde das Werk bis 1886 nicht gedruckt, fünf Jahre nach dem Tod des Komponisten. Es blieb relativ unbekannt bis Ravel 1922 eine farbenfrohe Orchestrierung vornahm und in dieser Form gelangte es zu sogar noch größerer Popularität als das Original.

(c) Uncle Dave Lewis

Kaufempfehlung:
Wladimir Aschkenasi (Klavier)
Label: Decca, DDD, 1982
YouTube:
Jewgeni Kissin (Klavier)