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ELGAR: Enigma-Variationen

Edward Elgar
Lebensdaten: 2. Juni 1857 Broadheath (England) - 23. Februar 1934 Worcester (England)
Werk: Variations on an Original Theme 'Enigma', op. 36
Epoche: Postromantik
Entstehungszeit: 1898/99
Besetzung: Orchester
Aufführungsdauer: ca. 33 Minuten
Teile:

  1. Theme. Andante
  2. C.A.E.
  3. H.D.S.-P.
  4. R.B.T.
  5. W.M.B.
  6. R.P.A.
  7. Ysobel
  8. Troyte
  9. W.N.
  10. Nimrod
  11. Dorabella (Intermezzo)
  12. G.R.S.
  13. B.G.N.
  14. (Romanza)
  15. E.D.U. Finale. Allegro

Am Ende eines allzu langen Tages voller Lehrtätigkeit und anderen Verpflichtungen zündete sich Edward Elgar eine Zigarre an, setzte sich an ein Klavier und begann über die Tasten hinweg zu sinnieren. Um seine Frau zu vergnügen begann der Komponist eine Melodie zu improvisieren und spielte sie mehrere Male und verwandelte dabei jede Reprise in eine Karikatur in der Art wie einer ihrer Freunde sie hätte spielen können oder deren persönlichen Charakteristika. "Ich glaube, du machst da etwas, das noch nie zuvor gemacht wurde", rief Frau Elgar aus. So war eines der größten Werke der Musik in puncto ursprünglichem Konzept geboren und Elgars größter umfassender Erfolg: die Enigma-Variationen. Das Rätsel (engl. "enigma") ist doppeldeutig: jede der 14 Variationen bezieht sich auf einen Freund Elgars, der durch die Natur der Musik dargestellt wird oder durch klangliche Imitationen von Lachen, Stimmflexionen und -eigenarten oder abstrakteren Andeutungen. Das andere Rätsel ist die präsenz eines größeren, "ungehörten" Themas, das nie gespielt wird, nach Angabe des Komponisten aber sehr bekannt ist. Der Komponist ließ die Welt mit der Identifizierung der Geistermelodie in Rätsel und die Vermutungen rangierten zwischen der britischen Nationalhymne bis zu einer einfachen Dur-Tonleiter.

Abgesehen von diesen Hintergründen enthalten die Variationen einige der liebevollsten und tiefgründig emotionalsten Musik, die Elgar je schrieb und machen das Werk wertvoller als nur durch den Status der bloßen Effekthascherei. Das Hauptthema ist zögerlich, schlank und eindringlich und wird mit der leidenschaftlichen ersten Variationen wiedergewonnen, welche Caroline, die Frau des Komponisten, als beständige Quelle des Zuspruchs und der Inspiration darstellt. Die übrigen Variationen sind die folgenden:

II. H.D.S.P. - Hew Stuart-Powell, ein Pianist, mit dem Elgar Kammermusik spielte.
III. R.B.T. - Richard Townsend, dessen Stimmlage sich erhöhte, wenn er aufgeregt war.
IV. W.M.B. - William Baker, der nach dem Herausbrüllen der Tagespläne den Raum mit einem kraftvollen Türschmettern verließ.
V. R.P.A. - Richard Arnold, Sohn des Schriftstellers Matthew Arnold, der eine ernsthafte Konversation mit einem nervösen Lachen unterstrich.
VI. Isobel Fitton, eine Violinistin.
VII. Troyte - Arthur Griffith, ein Architekt und lärmender Pianist.
VIII. W.N. - Winifred Norbury, eine liebenswürdige und ruhige Freundin.
IX. Nimrod - Augustus Jaeger, Elgars enger Freund. In dieser schönsten und berühmtesten der Variationen beschreibt die Musik einen Nachtspaziergang, als Jaeger dem Komponisten verbal Zuspruch verlieh und in der Not Beethovens Zielstrebigkeit in Erinnerung rief. Nimrod war ein Jäger in der Bibel.
X. Dorabella - Dora Penny, deren ansteckendes Lachen in den Holzbläsern dargestellt wird.
XI. G.R.S. - George Sinclair, ein Organist, der beim Scherzen mit seiner Bulldogge Dan gezeigt wird.
XII. B.G.N. - Basil Nevinson, ein Cellist.
XIII. *** - Die Identität dieser Person ist unbekannt, aber es wird vermutet, dass sie sich zu dieser Zeit auf einer Reise auf dem Meer befand - abgeleitet von einem Zitat aus Mendelssohns "Meeresstille und glückliche Fahrt".
XIV. E.D.U. - Elgar selbst. "Edu" war Carolines Spitzname für ihren Gatten. Dieses herzhaft extrovertierte, sogar ungestüme Finale verbindet die erste Variationen mit den Nimrod-Themen, als ob es nahelegen will, dass der Komponist die Ratschläge zu Herzen nahm und zum Erfolg gewappnet. Der Auftritt einer Orgel in den finalen Takten bringt das Werk zu einem selbstbewussten, glücklichen Ende.

(c) Wayne Reisig

Kaufempfehlung:
City of Birmingham Symphony Orchestra, Dir. Simon Rattle
Label: Warner, DDD, 1987
YouTube:
Royal Philharmonic Orchestra, Dir. Gennadi Roschdestwenski
2007 in der Royal Albert Hall, London

BACH: Goldberg-Variationen

Johann Sebastian Bach
Lebensdaten: 21. März 1685 Eisenach (Sachsen-Eisenach) - 28. Juli 1750 Leipzig (Sachsen)
Werk: Goldberg-Varationen, BWV 988
Epoche: Barock
Entstehungszeit: 1741
Besetzung: Klavier solo (im Original Clavicimbal mit 2 Manualen)
Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde, 5 Minuten
Teile:

  • Aria
  • Variation 1 a 1 clavier
  • Variation 2 a 1 clavier
  • Variation 3. Canone all'unisono a 1 clavier
  • Variation 4 a 1 clavier
  • Variation 5 a 1 ovvero 2 claviere
  • Variation 6. Canone alla seconda a 1 clavier
  • Variation 7 a 1 ovvero 2 claviere
  • Variation 8 a 2 claviere
  • Variation 9. Canone alla terza a 1 clavier
  • Variation 10. Fughetta a 1 clavier
  • Variation 11 a 2 claviere
  • Variation 12. Canone alla quarta
  • Variation 13 a 2 claviere
  • Variation 14 a 2 claviere
  • Variation 15. Canone alla quinta
  • Variation 16. Ouverture a 1 clavier
  • Variation 17 a 2 claviere
  • Variation 18. Canone alla sesta a 1 clavier
  • Variation 19 a 1 clavier
  • Variation 20 a 2 claviere
  • Variation 21. Canone alla settima
  • Variation 22. Alla breve a 1 clavier
  • Variation 23 a 2 claviere
  • Variation 24. Canone all'ottava a 1 clavier
  • Variation 25 a 2 claviere
  • Variation 26 a 2 claviere
  • Variation 27. Canone alla nona
  • Variation 28 a 2 claviere
  • Variation 29 a 1 ovvero 2 claviere
  • Variation 30. Quodlibet a 1 clavier
  • Aria da capo

Johann Sebastian Bach vollendete die Goldberg-Variationen, BWV 988, für Klavier im Jahr 1741. Das Werk besteht aus einer Aria und 30 Variationen. Wissenschaftler waren Ende des 20. Jahrhunderts immer noch in der Diskussion über die genauen Hintergründe des Ursprungs des Werks, aber viele gehen davon aus, dass J.G. Goldberg es in Auftrag gab. Seine Aufgabe war es für den Grafen Keyserlingk zu spielen, der an chronischer Schlaflosigkeit litt und Musik benötigte, die ihn in den Schlaf lullte. Viele Berichte legen nahe, dass Bach Goldberg einst auch unterrichtete, einen berühmten Virtuosen, der zweifelsohne in der Lage gewesen wäre die Variationen zu spielen. Es wird auch vermutet, dass die technische Zauberei, die zum Spielen der Variationen verlangt wird, direkt aus Bachs Studie der Essercizi für Klavier (1739) von Domenico Scarlatti stammt, die selbst beängstigende Stücke für nur die herausragendsten Musiker darstellen.

Die Aria, die Bach nutzte, ist von unbekannter Herkunft; sie stammte vermutlich nicht aus der Feder des Komponisten, sondern war mit einem heute nicht mehr zu bestimmenden französischen Tanz für Klavier verwandt. Die Grundharmonien und Strukturen der Variationen sind genau gleich wie die des Themas. Das Werk veranschaulicht Bachs Suche nach der größtmöglichen Vielseitigkeit innerhalb unnachgiebiger Geschlossenheit. Die Goldberg-Variationen zählen zu den anspruchsvollsten Stücken, die je für Klavier geschrieben wurden, aber das Werk klingt nicht nach dem furchteinflößend komplexen Kompendium, das es ist. Die Musik ist trügerisch simpel und innig mit einer noblen Gelassenheit, selbst wenn der Musiker dazu genötigt wird bei halsbrecherischer Geschwindigkeit die Hände zu kreuzen. Sie schäumt nie oder wird draufgängerisch und ist, natürlich, nie langweilig. Das Thema der Aria wird immer neuen Mitteln der kontrapunktischen Bearbeitung ausgesetzt. Jede dritte Variation ist eine andere Art an Kanon. Die letzte Variation bricht mit dieser Methode, um ein Quodlibet zu liefern, das zu heiterem Effekt gut bekannte Melodien benutzt. Die Melodien "Kraut und Rüben haben mich vertrieben" und "Ich bin so lang nicht bei dir g(e)west" waren begeisternde, beliebte Lieder und jeweils eine Tanznummer zum Abschluss eines Abends.

Das Werk ist grandios und mitfühlend, elegant, warm und unablässig verzwickt, eine Demonstration unvergleichlichen Handwerks in der Musikgeschichte und aufrichtiger, poetischer Vorstellungskraft. Die Goldberg-Variationen sind ein Werk, das hunderte Jahre nach seiner Veröffentlichung die Wissenschaftler immer noch beschäftigt und gleichermaßen wertvoll darin ist neue Hörer an diese Art Musik zu binden.

(c) John Keillor

Kaufempfehlung:
Angela Hewitt (Klavier)
Label: Hyperion, DDD, 1999
Andrea Bacchetti (Klavier)
Label: Arthaus, 2006
YouTube:
Andreas Staier (Cembalo)