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SCHUMANN: Carnaval

Robert Schumann
Lebensdaten: 8. Juni 1810 Zwickau - 29. Juli 1856 Endenich
Werk: Carnaval, op. 9
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1833-35
Besetzung: Klavier
Aufführungsdauer: ca. 28 Minuten
Teile:

  1. Préambule (B-Dur, Quasi maestoso)
  2. Pierrot (Es-Dur, Moderato)
  3. Arlequin (B-Dur, Vivo)
  4. Valse noble (B-Dur, Un poco maestoso)
  5. Eusebius (Es-Dur, Adagio)
  6. Florestan (g-Moll, Passionato)
  7. Coquette (B-Dur, Vivo)
  8. Réplique (g-Moll, L'intesso tempo)
  9. Sphinxes
  10. Papillons (B-Dur, Prestissimo)
  11. Lettres dansantes (A.S.C.H.-S.C.H.A.) (Es-Dur, Presto)
  12. Chiarina (c-Moll, Passionato)
  13. Chopin (As-Dur, Agitato)
  14. Estrella (f-Moll, Con affetto)
  15. Reconnaissance (As-Dur, Animato)
  16. Pantalon et Colombine (f-Moll, Presto)
  17. Valse allemande (As-Dur, Molto vivace)
  18. Paganini (f-Moll, Intermezzo. Presto)
  19. Aveu (f-Moll, Passionato)
  20. Promenade (Des-Dur, Con moto)
  21. Pause (As-Dur, Vivo, precipitandosi)
  22. Marche des Davidsbündler contre les Philistins (As-Dur, Non allegro)

Obwohl sie nur acht Jahre nach dem Tod Beethovens vollendet wurden, besetzen die 20 Klavierstücke aus Robert Schumanns Carnaval (1833-35) ein musikalisches Reich, das weit entfernt von der Welt alter Meister ist. Carnavals Untertitel "Scènes mignonnes sur quatre notes" ist ein Bezug zur obskuren, symbolischen Tonartenstruktur des Werks. 1834 war Schumann mit einer jungen Pianistin namens Ernestine von Fricken verlobt, einer Studentin seines eigenen Lehrers (und späteren Schwiegervaters) Frederick Wieck. In einer Art orthografischem Zufallsfund bemerkte der Komponist, dass der Name des Heimatortes seiner Verlobten, Asch, gemäß der deutschen Bezeichnungen von Tönen in Noten übersetzt werden können: A, (E)S, C und H. Darüber hinaus ergab eine Umordnung der Buchstaben S-C-H-A, was der junge Komponist sofort als Symbol seines eigenen Namens (z.B. SCHumAnn) erkannte. Carnaval ist mehr als nur eine beeindruckende Sammlung an Charakterstücken und musikalischen Porträts. Es entfaltet sich auch als Sammlung an Variationen über diese Gruppe an Tönen; fast alle seine Teile beinhalten eine Verwandlung der Kombination A-S-C-H.

Carnaval zeigt in der einen oder anderen Form praktisch alle persönlichen und musikalischen Charakteristika des jungen Schumanns auf; einige der Stücke sind musikalische Porträts der Freunde und wichtigen Zeitgenossen des Komponisten. Das beginnende "Préambule", das Musik enthält, welche ursprünglich als Teil einer Sammlung an Variationen über Schuberts Trauerwalzer, D 365 konzipiert wurde, ist eines der wenigen Stücke der Sammlung, das nicht explizit um die Idee A-S-C-H herum organisiert ist. Figuren aus der Commedia dell'Arte treten in "Pierrot", "Arlequin" und "Pantalon et Colombine" auf. Schumann schreibt sich auch selbst in das Werk in Gestalt seiner beiden Alter Egos, des idealistischen, verträumten Eusebius und des leidenschaftlichen Mannes mit Tatendrang Florestan. Ernestine von Fricken wird in "Estrella" dargestellt, während Clara Wieck, Frederick Wiecks jugendliche Tochter, leidenschaftlich in "Chiarina" porträtiert wird. (Letztendlich war sie es und nicht von Fricken, die zu Schumanns Frau wurde). Schumann fügt eine berührende Hommage an Chopin ein, sowie ein virtuoses Intermezzo, dessen Thema der legendäre Violinist Paganini ist. In der Mitte von Carnaval gibt es ein Trio aus viertönigen "Sphinxes" - vermutlich nicht dazu gedacht gespielt zu werden - durch die Schumann das "Geheimnis" der A-S-C-H-Tongruppierungen durch archaische Notation auflöst.

Der abschließende Teil "Marche des Davidsbündler contre les Philistins" ist ein symbolisches Porträt der Mitglieder des Davidsbundes, einer imaginären Gruppe, die Schumann in seinen Schriften und Musik als eine Konföderation gegen die reaktionären, musikalisch trockenen "Philister" seiner Zeit kreierte. Hier besiegen die Davidsbündler - Florestan, Eusebius, Estrella/Ernestine, Chiarina/Clara, Chopin und Paganini - die Philister, repräsentiert durch das "Großvaterlied", ein altes, deutsches Lied. Es steckt auch tatsächlich Humor in diesem "Konflikt", da die Mitglieder des Davidsbunds clever hinter "Karnevalsmasken" aus großer musikalischer Bravour versteckt werden.

(c) Blair Johnston

Kaufempfehlung:
Mitsuko Uchida (Klavier)
Label: Philips, DDD, 1994
YouTube:
Claudio Arrau (Klavier)
1961

SCHUMANN: Klavierquintett Es-Dur

Robert Schumann
Lebensdaten: 8. Juni 1810 Zwickau - 29. Juli 1856 Endenich
Werk: Klavierquintett Es-Dur, op. 44
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1842
Besetzung: Klavier und Streichquartett
Aufführungsdauer: ca. 29 Minuten
Sätze:
  1. Allegro brillante
  2. In Modo d'una Marcia. Un poco largamente
  3. Scherzo. Molto vivace - Trio I & II
  4. Allegro ma non troppo

Robert Schumanns Quintett für Klavier und Streicher in Es-Dur hat sich einen Rang der Anerkennung unter den Klavierquintetten erarbeitet, eines von nur einer Handvoll, darunter auch Johannes Brahms' Beitrag zum Genre, sowie Dvořáks Opus 81, die weitere Bekanntheit erreichten als nur unter den ausführenden Künstlern. Obwohl Schumanns Meriten als Komponisten "rein" instrumentaler Musik umstritten sind, kann kein tiefer blickender Zuhörer bezweifeln, dass das Es-Dur-Quintett das Produkt einer sehr ertragreichen musikalischen Vorstellungskraft ist - frisch, lebensfroh und einfallsreich. 1842 war Schumanns Jahr der Kammermusik (so wie 1840 das des Liedes war): nachdem er drei Streichquartette produziert hatte, entschied Schumann eine zufriedenstellende Synthese seiner kürzlich erlernten Geläufigkeit mit Streichern und dem Klavier zu erstellen - seinem Hauptinstrument.

Der erste Satz, Allegro brillante benannt, beginnt mit einer beschwingten Idee, die noch lange im Ohr nachklingt, nachdem die Struktur schon einen ruhigeren Ton angenommen hat. Träumereien über diese Idee werden charakteristischen Figurationen am Klavier gegenübergestellt, bevor das zweite Thema, ein Dialog zwischen Cello und Bratsche, übernimmt. Die Durchführung beginnt in der Tonart a-Moll im Klavier; Fragmente der Melodie werden von den anderen Musikern gespielt, während sich die Musik in entferntere harmonische Regionen hineinbewegt. Die unaufhörliche Modulation und fragmentarische thematische Entwicklung werden von einem kühnen Auftreten des zuvor heroischen Hauptthemas unterbrochen. Schumann nimmt im Verlaufe der Reprise nur wenig Veränderungen an der Exposition vor, ändert nur wenige Takte für die notwendigen harmonischen Wechsel und das zweite Thema wird erwartungsgemäß in der Tonika anstatt der Dominante wiedergegeben.

In modo d'una Marcia, un poco largamente ist die Bezeichnung des folgenden Satzes, in dem durchweg eine Begräbnisatmosphäre vorherrscht. Die schlichte, mysteriöse Melodie wird von der ersten Violine vor dem Hintergrund einfacher Viertelnoten in den tiefen Registern der anderen vier Instrumente eingeführt. Das Auftreten des zweiten Themas ist ein willkommener Sonnenstrahl. Schumanns rhythmische Palette produziert ein magisches Gefühl der Statik, als ob die Zeit für einen kurzen, kostbaren Moment stillstehen würde. Es war auf Betreiben Felix Mendelssohns, dass Schumann entschied den Teil in As-Dur, der ursprünglich als Mittelteil dieses eigenartigen Satzes diente, zu verwerfen und ihn mit dem furiosen Angriff in f-Moll (Agitato) zu ersetzen, den die Nachwelt nun kennen lernen durfte. Der vielleicht beeindruckendste Moment im Satz ist das bemerkenswerte, absichtlich grobe Auftreten des Hauptthemas durch die Bratsche (auf deren C-Saite) in der Mitte der heftigen Triolenpassagen. Der Satz wird von einer Rückkehr des ursprünglichen Marschthemas abgerundet, nun mit einem dröhnenden Pizzicatohintergrund, der in einen leisen, außerweltlichen Akkord abklingt.

Das Scherzo molto vivace nimmt eine Reprise sowohl der Tonalität, als auch des lebhaften Charakters des ersten Satzes vor. Schumann verwendete zwei separate Trios im Satz, das erste ist ein lyrischer Kanon und der zweite ein kräftigerer Abschnitt in as-Moll.

Einige von Schumanns instrumentalen Werken schließen mit Sätzen ab, die nur blasse Schatten ihrer Geschwister sind; nicht so jedoch im Klavierquintett. Vom ersten Angriff in c-Moll (die Perkussivität davon überraschte schon viele unvorbereitete Hörer) bis zur finalen, glorreichen, kontrapunktischen Beendigung durchtränkt der Komponist dieses Finale mit einer so pikanten Mischung aus Elan, Unruhe und delikater Lyrik, dass es sicherlich als krönender Moment des gesamten Werks angesehen werden kann. Die Doppelfuge, die als Coda zum Finale dient, nutzt das Hauptthema des ersten Satzes als ihr eines Thema und das Hauptthema des letzten Satzes als ihr zweites und bildet daraus einen noblen und passenden Abschluss.

(c) Blair Johnston

Kaufempfehlung:
Dolf Bettelheim (Klavier), Samuel Rhodes (Bratsche), Beaux Arts Trio
Label: Philips, ADD, 1979/75
YouTube:
Daniil Trifonow (Klavier), Ariel String Quartet
Mai 2011 in Tel Aviv

SCHUMANN: Dichterliebe

Robert Schumann
Lebensdaten: 8. Juni 1810 Zwickau - 29. Juli 1856 Endenich
Werk: Dichterliebe, op. 48
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1840
Besetzung: Gesang und Klavier
Aufführungsdauer: ca. 18 Minuten
Teile:

  1. Im wunderschönen Monat Mai
  2. Aus meinen Tränen sprießen
  3. Die Rose, die Lilie, die Taube
  4. Wenn ich in deine Augen seh'
  5. Ich will meine Seele tauchen
  6. Im Rhein, im heiligen Strome
  7. Ich grolle nicht
  8. Und wüssten's die Blumen, die kleinen
  9. Das ist ein Flöten und Geigen
  10. Hör' ich das Liedchen klingen
  11. Ein Jüngling liebt ein Mädchen
  12. Am leuchtenden Sommermorgen
  13. Ich hab' im Traum geweinet
  14. Allnächtlich im Traume seh' ich dich
  15. Aus alten Märchen winkt es hervor
  16. Die alten, bösen Lieder

All jene, die Robert Schumann dafür kritisieren die Tiefen der Bedeutung in den von ihm vertonten Gedichten nicht zu erfassen, könnte vorgeworfen werden eine oberflächliche Betrachtung der zugrunde liegenden musikpoetischen Befindlichkeit des Komponisten anzustellen. Es behaupten tatsächlich einige Wissenschaftler, dass Schumanns Subtilität - seine Fähigkeit Texte nicht nur wiederzugeben oder sie sogar zu interpretieren, sondern sie mit Tönen auch zu kommentieren - die wirkliche Essenz seines Liedstils ist. Wenn man seine Sammlung Dichterliebe von 1840 anhört, darf man nicht nur nach dem Austausch zwischen poetischer Sprache und musikalischer Figur suchen, sondern auch künstlerischem Missverhältnis - Momente, in denen Schumann Abstand vom Vers nimmt, eine kritische Distanz einnimmt und sich zum Dichter auf gleiche und manchmal sogar kontrastierende Ebene begibt.

Die weitestgehend als sein bester Liederzyklus angesehene Dichterliebe wurde innerhalb weniger Tage komponiert - beeindruckenderweise im gleichen Monat wie Schumanns op. 24, Liederkreis. Dichterliebe nimmt für ihre Texte 16 Gedichte aus dem "Lyrischen Intermezzo", einem Abschnitt von Heinrich Heines Buch der Lieder von 1827. (Ursprünglich enthielt Schumanns Zyklus 20 Lieder, doch vier wurden gestrichen, als die Dichterliebe 1844 als Opus 48 veröffentlicht wurde). Heines Gruppe folgt einer Flugbahn von zunehmender Ironie. Das Anfangsgedicht drückt eine unschuldige Hoffnung aus, dass die Liebe des lyrischen Ich erwidert werde; die ersten beiden Lieder, Im wunderschönen Monat Mai und Aus meinen Tränen sprießen, enthalten beide das optimistische Bild von aufkeimenden Knospen im Frühling und singenden Vögeln. Von Beginn an deutet Schumann jedoch einen weniger günstigen Ausgang an. Obwohl es kein unübliches Mittel für Schumann ist die Gesangsstimme auf einem dissonanten Akkord verklingen zu lassen endet Im wunderschönen Mai sogar noch doppeldeutiger, da das Klavier den Abschluss des Liedes ausführen muss. Das Lied selbst endet ätherisch auf einem unaufgelösten Akkord und deutet damit an, dass die Liebe des Sängers verschmäht werden könnte. Beim fünften Lied des Zyklus rutschten die Gedanken des Ichs an seine Geliebte sogar schon in die Vergangenheitsform; das siebte Lied, Ich grolle nicht, schlägt einen entschiedenermaßen ironischen Tonfall an. Eine kräftige Bassmelodie unterstützt eine wiederholte akkordische Struktur, während die Stimme des Sängers eine majestätische, fast heroische Aura annimmt. Auf der anderen Seite täuscht der Text Strenge vor, um sein Leid zu verdecken: "Ich sah dich ja im Traum, und sah die Nacht in deines Herzens Raum, und sah die Schlang, die dir am Herzen frißt, - Ich sah, mein Lieb, wie sehr du elend bist." Schumanns bombastische Begleitung macht klar, dass das lyrische Ich und nicht dessen Geliebte leidet. Bis zum Ende der Sammlung ist jede Heuchelei verschwunden und die Stimme des Ichs ist erschöpft. Schumanns Musik ist gleichermaßen schwerfällig und unnachgiebig in ihrem Rhythmus und Phrasierung und sogar noch unnachgiebiger in ihrer dunklen Parodie. Triumphale, aufsteigende Arpeggi brechen kurz in Dur-Tonarten aus, nur um danach direkt wieder eine sardonische Antwort in Moll zu finden. Als jedoch die letzten, klagevollen Strapazen des Sängers nachlassen, liefert ein bittersüßes Nachspiel des Klaviers seltsamerweise ein Gefühl der Ruhe, das nirgends in Heines Original zu finden ist.

(c) Jeremy Grimshaw

Kaufempfehlung:
Roman Trekel, Oliver Pohl
Label: Oehms, DDD, 2005
YouTube:
Ian Bostridge, Julius Drake
1998

SCHUMANN: Klavierkonzert a-Moll

Robert Schumann
Lebensdaten: 8. Juni 1810 Zwickau (Sachsen) - 29. Juli 1856 Endenich (Preußen)
Werk: Klavierkonzert a-Moll, op. 54
Epoche: Romantik
Entstehungszeit: 1841
Besetzung: Klavier und Orchester
Uraufführung: 1. Januar 1846 in Leipzig (Sachsen)
Aufführungsdauer: ca. 32 Minuten
Sätze:

  1. Allegro affettuoso - Andante espressivo - Allegro
  2. Intermezzo. Andante grazioso
  3. Allegro vivace

Robert Schumann ließ seinem bemerkenswerten "Jahr des Liedes" (1840) ein weiteres kompositorisches "Annus mirabilis" nachfolgen. 1841 entstanden die ersten Werke für Orchester des Komponisten, darunter die Sinfonie Nr. 1, op. 38, die Sinfonie Nr. 4, op. 120 (die ein Jahrzehnt später erheblich überarbeitet und dann veröffentlicht wurde) und die Ouvertüre, Scherzo und Finale, op. 52. In jedem dieser Werke ist die thematische Einheit in den Sätzen von zentraler Bedeutung, eine Idee, die in der romantischen Epoche in verschiedenerlei Gestalt erkundet wurde von der Idée fixe in Berlioz' Symphonie fantastique (1830) bis zu den Leitmotiven in Wagners Musikdramen.

Schumanns anderes großes Werk von 1841 ist die Fantasie in a-Moll für Klavier und Orchester. Obwohl die Fantasie als solche schließlich aus dem Repertoire verschwand, ist dies nur deshalb so, weil sie sich zum ersten Satz des Klavierkonzerts in a-Moll des Komponisten entwickelte, das 1845 fertiggestellt wurde. In diesem Jahr fügte Schumann der überarbeiteten Fantasie noch zwei Sätze hinzu; die Frau des Komponisten, die bemerkenswerte Pianistin Clara Wieck-Schumann spielte die Uraufführung, ein vollständiges Konzert, an Neujahr 1846 in Leipzig.

Die wechelhaften Stimmungen, die so viel von Schumanns Musik charakterisieren sind im Klavierkonzert klar auszumachen. Dennoch ist wie in den zuvor genannten zeitgenössischen Werken des Komponisten trotz der Zeitspanne zwischen der Komposition des ersten Satzes des Konzerts und der übrigen beiden die Einheit zwischen den Sätzen einer der Hauptfokusse des Werks. Das Konzert hat einen fast sinfonischen Charakter, in entschiedenem Kontrast zur damals vorherrschenden Ansicht des Konzerts als vorrangig ein Vehikel für virtuose Zurschaustellung, wie sie von den konzertanten Werken von Franz Liszt und Nicolò Paganini exemplifiziert wurde. Tatsächlich zeigte Liszt nur wenig Begeisterung für Schumanns Konzert und neckte den Komponisten (der zuvor schon ein "Konzert ohne Orchester" geschrieben hatte), indem er es als "Konzert ohne Klavier" bezeichnete.

Obwohl die technischen Anforderungen des Werkes nicht unbeträchtlich sind, sind sie fast vollständig dem thematischen Interesse und der strukturellen Klarheit unterwürfig. Das Konzert beginnt mit einer fallend wogenden, dunkel kriegerischen Einführungsgeste. Das erste Thema, von einer erhabenen Würde gekennzeichnet, wird zur wichtigsten Quelle für melodisches Material und bringt nah verwandte Themen hervor, die abwechselnd grübeln und, in Dur, Ruhe von der ernsthaften Atmosphäre gönnen. Die Durchführung prallt auf fast verwirrende Art von einer Stimmung zur nächsten, alles während die Vieldeutigkeiten der verschiedenen Komponenten des Themas ergründet werden. Schumann nutzt die langwierige Kadenz clever als Gefechtsfeld für weiteren emotionalen Konflikt bevor er den Satz mit einer entschiedenen Rückkehr zum erhabenen ersten Thema beendet.

Der zweite Satz, Intermezzo: Andantino grazioso, zeigt auf üppige Weise Schumanns innewohnendes melodisches Gespür innerhalb eines Spektrums, das von warmherzig über poetisch bis zu intensiv sehnsüchtig reicht. Das Finale in Allegro vivace beginnt ohne Pause durch eine bekräftigende Rückkehr nach Dur und zum Hauptthema des ersten Satzes. An verschiedenen Stellen nutzt Schumann das frohe, aufwärts springende Thema auf beeindruckende Art als ob es zum Thema eines Fugato würde. Es gibt zahlreiche metrische und rhythmische Vieldeutigkeiten, die den tänzerischen Geist untermalen und die vorherrschende Stimmung ist eine von uneingeschränktem Optimismus, die schließlich zu ausgelassenem Triumph anschwellt.

(c) Michael Rodman

Kaufempfehlung:
Radu Lupu (Klavier), London Symphony Orchestra, Dir. André Previn
Label: Decca, ADD, 1973
Martha Argerich (Klavier), Gewandhausorchester Leipzig, Dir. Riccardo Chailly
Label: EuroArts, 2006
YouTube:
Khatia Buniatishvili (Klavier), hr-Sinfonieorchester, Dir. Paavo Järvi
im Kurhaus von Wiesbaden, 23. August 2012